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Die Gegenwart · 1867-08-23 · 34 (23.8.1867) · p. Seite 271

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
34 (23.8.1867)
Date
1867-08-23
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdisch« lagdtgafciten. *II Böller Großeerzeugt hatte«, sich aueignen und eine Gemeinde stiften wollte, in der die Gegensätze Nationalitäten und ihrer Bestrebungen gründlich vernichtet waren, war mit den Leistungen dieser Böller und Reichs noch nicht zuftieden gestellt und schickte Rom» Legionen in» Feld, damit sie die Rationen zerbrächen und in ihrer Nationalftät gleichsam die selbstische Erdmacht, die die Schwächen und Unvollkommenheiten ihrer Werke verursacht hatte, ttlgten. /׳ Jerusalem war die letzte Burg, in der sich bi» jetzt ein Geist behauptet hatte, besten Universalität mit derjenigen wetteiferte, der die römischen Waffen nachstrebten; hier lebte ein Gesetz, welche» mit dem Recht de» Jupiter Eapitolinu» auf gleiche Ewigkeit und allgemeine Geltung Anspruch machte, und war der Gedanke einer Weltgemeinde, vor der die Weltreiche und Böller ihre Ohnmacht erfahren sollten, ausgesprochen worden, ehe da» römische Schwert die kleinen Völkerschaften Italien» sich unterworfen hatte. 1 Auch diese Beste war nun gefallen. Al» Bespasian und Titü» ihren Triumphzug feierten, glänzten unter der Beute, die den Siegern vorgettagen wurde, die Zierrachen de» Tempel», der goldene! Opfertisch und'der flebenarmige Leuchter, und vor dem Wagen ide» Kaiser» würde als die bedeutungsvollste Beute da» Gesetz de» Judengottes dahergetragen. Al» wäre nach dem Fall diese» Gotte» und seine» Tempels der Weltfriede für immer gesichert und Rom« Bestimmung er« füllt, erbaute Bespasian nach seinem Triumph dem Frieden einen Tempel, in dem die Geräthschaften de» jüdischen Heiligthum» auf. gestellt wurden, und zum Zeichen, daß der Kaiser und sein römi׳ sche» Reich nun eine unbesttittene Herrschaft Übten, wurden die purpurnen Vorhänge de» Tempel» und da» Gesetz Jehova» im Palatium niedergelegt. Während die Bevölkerung von Rom dem Kaiser und seinem Sohne zujubelte und die Straßen der Stadt so dicht anfüllte, daß der Triumphzug sich nur mit Mühe vorwärts bewegen konnte, sah ein Jude mit kalter Ruhe der Feier eines EreigniffeS zu, das er schon längst für nothwendig und unvermeidlich gehalten hatte und für besten Herbeiführung er selbst thätig gewesen war. Die Gunst der Triumphatoren ruhte auf ihm; er war au« dem Schtffbruch seiner Nation allein erhalten worden, — er sonnte sich im Glanz der Sieger und hatte sich überredet, daß er seinen Gott nicht verleugne, indem er dem Erfelg seine Huldigung darbrachte. Dieser Jude war Josephu». Er war Römer, Flavier ge» worden da ihn Bespasian in seine Familie und Clientel aufge« nommen hatte. Al» TituS nach der Einnahme von Jerusalem nach Rom reiste, hatte er ihn als Begleiter zu Schiffe mitgenommen. Bespasian wie» ihm zur Wohnung sein Hau» an, da» er, ehe er Kaiser ward, bewohnt hatte, gab ihm da» römische Bürgerrecht und einen Jahrgehalt, außerdem einen großen Landbesitz in Judäa. Sein Glück war auf dem Untergang seine» Bolke» aufgerichtet. Josephu« beschreibt in seinem Geschichtswerke über den jübischen Krieg den Triumphzug, aber er hat nur Worte, um seine Bewunderung der Pracht de« Ganzen auözudrücken; nur die Menge pe» Goldes, der Edelstein? und de» Elfenbein« erregt seine Aufmerksamkeit, und er spricht, als ob er die Niederlage eine» fremden barbarischen Gotte» beschreibt, wenn er schildert, wie die Spolien de» Tempels den Triumphzug verherrlichen und vor dem Kaiser da» Gesetz Jehova» dahergetragen wird. Unter den Gefangenen, dir im Triumphzugr dahergeführt wurden, befand sich Simon, der Anführer der Aufständischen in Jerusalem, aber Josephu« erwähnt ihn so fremd und theilnahm« lo», als wäre er der Anführer einer fremden barbarischen Horde, und bleibt eben so kalt, wenn er bemerkt, daß er nach römischer Sitte, al» der Triumphzug auf dem Eapttol anlangte, hingerichtet wurde. Und doch war dieser Römer, dieser Flavier, in seinem Ja« nersten noch ein Jude, zwar eia aufgelöster Jude, aber doch ei» Jude, der sein aufgelöste», verfallene» Judenchum zur Weltherr» schaft für berufen hielt, Berehrer de» Römerthum», Gegner der patriotischen Partei, die in Jerusalem de» Kampf gegen die Rö« wer verlangte, Verbündeter der FrirdenSpartri, die von der Unter» werfung unter Rom wenigsten»׳Ruhe und Ungestörtheit im Genuß ihrer Reichthümer und in der Ausübung ihrer Satzungen hoffte, Berräther seine» Vaterlandes, al» der Kampf auSgebrochen war und al» er den Oberbefehl über eine wichtige Provinz erhalten hatte, glaubte er doch noch, daß daffelbe Gesetz, da» der Kaiser erbeutet hatte, dazu bestimmt sei, die Welt einzunehmen. In seinem Innern, würden wir sagen, wenn er wirklich ein Innere» gehabt hätte, das einem solchen Kampf gewachsen gewesen wäre, in seiner Berechnung kämpften da» Römerthum und da» Judenthum mit einander, vnd nachdem er da» letztere dem erste» ren zur Beule hingeworfen hatte, hoffte er den Römer doch-noch zu überlisteu und zur Anerkennung der Uebermacht de» Juden zu bringen. Da» stand ihm fest, daß da« jüdische Bolk-Men neben dem Römerthum seine politische Selbstständigkeit nicht mehr be» haupten könne und daß Widerstand fruchtlos war, und er hat diese Ansicht an mehreren Punkten seines Geschichtswerkes rück» sichtslo» ausgesprochen. Als Titu» die beiden äußere» Mauern Jerusalems eingenommen hatte und sich zum Angriff auf die dritte vorbereitete, will Josephu» von demselben zur Unterhandlung ab» geschickt sein und zu den Aufständischen außer Schußweite, vor der Blauer eine Rede gehalten haben, in der er ihnen zu bedenkeo gab, daß das Glück zu den Römern übergegangen sei, und Gott, der einem Volke nach dem anderen die Herrschaft überträgt, jetzt in Italien wohne; ״Ihr streitet nicht nur gegen die Römer," ruft er den Belagerten zu, ״sondern gegen Gott; derselbe ist au» dem Heiligthum׳ geflohen und steht auf deren Seite, mit denen Ihr kämpft." Um den Uebergang de» ״Judengottes" in das römische Lager al» eine unzweifelhafte Thatsache hinzustellen, berichtet er, wie die Priester, als sie am letzten Pfingstfeste vor der Ein» nähme der Stadt de» Dienste« wegen in den Tempel traten, die fürchterliche und donnernde Stimme hörten: ״Laßt un« von hinnen gehen!" Die römische Macht betrachtet er als die Garantie der Weltordnung, und der Kaiser gilt ihn! gleichsam al« die Person» liche Vorsehung, die im Kleinen wie im Großen Alle» ins Gleiche bringt und gegen die Selbstsucht unv Eigenmacht der Nationen ׳ wie der Einzelnen die allgemeine Gerechtigkeit aufrecht erhält. Der Kaiser ist der Welt-Heiland. Sein Ausspruch, daß da« Glück zu den Römern übergegangen sei, sagt ihm noch nicht genug und er berichtigt ih^ in einer Darstellung ihrer Disciplin — einer Darstellung, die durch ihre Einfachheit sich zu ihrem Borthell von der Gesuchthell und Uebnfülluog seiner sonstigen Darstellung unterscheidet. Wenn man die Kriegs-Ordnung der Römer ln'» Auge faßt, schreibt er, so muß man e» anerkennen, daß sie ihre große Herrschaft der Zucht und Tapferkeit, nicht dem Glück verdanken, ja. eigentlich müßte man sagen, dich der Erwerb — (die Welt!) — kleiner ist als die» jenigen, die ihn erworben haben. i

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