Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 37 (13.9.1867)
- Date
- 1867-09-13
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
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294 Di« Otganmurt Priesterdiylst selber au» der Wahrsagerkunst hervorgegaagea ist, (was dir Wurzel in der Bedeutung im Arabischm deutlich zeigt) und Moses wie Ahron die Wunderkrast Jahwe'» an den Zauberstäben dem Volke darthun müssen. Bald aber giebt er in Gemeinschaft mit ihm Gesetze, vergl. Leviticu» 11 und 13 u. s. f.*) Der Propheti»mu» muß also, um da» höhere Ideal einer reinen Gotte-verrhrung anzubahnen, an die realen Verhältnisse de» Staat»- und Volksleben» anknüpfen; er muß durch Gesetze den allmählichen Uebergang zum Besseren anzubahnen suchen. Er muß demnach da- Eine verbieten und da» Andere mit Modifika« tionen zulassen, also z. B. Menschenopfer streng untersagen, aber Thieropfer an deren Stelle setzen und da» Gesetz Levit. 27, 29 etwa eine Zeit lang auf Landesfeinde und Verbrecher (vergl. I. Sam. 15, 33; II. 21, 9 und Num. 25, 4) einschränken; Zauberri verbieten, aber den unauslöschlichen Hang de» Volke» nach Schutzmitteln und Talismanen auf Bessere» hinlenken, wie die Phylakterien Deuter. 11, 18 und 20; oder die auf den hermophroditischen AdoniS-AstartenkultuS hinführende Mischung der Gattungen, nicht blo» die unnatürliche der Geschlechter (Levit. 18, 22; Deuter. 22, 5; 23, 18s.), sondern auch der Thier-, Pflanz- Stoffarten (Deuter. 22, 9—11) stteng verbieten. — Für solche Mischung von Pflanzarlen vergl. z. B. die Jes. 17, 10 erwähnten AdoniSgärten Ez. 8, 1? und dazu Hieronym. —, dagegen der ״Heiligkeit" dieser MischungSprcdukle D. 9 einen neuen Eharak- 1er — wie etwa חרם Bann ursprünglich: heilig — geben oder die herkömmliche Priesterkleidung Exod. 28, 6 stillschweigend, wei^ hier die innere Beziehung zum fremden Kultus vergessen war, bcibehalten. Für diesen großartigen und in der ganzen Menschheit»« geschichte einzig dastehenden Gang de» Prophetismus müssen wir aber einen festen Anfangspunkt bestimmen, wenn er sich nicht in der vorgeschichtlichen Zeit unserem -luge ganz entzieht. Die Geschichte de» israelitischen Volke» beginnt mit dem Auszüge auS Aegypten, und hier tritt uns sogleich MoseS ״der Führer" de» Volkes, ״der Prophet, durch den Jahwe sein Volk au» Aegypten herauSgeführt" (Hosea 12, 14) entgegen. WaS vorher liegt, da» beschränkt sich auf einzelne StammeSsagen, die wir weiter unten bei den einzelnen Stämmen geschichtlich auSbeu. ten werden, und auf — ihre Name». Namen oder Genealogien enthalten aber auch, ein Stück Geschichte, innerer religiöser Geschichte, aus vorhistorischer Zeit, wie wir oben zu zeigen versucht haben. Tritt un» also da« Volk Israel bald unter dem Namen Jakob, bald al» Israel entgegen und wiederum in Stämme ge. theilt, meist nach bestimmten Gottheiten benannt und ״vertheilt", (wie Deuter. 32, 8. ״Er setzte fest die Gebiete der Stämme nach der Zahl der Söhne J-raelS" unverkennbar sagt, wa» natürlich unsre Eommentatoren**) — auch mit Berücksichtigung der LXX: *<״« «q&hw «tyytt«»»׳ — nicht verstehen, so lernen wir ihre ursprüngliche Religionsanschauung kennen und «r« fahren, daß ein Theil ursprünglich unter de!.Oberhoheit des Got> teS Jakob stand, dem eine Lea beigegeben war, und ein anderer unter Israel und Rahel. Berichten uns die genealogischen Sa« gen, daß auch Esau, der ״Stammvater" von Seir oder Edom mit Jakob verwandt ist und sie gemeinschaftlich — alle diese Na- *) Gesetz« üb« Rem unfe Unrein, welch« nach der Bibel selbst uralt und vorabwhamiüsch find (Gen. 7, 3) und van den Japhetiten mit den S«. mitrn grtheilt werden. —) Nachträglich wollen wir bemerken, daß Viover« Ptzoeniz. L 387 der Bach« ziemlich nahe kam, und die Stell« Deuter. 4, 19 mü Recht h«. beizieht. men: der Roth-Haarige und der Ringer oder Verdreher (wie der ״vielgewanderte" und ״gewandte" Odysseus (sind Attribute der Sonnenhelden und eo ipso der Sonne — Nachkommen de» Abram — hoher Vater sind, so liegt darin die geschichtliche Er« inneruog, daß diese Völkerstämme ursprünglich zusammengehörig eine gemeinsame Gottheit verehrten, wie. ja auch Jakob (Gen. 31, 53) und Laban (Luou») Bruder der ,^gehörnten" schönen Jung« frau — ״Rebeka," bei dem gemeinsamen ״Gott ihrer Väter" schwören. v<* > Daß wir auch in den einzelnen Familiennamen noch my-! thische Personen zu suchen haben Gen. 46, 8 ff., lehren die Gen- 1 tilnamen Ehuschim, Eri, Areli, Jischvi so gut wie ihre Etymo« logie. — Als unterworfeue oder unfreie Völker konnten sie aber nur den Gottheiten des Landes dienen; um ihrer väterlichen Gott« heit zu dienen.^ hätten sie, wie MoseS dies später verlangt, Exod. 5, 3 u. s., außer Landes gehe» müssen. — War nun unterdeß da» ״Feuer von Kaschdim" auf dem nationalen Heerd ganz erloschen? War kein Träger der väterlichen Ueberlieferungen, nicht» da, was die Beziehungen zum väterlichen Kultus wach erhielt? — Wenden wir un« nach dem Sinai, dem heiligen althebräischen Götterberge! Dort weidet MoseS mitten unter den verwandten Madjan-Stämmen, mit der mit ihm verschwägerten Prie« sterfamilie Jethro die Schafe; dort trifft er seinen Brndex Ahron (Exod. 4, 26). Wir sehen also den künftigen Priester« und Prophetenstand der altväterlichen Religion sich weihen und mit ihren Erinnerungen ihre Seele füllen. Wie tief mußte es dem für das national-religiöse Wohl' seines Volke« durchglühten künftigen Got« teSmann in der Seele schmerzen, daß die Brüder in Aegypten in dem Zustande der Unfreiheit auf fremdem Boden der Gottheit der Väter kein Opfer und keine Huldigung darbringen können, um ihre« Schutzes gegen die fremde Nation und ihre Gottheit theil« hastig zu werden! Wie oft mögen dem für Menschenwohl, für Gerechtigkeit und Freiheit seiner Brüder und seiner Mitmenschen mit der Gefahr seines Lebens einstehenden Hirten Gedanken voll Schwermuth und Kummer aufgestiegen und rasch von solchen der Hoffnung und der mulhigen Thalkraft verdrängt worden sein, bis eS endlich in ihm dämmerte und die ausbrechenden feurigen Strahlen ihm einen Morgen verkündeten, dessen Licht unauSlösch« lich, und je näher er e« besah, desto Heller und klarer vor seinem Blicke ward! — Hier vernahm er die Stimme der Vorsehung: Die Gottheit seiner Vater wolle hinabziehen nach Aegypten (wie sie auch mit Jakob hingegangen war mit dem Versprechen, seine Familie heraufzuführen! Gen. 46, 4) und sein Volk von fremder Herrschaft befreien, damit es an diesem uralt-heiligen Berge ihr einen Kultus errichte (Exod. 3, 8 u. 12.) — Wir sehen schon hier, wie die nationalen und religiösen Interessen mit einander Hand in Hand gingen und sich identificirten. Das Erlösungswerk MoseS war also ein Doppeltes, aber ein einziger Akt. (Schluß folgt.) Zur Literatur über ״Palästina." Bon & Weyl in Frankfurt a. O. ״Wanderungen durch Palästina" sind von sehr Bie« lm schon unternommen, von Vielen auch schon — theil» mit mehr, theil» mit weniger Ausführlichkeit — beschrieben worden. Zu den größem Werken dieser Art gehört ein Buch von Ton« rad Furrer, einem »ackern Schweizer, der — nach der Weise