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Die Gegenwart · 1867-08-23 · 34 (23.8.1867) · p. Seite 270

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
34 (23.8.1867)
Date
1867-08-23
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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0ד2 Dir OwgntMrt. / tu». Keine Gräuelthat, keine Entwürdigung der Menskbennatur ist abscheulich und erschrecklich genug, um nicht in den Registern de- Kullu-reglrment» der verschiedenen Staaten und Völker eine Stille gesunden zu haben. Wir sind gewohnt, di» Menschenopfer, ja da» Opfer im Allgemeinen als abgeschafft zu betrachten; man täusche sich doch nicht: e« besteht in seiner grellsten Form. Der große westgeschichtliche Kampf zwischen Aultu- und Natur, er lo« dort fort mit furchtbarem Wüthen; noch läßt sich kaum absehen, wann und wie er enden werde. Es soll damit nicht gesagt sein, daß in den Bestimmungen de» Aultu» der verschiedenen Völker nicht der Keim de» Besseren, der Anerkennung gesunder Menschennatur zu finden sei; so sinn lo» und unverständig auch auf den ersten Blick die Mehrzahl der KultuS-Vorschristen erscheinen mag, jede enthält diese» edlen Keim in sich verborgen. Denn ohne Zweifel, wenn die Bestimmungen de» alten polytheistischen Kul!u» die Lebensweise, die Diät der Menschen einer besonderen Kontrolle unterwarfen, so liegt dem, — wenn auch unbewußt — der unumstößlich richtige Grundgedanke unter, daß eine wahrhaft gesundheit-gemäße Diät den wahrhaftigen Kern und Inhalt aller Eivilisation, aller Kultur, allehumanen Fortschritt» bilden müsse. Man hat e» nie verkannt, daß e» Wahrheit sei, was Schiller sagt, daß der Hunger und die Rebe die Triebkräfte der lebendigen Welt seien. Sie halten noch jetzt wie vor Jahrtausenden die Welt im Getriebe. Der Selbsterhaltung-, und der Fortpflanzungstrieb sind der ewige Quell, wie für alle Gesetzgebung, so auch für die besonderen Bestimmungen de- Kultus, So ist e» von jeher gewesen und so wird esein! Wenn der heidnische Kultus durch die Bestimmung de» Opfers einen Theil der besten Güter des Lebens freiwillig dahin gab, so geschah da» aus Furcht, es kö»ne bei Uiiterlafiung dieser freiwilligen Hingabe von den übermächtigen Gewalthaber», den Götter», zwangsweise mehr gefordert werden. Der Trieb rer Eelbsterhaltung. der Wunsch, den größer» Theil der Leben-guter sich zu retten, erzeugte die Spekulation auf die Bestechlichkeit jener eingebildeten Gespenster. Abraham, einer der Führer seines Stamme», erklärte sich ohne Weigerung bereit, dem Jehovah z»m Opfer seinen Sohn zu schlachten, nicht au» Liebe zum Sohne, sondern au» Furcht vor der Rache, der Strafe, aus Furcht vor dem Zorn de» SchutzgotieS seiner Nation. Er fürchtete den Angriff auf höhere Güter, auf Schätze, die ihm weither sind, als selbst da» "Leben seine» einzigen Kindes. ״Nimm hin das Einzige, das Liebste, was mein Gemüth besitzt, aber gieb de» Frieden des Gewissens, den dieseS-Opser mir bereitet durch die E1»pfi»du»g. deinem fürchterlichen, unfern ganzen Bolksstamm bedrohende» Willen Genüge geleistet zu haben" So lautet da- Gebet des Monotheisten (?) bei der Hingabe seine» Opfer» noch heute! ״Du bist gerecht, o großer Gott," so ruft der Priester, indem er de» Sünder auf seinein letzten Wege, auf dein Wege znm Nichtbeil begleitet, ״du bist gerecht, o großer Gott, nimin hin da» Leden diese» Sünder», der Ungerechtigkeit geübt hat." So klingen noch heute die in frommem Wahnsinn höhnischen Worte de» dem barbarischen Gesetze de» Staates, de» dem Kultus der Angst ergebenen Diener». Da» Menschenopfer in seiner grauenhaftesten Gestalt ist noch nicht abgeschafft. Der blutige Götze der Gerechtigkeit ist mit dem verhüllenden Mantel der christlichen Liebe bedeckt; doch au» den Falten raucht die Blutgier, und der Anblick hat nur aus der Fenie an Schanerlichkeit verloren. Freilich wäre e» ein arge« Mißverftändniß. wenn man an- Nehmen wollte, daß andere, kleinere, unbedeutend erscheinende Bestimmungen de« Kultus eine weniger unheilvolle Wirkung üben. Je mehr diese Bestimmungen in da» alltägliche, gewöhnliche Leben fich hineinmischen. je geringfügiger sie erscheinen, desto dnrchgreifendrre Gefahr enthält ihrö Wirksamkeit. E» ist nicht allein die Erzeugung de« kindischen Hochmuthe», jener allgemeinen, durch die' Kultusbestimmungen veraulaßten Pest, jene» Wahne», der durch die gedankenlose Befolgung gewisser Verordnungen seinem Gewissen Genüge geleistet zu haben vermeint; nur zu oft ist e» der Inhalt dieser Bestimmungen selbst, der die physische und damit zugleich die intellektuelle und moralische Existenz der Völker und Jndivi» duen gefährdet. Die Vorschrift, an gewissen Tagen zu Ehren ir« gend einer Gottheit zu schwelgen, von den Orgien de- Bacchus« dienste» her bi» auf da» Purimfest der Juden und da» Weih» nacht-fest der Ehristenheit hat so viele Opfer gefordert, al» die gesundheitswidrige Entziehung der nothwendigen Nahrung während der Zeit de» Fasten». ״Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten", so ertönet auch hier der Ruf der humanen Gottheit. Der Mensch ist auch für seine Ueberzengungen verantwortlich, und wehe dem Geschlechte, da» sich nicht überzeugen lassen will durch die ewig heiligen Lehren der Wissenschaft der Natur- und Weltgeschichte." Josephus und die Zerstömug Jerusalems. Bon vr. JoUu, Leer. Wir liefern in Folgendem einen Auszug aus einem bereit» ein Dezennium alten und von conservativster Seite herrührenden ExposL Ueber Josephü» sind die Akten noch lange nicht geschlossen, weder waseine schriftstellerische Glaubwürdigkeit, noch wa» seinLpolitische Bedeutung, noch was seinen Privatcharakter anbe« langt. Dian ist bei der Beurtheilung des Josephus nach diesen Seiten hi» fast ganz auf ihn selbst, auf innere Kriterien angewie« sen. denn waS Tacitu« in seinen Historien über die verhängniß. volle Katastrophe de« jüdischen Reiche» ausgezeichnet hat, ist un» leider bis ans wenige Kapitel verloren gegangen, und wa» die beiden Talmure und die Midraschim von ver Trauergeschichte erzähle», ist. wieviel historische Elemente es auch enthalten mag, doch wesentlich Sage. Unsere- Wissen» hat noch Niemand den dankbaren Versuch gemacht, aus der Sage das Geschichtliche her« auszuschälen. Bis die« geschieht, ist man wohl darauf angewie« sen, den Josephus an sich selbst zu prüfen, WaS in dem folgenden Aussatze in gewiß nicht uninteressanter Weise geschieht. Wir möch« ten »iebt jede Ansicht de« pikanten polittsch-religiösen Historienmalers vertheidigen. Nur da- Objektivste, das ganz Plausible wollte» wir zu einer Parallele der Tagesgeschichte mit verschlun« genen Zeitläuften zu verwerthen suchen, um den Akiba'schen Spruch und die Salomonische kostbar erworbene Weisheit den Rationellen wie de» Sentimentalen unserer Leser mit dem brennenden Iern« salein und dem gleichzeitigen jüdischen Parteigetriebe zu illustrirrn. Nachdem die Römer alle anderen Völlerburgen an den Kü« sten de» MittclmeereS niedergeworfe» hatten, war endlich auch die letzte, die sich am längsten gegen sie gehalten hatte, ihrer Uebermacht unterlegen. Den anderen Völkern hatte e« Nicht» geholfen, mit ihrer Kunst und Wissenschaft den Welteinfluß zu begründen, den ihnen ihre politische Macht nicht verschaffen konnte, und vergeben» hat« ti« die Reicbe von Alexanders Nachfolgern den griechischen und orientalischen Geist vermählt und durch di» Auslöschung de- Has« se«, der Europa und Asien bisher entzweit hatte, ihre Zukunft sichern wollen, — vergeben», die Menschheit, die Alle», wa» die

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