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Die Gegenwart · 1867-08-16 · 33 (16.8.1867) · p. Seite 260

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
33 (16.8.1867)
Date
1867-08-16
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 Die Aegemvert. keine der Kassen geöffnet werden, und .so waren die bedeutenden Geldsummen, in der Gemeindrkaffe allein bei 30,000 fl., gerettet. Der Einbrecher muß, wie alle Anzeichen beweisen, ein mit sämmt« lichm Lokalitäten und den BerhÄtnissen sehr vertrautes Jndividuum gtntfftn sein. ES wurde sogleich die Anzeige an die Be-! Hörde erstattet und sind die umfaffendsten Nachforschungen zur Eruirung de- Verbrechet» eingeleilet worden. Amsterdam, im Juli. Ein Hamburger sandte jüngst au« Delhi dem ״Weekblad“ in Amsterdam einen Bericht über die Juden in Ostindien. Er berichtet, daß in Delhi, Meirut, Agra,! Lahore, Benares, Patna, Dinjapore, Eabul, Eandahar, Poona, | Bangalore, Mhsore, Ealcutta, Bombai, VkadraS und in anderen großen Städten jüdische Gemeinden sind. In den drei letzt er- 1 wähnten Städten befinden sich eine große Anzahl europäischer IS« : raeliten, während an den anderen Plätzen e» meist eingeborene sind, die durch ihre Sitten und Kleidung von den Mohamedanern ■ nicht unterschieden werden können, da ihr einziger Unterschied in I ihrer Religion besteht. f \ Französische Blätter veröffentlichen folgendes Telegramm au« j Bukarest, 1. August: v ״Eine beklagenSwerthe Thalsache wird au« Galacz gemeldet.! Ein Gefangener versuchte es, au« dem Gefängniß zu entwischen.! Nachdem er auf den Ruf der Schildwache nicht stehen blieb, so 1 feuerte Letztere ihr Gewehr ab und verwundete den Gefangenen! tödtlich. Das Opfer dieses unglücklichen Ereignisses! ist ein Jude." ׳ . I So das Telegramm, dessen Schlußsatz gewiß im höchsten! Grade eigeiithümlich genannt zu werden verdient. Haben wir es j im gegebenen Falle wieder mit einer der bekannten Barbareien! der rumänischen Regierung zu thun? Oder will man in Bukarest : abermals die türkischen Behörden für diesen Todten verantwortj lich machen?! Jassy, 4. August. Eine» sprechenden Beweis von der Un-! fähigkeit, mit der die Regierung an dem auseinanderfallenden! Räderwerke der rumänischen Staatsmaschine herumlaborirt, liefert | soeben wieder die Verpachtung der Staatsgüter. Mittelst seine- ' berüchtigten EircularS hatte I. Bratiano den Juden unter Ande-! rem auch den Pacht von Gütern untersagt; diese Maßregel be- , gegnete zwar im Allgemeine» keinem Widerspruche, denn in der! Moldau giebt eS höchstens hundert Israeliten (und auch das sind ׳ zumeist Fremde), die sich mit Gut-Pachtungen befassen. Aber so j klein ihre Zahl auch ist, so trugen dieselben bisher noch stetzur Erzielung guter Preise bei den Licitationen bei und der Finanzminister, der durch Ausschließung der Juden aus aller Concurrenz den Gnadenstoß für den an galoppirender Schwindsucht leidenden Staatssäckel befürchtete, erklärte im Einvernehmen mit dem Justizminister, mittelst eineandern EircularS, die Juden zu Güterpachtungen als berechtigt. Den Werkzeugen Bratiano'S jedoch sagte das Circular desselben weit besser zu, als jene» seiner beiden College» von der Justiz und den Finanzen, lag doch darin gleichzeitig der Lohn für ihre gegen die Juden in Gang gesetzten Agitationen, wenn sie durch .Beseitigung aller Concurrenz die Staatsgüter zu Spottpreisen pachten, und sich derart auf Kosten de» Staatein kurzer Zeit bereichern konnten. Die Agitationen gegen die Juden begannen deshalb von Neuem, Volksversammlungen wurden wieder verqnlaßt, Beschlüsse gegen da» Circular des Finanzministers gefaßt, und offene wie geheime Drohungen gegen die Juden, wenn dieselben sich an den Licitationen betheiligen sollten, überall verbreitet. Der General-Präfekt, von dem gewiß mit Unrecht be« hauptet wird, daß auch er die günstige Gelegenheit nicht habe vor« übergehen lassen wollen, ohne ein fette« Geschäftchen zu machen, telegraphirte an die Regierung nach Bukarest, daß er für die Ruhe der Stadt nicht einstehe, soferne man auf der Berechtigung der Juden zu Güterpachtungen bestehen sollte. Mittlerweile war ׳der erste LicitationStag herangerückt und gleichzeittg mit den andern Eoncurrenten fanden sich auch mehrere Israeliten «in; aber ohne daß sie sich'« versahen, wurden sie von einer Rotte Gesindel« au« dem Saale heraus und die Stiege hinunter — getragen. Die Verdrängten reklamirten, die Concur« renzscheuen demonstrirten und der Präfect telegraphirte abermals nach Bukarest. Die Regierung nun, don dem Toben dieser Clique in dem separation-lustigen Jassy erschreckt, erwiderte: ״Man möge nach dem Willen des ״Volkes" handeln." Im Hand« umwenden waren sämmtliche Staatsgüter in der Moldau liti« tando verpachtet, die erzielten Preise der Regierung telegraphisch berichtet und, in Erwartung der von derselben herabzulangenden Bestätigung dieser Abschlüsse, rieben sich die Sieger froh die Hände. Aber, welche Enttäuschung mußten dieselben erfahren, als gestern plötzlich die Antwort eintraf, daß die Regierung diese Abschlüsse, als dem Staatsschätze nachtheilig, nicht bestätigen könne und die gänzliche Sistirung aller Verpachtungen bi» auf Weitereanordne. Nun ging das Toben von Neuem loS, und in einer soeben wieder abgehaltenen Versammlung der enttäuschten Pachtersteher, durchgehendergebener Diener Bratiano'S und folglich auch der Regierung, faßten dieselben den niedergelegten Beschluß, daß die Regierung sich bezüglich der ,in der Moldau gelegenen Güter nicht einzumengen und auch keine Bestätigung oder Nichtbestätigung zu erlassen habe, daß ferner die Pachterste« her jeden gegen ihre Abschlüsse gerichteten Beschluß als null und nichtig ansehen. — Dieser Protest wurde der Regierung mitgetheilt und erwartet-man jetzt deren Antwort. Aus Kroatien, im Juli. Der ״Pozor", dar anti-ungarische kroatische Organ, beschuldigt die Juden der Agitation im antipozorischen (ungarischen) Sinne. In Wahrheit enthalten sich die Juden aller und jeder Agitation, was ihnen um so leichter gelingt, da sie noch keine politischen Rechte besitzen und mithin ein zurückgezogenes Stillleben führen können. Die Agram^er Gemeinde sucht einen neuen Rabbiner, ohne ihrer alten Zwietracht entsagt zu haben. Die slavonischen Juden leben dagegen in Ruhe und Frieden. In Essegg, wo Rabb. Samuel Spitzer sehr segensreich wirkt, soll eine neue Synagoge gebaut werden. In Miholjac wurde vor Kurzem eine Chevra Kaddischa gegründet. Auch die socialen Verhältnisse stehen in Slavonien viel besser, als in Kroatien. B. CH. Ofen, im Juli. Seitdem der Sitz des vaterländischen MinisteriumS in die altehrwürdige Lud» verlegt wurde,, ist sich diese wieder aufs Nene ihrer ruhmreichen Vergangenheit bewußt wor« den, als Hauptstadt de» schönen Ungarlandes auf der Bahn einer freisinnigen nationale» Entwicklung voranzuleuchten. So wur« den hier — im Gegensatz zu Pest — sogleich bei Abfassung der Geschwornenlisten die Israeliten ausgenommen. Der edle HLzmLn ist bei jeder Gelegenheit bestrebt, den Geist brüderlicher Ein« ttacht in die Ofner Großkommune zu übertragen. Als beispiels« weise neulich Herr MagistratSrath vr. Orßrtg zu einer iSraelit. Gemeindesitzung geladen, die in korrektem Ungarisch abgefaßteu Protokolle de» wackern NotärS Herrn. Martin Goldhammer durchblickte, äußerte er sich in aller Freundlichkeit, daß er diesen ver« dienstlichen ״hazafi" (Patrioten) behufs Ernennung desselben zum städtischen Honorär-Notär der nächsten Generalversammlung vor« schlagen werde. Eben solch ein erfreulicher Fortschritt auf natio \

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