Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 41 (11.10.1867)
- Date
- 1867-10-11
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Die Gegenwart. allgemein eingeführl. Obgleich ich aber von vornehmen Männern DcuischlantS vernommen habe, daß die dortigen Rabbinen für diese» Gebrauch stimmen, habe ich ihn dennoch.in unserer Stadt aufgehoben. ~ Endlich will auch Karo (Hilchotli roscb hascbana 8ect. 605) diese» heidnischen Gebrauch beseitigt wiffen. Wollen wir nun diesen drei helldenkenden Talmudisten Gerechtigkeit wiederfahrcn lassen, so muß das Heidnische dieses Gebrauchs erörtert werden, wozu vielleicht Folgendes beitragen kann: Wir haben nämlich gesehen, daß ursprünglich dieser Gebrauch nur für die Jugend eingeführt wurde, ulid das Opfer aus Dcgetabilicn bestand. Ferner ist aus der Mythologie der Grieche» bekannt, daß den Musen der Palmbaum geheiliget war. ES mochten daher die damals dem Heidenthume ergebenen Israeliten die Palnizwcige Ds Opfer für ihre Kinder gewählt haben, damit diese^ Göttinnen auch die israelitische Jugend mit Talent zu den Künsten und Wissenschaften segnen mögen. Um aber nicht das Heidnische im Originale aufzunehmen, verarbeiteten sie die Palmzweige zu Körben, pflanzen schnell wachsende Lcgctabilien hinein, um dadurch dem Opfer ein äußeres Ansehen zu geben. In späterer Zeit verwarfen sie die Anbetung der'Musen und nahmen zu Minerva ihre Zuflucht, da diese nicht nur Beschützerin der Wissenschaftcn, sondern auch Göltinn der Redner, Helden, Dichter und des Friedens war. ES mußten daher auch die früher getränchlichcn Opfer geändert und durch solche, die der Minerva geheiligt waren, ersetzt werde». Nun war bei den Griechen und Römern die Eule und der Hahn der Minerva geweiht und als Attribut bcigesetzt. Die Israeliten wählten den Hahn, weil dieser nach mosaischer Verordnung ei» reines, die Eule hingegen ein unreines Thier ist. Rach einigen Jahrhunderten wurde die Grundursache dieses abgöttischen Gebrauches vergcsicn, und man meinte, daß diese Opfer, so wie das Asascl, die menschlichen Sünden auf sich lade, und cs wollten also auch die Erwachsenen auf diese Art ihrer Sünden ledig werden: ES mußte nun die allgemeine Einführung dieses Gebrauches erfolgen. Daher auch die späteren, oben erwähnten kabalistischen Zusätze, da man diese Thiere als wirkliche Sühnopfer betrachtete. Daß aber dieser Gebrauch den im Orient und in den meisteu italienischen Ländern wohnenden Israeliten ganz fremd ist, bestätigt Leo MantincnsiS (de Ceremon. hodie. Judaeorum Part. III. e. 7). f Im Eeremonienbuch Colbo (S. 68) wird sogar befohlen, dieses priesterliche Amt entweder von einem Alten oder von einem Chasid auSübcn zn lasten, und sodann soll dieses Opferthier an Arme verschenkt werden, welches Letztere aber vom Mahril (Hilchoth jom kipurim) au« dem Grunde nicht angenommen wird, weil es für den Beschenkten eine Beleidigung wäre, ein mit Sün« den belastetes Thier genieße!( zu müffcn. ES soll daher (meint der Mahril) der Werth dieses Opfers den Armen gegeben werden. Or. Aron Gumpertz grn. Aron Emmerich. I Bon 8. LaudShuth. (Fortsetzung zu S. SIS.) ES würde zu weit führen, wollten, wir hier alle diejenigen aufzählen, die der Familie Aron Gumpertz väterlicherseits angehörten; wir beschränken unS auf das bisher Beigebrachte, können aber nicht umhin, auch Einiges über die Familienbeziehnngen unseres Gumpertz mütterlicherseits hinzuzufügeh. Seine Mutter Schöne (שינה) stammte von den berühmten Geschlechtern Ries, Oetingen und Spira ab, aus deren Mitte seit Jahrhunderten sehr bedeutende rabbinische Autoritäten hervorge« gangen, welche die talmudischen Wiffenschasten in Oesterreich, Böhmen. Deutschland und Polen eifrigst förderten. Model RieS unter Gerson Aschkenasi') Mitglied deS RabbinalS zu Wien») fest der Vertreibung der Juden anS dieser kaiserlichen Hauptstadt in Berlin ansässig, starb daselbst 1675'); sein Sohn Koppel RieS folgte ihm 1709 im Tode nach.») Des letzteren Sohn Aron RieS war früher Darschan (Prediger) zu Prag, woselbst er seine Frau Rachel, die Tochter des dLselbst wirkenden Rabbinerö Wolff Simon Spira') und Schwester des durch sein Werk Elia rabba bekannten Rabbiners Elia Spira«) ehelichte. Aron RieS theilte ebenfalls das Schicksal der sogenannten Megursche Wien; er ließ sich mit den Seinigen in Berlin nieder, woselbst er 1722 daS Zeitliche segnete?) Neben ihm ist seine genannte 1740 verstorbene Frau und seine 1751 verewigte Tochter Schöne«), die Mutter Arou Gumpertz, bestattet worden. Der Vorname des Letzteren erinnert an den seines Großvaters Aron RieS. Ein Bruder A. Gumpertz, geb. in Berlin 1727«), wurde »ach dem erwähnten Simon Spira benannt. Glücke! hieß eine Schwester Gumpertz; sie war seit dem 12. TamuS 1763 verehelicht mit dem 1799 verstorbenen Jakob Hertz Köslin (Borchard), der dieselbe 16 Monat überlebte.'«) Wie Gumpertz selbst anveutet, war er von seiner streng religiösen Mutter schon im zartesten Alter zum dereinstigen Rabbiner bestimmt.") Ueber seinen in früher Jugend genosteneu Unterricht und über seine Lehrer ermangeln wir aller bestimmten Nachrichten. Sicherlich aber hat sich ersterer in allen Stücken durch Nichts von der damals allgemein üblich gewesenen Methode unterschieden und was die Persönlichkeiten seiner Lehrer anlangt, werden wir in der Annahme nicht irren, daß deren Bildung nicht viel über die Bekanntschaft mit Gebetbuch, ״Chummesch" und einigen Seiten deS talmudischen Traktats Baba Meziah hinausging. Wie überall in den jüdischen Gemeinden, sah es in Gumpertz Jugendzeit auch in Berlin sehr traurig um den Jugendunterricht aus. Bankerutte Kaufleute, bejahrte, für jeveS andere Geschäft unbrauchbare, sogenannte Bachurim, so wie mit ihrer Stellung in ihre Gemeinden unzuftiedene Rabbiner untersten Ran- >) Bersasser der bekannten Gutachtensammlung הנרשוגי NIM, zuletzt Rabbiner zu Metz. ׳) S. mein מעבר •יבק וספר החיים (Berlin, 1867 W. Adolf Verlag) Anhang, Inschrift 46 E. 28. Anmerkung. 16 ') Meine Berliner Grabschristen Nr. ך■- 4) Daselbst Nr. Dessen Fran Rvsel gest. in»Berlin I70l, war eine Tochter de« au« Men 1670 exilirtrn Liepmann Darschen, der ebcnfall« Gerson« Rabbinat«kollegium angehörte. Der bekannte Typograph Aron Levi in Eulzbach war ein Sohn diese« Liepman und Bruder der erwähnten Rösel. 4 u. •) S. Lieben Gal.lLd, Inschrift Rr. 65 u. S6. 5S, 54 u. 55 7 u. ף Meine Berliner Grabschristen Nr. ־jjj־־gg—sö8׳ ף Berlin!(; Beschneidung«liste. 2196 2196 '״) Meine Berliner Grabschristen Nr. jgjjj u. jjjg. ״) e. Mcgaleh Lob, Vorwort €. 1: ,"טרם יצאתי מ?ית הכלא בעוד לא נודע שמי והוא פלא. הקדישתגי אמי לימים הבאים, להיות K. K.‘מיושבי המדרש הנחבאים׳