Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 40 (4.10.1867)
- Date
- 1867-10-04
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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819 Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Titel Gaon (ptO) beigelegt wird'). 011 der Vorrede, jfl fta 1729, in Amsterdam erschienenen Novellen de» Ritba werden 3 seiner Söhne lobend erwähnt: Salomon Kleve aus Fürth, Bendet au» Nhmwegen und Feibelmantz in Amsterdam, welcher letztere, wie au« seiner Grabschrift bei Dulders zu ersehm, 1738 das Zeit« liebe segnete. Mehr interessirt UnS der vielte Sohn de» Levin Gumpertz, der unter dem Namen MoseS Levin Kleve von jüdischeu Quellen öfter genannt wird und mit dem (M, verschiedenen preußischen Historikern erwähnten MoseS Leviu Gumpertz identisch ist. Bereits seit dem 29. Dezember 1713 war derselbe in Anbe« tracht der vorzüglichen Dienste, die er sowohl, wie sein Vater und sein oben genannter Onkel dem Könige und der Armee geleistet, zum Oberhof« und Kriegefaktor ernannt. Er durfte sich mit sei« ner ganzen Familie überall Mderlassen, in Berlin war er den lästigen Anordnungen der erst 1750 aufgehobenen Judenkommission, denen seine übrigen Glaubensgenossen sich unfreiwillig fügen muß. ten, nicht unterworfen, und konnte er frei und ungehindert dir Thore der Residenz passiren ohne wie seine übrigen jüdischen Mitbürger an« und aufgehalten zu werden"). Auch MyliuS") im Berzeichniß der 1714 in Berlin mit Schutzprivilegien versehen gewesenen Jude», denkt unseres Mose- Levin Gumpertz als, einein der Hauptstadt ansässigen. Am 27. Oktober 1717 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm zum immerwährenden Aeltesten sämmtlicher Juden.") Eine KabiiietSordre vom 2. April dieses Jahres") gestattete ihm sogar öffentlich einen Degen zu tragen, worin man damals eine besondere Auszeichnung sah, da ein Verbot vom 6. August 1704 nur Standespersoncn, Gewerks« und Jnnungömeister», wenn sie zur Wache oder Parade beordert sind, einen Degen zu tragen erlaubte.") 1720 am 12. August erhielt MoseS und dessen Vetter EliaS Gumpertz zun. eine Concession zur Errichtung einer Tabaksfabrik, wofür sie jährlich 2000 Thlr. an die Rekrutenkaffe zu zahlen hatten; einen Rekruten, den sie dem Könige lieferten, brachten sie dafür mit 1300 Thlr.' in Anrechnung.") In allen königlichen Landen waren die Tabak-Händler ge« zwungen, lediglich aus dieser concessionirten jüdischen Fabrik ihren Bedarf zu entnehmen; Contraventionen wurden mit 4 Thaler für jedes Pfund bestraft. ES löste sich indeffen diese- Geschäft bald auf. Ei» zeitgenössischer Schriftsteller") berichtet, anspielend auf die Namen der Fabrikanten, Folgende» hierüber: ״Ehe man sich deffen versah, so nahm die Herrlichkeit dieser beiden Juden schon wieder ein Ende. Denn der Geist MosiS und Eliä wohnte nicht in ihnen. Man fand in den Fäffern unter dem Tabak allerlei andere accisbare Maaren mit eingeschlagen. Das zog die ConfiScation solcher Maaren nach sich und sonst noch schwere Strafen. Sie machten hiernächst ein Falliment, und dar« über ging da» ganze Werk zu Grunde." — •) Meine Berliner Ärabschristrn 9fc. ") Amsterdam, 1851 S. 16. Nr. \4. ") König, Annalen »e. rc. G. 254. 255. ״) Nor. Corp. Comtit. Murchicar. '■üb. 5, Abtheil. 5, Kap. 8, G. 167.; ") Nach von mir eiugesehencn handschriftlichen Akten. Bergl. König S. 255. >«) König, a. a. O. 6. 254. IJ) Versuch einer historischen Schilderung der Residenzstadt Berlin bi» 1786. Th. II. 144 U. 484. Th. III. 14» U. »94. ״) Myliu» «. a. O. Abtheil. 2, Kap. 6, Nr. l». Leben und Thaten Friedr. Wilhelm« König» von Preußen II. Tcheil. Frankfurt u. Hamburg 1741 568 u. Preuß, Friedrich d. Große II. Bn. 2»»». €. 24. ") Leben und Thaten u. s. w. S. »6». ■ , MofM Gumpertz war verheirathet mit Feileh, der Tochter de- Aeltesten und Gaon« Her- Gau» zu Frankfurt a. M. Sie starb in Berlin 1747"). Noch zu Ostern 1759 fuugirte Mose» Gumpertz al« Oberältester der Berliner Gemeinde"), bald nach« her scheint er und zwar außerhalb Berlin» verstorben zu sein, da weder der Gottesacker Hierselbst einen Grabstein von ihin auf« zuweisen hat» noch in den hiesigen Sterberegistern sich irgend eine Notiz hierüber befindet. Bon den Nachkommen Mose» Gumpertz verdienen eine Er« wähnung: ן 1) Hertz Kleve«Gumpertz, geboren zu Berlin den 12. Ki»« lew 1716"). Er war verheirathet mit der 1773 hier verstorbe« neu Klereh (oder Kelchen), einer Tochter de« Berliner Gemeinde« ältesten Heymann (Heine) Ephraim «so. au» Hamburg,") und Schwester Beitel Heymann (Heine) Ephraims, seit 1774 König« licher wirklicher Hofsuwelier. Mit Deitek, der bei Friedrich dem Großen in Ansehen stand, schloß der König in demselben Jahre einen Müuzkontratt ab, wodurch die Ausprägung aller im Preußischen Staate eingeführten Münzsorten durch Beitel, Fränkel & Comp, besorgt werden sollte. Durch vorgefallene ״Irrungen" wurde jedoch der Kontrakt bald aufgelöst, Beitel arretirt und ge« fangen auf die Pleißenburg gesetzt. Sein Schwager Hertz Gum« pertz übernahm nun in Gemeinschaft mit MoseS Isaak (Flies, vulgo Chaisen) und dem bekannten Banquier Daniel Jtzig, dagesammte Münzwesen, wodurch diese Familien ihren Wohlstand bedeutend vermehrten.") Hertz war 1744 Vorsteher de» Betha« midrasch.") Auf dem Grabstein seiner Frau wird Hertz Gum« pertz al» bereits 1773 verstorbm gedacht: sonst ist etwa» Siche« reS über die Zeit und den Ort seine» Todes nicht zu ermitteln, da weder eine Inschrift auf dem hiesigen älteni Friedhof, noch die vorhandenen Sterberegister hierüber etwa» mittheilen. ES ist anzunehmen, daß er wie sein Vater, außerhalb verstorben. \ 2) Feibelman» Kleve-Gumpertz, geboren in Berlin 1722 und daselbst 1758 verstorben,-deffen Wittwe Fradel, sich später mit Gumpertz Marburg an» Halberstadt wieder verehelichte und 1794 hier verstarb.") Sie war ebenfalls eine geborne Gumpertz und zwar die Tochter de- Breslauer Rabbiners Benedit Wesel, und Schwester de» altern Berlinern noch erinnerlichen hiesigen 1800 verstorbenen Aeltesten Samuel Breslau"), deffen Sohn, der bekannte Rüben Gumpertz, als langjähriger, verdienstvoller Arltester der hiesigen Gemeinde im hohen Alter vor einigen Iah« ren hier verstorben ist. (Fortsetzung folgt.) 778 L ») Grabstein Nr. ggp גגו מ?ן״ק pn 1פיילה בת הגאון פ״ו מה פ״פ דמיין אשת הקצין פו״מ כ״ה משה בן הגאון המפורסם מהו׳ ליב קליווא וצל ט״נ ח' אייר ת״ק״ז. יי) Handschriftliche Aktenstücke. יי) Berliner handschriftliche Geburt-listen. |A*tt ") »rabschrift Nr. ך£|. V **) Versuch einer historischen Schilderung der Resivenzstadt Berlin Th. 5. Bd. 1, (1798) S. 167 ss. Annalen K. 6. 286—287. **) Handschriftliche Aktensammlung diese« Jnftimi». ») Grabschrift Nr. «) Grabschrift Nr. 5=55. \