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Die Gegenwart · 1867-09-13 · 37 (13.9.1867) · p. Seite 293

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
37 (13.9.1867)
Date
1867-09-13
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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Berliner Wocheuschrist stk Jüdische Augelegmheiteu. 2SS ' die deutsche laut de« Gesetze« nicht sein. Die Wahl der Bor« trag-sprache hängt von demjenigen ab« der die Schule erhält. Nun entsteht die Frage, wie diese« Gesetz in den i«raelitischen Bott« schulen in Anwendung gebracht werden soll, da, wie bekannt, die israelitischen Sinder, mit wenigen Ausnahmen, der polnischen Sprache — von der ruthenischen gar nicht zu denken — nicht mächtig find. Die Statthaltern hat an alle Gemeinden mittelst Lircular« die Aufforderung gerichtet, sie mögen unverweilt erklä« ren, welche Sprache i» ihren Schulen al« BortragSsprache ge« wünscht werde. Eine solche Anfrage wurde auch an den Borstand der hiesigen israelitische« KultuSgemrinde gerichtet. So viel ich weiß, wird der Vorstand sich im Principe für die polnische Sprache erllären, dabei aber auch bitten, daß ausnahmsweise aus Rücksicht auf den Umstand, daß die israelitische Jugend der polnischen Sprache noch nicht ganz mächtig ist und daß man keine entspre^ chenden Lehrkräfte besitze, die deutsche Sprache bis auf Weitere« al« BortragSsprache, wenigstens theilweise, beibehalten werde. Die Statuten des israelitischen Vereins, welcher die Der« breitung der Kenntniß der polnischen Sprache unter der iSraelitischen Bevölkerung zum Zwecke hat, sind schon der Stattthaltere; vorgelegt werden und werden ohne Zweifel bestätigt werden. Einige Paragraphen der Statuten mußten in Folge einer von der Statthalterei ertheilten Weisung umgeändert werden. Heber dev Entwicklungsgang des Gottheitsbegriffes im Zusammenhänge mit der nationalen Bildung. Bon K. Köhler, RabbinatSkandidat.*) (Fortsetzung zu S. 280.) Um zu zeigen, welche kurzsichtige Vorstellung man im Volke (ich spreche nicht von den Propheten!) durch die ganze vorexilischeZeit von der Gottheit hatte, wollen wir auf einen noch wenig berücksichtigten und — sit venia verbo! — verstandenen Punkt in der Ge« schichte der Religion aufmerksam machen: Der syrische Feldherr Naeman war aussätzig geworden und wurde durch den GotteSmann Elischa geheilt; II. Kön. 5, V. 15 spricht er nun.: Ich weiß jetzt, daß es keine Gottheit giebt auf der ganzen Erde außer in Israel. — Man beachte wohl: der Neubekehrte sagt nicht mehr: daß Jahwe größer ist als alle Götter, wie Jethro, Exod. 18, 11. Die religiöse Entwicklung war also schon bedeutend vor« geschritten. — Er fährt fort: Möchte man doch Deinem Diener eine Last eine« Maulthiergespanne« Erde geben, denn nicht wird Dein Diener mehr ein Ganz« und ein Schlachtopfer einer ande« ren Gottheit bereiten, es sei denn allein Jahwe. — Diesen Wunsch Raeman'S hat Ewald so wenig verstanden, daß er Lehrbuch S. 850 Anm. vorschlägt für אדםו׳יו-ארמה zu lesen: Wenn mir auch noch soviel Edelsteine gegeben nzürden, so würde ich doch lieber Jahwe dienen!!! Für Naeman (und für den GeschichtS« schreiber!) ist eben Jahwe noch immer der LandeSgott; um ihm dienen zu können, muß er entweder im heiligen oder Seinem Lande wohnen oder von der heiligen Erde mitnehmen, um auch in fremdem Lande darauf zu stehen und zn opfern und so eine Be« ziehling zu ihm zu haben. Diese trübe Verstellung theilt selbst David, wenn er sagt I. Sam. 26, 19. Man vertreibt mich, daß ich nicht theilnehmen (mich nicht anschließen) kann an dem Besitz *) Au» einer demnächst erscheinenden exegetischen Arbeit de« Herrn Verfasser». Jahwe'«, sprechend: Geh', diene einer fremden Gottheit!! Er meint, wenn er landeSflüchttg geworden, müsse er auch seine« 8ande«gotte« verlustig gehen, vergl. Deut. 28, 64 und dagegen Levit. 26, 44 u. 4b. Wenn also Jrphtah den israelitischen Gott Jahwe dem am« monitischen Kemosch ebenbürtig gegenüber stellt (Richter 11, 24) so ist die« noch seine religiöse Vorstellung; und wenn Salomo sich mit dem König von Aegypten, oder Achab mit dem von Ty« rus verschwägert, so müssen beide, auf dieser Stufe noch, um in freundschaftlichem Verkehr mit den Vöttern zu bleiben, auch ihre Gottheiten anerkennen. Dadurch ist die Möglichkeit einer Im» portation von Gotcheiten überhaupt gegeben. — Ganz ander« der Prophetismus. Er dringt immer stärker und bestimmter aus die Anerkennung des Einen Gottes, der die Geschichte aller Völker nach ewiger Gerechtigkeit waltet und lenkt, und nicht blo« ein Amo« und JesajaS, die volle und bestimmte Lehre: Jahwe ist die Gottheit, predigt mit glühemdem Eifer auch der Wundermann EliaS. Wir haben nun nicht zu untersuchen, ob Mofe'S individuelle Geisteskraft schon zu dieser Höhe der Anschauung sich erhob. Das aber steht unzweifelhaft fest; gab er seinem geistig so unent« wickelten Botte ein Gesetz, wie da« zweite des Dekalog«: Du sollst Jahwe nicht unter einem Bilde verehren, konnte er so wenig verstanden werden, wie wenn er gesagt hätte: Gott ist der Seiende. Und wo war denn MoseS geblieben, als vaS Volk Israel, wie AmoS mit nicht wegznstreichenden Worten Kap. 5, V. 26 sagt: ״Ihr habt sin der Wüste 40 Jahre lang) das Bild Eures Königs — שכיה סמת Jes. 2, 16, משכית Nun,. 33, 52, Lev. 26, I, oder ממת die Hülle s. Hesych. s. v. "!ן*«* und Mover«' Phön. I. S.357, — und die Gestalt Eure» Gotte»*), die Ihr Euch verfertigt habt, getragen", — seinen Gott bildlich anschaute und verehrte? Liegt ja doch in dem Berichte, daß Mo« ses die ersten von der Gottheit selbst geschriebenen Tafeln zerbrach und andere dafür schrieb, für den forschenden Blick deutlich die Erinnerung vor, daß manche Gesetzestafel der anderen weichen mußte, bi» endlich die Worte darauf stehen konnten für die Ewig« keil: Du sollst Dir von Gott kein Bild machen! Und der ganze Bericht von der ״Lade der Gottheit" I. Samuel Kap. 4—6 sieht wahrlich nicht darnach aus, als ob man schon zur Erkenntniß die« ser Wahrheit eine« geistigen Wesen« der Gottheit in der Zeit de« Samuel gekommen wäre, wie es da« 2. Gebot lehrt. — Wir haben auch nicht bloS zweierlei Texte des einen DekalogS, Exodu« 20 und Deuter. 5; wir haben auch wahrscheinlich aus einer gemeinschaftlichen Quelle zwei gleich auslautende Gesetzessammlungen vergl. Exodus 23, 14 ff. mit 34, 15 f. Gewiß wurden beide im Namen de« ersten Propheten und Gesetzgeber« verkündet; nnd was die späteste Zeit im gortbau de« einen großen Werkes lehrte und befahl, dathat sie mit vollem Recht im Namen des Urhebers der gesammten religiösen Entwicklung, unter der Auctorität Mosi«. Wir verstehen also unter Mose» den Repräsentanten de» ganzen ProphetiSmllS, wie er sich jedoch meisten« nach der gesetzgeberischeu oder objektiven Seite hin kundgab. Wir sehen ihn zuerst im Kampf mit dem Priesterthum, dessen Repräsentant Ahron noch dem Götzendienst huldigt, (Exod. Kap. 32, 4), wie ja der reinere *) Daß dir Worte: צלמיכם und כוכב Glossen sind und zwar da» crst'err zu אלהיכם und da« zweitc zu כיון, um eben jene Meinung einer bildlichen Bekehrung nicht austommen zu lassen, ergiebt sich noch sehr deut. lich au» dm LXX. vergl. auch di« Peschilth«. Weshalb nun dir LXX. da» Wort מנים Irrem. 7, und 44. lv uniibrrsetzt «iedergtbm, ist soaach leicht zu erratheo.

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