Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 41 (11.10.1867)
- Date
- 1867-10-11
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4889892-5434108-5434192--383-4890228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
326 v Dir Orgruwart. und seinen Gönner Daniel Jtzig zu verlassen. Er starb in Brody am 17. Nissan 572 20. April 1772.») tFortsttzimg folgt.) Da» )üdische Hospital in Chicago. Chicago, 13. September. Sie haben schon mehrfach auf da» rege junge Leben, da» da» amerikanische Judenthum durch» dringt, hingewiesen. Gestatten Sie, daß ich über ein Faktum einen ausführlichen Bericht erstatte, da» über Judenheit und Judenthum in unserem freien Lande ein sehr instruktives Licht wirft. I Der gestrige Tag wird unser» jüdischen Mitbürgern lange! im Gedächtniß bleiben al» ein Tag, an welchem ein Menschenfreundliches Unternehmen förmlich eingeweiht wurde. Die Feier betraf die Grundsteinlegung eine» jüdischen Krankenhauses. Das» selbe soll von den Israeliten gebaut werden, doch sein Plan soll, wie einer der Redner bei dieser Gelegenheit bemerkte, das ganze Menschengeschlecht umfassen ohne Rücksicht auf Geschlecht, Stand oder Farbe. Alle sollen in gleichem Maße seine Wohlthaten ge» uießen. Ter förmliche Beginn eine» von so guten Absichten er» füllten Unternehmens verdiente einen schönen Tag und in der Thal blieb in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig. Die heitere Septembersonne sah au» der klaren HimmelSwölbung nieder und die ganze Natur schien dem guten Werke Beifall zuzulächel». Um 9% Uhr begannen die verschiedenen jüdischen Vereine der Stadt sich in ihren Sälen zu versammeln und begaben sich von da nach der Ecke der State-Straße und Wabash-Allee dem Platze, welcher für die allgemeine Aufstellung bestimmt war. Der Aufzug, welcher in seiner imposanten Reihenfolge daS An» sehen einer nicht geringen Würde darbot, setzte sich gegen 10 Uhr unter Begleitung zweier Musikbanden in Bewegung und erreichte, nachdem er sich durch unsere Hauptstraße» bewegt hatte, den auf der La Sallestraße zwischen der Göthe- und^chillerstraße belegenen Grund. Auf dem Platze waren die nöthigen Vorbereitungen getrof» fen, und die Feier nahm ohne irgend unnöthigen Zeitverlust ihren Anfang. Nach geeigneter, von der Kapelle ausgeführter Musik ergriff Hon. I. B. Rice, Mayor unserer Stadt das Wort und hielt folgende Ansprache, welche mit lautloser Aufmerksamkeit angehört und mit großem Beifall ausgenommen wurde. Meine Damen und Herren, Mitbürger von Chicago: — Wir siud heute hier versammelt, um der würdigen Feier der Grundsteinlegung eines öffentlichen Gebäudes beizuwohnen. Diese Feier ist allgemein in Gebrauch, und da der Grundstein al» wichtigster Stein bei einem Bau gilt, sy ist die Legung deffelben ein Versprechen, welches die Unternehmer gebe», daß sie treulich aus» führen werden, was begonnen worden. Die heutige Feier gewährt mehr als gewöhnliche» Jntereffe, weil das hier zu errichtende Ge- Die Inschrift seine« Grabdenkstein« lautet nach Löwisohn« Mitlhci. (" ם״נ שר התורה, מקור הבינות, :»lung in Teuda bejierael^, 181 als שמעו הולך ככל המדינות, לא הניח חורה ומשנה ותלמוד ספרא וספרי ותוספתא ירושלמי שלא הניף כקמה ככברה. ולקח הסולת הכרה, והכץ מאכל מזוק בכל ממתק ומשק, בחרושיו המחודדות, ובתשובותיו הנחמדות ופירושיו הנכבדות• מוסת חלמוריים והתוכנים, והפלסוסים האלקיים,אבי המליצים .וטבעיים ומובהקים, הרב הנאון חריף ובקי. החכם המפורסם מוח׳ד ישראל, בעה״טח נפח ישראל בחרבני »חרר משח סנ׳ל נפטר׳י״ז ניק חק״לב תנצב״ה. bände ein Krankenhau» sein soll, — eine Heimath für Siechen und Bedrängten — eine Zufluchtsstätte des Erbarmen- — er» baut und erhalten von edlen Männern uyd Frauen au» ihrem Urberfluß zum Besten der Armen und Unglücklichen. ES wird Ihnen Allen eine Genugthung sein zu wiffen, was bereit» in dieser Stadt für die Unterstützung der Armen und Kranken geschehmist. ES giebt sechs zig milde Stiftungen in die» ser Stadt und diesen sind wir heute im Begriff da» jüdische Krankenhau» hinzuzufügen. E» heißt ״da» jüdische Krankenhaus" weil eS von Juden erbaut und erhaltm wird. Doch e» soll ein erbarmungSvolleS Krankenhau» sein. Erbarmen ist so weit wie die Welt und umfaßt daS ganze Menschengeschlecht und da» wird auch diesejüdische Krankenhau» thun. Wer ist hier in dieser Versammlung, der niche froher und besser hinweggehen wird, da er den Anfang dieses guten Werke» gesehen? Wer ist hier, der nicht Alle diejenigen segnen und ehren wird, welche zur Verrich» tung deffelben ihren Beistand leihen? Diese edlen Männer, die sich von der großen Heerstraße, welche zu Ruhm, zu Macht und Reichthum führt, auf welcher der Kampf de» Lebens so hartnäckig auSgefochten wird, abgewandt haben, um recht und schlecht zu wandeln auf den schönen, friedlichen Pfaden deö Erbarmen», wohl erfüllt von Wanderern, doch Raum für Alle bietend — ein Pfad, umsäumt von Blumen, bethaut von Dankbarkeit und über» wölbt vom Lächeln Gotte». Der Ruhm, den sie erworben, ist im Herzen aufgezeichnet mit den Worten: ״Wohlgethan. guter und getreuer Knecht," die Macht kommt vom ganzen menschlichen Ge» schlecht ans diejenigen, welche die höchste Tugend üben, die den Menschen bekannt ist; der Reichthum wird als sichere» Besitz» thum in dem ewigen Schatzhause aufbewahrt, welcheam ״Waffer de» Lebens" steht/ Mitbürger, wenn diese- Gebäude vollendet sein wird und bewohnt von den Kranken und Siechen, wenn der Bedarf gereicht werden wird von den Gütigen und Mildherzigen, dann werden die Gebete seiner Jnsaffen Segen herabflehen auf alle diejenigen, welche zu diesem edlen LiebeSwerk geholfen haben und die Namen seiner Gründer werden immer glänzend bleiben in den Urkunden Chicagos, auf daß sie mit Bewunderung gelesen werde» von Geschlechtern, die noch ungeboren." An die Ansprache des Mayor Rice schloß sich die nachsol« gende Rede in deutscher Sprache gehalten von Godfrey Snydecker, ESq., einem Mitgliede de» Baucomit4S: ״ES ist mit einem gewiffen Gefühle der Befangenheit, daß ich Ihrem Rufe folge, diese Versammlung anzureden, da ich kein öffentlicher Redner bin; jedoch schlägt mein Herz zu warm für die gute Sache, mit der wir nn» heute zu befaffen im Begriffe stehen, daß ich mich hätte berechtigt fühlen sollen, Ihren Ruf ab« zulehnen. Wie wenn die Kinder eine» und deffelbm HansrS, einer und derselben Familie nach langer Abwesenheit ein Fest de- Wieder» sehen» in ihrer theuren alten Heimath, im geliebten Vaterlande feien«, so erscheint mir diese zahlreiche Versammlung bei dieser feierlichen Gelegenheit. Abstammend von einer ehrwürdigen Fa» inilir, deren Stammbaum bi» in die graueste Vorzeit ragt, deren Geschichte beinahe so alt istj, al» der Griffel de» GeschichtSschrei« ber» reicht, sind wir dennoch alle nach dem Rathe einer allwei» sen Vorsehung unter verschiedenen Zonen und Klimaten geboren 1«nd erzogen, und in Folge der verschiedenen Jugendeindrücke, die wir empfangen, in Folge der verschiedenen Erziehung-weisen, die wir erhalten, unterscheiden sich auch unsere Anschauungen, unsere Denk» und Handlungsweise, und unsere verschiedenen politischen sowohl al» religiösen Ansichten; Beschäftigungen und Gewohnhti« ten entfremden un» nicht selten im gewöhnlichen Leben; aber hier