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Die Gegenwart · 1867-09-06 · 36 (6.9.1867) · p. Seite 282

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
36 (6.9.1867)
Date
1867-09-06
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 £ Die Srgmwart. auf diese Fragen ohne Umschweif antworten: lieber alle» die» habe ich von meinen Lehrern nicht» zu hören bekommen, weiß ich durch meine Lehrer nicht». Dagegen wird manche^ hinzufügen: Ich erinnere mich, von einem der Herren Lehrer, al» er Geschichte der Bibelexegese oder etwa» ähnliche» la», die Worte gehört zu haben: Der Pentateuch steht über der Kritik! Und ein anderer und nicht nur einer — kann Euch erzählen, daß er, al» er Geiger» Urschrift der Seminarbibliothek entkwhmen wollte, von dem Bibliothekar, der ebenfalls Seminarlehrer ist, mit den Worten abgewiesen wurde: Da» brauchen Sie jetzt noch nicht zu lesen. (Fortsetzung folgt.) r * Berlin, den 1. September. Unserm Versprechen gemäß geben wir heute Mehrere» au» der in voriger Nummer erwähnten Halberstadter Zuschrift, die im Ganze» 12V« Seiten groß Quart einnimmt, wieder, obgleich un» Umfang und Form berfel» ben, wie schon bemerkt, da» Recht gäbe, sie ganz unberücksichtigt zu lassen. Die Zuschrift sagt: ״Die religiöse Richtung de» Seminar» durften Sie^Jhrem Programme gemäß nicht bekämpfen. In dem Leitartikel der Probe- Nummer Ihrer Wochenschrift versprachen Sie Ihren Lesern: ״Keine Schule, keine Parten soll hier ausschließlich vertreten sein, keine Meinung wofern nur unserer ausgesprochenen Tendenz Genüge geschieht, zurückgewiesen werden." Wenn Sie hiernach die Pflicht haben, die religiöse Richtung de» Breslauer Seminar» zu tolcriren und zu achten, so dürfen Sie auch seinen wissenschaftlichen Leistungen Ihre Hochachtung und Werthschätzung nicht versage». Der Charakter einer Anstalt stellt sich dar iin Lehrerkollegium und da» Lehrerkollegium de» BreSlauer Seminar» weist Namen auf von lauterstem und gediegenstem Klange. Während Prcfessor BernayS (jetzt in Bonn) und Professor Levy [?!] in der weiteren Wissenschaft je einen der ersten Plätze einnchmen, ist die jüdische Wissenschaft und damit auch die jüdische Religionsentwicklung durch die eminenten Leistungen eine» Direktor Frankel, eine» Dr. Grätz, eine« Dr. Joel (jetzt Prediger) in einer Weise gefördert worden, daß die Namen dieser Männer in der Geschichte de» Judenthums und der Wissenschaft nie erlöschen werden. Für die praktischen Leistungen de» Institut» genügt der Hinweis auf die, theilweis bedeutenden, Gemeinden, welche au» freier Wahl ihre Kanzeln und RabbinatSstühle mit Zöglingen de» SeminarS mit Lorliebe zu besetzen pflegen. Bei der Autonomie unsercr jüdischen Gemeinden fällt dies Zeugniß als ein da» Seminar ehrendes schwer ins Gewicht. Glauben Sie nun wirklich, Herr Redakteur, daß Ihre Leser Ihnen Beifall jauchzen werden, wenn Sie jene Anstalt als einen Pfuhl sittlicher Berkommenheit auszuschreien wagen?" — Zunächst protesliren gegen die absurde Auslegung unseres Programme». Jede« Kind, da» lesen kann, wird den hier au» demselben citirten Satz nach Wortlaut und Zusammenhang (wir bitten die Probenummer zur Hand zu nehmen) nur dahin erklären, daß in den Spalten unseres Blntte» jede Ansicht solle entwickelt werden dürfen, wenn nur der Tendenz des Blattes Genüge geschehe, d. h. wenn die Entwicklung in wissenschaftlicher und zugleich in populärer Weise geschehe. Demgemäß haben vir auch jederzeit verfahren. Nicht aber konnten und wollten wir versprechen. Alle», wa» irgendwo im Judenthum vorgehe, ruhig zu toleriren. — Was die Zuschrift über das Breslauer Seminar meint, findet in unserem Leitartikel, dem Andere» über da»- selbe Thema folgen wird, seine,Antwort. -Wir heben hier nur hervor, daß der Herr Einsender seine völlige Uukenntniß der /״ Verhältnisse de» Seminar» verräth, indem er den berühmten Prof. M. A. Levy, der nie in Beziehung zu diesem Institut stand, zu einem Lehrer desselben macht! Die Zuschrift sagt ferner: ״Wodurch auch gerade Herr Rabbiner vr. Güdemann den Zorn der ״Gegenwart" auf sich geladen, muß den Lesern derselben ein Räthsel bleiben. Herr vr. Güdemann ist ein geschätzter Prediger, in seinem Rabbinat rechtschaffen und erfolgreich thätig, ein begeisterungS- ,voller Anhänger de» historischen Judenthum», eine achtunggebietende Persönlichkeit, ein makelloser Charakter — die» Ehrenzeugniß wird ihm weder die Wiener Gemeinde versagen, noch die Magdeburger, bei welcher er sehr beliebt war und noch in gutem Andenken steht. Sein einzige» Vergehen der ״Gegenwart" gegenüber könnte höchsten» darin bestehen, daß er seinerzeit zu den Prätendenten der Berliner Predigerstelle gehörte, während die ״Ge« genwart" Männer einer verschiedener religiösen Richtung begünstigt. ES ist aber bekannt, daß jene Prätension nicht von vr. Güdemaun selber ausgegangen war. —" Hierauf wissen wir nicht besser zu örwivern, als mit den v Worten der ״Neuzeit", denen wir vollständig beistimmein ״Also glauben die jungen Leutchen wirklich, die TageSgeschichte beschäftige sich mit ihnen, halte eö für eine Ehre, AuSfälle gegen sie zu machen! Warum? Wozu sollten wir die» thun? Wa» sollen un» diese kleinen Persönlichkeiten? Neiden wir ihnen etwa Brot und Amt? Weiß man doch, daß un» ein gewisse» Altarbrot, da» wir übrigen» als kontribuirende Mitglie« der der Kultusgemeinde selber mitbereiten helfen, wie dem Bieder« Weibe Salomon» das Brot der Thatenlosigkeit, widersteht. Oder glauben diese SeminarSzöglinge, daß wir in ihnen nur ein Princip bekämpfen? Seit wann sehen wir diese Schüler als Träger eines Principe» an? Worin sollen wir diese ihre Tragkraft suchen? Ja! Wenn dereinst Herr vr. Güdemann oder seine Schulkolle« gen durch wissenschaftliche Kapacität, durch eminente Rednergabe, durch respektable Erfahrung, durch ein thatenreiche» Leben, durch irgend eine hervorragende Wirksamkeit, sich mehr al» Titel, Rang, Amt, Brot und Sorgenlosigkeit, wie de» Glücke» blinder Wurf sie verleihet, wenn sie wohlverdiente Autorität sich erworben haben werden, dann wollen wir'״», wenn wir die» Wunder überhaupt noch erleben sollten, nicht versagen, daß wir auch gegen s i e mit aller Schärfe und allem Nachdrucke' polemisiren wollen, wenn sie anders noch bi» dahin in der eingeschlagenen Richtung verharren. Ehe die» aber geschieht, wird die ״Neuzeit" das fa.it accornpli schweigend bedauern, den respectiven Gemeinden ihr stille» Beileid bezeigen, und die jungen Männer einfach ignoriren. Wenn sich also vr. Rahmer und seine Schulkameraden einbilden, daß wir ״Ausfälle" gegen sie machen, so thun sie sich viel zu viel Ehre an, Frechheit aber ist eö, unsere offene und unumwundene Sprache eine ״Verdächtigung" zu nennen, was wir mit Entrüstung zurückweisen müssen. Das ״Berdächtigen" ist unser Handwerk nicht, wir haben nie in BreSlau Theologie studirt. Was wir auf dem Herzen haben, da» sagen wir stet» frei und mannhaft und ohne Umschweife heraus. Oder können es diejenigen Wiener, die jetzt so empfindlich geworden sind, so oft wir der Käppchenheiligkeit und der Sehnsucht nach dem alten.Kehillawesen zu Leibe gehen, ander» von un» sagen, daß wir immer und immer vor der jüdischen ConkordatS- Partei gewarnt haben? Weshalb, so könnten wir fragen, hat man dm» in Wien niemals verkappte Angriffe auf Persönlichkei« , ten gesunden, al» wir im Prozesse Kompert gegen den Protest

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