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Die Gegenwart · 1867-08-16 · 33 (16.8.1867) · p. Seite 261

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
33 (16.8.1867)
Date
1867-08-16
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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Ctrimtr Wochenschrift fir I-Vische «a-elegachalra. 261 nalem Gebiete bekundete die am 12. d. in Beisein de- Magistrats« rathe- Petrovicstattgehabte Jahresprüfung au der hiesigen Ge« meindrhauptschule, wobei abermal» Ignaz Reich- ״Beth.El" al» PrSmiumbuch vertheilt wurde, ״um die Jugend zu ungarischen Juden hrranzubildcu." — Eech-zehu orthodoxe Rabbinen halten im Kaiserbade Konferenzen. Hauptgegenstand derselben ist Vereitlung de--״Rab« biner-Kongreffe-" und de- Seminar». Um aber auch ihre Freisinnigkeit an den Tag zu legen, haben dieselben beschlossen, sogleich nach der^Publikation de» Emantipation-gesetzedie vier Fasttage (17 :ארבע תעניות. Tammus; 9. Ab; 3. Tischri; Gedalja-Fasttag; 9. Tebeth) abzuschaffen, und öffentlich bekannt zu machen, daß Jeder, der an diesem Tage saftet, sich gegen den Talmud auflehnt, und nicht würdig ist, zu irgrnd einem Amte zugelaffen zu werden. B. Ehan. Smyrna, 7. Juni. Am Mittwoch, den 5. b. stattete der Erzbischof, von seiner Geistlichkeit begleitet, dem Großrabbiner Haim Palacci einen Besuch ab, welcher ihn mit allen seinem Stande gebührenden Ehren empfing. Nach den üblichen Förm« lichkeiteu sagte der Erzbischof zum Großrabbiner, daß er durch diesen Besuch nicht allein einer Pflicht, sondern auch dem Auf« trage seiten» de- Patriarchen von Eonstantinopel nachgekommen sei. der durch den Erzbischof von Smyrna mit dieser großmüthigen Handlung der Gemeinde bekannt gemacht worden, unv da er nicht wußte, wie er seine persönliche Dankbarkeit wie die seiner Beichtkinder zu erkennen geben sollte, den Großrabbiner von Con« stantinopel, Aakir Effendi, besucht habe, um seine Befriedigung über die Annäherung auszudrücken, welche da» Licht de» Fort« schritt» zwischen der griechischen und der jüdischen Nation hervorgerufen, sowie um ihm auch gleichzeitig anzuzeigen, daß er ihm, dem Erzbischof, den Auftrag ertheilen wolle, dem Großrabbiner von Smyrna dieselben Gefühle au»zusprechen. Herr Joseph Ventura, der bei dieses Gelegenheit dem Großrabbiner al» Dolmetscher diente, übersetzte ihm auf Spanisch die im Namen de» eumenischen Patriarchen gehaltene Rede. Wa» ihn persönlich beträfe, so wiederholte er, wa» er Herrn Ventura an dem Tage gesagt hatte, wo er ihm im Namen der Gemeinde die sechs Glocken übergab, nämlich: daß jener Tag der glänzendste feine» Leben» sei, weil er sich an ihm überzeugt habe daß die Kinder desselben Gotte» sich endlich alle al» Brüder er« kennen, und daß er nie aufgehört habe und nie aufhören werde, diese Wahrheit von feiner Kanzel zu predigen. Der Großrabbiner erwiederte: Daß die erste Pflicht de» Judenthum« die Nächstenliebe ist, ohne Unterschied weder der Nationalität noch der Religion, da wir Alle Kinder Eine» Vater» sind, und daß dem Israeliten befohlen ist, mit allen Kräften nicht allein seine Glaubensgenossen, sondern auch den Fremden zu lieben und zu beschützen. Der Erzbischof fugte darauf hinzu: Gestatten Sie mir, Ehrwürden, Ihnen einen Beweis der brüderlichen Liebe zu geben, indem ich Ihnen meine schwachen Dienste für jede Gelegenheit, sei e» persönlich, sei e» für die Ge« meinde, welche Sie vertreten, anbiete, und gestatten Sie mir gleichzeitig, mich Ihrer Einsicht und Ihre» Einflusses alle Mal, wenn ich deren nöthig habe, zu bedienen, und die» ohne weitere Umstände, wie Brüder e» thnn. Wenn die» auch nur Förmlichkeiten sind, so ist doch die Eintracht zwischen de» Geistlichen der verschiedenen Religionspar« teirn und Nationalitäten im Orient eine Bürgschaft für die Ruhe der Bevölkerung, und wir können daher unseren Glaubensgenossen zu diesem Vorgänge nur Glück wünschen. Arch. J-r. Bemerk«»-. Der gelehrte Herausgeber, bezw. Verfasser de- Artikel»: ״Ist da- Zerglledern jüdischer Seichen rc." in Nr. 26—29 der ״Gegenwart" hat eine wissenschaftliche Abhandlung, die schon vor 21 Jahren dieselbe Frage sehr ausführlich erörtert, unerwähnt gelassen, weshalb ich mir gestatte, hier auf dieselbe aufmerksam zu machen. Sie steht in Nr. 34—36 der Zeitschrift ״Sinai", die zu Bayreuth im Jahre 1846 von dem jetzt Berliner, damals Bayreuther Rabbiner Dr. Aub herausgegeben wurde, und rührt ' von dem Herausgeber selbst her, veranlaßt durch eine der 2. Rab« binerversammlung vorgelegte Frage. Er gelangt zu demselben Resultate, wie Herr Dr. F. Lt. Der .פלגש בנבעד erwähnt er nicht. Neben der musterhaften.^streng wissenschaftlichen Form der Untersuchung ist besonder» die Aufzählung solcher Fälle bemerken»« werth, in denen die Weigerung, die Leichen seciren zu lassen, von bedeutenden Folgen war. r Am Schluffe faßt der Verfasser seine Ansicht über Sektio« nen in einem kurzen Resumä zusammen. Er findet ״in der Scheu und dem Gesetze gegen Leichensektionen den sittlichen Grund der Menschenachtung, da jede Sektion als eine Entstellung und Entwürdigung der menschlichen Natur betrachtet wurde. Jndeß hat sich die Anschauungsweise geändert, und da wo die Sektion au« pathologischen Rücksichten vorgenommen wird, sieht Niemand mehr etwa» Verächtliches darin. Erzwingen kann man freilich darum noch nicht die Sektion, wie sehr wir sie auch in einem sol« chen Falle al» sittliche Pflicht erklären, weil überhaupt Niemand mit äußerlichen Zwangsmitteln angctriebeu werden soll, ein sitt« licher Wohlthäter seiner Mitmenschen zu sein; aber des Rabbi« ner» Aufgabe ist es, durch richtige Belehrung das Borur« t h e i l unter seinen GlaubenSbrüdern zu beseitigen, und wo an ihn von Seiten der Behörde jene Anfrage gestellt wird, die Antwort zu geben, daß der Staat, wie er hinsichtlich der Sektion bei christ« lichen Leichen handelt, auch dem Israeliten gegenüber Han« dein kann, da kein besonderes religiöses Gesetz der mo« saischen Religion ihn daran hindert. Wo zur'Obduktion bei einem Ermordeten, oder wo, bei einem Selbstmörder die Sek« tion vorgenommen werden soll, ist cS unrecht, dem Staate nicht im Allgemeinen zu erklären, daß kein Gesetz de» Israeliten dage» gen bestehe." ü. Krteratur-Bericht. Gedanken über GewiffeuSfreiheit. Von Earl Boruttau. Kö« nigSberg 1867. Selbstverlag. Unsere Leser erinnern sich eines Preisausschreiben», das in Nr. 2. der ״Gegenwart" von Padua au» mitgetheilt war. Al» Thema war von der Loge Dovere-Diritto ״die Gewissens« fr ei heit" aufgestellt worden. Da« vorliegende Buch ist bereiteine Bearbeitung dieser Preisaufgabe. Der Verfasser, rin Arzt, der auf jeder Seite seine» Buche» außerordentliche philosophische Bildung verräth, fühlte die Nothwendigkeit eines liefern, methodischen Ein« gehen» auf die zur Besprechung kommenden Gegenstände, und be« zeichnet e» als ein Mißverständniß, zu glauben, ״e» genüge eine er« hobene Stimmung oder zornmüthige Indignation, um ein allen Ansprüchen genügendes Schriftwerk zu Tage zu fördern." Wie sehr gewissenhaft und zugleich geistreich (im alten guten Sinne de» Worte») der Verfasser feine Ideen entwickelt, davon möge eine Probe zeugen. Mit besonderer Beziehung auf sein Thema, die Gewissen»«

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