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Die Gegenwart · 1867-09-27 · 39 (27.9.1867) · p. Seite 309

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
39 (27.9.1867)
Date
1867-09-27
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. sc» Stimme beachtet wird, würde gegen derartige illiberale Auslegun. gen proteltiren, 1 So erfreulich der Fortschritt der Juden in dem staatlichen Leben ist, so betrübend der Rückschritt in dem religiösen Leben. — Doch davon ein andere» Mal. Dixi. Krakau, 13. September. Bekanntlich hatte in der Bersammlnog de» österreichischen Lehrertag» ein Redner an» Krakau den Much, gegen die öffentliche Meinung anzukämpfen und ge« gen die Trennung der Schule voll der Kirche zu sprechen. Durch ein Berschen wurde derselbe in der ״Presse" Wink« ler genannt und die Leser Ihre» Blatte» ahnten nicht, wer denn eigentlich dieser tapfere Kämpe der Finsterniß sei. Wie groß war nun da» Erstaunen, al» sich Herr Marcu» Winter, Direktor der israelitischen Hauptschule in Krakau und selbst Jude, nach seiner Rückkehr au» Wien nicht entblödetr, ans« zuposaunen, daß er es war, der allein in der Versammlung den Muth hatte, für die ״Freiheit" der Kirche und das ״Wohl" der Schule in die Schranken zu treten. Wir würden diese Angelegenheit keiner Erwähnung gewür« digt und diesem wohl vereinzelt dastehenden jüdischen Anhänger des Eoncordat» keine westere Berücksichtigung geschenkt haben, wenn sich nicht gerade an diesen Namen so manche düstere ReminiScen« zen unserer jüdischen Bevölkerung knüpfen würden. Herr Winter übernahm vor etwa zehn Jahren die Leitung der israelitischen Volksschule in Krakau und hat Alle» — die« können wir ihm mit gutem Gewissen nachsqgen — gethan, um dieselbe herunter« zubringen. Al» Feind de« Fortschritts vereinigte er sich alsbald mit dem hiesigen Rabbiner, dem Abgotte aller Finsterlinge. Diese eutsuts coräialo lastet seitdem wie ein Alp auf den Juden und hatte in erster Reihe die verhängnißvollsten Folgen für die Bil« düng der Heranwachsenden Generation. Ihr Einfluß auf die Schule war und ist ein gewaltiger. ״Dogmatik" und hebräische Sprache wird so eifrig gelehrt, daß den jungen Schülern zu prak« tischen Studien kaum mehr Zeit bleibt. Wohl erhob die Bevölkerung ihre Stimme gegen da« Treiben dieser jüdischen Eoncordat- Partei, aber bei den früheren Behörden hatten die Feinde der Auf« klärung stet» warme Fürsprecher. Und noch jetzt, wo doch schon der Boden unter ihren Fü« ßen weicht, da der Statthalter Galiziens bei seinem Hiersein aus« drücklich erklärte, diesem Unfug müsse endlich gesteuert werden, haben sie den Muth, gegen die öffentliche Meinung anzukämpfen. Deshalb benutzte Herr Winter die in Wien tagende Lchrer-Ber« sammlung zu einem AuSflnge in die Residenz, um — wie er sei« nen heilige» Mandanten versicherte — die neue Schul-Orga« uisation zu stürzen und gegen die Einführung der polnischen Sprache zu protestiren. Wie er sich dieser Aufgabe entledigte, ist bekannt. Glücklicherweise wird sich, wie ich bestimmt erfahre, der jü« dische Angelegenheiten speciell berathende und neben dem Gemeinderathe tagende Ausschuß für die Einführung der polnischen Sprache in den israelitischen Volksschulen erklären, und somit wird dieser der Landessprache nicht kundige Biedermann bemüßigt sein, sich eine andere Werkstätte ausfindig zu machen. Wie», 9. September. Unser Abgeordnetenhaus, wiewohl gegenwärtig nicht versammelt, ertheilt dennoch auf die bereit» eröffneten oder demnächst zu eröffnenden klerikalen Eongresse zur Vertheidigung und Anfrechterhaltung des Eoncordat« höchst ver« stündliche Antworte». Bevor er auSeinanderging, hat nämlich der confessionelle Ausschuß de« Abgeordnetenhaus«« bekanntlich drei feiner Mitglieder mit der Abfassung jener drei Gesetzentwürfe be« traut, für deren Erlaffung da» Abgeordnetenhaus sich mit emi« nenter Majorität ausgesprochen hat, nämlich der Gesetze über die Trennung der Schule von der Kirche, über die Regelung der bürgerlichen Ehe, endlich über die interconfessionellen Berhältniffe. Bor etlichen Tagen bereit« lag un« nun da» erste dieser drei Gesetze im Entwürfe, abgefaßt von dem Abgeordneten Herrmaun, vor, und heute erhalten wir den Entwurf de» zweiten jener Gesetze, abgefaßt von dem Abgeordneten vr. v. Mühlfeld. Der Zu« fall will e», daß diese» für den demnächst wieder zusammentreten« den confessionellen Ausschuß de« Abgeordnetenhauses vorbereitete Material nun auch dem zur ״Wiedereinsetzung delieben Herr« gottS in seine Rechte" versammelten ultramontanen Congreß in Innsbruck, sowie dem auf den 17. d. M. berufenen Eongreß der Bischöfe dewestlichen Oesterreichs zur Verfügung steht, und wir zweifeln nicht, daß beide von diesem sie sowohl wie uns anregen« den Materiale entsprechenden Gebrauch machen werden. Beider großen räumlichen Ausdehnung de» Mühlfeld'schen Entwürfe« muß ich mich auf eine vorzugsweise Reproduttion derjenigen Bestimmungen beschränken, die von Standpunkte Ihre» Blatteau», für Ihre Leser von Interesse sein dürften. Bor Allem wäre dahin zu rechnen die Bestimmung, daß das Gesetz die Aufhebung degeistlichen Einflüsse» auf die Ehe im Allgemeinen ausspricht und die Gerichtsbarkeit in Ehesachen allein den Civil« und Militärgerichten zuerkennt. — Die absolute Gültigkeit der Eivilehe ist in den Worten auSgesprolhNlT^H eine auf Eingehung eine- Ehe« bundes vor den Gemeinden- oder Bezirks-Vorständen abgegebene Erklärung diesen da« Recht giebt, zu erkläre», daß die Ehe al« rechtlich geschlossen und wirksam zu betrachten und daß die bisherigen Brautleute von nun an al« Ehe» gatten sich zu behandeln verpflichtet seien. Die Hinzuziehung der Geistlichkeit zur Trauung ist eine freiwillige und Sache der Religion und des Gewissens, darf jedoch erst nach der vollzogenen Bereinigung durch die Civilbehörde geschehen. Noch einige Bestimmungen über die Abschaffung veralteter Formalitäten und anderer dem Tenor des ganzen Entwurfes ent« gegenstehender Bestimmungen heißt es weiter in Bezug auf die Scheidung von Ehen, daß EhediSpense ebenfalls von den Behörden ohne Rücksicht auf Religionsgenossenschaft oder Kirche die Dispensation zu ertheilen oder zu verweigern, und daß die früher dem Pfarrre, Pastor, Rabbiner, Religionslehrer, überhaupt den Geistlichen oder Religionslehrern zu« gewiesenen gütlichen Vorstellungen ebenfalls allein von der Civilbehörde ausgehen dürfen. Diese kurzen Auszüge werden genügen um" Ihnen ein Bild von der anerkennenSwerthen Tendenz des ganze» Entwurfes zu geben und sicherlich ist derselbe, wenn er Gesetzeskraft erlangt, ein sehr wirksames Mittel um, wenn auch die Aufhebung des Eoncordate« aus finanziellen und politischen Rücksichten beanstandet werden sollte, diesein seinen gemeinschädlichen Wirkungen dennoch unschädlich zu machen. Wien, 9. September. Die öffentliche Meinung hat bereit» durch ihre Organe da» vortheilhaftefte und beste Urlheil über die erste allgemeine österreichische Lehrerversammlung gefällt. Aber noch beredter als jene Worte sprechen die mannigfachen Opfer, welche diesem Lehrertage gebracht wurden. Wenn die gebrachten materiellen Opfer die richtige» Gradmesser sind, um die Tragweite de» Zwecke» zu ermessen, so können wir mit Gewißheit konstatiren: daß die jüdische Nation dieser Lehrerversammlung die größte Wichtigkeit beilegt und von ihr die herrlichsten Resultate für da- Gedeihe» der Schule erwartet. Die jüdischen Schulen waren, der Zahl nach, »erhältnißmäßig am stärksten bei dem Leh«

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