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Die Gegenwart · 1867-10-18 · 42 (18.10.1867) · p. Seite 330

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
42 (18.10.1867)
Date
1867-10-18
Page
Seite 330 (sequence 2)
Language
German
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Die Eegeuwort. aso form der Volksschule folgende Stelle enthalte«: .,״Es fiH die Grundsätze der Religion und Sittlichkeit, auf die «an ß« adge» sehen ha». Die Schule soll zur Propaganda de» Unglaubens um« gestaltet werden; da» ist die Hauptsache. Der Lehrer muß hierzu brauchbar sein; da« ist sein erste» wichtigste» Verdienst. Je fre« eher er Religion und sittliche Scheu verhöhnt, desto würdiger ist er der Beförderung. Um solche Werkzeuge מן hinreichender An« zahl zur Verfügung zu haben, sollen Lehrer-Bildungsanstalten ge« gründet, und darauf berechnet werden, ihre Zöglinge zur Gering« schätzung alle» heiligen und Hohen einzuschulen. Man weiß sehr wohl, daß e» unmöglich ist solche Pläne im ganzen Umfange eine» großen Reiches mit einem Schlage auSzuführen. Man will aber die Berechtigung sie durchzuführen anerkannt wissen, und dort wo die Umstände günstig sind sogleich den Anfang machen."" Nachdem diese Stelle in sinn- und wortdeutlicher Weise sich aus die Bestrebungen der Commune Wien zur Gründung einer Lehrer- Fortbildungsanstalt bezieht, nachdem in derselben die direkte An« schuldigung ausgesprochen, daß bei dieser Gründung die Absicht nur darauf gerichtet sei Religion und Sittlichkeit zu untergraben, und Lehrer in genügender Anzahl zu gewinnen, welche Religion und sittliche Scheu frech verhöhne»; nachdem diese Anschuldigung eine dreiste Unwahrheit und böswillige Verleumdung ist, durch welche die besten und reinsten Absichten der Gemeinde Wien zur Hebung de» Dolksschulwesens verdächtigt werden; nachdem man sich nicht entblödet hat diese Verdächtigung wie eine Denunciation unmittelbar vor die Stufen de» allerhöchsten Thrones zu bringen, stellen die Gefertigten den Antrag: der Gemeinderath Wiens wolle beschließen, e» sei eine nachdrückliche feierliche Verwahrung gegen die in der Adresse de» Epistopat» der im Reichstag vertretenen Länder enthaltenen Anschuldigungen in einer ehrfurchtsvollen Adresse Sr. Majestät zu unterbreiten." Die Dringlichkeit de» Antrags wurde unter stürmischem Beifall ohne Debatte angenommen. Auch über das Meritorische de» Antrags hätte sich keine Discussion entsponne», wenn nicht?. Gatscher da» Wort ergrif« feo hätte, um seine Verwunderung darüber auszusprechen, daß der Gemeinderath sich um Dinge kümmere, die ihn eigentlich nicht» angehen. ״Nirgend»," so sagt P. Gatscher, ״im ganzen Akt ist der Name der Stadt Wien genannt, und ich begreife nicht, weshalb der Gemeinderath die Sache auf sich bezogen haben will." (Heiterkeit.) Dr. Granitsch ergreift darauf da» Wort: ״Ich gestehe daß. als ich die Adresse der 25 Bischöfe durchlas, mich ein Gefühl der tiefstgehenden Cntrüstung ergriffen hat. In dem« selben Augenblick, in welchem die Redensarten von Religion und Sittlichkeit in jenem Schriftstück zierliche Pirouetten schlagen auf den Lippen dieser Herren, in demselben Augenblick greifen sie zu der unsittlichen Waffe, zu der Waffe der Unwahrheit und Derleumdung. (Bravo). Mein Antrag ist von einer großen Anzahl Mitglieder unterstützt und, ich sage öS »lit Stolz, alle Parteien de« Hauses habe» sich dem Wese» de- Anträge« angeschlossen, wenn auch manche» Wort bei einem oder dem andern der Herren die vollkommene Billigung nicht gefunden haben sollte. Wir wollen nur die Uebergriffe der Geistlichkeit von ihrem Gebiet auf jene» des Wissen» und de« weltlichen Unterrichtes, so weit die Wissenschaft in Frage kommt, fernbalten. (Bravo!) Was aber die Sittlichkeit betrifft, da sind Sie wohl alle überzeugt, und ha« ben dahin getrachtet, nicht mit Worten, wie e» in der Adresse ge« schiehr, sondern mit Thaten, daß die Sittlichkeit gewahrt wird; daß die Sittlichkeit die Grundlage ist, und daß auf der Basis der Sittlichkeit die Kultur aufgebaut wird, welche ohne Sittlichkeit gar nicht gedacht werden könnte. Wir leiten ein Sühneverfahren ein, wenn, wir unmittelbar vor Sri Majestät -sagen: Das ist eine dreiste ItnwahHeit, »aß ist eine Verleumdung wa» man Ew. Ma« jchäb-Mer ComuPae erzählt hat! ^Lauter Beifall.) Die Ge« «winde Wien, welche durch die That ihre reinen Absichten in J Bezug auf die Bollsschule bekundet, darf e» aussprechen: sie wird niemals dulden, daß - sich ein- Blatt Papier — ich sage e» offen, ein beschmutzte» Blatt Paziier — zwischen sie und den י Kaiser dränge." (Stürmischer Beifall.) — Nachdem noch einige ' Redner ihre Zustimmung ausgesprochen, andere auf» Wort ver« zichtet hatten, weil Niemand weiter den Antrag bekämpfte, wurde dersebe mit allen gegen eine Stimme, die de» Pater Gatscher zum Beschlnffe erhoben. Pari», im August. Unter Len speciellen Pariser Kragen, mit welchen sich die Bevölkerung der ftanzösischen Hauptstadt angelegentlich beschäftigt, ist diejenige, welche die Verlegung der Kirchhöfe und die Anlegung eine» großen Eenttal-GotteSackerS in einer Entfernung von 8—10 Stunden von Pari» anbetrifst, wohl geeignet, die Israeliten nicht gleichgültig zu laffen. Man weiß, wie weit ihre Achtung für die Todten geht. Vor einigen Jahren hat sich in Paris ein Verein geblldet, deffen Zweck ist, jede- Mitglied, wie bescheiden auch seine BermygenSverhältmsse seien, vor der Bitterkeit de» allgemeinen Grabe» zu bewahren und ihm 1 eine besondere und angemeffene Grabstätte zu sichern. Gewiß . wird der Plan der städtischen Behörde nicht verfehlen einen großen : Einfluß auf diese Gesellschaft auSzuüben, auf die Anzahl der schon ן gemachten Landankäufe auf die Ausdehnung des Eintrittsrechtes, ׳ welche bestimmt sind gründlich umgeändert zu werden; der israeli« tische Todten-RituS sogar, um einen noch erhabeneren Gegenstand zu berühren, wird jedenfalls auch von dieser Verlegung bettoffen werden, schon durch den Transport auf der Eisenbahn und durch die administtativen Bedingungen, die nicht auSbleiben können. Es haben sich also darüber zahlreiche und intereffante Fragen auf» geworfen, zu deren Prüfung man sich mst dem Wunsche anschicken muß. wie das intelligente Judenthum e» stet« gethan, die traditto« nellen Anforderungen mit denjenigen de» bürgerlichen Fortschrittzu vereinigen. (Aich isr.) Dr. Aron Gumperh gen. Aron Emmerich. Bon L. LaudShuth. (Fortsetzung zu S. 326.) Diesem armen Philosophen und nach Nicht» scheinenden pol« nischen Rabbiner war e« alsoi Vorbehalten, in Gumpertz ein gei« stigeS Licht zu zünden, da» später in seinem Schüler Mose« Mendelssohn noch Heller aufgehen und die dichte Finsteruiß verscheu« chen sollte, welche den Geist der Juden seit Jahrhunderten um« nachtete. Indem wir aber da« Gedächttiiß Israel Samo«; segnend erneuem, niahnt uns die Gerechtigkeit auch da« Andenken : der andern würdigen Männer dankbarlichst aufzuftischen, die sich 1 ebenfalls mehr oder weniger um die geistige Ausbildung und Ent- ׳ Wicklung Gumpertz verdient gemacht haben. Es drang sich ihm | bald die Ueberzeugung auf, daß ttotz allem Eifer und allem Weiße, mit dem er bisher sich den Wiffenschaften gewidmet, e« ihm ohne! den lebendigen Unterricht eines Lehrer« niemals vielleicht, oder höchstens auf langsamem und mühseligem Wege gelingen dürfte, die Lücken in seinem bisherigen Wissen auszufüllen. Seiner Selbst«! Prüfung erschienen seine bisherigen Kenntniffe in den allgemeinen! Wissenschaften, welche er in Ermanglung einer klaren lebendigen 1 Belehrung geeigneter Lehrer lediglich durch.Privatfleiß, autodidak« I tisch und mittelst todter Bücher erzielt hatte, zu ungenügend und

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