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Die Gegenwart · 1867-09-13 · 37 (13.9.1867) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
37 (13.9.1867)
Date
1867-09-13
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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Berliner vochenschrift sör 3»vische «ugelegßuheiien. 291 chung von Piutim K. verbesserten ©ctttÄbienft, die feierliche Trauung in der . Synagoge x. Daß sie nach meinem Abgang Einige» von diesem wieder vrrlqr, war nicht meine, auch nicht ihre Schuld. Daß die Gemeinde die» Alld» weiß und würdigt, hat sie mir jüngst in einer, meitiem Herzen! theuern Welse kund grthan. Die« genügt. Ich hätte wohl gerechtfertigte Veranlassung hierbei, einmal da» Treiben dieser Epigonen zu schildern, die, auf den Schultern ihrer Vorgänger stehend, sich groß dünken und de» neu da» Rabbinat doch nicht» weiter al» eine Milchkuh ist und zugleich eine Maske ihrer inneren Frivolität. Doch ich unterlasse es, verrathen sie sich doch selbst genug. Bonn, 15. August 1867. vr. Ludwig Philippson. emerit. Rabbiner." Also auch da» Juots-miliou erklärt sich gegen die Neuorthodoxie. Mecklenburg-Schwerin, den 30. August. In der Judenfrage hat zu mannigfacher Verwunderung die Regierung eine .Initiative ergriffen und von den Seestädten über deren völlige Ausschließung der Juden einen ungewohnt schleunigen Bericht gefordert. Beide Seestädte sind den Zeitungen nach nicht abgeneigt, die Beschränkungen fallen zu lassen, im ganzen Lande aber bedürfen die Israeliten der Eoncession und der Erwerb von Grundeigenthum ist ihnen verboten., Es wird von solchem Berbote freilich gelegentlich Dispensation ertheilt, doch nicht für Gütererwerb. DaS Domanium, worüber die Regierung unbedingt gebieten kann, hätte mit der Beseitigung dieser Maßregeln billig vorangeheu können. A Prag, 29. August. Die hiesige israelitische KultuSgemeinde-Repräsentanz hat den Professor vr. Wessely, in seiner Eigenschaft al« Mitglied der Repräsentanz, als früheren ReligionSlehrer und dermalen Professor des Rechts an der Prager Universität, um ein Gutachten über die vom Justizministerium be- \ züglich des Judeneides vorgelegte Frage angegangen, vr. Wessely stellt nun folgende Anträge: &) Der Eid soll von Juden ebenso wie von den Bekenner» der christlichen Religion einfach mit der Formel: ״Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich rc." und am Schlüsse mit der Bekräftigung: ״so wahr niir Gott helfe" abgelegt werden, b) Eine MeineidSerinnerung (EideSadmonition) soll bei Juden und Christen in gleicher Weise nur da stattfinden, wo sie der richterliche Beamte für nothwendig und zweckmäßig erachtet, um dem Schwörenden die Heiligkeit und Wichtigkeit de« zu leistenden Eides zu Gemüthe zu führen, c) Sie soll von dem den Eidesakt leitenden Richter mit Rücksicht auf den Bildungsstand de» Schwörenden und mit Hin- Weisung auf die weltliche und göttliche Strafe de« Meineids geschehen, ohne Beiziehung eines jüdischen. Geistlichen, d) Jnsolange bei der Beeidigung von Christen gewisse Formalitäten zur Erhöhung der Feierlichkeit (ein Kruzifix mit' zwei brennenden Kerzen) gefordert werden, soll auch die für Juden bestehende analoge Ce« remonie des Handauflegen» auf die im Hofdekrete vom 1. Oktober 1846 bezeichnete Stelle deS zweiten Buche» Most» beibehalten werden, s) Die Eidesleistung soll in der Regel mit unbedecktem und nur wenn der Schwörende e» verlangt, mit bedecktem Haupte geschehen. 1) Rücksichtlich der Zulassung eine» Israeliten zur Ablegung eines Eides hat man sich nur an die allgemein geltenden Staatsgesetze zu halten und auf keine gegen die Rechtgläubigkeit oder Religiosität des Schwörenden von welcher Seite immer erhobene Einwendung Rücksicht zu nehmen. Mit diesem Gutachten de« Professor vr. Wessely hat sich der erste Rabbiner zu Prag, Herr L. Rapoport, vollkommen einverstanden erklärt, mit Ausnahme de» Punkte« ä), da» Handauflegen auf die Thora betreffend, wa» Rapoport für vollkommen überflüssig hält und auch in den!üdischen Religionsgesetzen nicht begründet findet. Wie», 27. August. Die protestantisch« und israelitische Kultusgemeinde Wien» haben die freie Bequartierung der ihrer Cvnfession angehörigen Theilnehmer am allgemeinen öfterreichischen Lehrertag zugesagt. Da» Wohnungö-Eomitö fordert, da r» an Freiquartieren mangelt, die Besitzer leerstehender Cabinette und Zimmer und die Gasthofsbesitzer auf, demselben schriftlich bekannt zu geben, wie viel Lehrer sie beqnartiereu kvnnen und welcher Betrag für die drei Tage 5., 6. und 7. September d. I.) für je einen Lehrer zu erlegen ist. Bereits sind von mehreren Seiten, da man Freiquartiere nicht bieten konnte, Geldbetrüge für Beherbergung der Lehrer erlegt worden. Wien, den 5. September. In Wien tagt jetzt ein Volk»- schullehrer-Congreß, in welchem die Geister gar mächtig aufeinander platzen. Unter den Ausbrüchen Nerikaler Unterthänigkeit läßt sich die freisinnigste Anschauung so offen und unerschrocken vernehmen, daß eS eine Freude ist. Wir citiren nur den Bericht über die Rede des Einen der Theilnehmer, ErideSdorf au« Dien. Er betont die Nothwendigkeit der Emancipation der Schule von der Kirche. DaS Verlangen der Trennung der Schule von der Kirche habe zu Mißverständnissen und Verwirrung Anlaß gegeben. Man verlange weder die Beseitigung de» ReligionSunterricht», noch die Befreiung der Schule vom Staate, sonyern die Befreiung von der Bevormundung durch die Geistlichkeit (lebhafte Zustimmung), die Verbannung de» confessionellen Religionsunterrichts au» der Schule. Dieser Religionsunterricht demoralisire nur zu häufig die Jugend, indem er den Hang zuin Formalismus, zur Heuchelei und Lüge nähre. ES müßte eine Religion der Humanität und Liebe, der Freiheit und Brüderlichkeit gelehrt werden, welche de» Menschen zur Kenntniß seiner heiligsten Beziehungen: Gott, Natur und Menschheit, führt. Dieser Unterricht müßte aber von weltlichen Lehrern und nicht von geistlichen ertheilt werden. (Lebhaste Bravo'S). Die Schule solle ferner frei sein für Alle in materieller Beziehung, deshalb beantrage er di« Aufhebung des Schulgeldes und die Einführung einer Schulsteuer. (Stürmische» Bravo.) — So spricht ein Lehrer des finsteren von formatischem Pieti-muS niedergehaltenen Oesterreich und mit Beifall wird er von einer Versammlung gehört, deren großer Theil unter dem Einflüsse des ConcordatS gebildet und erzogen ist. — Mögen Andere, die mit überlegenem Achselzucken auf den ungebildeten Lehrerstand Oesterreichs herabzublicken pflegen, und mit ihrer Freisinnigkeit soviel Aufhebens machen, ein wohlzubeherzigende» Beispiel in diesem Vorgang erblicken! — Bukarest, 1. September. Die Ankunft des Sir Mose» Montefiore in Bukarest, der die Donaufürstenthümer bereist, um all seinen Einfluß zum Schutze der dort arg bedrängten Juden zu verwenden, hat zu einer neuen Judenhehe Anlaß gegeben. Eine« der jüngsten Kinder der rumänischen TagrSpreffe, da» ״Journal Nationea", welche» sich in einer gewissen Partei einer bedeutenden Verbreitung erfreut, veröffentlichte, um diese Agitation zu fördern, einen Artikel, der wohl da» Schamloseste ist, was in diesem Genre bisher irgendwo geleistet worden. Zur Charakteristik unserer Zustände theile ich Ihnen nachstehend einige Stellen au» diesem ״Sensation»" Artikel, der leider eine gewisse Partei bornirter Nativisten hinter sich hat, mit: ״Schon vor zwei Wochen kündigten wir unseren Lesern die Ankunft eine» reichen Juden au» England, Sir Mose» Montefiore, an, und nun ist diese Persönlichkeit, welche die Schlüssel zu allen Thüren der Cabinette Europa» in Händen hat, gestern 37*

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