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Die Gegenwart · 1867-09-27 · 39 (27.9.1867) · p. Seite 306

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
39 (27.9.1867)
Date
1867-09-27
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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1 306 Die minder offen angelegten, die schwächliche» und die ebm mni » nach Amt Würde und Pfründe lüsternen halten die kritisch«, Unf tersuchungen über den Pentateuch für nicht weniger wahr al» die sicher' E Entschiedenen. Doch die einen haben nun, einmal die theologische Earriere eingeschlagen, sind nun einmal \ia -einem Seminar in dem der Lchrrr seine Schüler orthodox sehts will; den Weg ver« laffen, daist zu beschwerlich, nicht orthodox bleiben, —, wa» wird da der Lehrer sagen? So müssen sie denn, wollend nicht wollend, jene Untersuchungen — etwa widerlegen? etwa das 3rr rige an ihnen herausfinden? o nein, das kann ihr Lehrer nicht, ׳wie stillten sie'» können? — sie müssen die Untersuchungen ein- 'fach an« ihrem Kopfe bannen, sie müssen so^ stark werden, die Zweifel nicht zu lösen sondern zu beseitigen,*) d. h. die Angen zuzudrücken, damit sie da» Licht nicht sehen. E» beginnt da» Stadium de» Sichhineinreden» in gewisse Ansichten, de» Hinein« taumeln» in gewisse Borstellungen — ein Stadium, da» auch auf anderen Gebieten de» Leben» betreten wird. Da redet man sich hinein in die auch von sogenannten Religionsphilosophen der neue« ren nnd neuesten Zeit behauptete und sogar mit Hilfe der Kant« scheu Kritik bewiesene Unfähigkeit de» Menschen, ohne unmittel« bare göttliche Einwirkung zur reinen GotteSerkenntniß zu gelangen. Den Unterschied de» Gotte» von dem die Philosophen reden und de» israelitischen Jahve sieht man nicht. Welcher Art die Ein« Wirkung Jahve'» ans die J-raeliten gewesen sei, ob sinnlich« äußerlich oder innerlich-geistig und wenn jene» wie e» mit dem Wesen der Gottheit und wenn diewie e» mit dem Pentateuch, bericht hierüber sich vertrage, da» bleiben offene Fragen, die bald so, bald so, melstentheils Wohl gar nicht beantwortet wer« den. Bon jenem allgemeinen Satze kommt man zu der Göttlichkeit de» Pentateuch überhaupt, über welcher Göttlichkeit Wesen und Eigenschaft man sich ebenfall» im Unklaren läßt. ״ES ist ein göttliches Buch, die darin? vorgeschriebencn Gesetze sind für die Ewigkeit bindend." Wozu wären denn die Worte, wenn nicht Gedanken» und BegriffSlosigkeit darin sich hüllen ließen? Die Gesetze können aber nicht ohne Weitere« verstanden werden. Dazu bedarf e» der Tradition — dem Lehrer sei Dank, hier kommt die Göttlichkeit nicht mehr in Betracht. Denn wa» er in verschiedenen Schriften, Erklärungen u. dergl. darüber veröffentlicht hat, läßt mindestens im Unklaren darüber, ob er die Gvtt« keit der Tradition annimmt oder verwirft. Aber beobachtet muß die Tradition werden. Sie ist ja so alt, wird ja vom Volke so heilig gehalten und der Lehrer beobachtet sie auf» Strengste. Wie weit muß man nun in der Beobachtung gehen? Ganz und gar, ohne etwa» von ihr der Zeit zu opfern, kann man ihr nicht folgen, man opfert also je nach den Verhältnissen — denn von einem Princip ist hier nicht die Rede. Principien müßt ihr bei den ver« achteten und verlachten polnischen Rabbinen suchen, die gelehrten Theologen de» Seminar» haben so viel Latein gelernt um principiis obsta sich zurufen zu können. So denken — wenn ander» man diese Thätigkeit denken nennen kann — und handeln die einen, die Schwächlichen, weil sie einmal im jüdisch-theologischen!Seminar zu Breslau Theologie zu studiren angefangen; der Weg den sie einmal betreten bringt sie dahin. Sticht Jedermann» Sache aber ist ehrlich sein, nicht Jeder« mann« Pflicht mit Eompromtffeu und Vermittelungen sich zu quälen. So girbt e» manchen Seminaristen der um den Weg den er einschlägt sich nicht kümmert wenn er nur da» Ziel, da» ״gol- . *) Die« Verlang» stellte eia Sem marlehr« an ein» Seminaristm der religi-ser Zweifel wegen da« Seminar verlast» w»<tr. cht. Er verschmäht jene mühselige Errichtung Merding» morschen Gebäude», den sein schwäch«!ege tsür nothw endig gehalten. Er denkt über den Pen« tateuch ganz »nt» gar nicht anders al» jene Gelehrten und will niifrt a»b*r«־ denken. Darf man aber die» bekennen, wenn .man eininal Sine einträgliche und atigefehene Lebensstellung einaeh« men uni Ä^e obendrein au» der Hand de» Seminarlehrer» zu ׳empfangengedenkt? Nein. Der Lehrer ist ״orthodox" gilt al-eine Säule dtr verständigen Orthodoxie, und keine Gemeinde mit au»« gesprochenen Reformprincipien wendet sich an ihn. Also, muß man orthodox scheinen, man mag noch so heterodox denken. Und da» Gewissen? Das Gewissen? so hören wir unsere Leser fragen. O dafür .giebt e» manche» Beschwichtigungsmittel. Da» Volk, so beredet man das Innere wenn e» gegen die Thrannei de» Aeußerlichen sich empört, das Volk ist nicht fähig jene Wahrheiten zu fassen. Jene Wahrheiten würden ihm allen Glau« ben benehmen. De» Glauben» aber bedarf es als der Grundläge seiner Sittlichkeit; mit jenem würde diese au» de» Volke» Herzen schwinden.^ Deshalb muß e» in seinem alten Glauben ->־ wenn er auch irrig ist — vielmehr bekräftigt werden, damit e» sittlich bleibe. Seine Lehrer müssen e» darin bekräftigen wider ihr besseres Wissen, da» sie zu seinem — de» Volke» — Besten ihm zu verheimlichen verpflichtet sind. Am meisten aber befestigen da» Volk in seinem Glauben und somit in seiner Sittlichkeit die Ceremonien. Auf die strengste Beobachtung derselben muß daher da» größte Gewicht gelegt werden. Damit aber da» Volk seinen Lehrern vertraue, müssen diese, wa» jene» glaubt und beobachtet vor seinen Augen noch tiefer empfinden, noch sorgfältiger beachten. Sie müssen vor Allem und vor Allen sehr orthodox sein. So sind sie in gewisser Weise Märtyrer de» VolkSwohlS, sie opfern ihr eigenes Innere dem Volke, nicht etwa da» Innere de» Volkes ihrer Selbstsucht. So ausgerüstet die einen mit Selbsttäuschung, die anderen mit Lüge werden die einen wie die anderen Rabbiner und Prediger jüdischer Gemeinden. Die einen wie die andern leben nun, denn da» wird ja gesehen, sehr orthodox und beobachten mit der, scheinbar, größten Gewissenhaftigkeit die geringfügigsten jüdischen Gebräuche. Die einen wie die anderen predigen, denn da» wird ja gehört, die Göttlichkeit der Lehre da» ewig Bindende der Gesetze die Nothwendigkeit der strengen Beobachtung derselben, sie - mögen im Pentateuch enthalten sein, sie mögen durch die Tradition gelehrt werden. Die einen wie die anderen erheben sich auch zu allgemeinen Gedanken. Sie predigen von Wahrheit von der Liebe zum Göttlichen von der echten Menschenwürde von Manne»- muth und UeberzeugungStreue. Es predigt Wahrheit, der die Stätte von der er redet, der Lüge verdankt und UeberzeugungS« treue verkündet, dem e» an jeglicher inneren und festen Ueberzeugung gebricht. Können solche Männer segensreich wirken? Können solche Männer zur Förderung de» Menschen- und Judenthum», zur Veredelung der Menschheit und der Judenheit beitragen? Nein und abermal» nein. Und da» Institut, da» junge Leute zu solchen Männern her« anbildet? Da» Institut verdient uicht da» Vertrauen der jüdi« schen Gemeinden, hat keinen Anspruch aus die Achtung redlich denkender Männer. Denn nicht der Wahrheit Saatkörner werden dort au-gestreut; man wird dort angeleitet nicht zum Erkennen sondern zum Verkennen, nicht zur Gradheit, sondern zur Krümme, nicht zurAufrich« tigkeit, sondern zur Heuchelei.

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