Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 36 (6.9.1867)
- Date
- 1867-09-06
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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288 t Die Gegenwart. Zeit gelaffen zur Reflexion, so könnte eS nach und nach den obersten Gott mit dem ganzen Ideengehalte der Gottheit ausfüllen; aber dazu kommt' es nicht, denn der Gott kann ebenso wenig wie der Mensch allein sein, er braucht eine Hilfe, ein Eomplement; er muß nach Menschenart doppelseitig, zeugend und empfangend, angesehen werden. Wie zur Sonne der Mond, so gesellt sich zum HilLl die Lüt — ,-«^-blasse Luna. — Nun giebt cS noch eine andere Art von Gottheiten, die OrtS- und Landesgötter, die erst mit vem seßhaften Leben entstehen. Unter ihrem Schutz wird die neue Stadt gegründet und gedeiht sie; erweitert sie sich zum Staat, so wird der s»«'r nolttS^o( allgemeiner LandeSgott. Solche Götter kommen oft von außen herein; so sind die meisten Lokalgötter der Griechen phönikischen Ursprung«. Die« erklärt sich eben durch ihre Natur, daß sie zu dem Orte selbst in engere Wechselbeziehung bei der Gründung gesetzt ymrden. So nimmt AcneaS die Penaten von Troja mit nach Latium (Aeneiv. III. 148) und Rahel die ihre« DaterS mit nach Palästina!! (Gen. 31, 19). Erweist man diesem Landesschutzgott nicht die ihm gebührende Verehrung, so rächt er sich an den Bewohnern. Daher kommt eS, daß (unterworfene oder) von ihrem Lande versetzte Völkerschaften ihre religiöse Eigenthümlichkeit verlieren; sie müffen auf fremdem Boden der LandeSgottheit dienen, wenn ihnen diese nicht schaden soll, Ein sehr treffende« Beispiel sind die von Salmanaffar nach Palästina versetzten Völker au« Kmha u. s. f. II. König. 17, 15: Sie fürchteten Jahwe nicht, heißt eS, und eS wurden von ihnen Viele von den Löwen aufgezehrt. Da sagten sie zu Salmanaffar: Sie kennen nicht die Weise des Lande«- gölte«, daher lasse er ihnen da« Unheil zukommen. Daher bestellte Salmanaffar einen Priester von den Exulanten, der sie in der Weisung des Landesgottc« unterrichtete, und sie wurden von nun an, obgleich sie ihren väterlichen Euitu« dabei noch fortsetzten (btS er im Lauf der Zeit dem reineren Monotheismus den Platz räumte) nicht weiter beunruhigt. — Wip aber verhält sich zu dieser allgemeinen Götterverehrung da« Volk Israel oder der geoffenbarte Monotheismus? Unter Offenbarung verstehen wir da« Sichtbarwerden eines Keimpunkte«, der auS so und so vielen kleinen und unsichtbaren Fäden sich gespönnen und zosammengewebt u»y dergestalt verdichtet hat, daß er nunmehr der Ansatzpunkt eineneuen großen Keimung-- und GährungSprozeffe» wird, der den gesammten vorhandenen Stoff religiöser Vorstellungen zu einer höheren Bildungsform umgestal« tet — oder ohne Bild: da» plötzliche Jnnewcrden einer aus la« tenten Vorbedingungen hervorgegangencn, aber dm Menschen mit der Macht eines Höheren überwältigenden Wahrheit, die nicht al« von innen sondern al« von außen oder von oben herabgekommen gefühlt wird, und die von nun an die Grundlage zu einer nmen Entwicklung von ewigen sittlichen Wahrheiten wird, deren Keim ewig schöpferisch fortwirkt, immer neue Formen schaffend, so lange er in seinem Wesen nicht gehemmt wird. — Anzunehmen, daß Mose« schon die ganze Wahrheit deS Monotheismus, wie sie das Deuteronoinium predigt, geoffenbart habe, heißt ebenso »n« würdig von der Menschheit und dem Volke gerade, dem diese Wahrheit entsprossen ist, denken, wie von der Vorsehung selbst, die anstatt einem rohen Wüstenvolke Führer und Lehrer zu geben, die e« versteht, um ihnen allmählich auf eine höhere Stufe sittlich-religiöser Anschauung folgen zu können, ihm einen GotteSmann bestellt, dessen Worte e« nach 900 Jahren erst de» greifen lernt, während e« ineeß durch die Richter- und die Zeit des Reiches Israel hindurch dem schauerlichsten Götzendienst huldigt, von dem weder ein Weiser, wie Salomo, noch David selber, in dessen Hau« die Teraphim oder Hausgötter so gut wie beim Niedrigsten des Volke« sich vorfinden, (vgl. I. Sam. 19, 13 und Hosea 3, 4) sich frei machen konnten. (Fortsetzung folgt )__ Briefkasten. V. SJ. Iuhiltieahrrichte nehmen wie «»gern ans, filbrrae Hnchzelten n. bctgl gor nicht Anfang des Gottesdienstes in den Gemeinde-Synagoge«. In der alten Synagoge. Freitag. Abend« 6V« Uhr. Sonnabend, Morgens 8V, Uhr. In der neuen Synagoge. Freitag, AbcndS 0'/« Uhr. v Sonnabend Morgens 8'/, Uhr. (Pred.) Aterarische Anzeigen. . ei Adolf (?01)11, Verlag u. Antiquariat (früher W Adolf & (So) in Berlin. Doroihrenstr. 67, ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu drziehrn: Landshutk, 2. M. Vollständige« Gebet- und LndachtSbuch zum Gebrauch« bei Kranken, Sterbenden und Leichenbeüattungen, sowie beim Befinden der Gräber von Brr. I u s c l 1 t e. wandten und 8iMsn; in hebr. und deutscher Sprache. Berlin 1807. gr. 8. Preis: Druckpapier 2 Thlr Velinpapier 2»/, Thlr. Enthält die betreffenden religiösen Vorschriften und übliche» Gebräuche von der Zeit des Hinschei. denS bis nach zurückgelegtem Trauerjahre und an dem alljährlichen Sterbetage eines Angehörigen, nach der Zusammenstellung de« verewigten Rabbiner« Ja. cob zu Liffa, nebst Nntersuchunaen über Alter, Ent. stehung Und Urhebrr gedachter Gebet-Sammlung nnd Gebräuche, und al» Anhang eine Steihe meist «»gedruckter Grnbschriftrn verdienter Personen» mit biographischen, literari» schon und genealogi.chen Anmerkungen. Heinrich Heine s sämmtliche Werke für 9 Thalcr. Diese neue billige Ausgabe erscheint in 18 Bän. den ä S Lieferungen zum Preise von & gr.; mo. natlich werden S—4 Lieferungen auSgegebcn und werden Abonnement« bei dem Unterzeichnctm ange. nommen. Julius Benziau. )9«. Große Hamburgerstr. Holdheim, vr. S., Sechs Predigten. gr. 8. geh. 16 Lgr. — Gott siehet, mit Borwort von vr. Abr. Geiger (HoldhrimS letzte Predigt) gr. 8. «Bgr. Berlin. Julius Benzian. Vermischte Anzeigen. Eine Hauslchrcrstclle; in einer Universitätsstadt wird gesucht von einem »t»,I. fliil. 01 tiiuul. jnd. Offenen nimmt entgegen d. Expcd. d. Bl. sub. au. 3. Zur gefälligen Notiz! Inserate, die in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen, müffen bis Dienstag Mittag eingesandt werden. Verantwortlicher Redacteur: Carl Hirsch. Selbstverlag von Julius Beuziao, Berlin, Gr. Hamburgerstr. 19a. — Dtuck von H. S. Hermann, Berlin, Klosterstr. 7».