Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-09-27 · 39 (27.9.1867) · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
39 (27.9.1867)
Date
1867-09-27
Page
Seite 305 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434188--360-4890207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

T/i&t BUtt «jch«i»1 jrtr, n««K>K11H.9ni< »«rtajOtlut tl*t Cjp. tasL VotaaMta*. ■ - - ■ata tmjT]6< mb *MbtfaU ZMabm»■ Ht Mt S«b«ctt•■ ־־!abUf!MUH•■, Jbib «> L». 1&V «UcM Berliner Wocheuschryt flir Jüdische Angelegenheiten. r Frnla-1 dm 27. September. Erster Jahrgang. 1867. Mit Rr. «v. beginnt da« vierte Quartal, wir ersuchen höflichst, das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollm, damit in der Zusendung keine Unterbrechung erfolgt. Die Expedition. Inhalt: Zmn neuen Jahr. — Da« jüdisch-theolvgischr Seminar z» Breslau. (Schluß.) — «larrespaadrinen: Berlin, Rosenberg, Dreschen, Agram, Bayer», Rralau, Wien, Wien, skSien, Alzey, Amsterdam, Gibraltar, London, Pari«.— Vermischte».--nserate. Zum neuen Jahr. ל^נה ג4בח מכתב ־ד■*••( •r •rr, ״Zum guten Jahre sei'st du'elngeschrieben!" So grüßt in Israel an diesem Tage, Gedenkend alter, kindlich frommer Sage, Wohl Jeder seine Freunde, seine Lieben. Auch ich bin jener Sitte treu geblieben; Der diesen Gruß ich Dir entgegentrage, Doch alte- Wort ich neu zu deuten wage. Denn neue Reiser hat die Zeit getrieben. Nicht in den Sphären Gotte- Griffel sucho! Nein, in deeignen Herzenheil'gem Buche, Da lies Dein Schicksal, lies die Schrift, die klare; Da schreibt Dein Leben stündlich ein dawahre Gerichtswort Dir, zum Segen, wie zum Fluche! — Da schreib' Dir Frieden ein zum guten Jahre! Da» jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. , (Schluß zu S. rso.) — ״Ich kann nicht ander-, ich muß sagen: Die Untersuchungen sind nicht falsch, unser Lehrer kann nicht» Irrigean ihnen Nachweisen. Er hat un» in der That zur Wahrheit führende Wege verheimlicht. Weshalb? Etwa weil er fürchtete, daß wir dann au« den alten, von der Kinderzeit her un» innewohnenden Vorstellungen hmausge^ssen würden? Nun, wenn diese irrig find, sollen, müffen wir'» nicht? Gewiß. Unsere» Lehrer aber scheint dienicht genehm zu sein. Lebt er doch so rechtgläubig alob von all' jenen Forschungen in seinem Bewußtsein keine Spur vorhandm wäre, und er kennt sie doch und er scheint doch ihnen nicht» entgegen׳ setzen zu können. Es sieht ״un fast au-, daß er anderhandelt al« er denkt und auch wir — wir sollen den Schlaf der Ortho׳ doxie weiter schlafen und wenn wir auf da» Wahre stoßen, nicht zeigen, daß wir'» kennen. We-Halb er jene» thut, weshalb er diewill? Ob au» schwächlicher Scheu vor der Orthodoxie, ob au» anderm äußeren Motiven? Genug. Er scheint nicht wahr zu handeln in seinem Leben, nicht wahr in sei׳ ner Lehre." ' So ungefähr mag dann mancher Seminarist über seinen Lehrer denken. Mit dm Achtung und Ehrfurcht die ausolchen Reflexionen hervorgeht!hören sie dann den Lehrer weitm bi- — ja bidm eine dem Seminar da» iu einem Kern׳ und Dreh׳ punkte de» Judenthums dm Wahrheit bar ist, den Rücken kehrt, bi» der andere im Seminar Unwahrheit genug gelernt hat, um die ״Wahrheit" zu predigen. Die» nämlich ist die Antwort auf die Frage die wir oben aufgeworfen, die Frage nach dem neuen Häuschen da» auf den Trümmern de» alten errichtet sei. Die» neue Hau«, e» «st vnschieden je nach dem Charakter ye» bauenden Seniinaristen. Der ehrliche hält nun nach und mit jenen ketzerischen Gelxhrten den Glauben an einen Gott für ein Resultat gewaltiger und jahrhundmtelangm Kämpfe dir erst in dm Brust einzelnm Propheten, dann in dem ganzen jüdischen Volte sich vollzogen haden, hält den Pentateuch für ein bedeutsame» und wichtige- Werk da« von verschiedenen Männem verschiedener Zeiten verfaßt wor« dm ist. Weil er nun glaubt, daß danach gelehrt und gehandelt werden müsse und weil er sieht, daß seine Lehrm, obfchon sie e» I kennen und allen Anzeichen nach r« für richtig halten, danach! — auwa» immm für Zweckmäßigkeitsrücksichten — weder leh׳ ren noch handeln, verläßt er da» Seminar unbeirrt durch Amt Würde Pstünde durch die er nicht so sehr in seinem Innern verlockt wie von dem Lehrer gelockt wird?) Neben diesen Ehrlichen, Entschiedenen und Rücksichtslosen stehen wa» die Redlichkeit anlangt die ״!Gefühlvollen", beiden gegenöber die Schwächlichen und die ganz und gar Un׳ ehrlichen. Die ״Gefühlvollen" sind die sehr, sehr wenigen, — unter den jetzt bmeit» in Amt und Würde befindlichen zählm wohl kaum zwei zu ihnen — deren Gefühl den alten überkommenen Vorstellungen zu sehr anhängt, von ihuen zu sehr gefesselt ist al» daß sie den nmen durch jene Forschungen ihnen zugesührten in ihrem Bewußtsein Raum oder beffm ständige- Weitm gestatten könnten. Sie schwanken längme Zeit zwischen den alten Vorstellungen denm ihr Gefühl gehört und dm neuen dmm ihr Verstand znneigt, bi» von dm Macht de» Gefühl» unterstützt jene siegen. Da» Thun und da- Redm diesm Männer ist ehrlich, innmlich empfunden. Doch da- Institut an dem sie herangebildet worden, kann in Betreff ihrm Austichtigkeit seine Hände in Unschuld waschm. •) Wir würden derartige« nicht hiuschreibea, wenn wir nicht völlig authentische Berichte darüber HLttm. 89

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.