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Die Gegenwart · 1867-09-06 · 36 (6.9.1867) · p. Seite 287

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
36 (6.9.1867)
Date
1867-09-06
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Scholangelegenheit in keiner Weise aleine dringliche erkennen, wenigsten» ist schon lange keine Klage darüber vorgekommen, daß die katholischen BolkSschulen durch den fortgesetzten Besuch der iS« raelitischen Kinder in ihrer Wirksamkeit gehemmt oder beeinträch« tigt wären. r ' Auch beeile sich die gegenwärtige Gemeindevertretung Wien» den vormasitzen Uebelständen der Ueberfüllung mehrerer Volksschulen durch Eröffnung neuer Schulklaffen abzuhelfeu, wodurch den vormals besorgten Nachtheilen au» dem Zuströmen der iS« raelitischer Kinder in die katholischen Volksschulen inuner mehr ge« steuert werden wird. Endlich sei zu bemerken, daß inzwischen in der Leopoldstadt eine israelitische Privat-Haupt- und Unterrealschule, welcher das Kultusministerium daS OeffentlichkeitSrecht bewilligte, errichtet und dadurch schon thrilweise erreicht worden sei, was aus Kosten der Judengemeinde bezweckt worden war. ' Er glaube demnach, daß, so lange das Bedürfniß eigener israelitischer BolkSschulen nicht dringender hervortritt, die von den Vertretern der Wiener Judengemeinde angefochtene An« ordnung des vormaligen Kultusministeriums, deren Durchfüh« rung bei dem Verhältnisse des BolksschulwesenS in Wien mit großen Schwierigkeiten verbunden wäre, auf sich zu beruhen haben dürfte. Dieser Antrag wurde von Sr. Majestät genehmigt und damit fand die viel ventilirte Frage ihren Abschluß. Sagen wir schließlich, daß hier wie anderöwo jüdische Ellern viel, sehr viel, öfters mehr als es ihre Mittel gestatten, für die Bildung und Erziehung ihrer Kinder thun.*) ES ist ein regsamer und strebsamer Geist unter der israelitischen Jugend vorhanden, der zu den besten Hoffnungen berechtigt. In den »erschiedenen Volks- und Mittelschulen, wo sie Unterricht genießen sind sic nicht die letzten, in manchen gehören sie zu den besten. WaS speciell die Religionsschule betrifft, so kann es nicht ihre Aufgabe sein, Rabbinatökandivaten heranzubildcu; aber die Quelle der israelitischen Religion der Jugend zugänglich und derstündlich machen, Sinn und Verständniß des Jndenthume« der Jugend eröffnen, Herz und Gemüth der Jugend für daS Judenthum, seine Lehre und Geschichte erwärmen, daö thut sie; und wenn auch die Verhältnisse eine vollständige Erreichung des Zieleö erschwere», so wird ihr -Sch Niemand bestreite» können, daß sie dasselbe mit unermüdetem Eifer herbeizuführen bestrebt ist. Ob die jüdische Jugend ihre» gläubigen Sinn, ihre Anhänglichkeit am Judenthuine thatsächlich übt? DaS Judenthum, als Religion der That, wurde zu allen Zeiten nicht blos in den Schulen gelehrt, sondern auch im Hause geübt und dafür haben auch jetzt neben der Schule die Eltern zu sorgen. *) Für die Bildung und Erziehung armer Kinder sorgt die bekannte Wohlthätigkeit der Wiener israelitischen Gemeinde. Die Kindcrbcwahranstelt überwacht die Kinder im zartesten Alter, der Theresienkreuzer-Verein zahlt da« Schulgeld für die Schüler und Schülerinnen der Volksschulen und für Real, schülcr und gicbt denselben Schulbücher 1c. Ausserdem bestehen mehrere Sti. pendien für Schüler der Volk«, und Mittelschulen. Die israelitischen Ltudi. rendcn an den Hochschulen (Universität und Polytechnik) wtrde» von dem Vcreine zur Unterstützung mittelloser iSraeliüschcr Sttidirendcr in Wien unterstützt. In dieser unserer Darstellung hatten wir jedoch blo« die Schüler der Volks, und Mittelschulen im Auge. Jüdisch« «rrgele^chette«. 88? Ueber tat Eo1»iÄm»g-gavg de- GottheitSdegriffes im Züsammenhange mit der nationalen Bildung. Bon K. Köhler, RabbiuatSkaudidat. Die Annahme eines ursprünglichen, allen oder blo» den semitischen Völkern eigentümlichen Monotheismus beruht, wenn man ihrer Quelle uachgeht, auf Boruriheil. Sie widerstreitet ebenso der menschlichen Natur nud der stets fortschreitenden Entwicklung der Ideen, wie den alten Quellen selbst, sofern man sie nur rich« tig zu lesen versteht. — Je weiter wir in der Geschichte des AlterthumS hinaufgehen, desto weniger unterscheiden sich Menschen und Völker von einan« der. Ganz natürlich, die spezifische Natur de» Individuum» ent« wickelt sich immer erst aus der allgemeinen Mcnschennatur. — Alles was der Urmensch auf der ersten, noch ganz rohen Naturstufe wahrnimmt, ohne e« zu begreifen, was sein Staunen oder Grauen erregt, da» hat für ihn eine höhere Macht. Er fühlt sich von ihm beschränkt, bedroht und beängstigt; er trachtet darnach, sich seine Zuneigung zu verschaffen durch Hingebung dessen, WaS ihm lieb ist. Gelingt ihm daS, wird diese» gefürchtete We« sen sein guter Dämon; versagt ihm ein Wesen seine Zuneigung, so wird e» sein böser' Dämon, gegen den er sich mit allen Schutz« Mitteln bewaffnet, um ihn sich unschädlich zu machen. Je bewegter und unstäter sein Leben ist, desto schneller wechsein Charakter und Wesen seiner Dämonen; doch ist e» schon hier das Licht- und Glanzvolle oder das zu diesem in Beziehung Ste« hende, was er sich gegenüber dem Dunklen und Finsteren zu seinem guten Gott wählt (wie ja auch alle Sprachen an« dem Begriff des Glanzes die Bezeichnung für die Gottheit meisten» nehmen; vergleiche zu Allich die Belege bei Sprenger, Leben Mohammads kl., 286). Allein zum festen Bewußtsein einer Gottheit gelangt er erst auf der Stufe des Familienlebens. Hier knüpfen sich alsbald an daö höhere oder verehrte Wesen Erinue« rungcn dauernder Art; die Familie dankt ihm ihr Gedeihen, ihren Zuwachs und Unterhalt; die Kinder sind unter seinem Schutz geboren worden u. s. w. Die Familie identificirt sich mit ihrem Gotte, er wird ihr Schutzpatron, ihr Vater. Dies bestätigt oder befestigt sich, sobald sie mit anderen Familien in Verkehr tritt, denn sie unterscheieet sich gerade durch ihre» Schutzzoll von den andercn, und dieser wird das äußere U n t er sch ei düng S merkmal im Namen. Ist z. B. der Hund (Wolf) ei» solcher Ge« gcnstand der Verehrung dieser Familie, so heißt sie Ban» Kalb — Söhne des Hundes oder schlechthin Kaleb oder Kalib (dem Kalb Angehörig). Auch die einzelnen Glieder des Hause» nen- »en sich nach ihrem Schutzgott und seinen Attributen z. B. Abd SchamS (Sohn) Diener de» Sol, Jbn Asad — Sohn de» Löwen, Jbn Thrtlaba, des Fuchses oder Jbn Manllf — Sohn des Vermehrers, Jbn. Hobal — (חבל!!) des VerschlingerS rc. Je mächtiger au Zahl und Ansehen die Familie ist, desto mehr schließen sich ihr an; indem sie sich unter ihre» Schutz begeben, müssen sie ihren Schutzgott als obersten anerkennen. So nennt sich ein ganzer Stamm nach dem Gott der Hauptfamilie z. B. HilLl — הילל — Glänzender (Sonnengott) bei den Arabern oder die Griechen nach ״/av (der strahlende Sonnengott gegenüber der Helene — Mondgöttin) Die einzelnen Familien- und Hausgötter bestehen daneben natürlich fort. Auf dieser Stufe finde» wir auch meisten» die alten Völker der geschichtlichen Zeit; ein äußerer Schritt zum Monotheismus ist hier gemacht, aber noch der vollständige Gegensatz dazu. Wäre einem solchen Volke

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