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Die Gegenwart · 1867-09-20 · 38 (20.9.1867) · p. Seite 302

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
38 (20.9.1867)
Date
1867-09-20
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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902 Dir •tganMrt. obige Mitteilungen entnehmen, erleidet durch den Tod de« Dr. Mäher einen sehr schweren Verlust. Ueber den EuwicklaigSgiwz dr- GstthrüSbegrifieim Zusammenhänge mit der nationalen Bildung! Bon K. Köhler, Rabbmatelandidat. (Schloß zu S. 294.) 1 Das israelitische Volk war, wie jede« Sklavenvolk, zorstreut und zettheilt,; die Stämme fühlten^ sich in ihrer ZusammengehSrigkeit, aber nicht als Volk. ES mochten nicht gerade alle zu so schwerem Dienst angehalten worden sein. Billricht hatte sich da« alteingesesiene Hau« Joseph in seiner Freiheit mehr behaup« tet; wir werden später zeigen, wie gerade dieser Zweig den Namen Israel trug, während die älteren Stamme nach Jakob sich nannten. Unter dem Namen Israel fchaarten sich also, auf den Ruf oder besser auf die langangestrengte Thätigkeit MosiS und der ihm Nahestehenden, die gesonderten, besonderen Schutzgottheiten befohlenen und hörigen Stämme, und mit der äußeren Einigung solllen sie auch den inneren Einigungsprozeß durchmachen. Jakob- Israel wurde eine Person, die die verschiedenen Stämme gemeinsam beschirmende Schutzgvttheit. Im Namen der .Gottheit der Väter war also die Befreiung vollzogen worden; die Gottheit ISraelS hat Gericht geübt an der Gottheit Aegypten« Exod. 12, 2. Er hat es von der Hand Aegyptens loSgemacht, da sah da- Volk ein, ״daß seine Gottheit größer ist als alle Götter, weil er das Volk aus der Hand der Mizraim gerettet, welche gegen eS (sie?) gefrevelt haben." (So ist Exod. 18, 10 u. 11 svgl. LXX!] zu setzen und zu lesen.) Hätte es aber Mosehierbei bewenden lassen, so wäre hierankeine Religion der Gotteinheit erwachsen. An den Doppelnamen knüpfen sich sogar noch weibliche Gottheiten und an ihre eigenen Namen noch zu lebendige Vorstellungen der althebräischen Natnrreligion. Mose war aber eine Gottheit erschienen, neben der eine andere keinen Platz fand. Er suchte und fand einen mysteriösen und uraltsemitischen Namen, der für ihn mit einem höheren Ideengehalt erfüllt war, den Namen Jahwe. Gewiß so wie er eine ewige Wahrheit darin ahnte, so mußten für ihn auch die Väter ihre Gottheit erkannt und verehrt haden, und was kommende Generationen vermöge freier Reflexion darin fanden, das hatte für sie noch viel lebendiger und klarer Moses erkannt. — Konnte aber daS zur VerstandeSthätigkeit am allerwenigsten geeignete götzendienerische Volk auf einmal die verschiedenen Göttergestalten zu einer einzigen zusammenfassen, die getheilte, als göttlich angeschaute Natur plötzlich durch einen einzrlnen freiwilligen Akt als Eine-, als Eine Weltordnung des Einen Gottes anschauen? Kurz wie entstand der Monotheismus? Oder wie kam er zur Geltung? Al« jene essäischc Auffassung des Judenthums im Namen degekommenen Erlösers eine West erobernd in die heidnischen Länder einzog, da nahm sie alle heidnischen Vorstellungen in ihren Dienst; au« guten und bösen Göttern wurden Halbgötter — Engel und Teufel männlicher und weiblicher Natur oder — Heilige. Und schwerlich hätte diese Religion einen so staunlich raschen Erfolg gehabt, wenn nicht die Anschauung einer am Iahre-ende sterbenden und wieder auferstehenden Gottheit wie He« raNe« und Adonis rc. im ״Gottessohn" einen neuen Träger, der beweinte feurige (blonde) Adoni« und die trauernde Jungfrau Diaua-Astarte in verklärterer Form ihren Ersatz gefunden hätten. Und e« war nicht so schurkenhaft, wie Sprenger meint, sondern ein ttefer psychologffcher Griff, wenn nicht, wa« un« wahrscheinlicher düntt, eine Phase der eigenen religiösen Entwicklung, wenn Mohammad einmal den Versuch machte, die alten Götter LLt, Ozzb und ManLt zu Engeln und Fürsprechern oder Töchtern de« Allah zu machen (Koran, Eure 53, 1 vergl. Sprenger Mohammad II. 17); wäre eS ihm gelungen, so wäre der Mohamedani«- mn« nicht zu einer rauhen Janiffcharenmacht erstarrt. — Eine solche Entwicklungsphase bat auch der prophetische Monotheismus durchgemacht, und mit Nichten ist der jüdische Monothei«- muS eine ״unmittelbare Abstractton", wie ihn der neumodische Dogmatismus der Freisinnigen charakterisirt, als ob das Ehristenthum auch für die jüdische, freilich kleine, Welt den Vermittlung«- Prozeß erst durchzumachen gehabt hätte. ES ist ein Jrrthum, wenn man meint, die Dämonologie sei erst spät von Ehaldäa und Persien her in das Judenthum eingedrungen. Ja wohl, der jüdische Gott ist, wo er einmal sich behauptet und Platz gegriffen hat, ein ״sehr eifervoller Gott" und giebt kein Theilchen von seiner Allmacht an andere Wesen mehr ab. ״Die Namen der En« gel sind aus Babylon gekommen" berichtet der Talmud (Jerus. Ros. Kaschan. I. Hat. 2); er hat Recht. Namen und System konnte anderswoher entlehnt worden sein, der Stoff und die innere Empfänglichkeit hierfür mußte schon vorher da sein. Und wa« sind denn die ״Göttersöhne'כני אלהים — ׳, die Väter de« RiesengeschlechtS (Genes. 6, 4) anderals — herabgedrückte Gotlheitö« gestalten, die zu einer Zeit im Monotheismus und im Pentateuch selbst Platz fanden? Sie kehren (Hiob 1. 6 und 2, 1 Psalm. 29, 1 und 89, 6) wieder und wechseln mit dem ״ קרשיםden Heiligen" Psalm. 89, 6 und 8 Hiob 15, 1b u. s. w. DaS sind, meint man, Engel, aber woher entsteht denn der Begriff von En«, geln, die doch immer am Göttlichen participiren und also seine Einheit schmälern. Sie nehmen immer Jahwe'S Gestalt an und identificiren sich mit ihm (Gen, 18, 1 und 2 ff. 16, l l f. 31,11f. Exod. 13, 21 vgl. 14. 19 Richter 6, II. 14 16. 20 21 ff.; sie treten als אלהים auf (Nicht. 13, 22) u. s. w, als ״Schaar von Göttern" מחנה אלהים (Gen. 32, 2f.) oder sie bilden den himmlischcn Rath und umstehen Jahwe Hiob 1, 6. Und wer ist die ״Gottheit", mit der Jakob (Gen. 32, 29) ringt? Hosea (12, ö) nennt sie Engel. Oder wer sind die ״Heiligen", Hiob 5, 1 die neben und gegen den Willen Jahwe'S angerufen werden sollen und nicht antworten können (weil sie eben, wie der monotheistische Dichter lehrt, gegen ihn nichtvermögen)? Oder — wir kommen der Antwort immer näher — was sind denn daS für ״Hei» lige" קרשים, denen Juda im Gegensatz gegen den Einen Gott nachhängt (Hosea 12, 1)? Man hat diesen Satz so wenig wie Psalm 16 verstanden, welcher ganze Psalm den Gegensatz Jahwe'S gegen die durch Bilder-Dienst verehrten Stammesgottheiten auf den einzelnen Höhen ״im Lande" hervorkehrt, gegen die קדשים und אדירים, an denen er (B. 3 lies: וארירי בל חפצי כם) keine» Gefallen haben will. Auch Psalm 73 hat diese Tendenz. Desgleichen Psalm 82 spricht de» Gegensatz dieses allgerechten Einen gegen die in Anbetracht zu ihm unlauteren vielen Götter aus. V. 1 haben noch die LXX Syr. Vulg. und Jonath. אל נצב כעדת אלחים• Auf verehrte Gottheiten allein (nicht auf Richter!) paßt V. 6ff.: ich dachte Götter seid Ihr und Söhne de- Höchsten. Aber chr seid wie Menschei» hinfällig und wie die Priester (vergl. שרי קרש Jes. 43, 28) ohnmächtig. Rur du o Gott . . . cheilst sfies au« über alle Völker vergl. Deuter. 4,19. So wurde Jahwe erhoben über alle Götter. Psalm 97. Ob

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