Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 40 (4.10.1867)
- Date
- 1867-10-04
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Die QtgaUMrt oder protestantisch« Christ würde die Weihe seine» EultuS so weit vergessen, um an einem derartigen Orte seine heiligen Feste zu feiern? Schon im vorigen Jahre hat der Vorstand der hiesigen I»« raeliten-Gemeinde Protest gegen eine solche Privat-Speculation eingelegt und von der k. k. niederösterreichifchen Statthaltern die Zusicherung erwirkt, daß die einmal ertheilte Erlaubniß nur noch für dm Herbst 1866 Geltung haben werde. Heute wurde auch jener Privat-Unternehmer seiten» der genannten Statthalterei derständigt, daß seinem Gesuche, den ״Sperl", für einige Tage zum Bethau» umzuwandeln, nunmehr keine Folge geleistet werden könne. Trotzdem heißt eS jetzt, daß der ״Eperl"^ auch die»mal wieder dieselbe eigenthümliche Metamorphose durchmachen werde, da der Petent an da» Staatsministerium,־׳inib ^zwar mit Erfolg, recurxirt habe.n Da die Angelegenheit in den Kreisen unserer GlaubenSge- ״offen lebhaft ventilirt wird, so nehmen wir uns die Freiheit in Ihrem geschätzten Blatte den Cultuövorstand hiermit öffentlich darübfr zu interpelliren. Hochachtungsvollst Mehrere Mitglieder der Wiener Israelitenr Gemeinde. Ich glaube, daß diese Erscheinung sehr charakteristisch für das hohle gedankenlose Wesen ist, welches sich leider in das Iu« denthum eingeschmuggelt hat. Nur der Boden der Unzucht und Frivolität kann eS sei», auf welchem unternehmungslustige Geld« schnejder und feile, komödiantenhafte Kanzelschwätzer auf Kosten der bcthörtcu Menge einen Kompromiß schließen!" (laut comme chez nous. D. Red.) Dr. Aron tSumprrtz gen. Aron Emmerich. Bon L. LandShnth. / Unter den Männern, die der neueren Zeit und besonders der geistigen Wiedergeburt ihrer jüdischen GlaubenSgenoffen vor« gearbeitet, verdient vr. Aron Gumpertz unstreitig einen Ehrenplatz. Im Vergleiche mit den literarischen Schöpfungen seiner Freunde Lessing und Mendelssohn erscheinen die seinigen zwar minder bedeutend und sind bei dein größer« Publikum längst in Vergessenheit gerathen; aber durch Wort und That, durch Rath und Beispiel übte Gumpertz einen!nächtigen Einfluß auf die gesellschaftlichen Kreise seiner Zeit und legte den Grund zu unserer jetzigen Aufklärung. Wenn jene Heroen durch ihre schriststellerisch» Thätigkeit sich verewigten, so hat für da» bleibende Andenken eines mit denselben gemeinsam, wenn auch ohne Aufsehen wirkenden Manne», die Tradition der dankbaren Alten gesorgt, indem sie deren Nachkommen pietätüvoll ein Bild von dem Wir« ken und Schaffen de» seltenen Manne» tief in» Gemüth prägten. Allen denen, welche die Gunst geworden, mit Gumpertz persönlich zu verkehren, staunten über die reiche», mannigfaltigen Eindrücke, die ihnen aus der unversiegten Fülle seine» Inneren kamen und bewunderten die geistige Ausrüstung, die ihm verliehen war« Mit Stolz nannten ihn die eingeborenen Berliner den Ihrigen, indem unter den vielfach verdienten Männern der Hauptstadt viele zwar ein Ziel und eine Richtung entschieden mit ihm verfolgten, wenige aber wie er auch da« Glück genoffen , in Berlin geboren zu sein. Aron Salomon Gumpertz ist geboren zu Berlin am Freitag, den 13. Ki-law 484 (Ende 1723). Sein Dater Salo« mon Koßmann Emmerich, gehörte zu der weitverzweigten Patrizierfamilie Gumpertz, die ursprünglich in Emmerich. Wesel, Kleve nnd Umgebung ansässig war, später aber auch in Amsterdam, Fürth, Wien, Frankfurt a. M. nnd Berlin sich niederließ, überall aber durch Reichthum, Wohlthätigkeit, Frömmigkeit und Gelehrsamkeit in hoher Achtung stand. Schon unter der Re« gierung de» großen Kurfürsten zeichneten sich einige Mitglieder dieser Familie, Leimann (לימה) Gumpertz und Salomon EliaS, welche die kurfürstlichen kriegführenden Armeen als Liefe« rauten begleiteten, durch pünktliche Jnnehaltung ihrer übernomme« nen Verpflichtungen vortheilhaft ans, und erwarben sich dadurch da» Vertrauen und die Gunst des mächtigen Kurfürsten. Ihrem Cinfluffe^wird eS zugeschrieben, daß die im ׳Jahre. 1670 au» Men Krtriebeneu Fuden im Brandenbnrgischen sich niederlaffen und daselbst eine nene Heimath begründen durstend) Als der große Kurfürst im Jahre 1661 im Berliner Schlöffe, im ersten Stockwerke über der Hofapotheke, eine öffentliche, der Pflege der Wiffenschaften gewidmete Bibliothek eröffnet?, wurden verschiedene Handschriften, die früher den Klöstern zu -kanten, Kleve, Wesel und Minden gehörten, in diese« Institut abgegeben?) Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich auch Gnmpel ben David zu Wesel au«, der im genannten Jahre einen kostbaren Pergameut-Codex des Alfasi mit Naschi u. f. w. in 2 Foliobänden, dem Kurfürsten überreichte, die sich heute noch in der Königlichen Bibliothek zu Berlin befinden?) Am 1. Mai desselben Jahres, bei seinem Aufenthalte zu Kleve, ertheilte der Kurfürst ein Generalprivilegium dem Elia« Gumpertz und seinen Nachkommen für die Städte und Gegend von Wesel, Duisburg und Emmerich, in welcher Stadt, wie eS in dein Privilegium ausdrücklich heißt, des EliaS Gumpertz Bor« eltern seit undenllichen Zeiten gewohnt?) Ein Sohn deffelben, KoSmaun EliaS Gumpertz, wirr bereits im Jahre 1677 Mitglied der neuen jüdischen Gemeinde zu Berlin^), dem sein Bruder Ru« ben EliaS Gumpertz, welcher 1683 ein Vorstehcramt in Wesel bekleidetes, spater nach Berlin folgte und daselbst 1705 ver« starb'). Die zwei Brüder Jakob und Levin Gumpertz au« Kleve, haben sich ebenfalls beide um das brandenburgische RegentenhauS verdient gemacht.* *) Der genannte Levin Gumpertz war nicht nur ein wegen seine« NeichthumS berühmter Mann, sondern auch eine bedeutende rabbinische Autorität, dem öfter« der vielsagende i ') König, Annalen der Juden in der Mark Brandenburg S. SS. *) Willen, Geschichte der Königlichen Bibliothek zu Berlin S. IS u. IS. *) Lebrecht, Handschriften de« babilonischm Talmud I. S. 47. Wahr, scheinlich ist diese Handschrift gemeint, deren Nicolai in seiner Beschreibung von Berlin und Potsdam Bd. 2, Berl. 1786. E. 766 unter dem Namen Tal« mnd erwähnt. <) König, a. a. O. T. 86, 86. °) Das. a. a. O. ©. 101. ') S. Sutachtensammlnng Ohel Jakob (Amsterdam 1787) Blatt bOff. Nr. 7b. 7) Meine handschriftlichen Grabschriften des allen jüdischen Friedhofes zu Berlin Slr. Hl Der genannte Mia« ist zweifelsohne identtsch mit Elia« 14S Emmerich iw 4klev«^ der daselbst in seinem Hanse eine Klans« unterhielt, in welcher der später so berühmt gewordene Rabbiner Juda Meiler lehrte und Salomo Hanau seine Grammatik Binjan Schelomo anSazbritet«. Bgl. die VtrsS» Werke vorgedruckte Approbation Meiler«. ף König, a. «.-©. €. 264. Im sogenannten KontroS der hiesigen älter» Synagoge befindet fich ein JiSkvr für dessen Frau Beileh geb. Mia«: כלא בת סחו אליהו אשת רב הקצין המסורסם מהד ליב קליווא.