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Die Gegenwart · 1867-08-30 · 35 (30.8.1867) · p. Seite 278

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
35 (30.8.1867)
Date
1867-08-30
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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278 Die •cgaitMrt ' fettst zu prüfen, wem sie ihre Kinder zur Bildung und Erziehung anvertrauen sollen. Freilich giebt e« in diesen Ländern mitunter schlechte, sehr schlechte Schulen, wie sie bei un» in Oesterreich nicht vorhanden sind; aber die Eltern allein find dafür veranwort» lich, wenn sie ihre Kinder in derartige Lehranstalten schicken. Oder aber die Regierung erlheilt Eoncefsionen und dann kön« nen sie in einer Residenzstadt, wie e- Wien ist, nur an solche Personen ertheilt werden, die wirklich einen höheren Grad wissen« schaftlicher Bildung erlangt haben. Der Zustand, wie er jetzt ist — es bestehen hier drei israelitische Schulen, die da- Recht ha« ben, staatSgiltige Zeugnisse au-zustellen: Dr. I. A. Pick und S. Szanto für Volk», und Unterrealschule, I. Löw und Talmud- Thora für BolkSschule und zahlreiche israelitische Privatanstalten — kann nur zum Nachtheile der Sache, zur Schädigung de- Unterrichte» beitragen. SstaS wir hier von den israelitischen Lehr- und Erziehungsanstalten für Knaben gesagt haben, gilt auch von den betreffenden Anstalten für Mädchen, die ebenfalls in letzter Zeit gleichsam aus der Erde herauswachsen. Wenn die Absicht der Regierungsorgane früher etwa dahin ging, durch diese Massenhaste EoncessionSertheilungen den Borstand, so zu sagen, »6 absuräum zu führen und ihn in solcher Weise zur Begründung einer israelitischen BolkSschule zu zwingen; so hat die Erfahrung gezeigt, daß diese Absicht nicht die gewünschte Wirkung erzielte. So lange der unselige Vertrag vorhanden ist, und das Losung-- wort ״Trennung der Schule von der Kirche" besteht, wjxd der Borstand, wie wir glauben, ohne jedoch näher darüber unterrichtet zu sein, kaum oder nicht eine israelitische Volksschule errichten, da da- Eoncordat selber schon den separatistischen Geist involvirt. Erst, wenn die Zeit der vollkommenen, konfessionellen Gleichberechtigung gekommen, wenn da« Conkordat aufgehoben und SimultanSschulen errichtet und andere Confessionen, wie die« vorauszusetzen und nach ähnlichen Vorgängen in England und Nordamerika zu schließen ist, konfessionelle Schulm errichten werden; dann kann auch die israelitische EultnSgemeinde, ohne Furcht vor dem Gespenste des Separatismus die Frage der Errichtung iSraelitischer Volksschulen in Wien in Erwägung ziehen. Bi« dahin muß die Frage vertagt werden. (Schloß folgt.) 1 JosephuS «ud die Zerstörung Jerusalems. Bon Dr. Zoll«» jtrcr. (Schluß zu S. 272.) Da ihm die Schwäche und Furcht der FriedenSpartei in Jerusalem keinen sicheren Rückhalt gewähren konnte, so betrat nun JosephuS den Ausweg, daß er sich vom Heerd der Revolution hinweg und al« obersten Bevollmächtigten der Eentral-Regierung nach Galiläa schicken ließ, wo er seinen Plan ungestört ausführen, den Lauf der Ereignisse beobachten und zugleich leiten konnte. Die Friedenspartei, die ihm zur Erreichung dieser Stellung behilflich gewesen war, erwartete von ihm, daß er den Gemäßigten in der Provinz einen Halt geben und di« Oberhand über die Aufständi« schon verschaffen würde. JosephuS hat nicht nur den Aufstand seine« Volke«, so viel in feinen Kräften lag, in Jerusalem niedergehalten und in der Provinz gegen denselben gearbeitet, er hat auch als Geschicht« fchreiber Alle« gethan, um die Kriegspartei in den Augen seiner abendländischen Leser herabzusetzen und, da die katserliche Macht seine andere Darstellung neben der seinigen austommen ließ, der Nachwelt ein Urtheil über die inneren Parteien de« untergehenden Volke« zu erschweren. Die Borboten der Auflösung, alle Regungm de« Lande« und die Anstrengungen de« Volke«, seine Selbstständigkeitwieder zu gewinnen, führte er immer nur auf Betrug, Räuberei und Zauberei zurück. Al« Ouiriniu« die Schatzung in Judäa durch« führte und Juda« von Gamala im Verein mit dem Pharisäer Saddok da«׳ Volk zur Freiheit aufrief und einen Aufstand erregte, so war diese Bewegung nach JosephuS nur, Räuberei, der die allgemeine Freiheit al» Vorwand diente. Auch jener Theoda», der eine große Volksmenge bewog, ihm zum Jordan zu folgen, dessen Wasser auf sein Geheiß sich öffnen und freien-Durchgang gewähren würden, — die Anderen, die das Volk in die Wüste lockten und ihm daselbst die Wunderzeichen der Befreiung zeigen wollten, — jener eghptische Jude endlich, der unter Nero'« Regierung einen Haufen von dreißig^tausenp Menschen bewog, ihm auf den Oel« berg zu folgen, wo auf sein Geheiß die Mauern der Stavt nieverfallen würden, so daß sie die Römer überfallen könnten, — Alle sind ihm nur Räuber und Betrüger. Dieselbe römische Uebermacht, die da« Volk in die Wüste trieb und nur in der derzweifelten Erwartung, daß sich die Wunder der Befreiung au« Aegypten wiederholen würden, Hoffnung und einen Bereinigung«» Punkt finden ließ, diesette Uebermacht, die alle diese Aufläufe mit leichter Mühe auseinander sprengte, stempelt in de» Augm de« JosephuS diese Vorboten eine« tödtlichen Kampfe« zu bloßen Räu« bereien und zu sinnlosem Betrug. AuS dem verwirrten und entstellten Detail, welche« er zu« fammenhäuft, bricht kein leitender Gedanke hervor; e« ist seelen« lo«, wüst und in seinen einzelnen Bestandtheilen lleinlich . . . .; ohne Gefühl für die letzten LebenSregungcn seine« Volkes und an sich selbst seelenlos, hat er die Seele de« Aufstandenicht her» auSgefühlt; sein eigene» erstorbenes Judenthum hat den Tode«* kampf de- Nationalstaate« nicht mehr Mitempfinden und darstellen können. In derselben Weise schildert er den Kampf, der zwischen ihm und der Eentral-Regierung stattfand, nachdem er seine Be» fehlshaberstelle in Galiläa angetreten hatte, ohne auch nur mit einem Worte anzudeuten, um wa« e« sich in demselben eigentlich handelte. Er wußte zwar, wa« er wollte, — sich eine Stellung verschaffen, in der er den Römern gegenüber eine selbstständige Bedeutong erhielt und seine Niederlage für seine Person werth« voll machen konnte; auch die Eentral-Regierung wußte e», we«» halb sie ihm mißtraute und ihn durchaus von seiner Stelle ent« fernen wollte; sie wußte e-, daß er durch sein eigenmächtige« Ber« fahren in Galiläa und durch seine Absonderung von der revolu» tionären Bewegung den Fall der Hauptstadt herbeiführen würde, und sie fürchtete endlich geradezu sein Einverständniß mit Ve«pa» sian. Die Boten fliegen in der Darstellung de- JosephuS zwischen Jotapata, der Festung, die er gegen die Römer vertheidigte, und Jerusalem hin und her, seine Freunde in der Hauptstadt, sein Vater, warnen ihn in ihren Briefen vor den Eommissionen, die die Eentral-Regierung nach Galiläa abordert, um ihn abzusetzen; in seinem eigenen Heere brechm offene Aufstände gegen Ihn au«; seine List ist dagegen unerschöpflich, seine Härte unerschütterlich; zur Noth hilft er sich mit seiner Feigheit und Grau» samkeit. Mit dem Einrücken BeSpasian'« war er Zufrieden, weil e« die Entscheidung, die ihm gewiß war, einleitete und ihn zugleich von dem beständigen Kampf mit der revolutionären Regierung und mit Johanne« von Gi«kala, der ihn geradezu al« Berräther an» klagte und seine Zurückberufung am eifrigsten beanttagte, befreite-

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