Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 37 (13.9.1867)
- Date
- 1867-09-13
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
- Hebron 1× ep/1047559
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vcrüuer Wochvlfchnst ffir ILdffche Lsgelegmheit«. 296 ferner Landsleute — da» heilige Land einige Male hinter« einander zu Fuße durchwandert und dasselbe zu beschreiben au» keinem andern Grunde, als ״au» Liebe und Verehrung für die Bibel" sich veranlaßt gefühlt hat.*) Was die Form betrifft, so se« Heu wir die eines ״Tagebuch«" festgehalten und im Inhalt ganz dem entsprochen, wa» der Herr Berfaffer als seiner Reise einzi« gen Zweck angiebt. Dieser ״einzige Zweck" war aber (wie wir ausdrücklich erfuhren) kein anderer, als das ״Land der Bibel" kenneu zu lernen, und zwar ״da» ganze Land mit allen seinen Merk- Würdigkeiten und Natureigenthümlichkeiten", um so ״die Geschichlen der Bibel lebendiger zu begreifen und alle die großartigen Eindrücke, denen wir in ihm begegnen, inniger nachzufühlen." — Wenn auch nicht mehr ganz neu, so ist doch ganz treffend die Bemerkung de- VerfafferS von dem Gesetze, welches wir ln der Geschichte im Allgemeinen ausgesprochen finden, daß nämlich, je weiter gegen den Morgen der Menschheit hinauf, desto mehr die Völker von der eigenthümlichen Natur und den besonderen Charakter der Gegenden, die sie bewohnen, bedingt und abhängig erscheinen. — Von dem Ebräer-Dolke insbesondere sagt Herr Furrer (in Uebereinstimmung mit vielen andern Ethnographen), daß seine Angehörigen von je her die Gabe sinniger Naturbeobachtung in ungewöhnlich hohem Grade besessen hätten, und daß wir sonach vie merkwürdige Geschichte dieses Volkes schwerlich in irgend einem Punkte wahr und lebendig erfassen könnten, wenn wir nicht zuvor von der Natur-Grundlage, auf welcher sie sich aufbaute, eine klare und richtige Vorstellung ge- Wonnen haben. Was das Buch sonst noch über die Juden im Allgemeinen enthält, ist — obschon in dieser Beziehung nur wenig Neue« und Originales geboten, vielmehr großentheils nur das, was Andere früher schon berichteten, wiederholt oder modificirt wird, — doch jedenfalls höchst lesenSwerth, höchst interessant und belehrend. — Einen durchaus nicht zu verkennenden Werth aber hat daS Buch von topographischer Seite. Nicht nur Jerusalem und dessen Umgebung, sondern auch Jericho, Beth-Schemesch, die Philistergrenze, da- Tobte Meer u. s. w. werden eingehend und in höchst anziehender Weise besprochen. Ja, der Verfasser schildert ausführlich seine ganze Rundreise durch Judäa, über Hebron, Gaza rc. und ebenso die Rückreise durch Samaria und Galiläa, wobei auch Damaskus und Sidon mitgenommen werden. Da» ״Mission-wesen" in Palästina und Shrien an« langend, so will unser Schweizer von demselben überall nur den ״äußern Schein," nirgend« aber die ״Frucht innerer Ueberzeugung" angetroffen haben, und indem er über diese Wahrnehmung bitter klagt, bemerkt er ganz treffend, wie gute Beispiele allenthalben weit besser und nachhaltiger wirken müßten, als alle die Mittel und Mittelchen, welche rein zum Zwecke der ״Bekehruug" angewendet werden. Von den Juden! in Safed sagt der Verfasser, daß sie zumeist Aschkenasim au» Oesterreichisch-Polen (Krakau und Galizien) seien und mit den Sephardim zusammen eine Bevölkerung von 5000 Seelen ausmachen, — eine Zahl, die uns indessen ebenso unwahrscheinlich, ja, ebenso willkürlich hingeworfeu dünkt, als die hinterher folgende Auslassung, daß die sephardischen Juden von Safed stricte nach der ״geschriebenen Lehre"(תורה ׳»בכוזב) *) Da» Werk führt dm rinfachm Titel: ״Wanderungm durch Paläfiioa," hat al» ״Beigaben'' eine -arte de» heiligen Lande», sowie einm Plan der Stadt Jerusalem, und ist bei Orekl k Lomp. in Zürich erschimen. leben und bei Manche» von ihnen sogar noch die Polygamie angetroffen werde. — DaS heutige Telhum oder Tell-Ehum wird vou Fürrer für da» ehemalige Kapernaum gehalten und seinerseits iu ״hum", so wie in ״uaum", nicht» Andere» al» eine Abkür« zung von ״Rachum" gefunden. Kapernaum soll nämlich, nach seiner Ansicht, immer um so viel, wie Kephar Nachum (כ©־* נחוגו ״Weiler Rachum'S) bedeutet haben. — Wir erlauben un» hier, an den Genezareth iu Galiläa zu eriunern und den Leser auf Rathgeber'» ״Palästina" V. und X. zu verweisen. ■ Bei Gelegenheit der Besprechung der Provinz Samaria und ihrer gleichnamigen Hauptstadt verfehlt der gründliche Schwei« zer natürlich nicht, sich de» Weiteren auch über die ״alten Samaritaner" auszulaffen, von welchen er u. A. meint, daß sie keineswegs ״mit Israel stammverwandt" gewesen wären, sondern im ״fernen Osten" ihre ursprüngliche Heimath gehabt hätten. ״Sie haben sich aber — fügt er erläuternd hinzu — gar frühe schon der höh er n Culturgebeugt, mit der sie in ihren neuen Wohnsitzen bekannt geworden.— Beziehentlich der Rolle, welche die Samaritaner beim Bau des zweiten Tempels gespielt, sowie beziehentlich der Stellung überhaupt, die sie, gegenüber den au» dem babylonischen Exil zurückgekehrten Juden, eingenommen ha«׳ be», hält Furrer sich ziemlich treu an die Nachrichten, wie sie uns über diese Punkte in den Büchern ESra und Nehemia mit« getheilt worden. In der Stadt Samaria will der Verfasser noch eine, gegen 100 Seelen starke, alte Samariter-Gemeinde angetrof« fen haben, von der er mittheilt, daß sie in Religion u>w Leben ganz noch dieselben Sitten und Gebräuche befolge, welche längst vor Christi Geburt schon ״samaritischeö Gesetz" gewesen. Ihr Quartier befinde sich im südwestlichen Winkel de» Orte», allwo auch ihre Synagoge und ihre Schule anzutreffen. Furrer hat natürlich beiden Instituten seinen Besuch gemacht. In der Schule fand er 17 Kinder (Knaben und Mädchen untereinander), längden Wänden am Boden gekauert, den Instruktionen de» Mentor» lauschend, — während draußen vor der Thür des Hauses, die kleinen und noch nicht schulpflichtigen Kinder, auf ihre altern Brü. der und Schwester» wartend, mit allerlei Spiel die Zeit sich ver« trieben. Die samaritische Synagoge schildert Furrer als eine kleine, höchst anspruchslose Kapelle, deren Decke und Wände einen einfach weißen Anstrich haben und sonst auch jeglicher Verzierung entbehren. Die Gesetzrolle werde in einem schmucklosen höl« zcrnen Schrank aufbewahrt und aus diesem^ wenn'» nöthig, vom ״MeSmer" hervorgeholt. Sie soll, wie man ihm (dem Schweizer) versicherte, schon einige tausend Jahre alt, und ihr, in sainaritischer Sprache geschriebener, Text außerordentlich correct sein. Auf beides werde Seitens der Gemeindeangehörigen ein ungemein großer Werth gelegt. Furrer hält sich indeß berechtigt, an dem Einen, wie an dem Andern stark zu zweifeln; er glaubt weder an das hohe Alter, da« dem Manuskript, noch an die außerordentliche Correctheit, die dem samaritische» Texte eingeräumt werde, und beruft sich namentlich in Betreff de» letzter» Punktes auf gewisse ״Kundige", bei denen es eine längst au»- gemachte Sache, daß in textkritischer Hinsicht die samaritischen Handschriften, gegenüber den in hebräischer Sprache erhaltenen, nicht nur keine Vorzüge, sondern sogar noch manche Mängel aufzuweisen hätten. Bei Gelegenheit der (erwähnten) samaritischen Synagoge kann der gründliche Schweizer natürlich nicht umhin, an den gro« ßen und prachtvollen Tempel zu erinnern, der im 4. Jahrhun-