Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 37 (13.9.1867)
- Date
- 1867-09-13
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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292 Die Segemvan. » auch richtig in unserer Hauptstadt angelangt. Wie wir hören, soll auch der Jude Erämieux eintreffen. Haben wir eS wohl noch nöthig. es unseren rumänischen Brüdern zu sägen, was diese in unserem schönen Baterlande suchen? Können wohl die Rumänrn so bethört sein und verführt von den Freunden der Hebräer, so sehr verrathen von denen, die den Boden unserer Ahnen inS« geheim verkaufen? Können wohl unsere Brüder so blind sein für ihre eigenen materiellen Interessen und so verblendet durch einige in rumänischer Sprache erscheinende Judenblätter. um nicht zu sehen, waS diese Personen jetzt hier suchen — in diesem Momente suchen, wo Anarchie herrscht und wo die Minister sich ihrer Mission nicht bewußt sind, sondern gerade in dem Augenblicke sich zu« rückziehen, wo diese Hebräer das Land betreten? — Nein, ihr Rumänen, ihr Nachkommen derjenigen, die dieses schöne Land in allen Stürmen zu erhalten wußten, die eS zu vertheidigen und zu retten wußten au« den Krallen der Gothen, Hunnen, Türken, Po« len, der Ungarn und der Deutschen, ihr Nachkommen dieser er« tauchten Ahnen, ihr wißt eS ebenso gut wie wir, waS diese He« bräer hier wollen und wer sie hierher gebracht hat. Und ihr werdet wohl noch so viel Blut von euren Ahnen in euren Adern haben, um nicht zuzugeben, daß daS Land in die Hände der schmutzigsten, der verworfensten der Nationen falle — in die Hände der Hebräer! Es werden sich wohl noch patriotische Stimmen finde» in Rumänien, deren Widerhall den verzweiflungsvollen Aufschrei dieses armen verrathenen Volkes in zene Eabinette tra« gen wird, in welchen man sich mit der Zukunft Rumäniens be« faßt und in welchen man daran denkt, diese- Land aus den Hän« den der Feinde der Cjvilisation zu befreien, die keine andere De« vift haben, als ״Geld, Geld und wieder Geld", und somit den Ruin de« einfachen rumänischen Volkes! . . . Wir haben die Schritte der Feinde, die un» überraschen und unser Land in ein Palästina umwandeln wollen, überwacht und sind ihnen ohne Unterlaß gefolgt. Heute rufen wir den Ru« mänen zu: Schlafet nicht! Bei den von der gegenwärtigen Regierung getroffenen Maßregeln ist eS vorauSzusehcn, daß wir eines schönen Morgens erwachend — die Staatsgüter in unermeßlichcm Werthe in den Händen der Juden sehen; die Unglück» lichen rumänischen Brüder, die diesen heiligen Boden vcrtheidigt und erhalten haben mit Strömen ihres Blutes, und ihn behaup« ten mit ihrer Sprache, ihren Sitten, ihrer Religion und ihrem Schweiße, wir würden sie jammernd aufschreien sehen, gepackt von den Krallen der Hebräer, gleichwie das unschuldige Vögelein auf« kreischt, ersaßt vom Zahne der giftspeienden Schlange der Indiancr!." In dieser Tonart wird fortgeschimpft; auf den edlen Montefiore, dessen humanitäres Wirken sonst auch bei den specifischen Judenfeinden vom Schlage einer Wiener Airchenzeitung Anerken« nung findet, werden schockweise die allergemeinsten Schimpfworte geschleudert; Minister GoleSco wird in gleicher Weise gelästert, weil er Sir MoseS Montefiore freundlich empfangen, und schließ« lich von der Redaktion erklärt: ,,Heute beginnt noch die Unterzeichnung von drei Gesuchen, an den Fürsten, an die Kammer und an den Senat, in welchen wir die Erfüllung der folgenden vier Punkte auf da» entschiedenste verlangen werden: l. daß von den Staatsgütern nur abseits ge« legene kleine Ländereien, die dem Staate nur Schaden bringen, veräußert werden; 2. alle Hebräer, die seit 1848 mit Pässen ins Land gekommen sind, ohne daß sie bis heute eine industrielle Be« schäftigung haben, sollen durch Veranlassung der Regierung dorthin gesendet werden, woher sie-gekommen sind; 3. Hebräer, die Fabriken mit rumänischen Arbeitern besitzen, ferner jene, die ein Handwerk treiben, und jene, die im Auslande!Hochschulen absolvirt haben, sollen im Lande geduldet werden, mit der Be» dingong jedoch, sich auf den Weg der Civilisation zu begeben, wozu die Regierung die nöchigen Maßregeln treffen wird. Wa« die Rechte dieser Juden betrifft, so werden dieselben in Zukunft noch weiter einzuschränken sein; 4. von heute an ist derEin» tritt der Hebräer in da» Land für fortwährende Zei« ten verboten. Die Unterzeichnung zu obigen Gesuchen hat bei der Redak» tion de» Blattes bereit» begonnen; mögen alle Rumänen zur Un» terzeichnung herbeieilen! Zur Erleichterung der Bürger werden morgen auf dem Theqterplatze und auf dem Platze St. George Tische mit SubscriptionS-Bogen aufgelegt sein. Auf zur Arbeit, rumänische Brüder, und Gott sei mit un«!!!״ Gleichlautende Proklamationen wurden durch die Redaktion de» Journals an alle Straßenecken angeheftet, ohne daß die Regierung dagegen eingeschritten wäre; die Aufstellung von Sub» skriptionStischen dagegen auf öffentlichen Plätzen, wurde durch die Polizei untersagt. Die Unterzeichnung der Adresse im geschlosse« neu Raume ist nach der rumänischen EonstitutionS-Afte nicht zu verbieten und findet deshalb auch ununterbrochen statt, ohne daß ich Ihnen sagen könnte, welche Resultate in numerischer Beziehung damit bis heute erreicht worden wären. So viel über die Thätigkeit unserer ״liberalen" Partei. UebrigenS scheinen ihr diesmal die Flügel gestutzt zu werden, denn Sir Mose« Montefiore ist sowohl vom Fürsten als auch von sämmtlichen Ministem wieder« holt in Separat-Audienzen empfangen und von Ersterem sogar zur Hoftafel zugezogen worden. Jedenfalls liefert aber der obenerwähnte Aufsatz einen sehr bezeichnenden Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgung in dm Donaufürstenthümern, und bezeichnet einen Rückschritt in der Ci« vilisation, dem selbst die fremden Mächte, wie eS scheint, mit aller Energie nicht erfolgreich entgegenzutreten in der Lage sind. Lemberg, 31. August. (Die Vortragssprache in den Volksschulen. Israelitischer Verein.) DaS vom Landtag votirte Gesetz übdr die Bortragssprache in den Volks« und Mittelschulen erhielt, wie bekannt, die a.'.h. Sanktion und tritt mit dem beginnenden Schuljahre in Kraft. Da die Einführung der polnischen an die Stelle der bisherigen, seit einem halben Jahrhundert hier in Galizien bestandenen deutschen Borträge auf gewisse Schwierigkeiten stößt, so verordnele der Statthalter unter dem 26. d., daß die Eröffnung de» Schuljahre« in den Ghmna« sie» und Realschulen statt am 1. erst am 1b. September stattfinde, um zur Durchführung der neuen Schul-Organisation Zeit zu ge» winnen. Mit Ausnahme Einevon den drei Lemberger Ghmna« nasien, wo in den vier unteren Klassen die ruthenische Sprache die VortragSsprache ist, dann mit Ausnahme eines Gymnasiums in Lemberg und des Real-Gymnasium« in Brody, wo auch für die Zukunft die deutsche Sprache die VortragSsprache bleiben wird, ist vom beginnenden Schuljahre die polnische Sprache in ganz Galizien die VortragSsprache in allen Mittelschulen» Ueberall aber, joo die Eltern von mindestens 25 Schülern für deutsche oder ruthenische Vorträge sich erklären, werden Parallel-Klassen mit deutschen respekttve ruthenische» Vorträgen errichtet. Der» .selbe Grundsatz gilt auch für Brody und da» deutsche Lember» ger Gymnasium, wo polnssche Parallel-Klassen eröffnet werden können. Nach dem erwähnten Gesetze kann in den Volksschulen nur Eine Landessprache, nämlich die polnische' oder ruthenische. Vor« tragSsprache sein. Die deutsche Sprache ist obligater Gegenstand, und zwar erst von der dritten Klasse an; VortragSsprache kann