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Die Gegenwart · 1867-08-30 · 35 (30.8.1867) · p. Seite 275

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
35 (30.8.1867)
Date
1867-08-30
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift ftr Jiidisch« Rag6egeuh«1r». r 275 —s—— /י" gefaßt würde, bei dem Könige zu befürworten. Ein solcher Be« schluß ist, wie au« Königsberg berichtet wird, mit 83 gegen 8 Stimmen vom Gmeralkonzil der Professoren bereit« am 23. Jannar 1867 gefaßt worden; bi« jetzt, Ende August, ist — wie die ״Rat. 3tg.*' monirt — die in Aussicht gestellte Bestätigung noch nicht eingelaufen. Wie», den 4. August. Der Erzbischof Ludwig Havnald hat, wie wir im ״Idök Tanuja" lesen, auf die BeglückwünschungS-Adresse der Karlsburger israelitischm Gemeinde mit folgender, den Kirchenfürsten ehrenden Zuschrift geantwortet: ״Geehrte Israeliten-Gemeinde! Angenehm war mir der Empfang der herzlichen Zeilen, welche die geehrte JSraeliten-Gemetnde au« Anlaß meiner Ernennung zom Erzbischof an mich richtete, und in welchen die angenehmen Tage, die ich in Sieben« bürgen verlebt, und der Umstand erwähnt werden, daß ich Ihre Glaubensgenossen an den Wohlthaten der durch mich gegründeten Anstalten theilnehmen ließ. Indem ich das Karlsburger Spital auch für meine Mitmenschen anderer Confession eröffnet«, strebte ich nur das zu erfüllen, was unsere katholische heilige Kirche durch das Gesetz der christlichm Liebe allen ihren Gläubigen, besonders aber den Bischöfen an« Herz bindet. Und dafür, daß ich in meine weiblichen Erziehungs-Anstalten auch die Kinder der geehr« ten JSraeliten-Gemeinde aufnahm, werde ich mich genug belohnt finden, wenn die darin lernenden Kinder die Früchte des Herz und Geist bildenden Unterrichts im Leben aufweisen, und mit der Anerkennung der ini Institut erhaltenen guten Erziehung auch meiner gedenken werden. — Der ich übrigens, für Ihre freund« liche Begrüßung meinen aufrichtigen Dank aussprechend, mit ausgezeichneter Achtung bleibe. Kalocsa, I. August. Ludwig Hahnald id. p." — Ein JSraelite zu Maros-Basarhely hat die a. h. Bewilligrmg nachgesucht und erhalten, in dem Pester israelitischen Cullustempel alljährlich eine Gedächtnißfeiex zum Andenken an den Kaiser Maximilian zu veranstalten, und spendirte derselbe eine Stiftung mit 500 fl. zu diesem Zwecke. k Paris. Aus der veröffentlichten Budget-Veranschlagung der jüdischen Religions-Gesellschaft in Frankreich für das Jahr 1868 entnehmen wir folgende Daten über Beamte und Gehälter. Es werden anfgeführt: Ein Großrabbiner des Central-EonsistoriumS, deflen Gehalt in diesem Jahre um 3000 FrkS. erhöht wird, mit 10,000 FrkS., ein Groß-Rabbiner des Pariser-EonsistoriumS mit 5000 FrkS; 8 Groß-Rabbiner der Consistorien zu Metz, Straßburg, Colmar, Ranch, Marseille, Bordeaux, Bahonne und Lyon zu 3500 FrkS., zusammen 28,000 FrkS., 3 Rabbiner zu 2000 FrkS.,zusamme» 6000 Frk».; 3 Rabbiner zu 1500 FrkS., zusammen 4500 FrkS.; ein Rabbiner zu 1300 FrkS.; 6 Rabbiner zu 1200 Frk«., zusammen 7200 FrkS.; 39 Rabbiner zu 1100 Frk«., zusammen 42,900 FrkS. Nun kommen 64 Borbeter, von denen 45 mit 600 Frk«. besoldet sind, mit zusammen 45,700 FrkS., so daß die Totalsumme der Gehälter 156,900 FrkS. beträgt. Aus vorstehendem Berzeichniß ersieht man, daß die Gehälter der Mehrzahl der Rabbiner und Borbeter, die vom Staat besoldet werden, nichts weniger, als bedeutend sind, und daß sich unsere deutschen EultuS-Beamten nicht gerade beklagen können. Doch geht aus Obigem nicht hervor, welche Nebeneinkünfte den Bräunten etwa zufließen. Ferner werden in dem Budget aufgeführt: Kosten für da« Central-Consistorium, Unterstützung von jüdischen Beamten (10,000 Frk«.), Kosten des jüdischen Seminar« (22,000 FrkS.), Kosten für die verschiedenen Consistorien: dann Gehalt des Groß-Rabbiner« in Algier 5000 Frks.; Gehälter für 9 Unter-Rabbiner, für den Secrrtär de« Consistorium- und kleine Kosten (90,800 Frk«.). Endlich sind 25.000 Frks. für Shnagogen^Sauten ausgesetzt, so daß die Total-Gumme der Ausgaben auf 944,900 Frk«. sich beläuft. Zur Krankeuhaus-Fra-k. Al« ich den Aufsatz, betitelt ״da« jüdische Krankenhaus zu Berlin" durchgelesen, konnte ich mich eine« gewiffen Unmuthe« oder bester gesagt, eines gewiffen Aerger« kaum erwehren. Und zwar hatte die« Gefühl einen doppelten Grund, einmal in der unbestreitbaren Thalsache, daß das jüdische Krankenhaus trotz sei« ner allseitig anerkannten Vorzüge so wenig in Aufnahme komme; zweitens aber in der in dem betreffenden Aufsatze beliebten Motivirung. Ich will daher den Versuch machen, die in dem Auf« satze aufgestellten Behauptungen zu widerlegen und die Unhaltbar« keit der gestellten Forderungen nachzuweisep. Vorerst möchte ich mir nur noch die Bemerkung gestatten, daß es nach meiner aller« ding« höchst unmaßgeblichen Ansicht in unserm Jahrhundert weder protestantische, noch katholische, noch jüdische Krankenhäuser gebm sollte. Krankenpflege ist ein Gebot der Menschenliebe und Men« schmliebe kennt keine ConfessionSbevorzugungen. In den Städten muß naturgemäß die Krankenpflege in erster Reihe dm städtischen Behörden obliegm und es ist geradezu Pflicht der Communeu confessienSlose — ait venia verbo — Krankenhäuser zu errichtm. Jeder konfessionelle Anstrich nämlich, den ein Krankenhaus hat, hält die Bekenner der andern Confessionen davon ab, Hülfe und Heilung in solchen Anstalten zu suchen. Wirklich haben auch manche dieser confessionellen Krankenhäuser einen so unangenehmen Beigeschmack, daß eine Abneigung vor ihnm in vielen Fällen ge« rechtfertigt, ja natürlich ist. Doch ich will hier nicht näher^auf diese Principienftage ringehrn und mich zur Widerlegung de« AufsatzeS selbst wenden. ' In erster Linie wird in dem Aufsatze folgende Forderung gestellt: ״wenn da« Krankenhaus gedeihen soll, so muß eS einen ungescheuten, confessionellen Ausdruck seiner Bestimmung tragen." Nun muß ich auftichtig bekennen, daß ich den Sinn diese- Satze», bei aller Mühe, die ich mir gab, nicht habe verstehm können. Wenn ein Krankenhaus, in welchem die Speisegesetze auf da» Sorgfältigste beobachtet werden, in welchem sich eine ״Shna« goge mit altjüdischem Ritus״ befindet, wenn ein solches Kranken« haunoch keinen ״ungescheuten confessionellen Ausdruck" hat, dann wüßte ich nicht, wie solch ein Ausdruck überhaupt beschaffen sein müßte! In den folgenden Zeilen ist in dem Auffatze da« Ausdrucksmittel angegeben. ״Das Hausoll ein jüdische« Krankenhaus sein; hat es eine derartige Aufschrift, uni von dom herein zu bezeichnen; was eS bedeute? Sie fehlt noch." Hierauf ftage ich: Hat das katholische Krankenhaus, hat da« Elisabeth« Krankenhaus, die Charit«, hat selbst Bethanien eine ähnliche Aufschrift? Hoffentlich wird diese Aufschrift niemals angebracht werden. Sie ist zum Mindesten überflüssig. Weiter heißt es in dem Aufsatze und mit einer gewiffen Verwunderung, wie da« Wörtchen ״doch" anzudeuten scheint: ״hat man doch dort (wo?) meinen Vorschlag, tröstende Bibelsprüche in hebräischer und deutscher — welche Concession! — in dm Krankensälen anzubringen, nicht für geeignet gefunden, au« Be« sorgniß, hiermit in den Verdacht der Proselhtenmacherei zu kommen, da ja auch Nichtjudm audem Krankmhause nicht ausge« schloffen, sind." Auch hieranf frage ich, ob denn wirklich derar« tige Kernsprüche Etwa« zur Hebung eines Krankenhauses beitta- 86*

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