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Die Gegenwart · 1867-08-16 · 33 (16.8.1867) · p. Seite 259

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
33 (16.8.1867)
Date
1867-08-16
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdische >agüege»heitnr. 269 Wir wollen nicht exclusiv sein und di« Meiaung hegen, daß ein Jude nur in einem jüdischen Srankenhause allemal seine Heilung suchen und finden müsse. Solche engherzigen An« schauungen paffen nicht für dm fortgeschrittmen Geist unserer Zeit. Wir wollm allem Gutm, wo e» sich findet, fördernd mt« gegen konnnm und können e» nur dankmd und lobend erwähnen, daß unser Grmeinde-Vorstand dem hiefigen katholischen Krankenhause für seine jetzt nothwmdig gewordene Vergrößerung eine Summe von 500 Thlrn. octirt hat, zumal da letztere« Hau», in hochherziger Weise manchem Juden die Aufnahme gewährt hat, die wir statuteumäßig leider nicht gewähren konnten, aber Niemand wird e« billigen, daß ein jüdische« Krankenhaus, erbaut mst reichen jüdischen Mitteln der Gegenwart und mit dem Gelde, da» unsere Borfahren weise und mühsam erspart, vergessen bleibe und unsere schö« nm Säle mit leeren Betten länger da« Zeugniß ablegen: wir wüßten nicht wa« diese» Haubedeute. Wir Aerzte, und ich hoffe im Geiste meiner mitarbeitmdm Herrn Eollegen zu sprechen, anerkennen allerding» keine exclusive Hochachtung vor jüdischer Medizin und Chirurgie, wir erachten die Heilwiffenschaft als unabhängig von jeder Kirche, al» Gemeingut der Menschheit, aber wir glauben, daß e» eine Pflicht sei, darauf hinzuweisen, wie sicher schon allein durch die stärkere Be- Nutzung de» Krankenhauses seiten« der Wohlhabenden, für welche ja zwölf der schönsten Privatzimmer, mit allem Comfort, vorhanden sind, dem Hause pecuniäre Kräfte zufließen würden, vermit. telst derer wiederum den Armen die Wohlthat der Aufnahme erwachsen kann. — Dieser Zuruf gelte ollen Menschenfreunden ohne Unterschied de- Glauben-, da auch unfern christlichen Brüdern unser Asyl offen steht und auch von dieser Seite her un» bereit» Fond» zugefloffen sind. E» gelte dieser Mahnruf ganz besonder» aber zugleich auswärtigen GlaubenSgenoffen in- und außerhalb de» deutschen Baterlande», deren Gemeinden uns oft au» weiter Ferne ihre ärmeren Patienten in unser Krankenhaus hersenden, ohne daran zu denken, woher die Mittel zu ihrem Unterhalte Herkommen sollen. Sie mögen die Last nicht allein auf unsere Schultern wälzen, sondern, so viel sie vermögen, nicht minder selbst hülfreiche Hand für die Fortführung de» Werkes leisten, zu deffen Gründung die Berliner Gemeinde so erhebliche Opfer gebracht! Frankfurt, 8. August. Wir haben neulich berichtet, daß der Kultusminister in seinem Bescheid auf eine Eingabe de» Schulrath» der hiesigen israelitischen Realschule die Zulaffnng der Schüler zum Freiwilligendienste ohne Spezialprüfung an eine gewiffe Bedingung geknüpft hat. Nunmehr wird der ״Frkf. Ztg." Nähere« über da« betreffende Reskript mitgetheilt. Es heißt in demselben, daß die israelitische Realschule und die UnterrichtSanstatt der israelitischen ReligionSgesellschaft ״als Realschulen zweiter Ordnung unter dem Bemerken anerkannt werden, daß christliche Schüler auf denselben keine Berechtigungen erwerben können." Man sieht, diese Fassung besagt im Wesentlichen dasselbe, wa» wir bereits mitgetheilt haben. Es wird damit bezweckt, für die Folge zu verhindern, daß christliche Schüler die von Juden gegründete Lehranstalt besuchen, da sie in derselben nicht die nämlichen Berechtigungen bezüglich de» Militärdirnste» finden würden, wie in christlichen Lehranstalten gleichen Range». Wie«, den 6. August. Die ״N. Fr. Pr." widmet der Betrachtung de» Eoncordat» mehrere Artikel, in welchen fie die allseittge Gefährlichkeit diese» übelberufenen Institute»׳ für freiheitliche und geistige Entwicklung de» Volke» beleuchtet. Wir heben au» dieser Philippika nur eine Stelle hervor, welche den schädliche» Einfluß de» Eonkordate» auf da» UnterrichtSwesen bespricht und für die Stellung der nichtkathokischen (also auch jüdische«) BokkSlehrer und wissenschaftlichen Eapacitäten bezeichnend ist. Der größte Triumph de« Eonkordate», zugleich aber auch die ttefste Erniedrigung und empfindlichste Schädigung de- Staate» ist die Auslieferung de» Unterricdtsweseu» an dm Kleru». damit dieser iw Stande ist, unhaltbaren ReligionS.Anflchtm zuliebe, die mit der Entwicklung der Zeit nicht Schritt gehalten, die Aufklärung und da» Wissen selber au» dm Schulen zu verbannm. Diese Fessel konfessioneller Bevormundüng muß fallen, während andrerseits, wie in den Niederlandm, der Religion»-Unterricht den betreffmden Kirchengrsrllschasteu zu überlassen ist. Man vergegmwärtige sich den Syllabu»; man erinnere sich, daß Piu» VII. noch 1822 dm Astronomen in Rom da» Vorträgen de» copernicanischeu Systeme» verbot; man be« denke, daß nothwendigerweise die Kleriker von ihrem Standpunkte au« vornehmlich dem rationellen Vortrage der Raturwissenschaften, auf dem doch die Riesenfortschritte der Industrie beruhm, besonderabhold sind, und dann ftage man sich, wa» au» einem Staate werden soll, wo Volks« und Mittelschulm der Aufsicht der Geisttichkeit unterstehen, wo diese den ganzm Unterricht zu einem todten Mechanismus erniedrigt, indem sie Lehrbücher und Lehrsysteme nur nach dem Einen Grundsätze ou-wählt, die Borträge der ihre Absetzung fürchtenden Lehrer nur von dem Einen Gesichtspunkte au» überwacht, daß Alle» so viel wie möglich im Geleise de» Syllabu» bleibe. Daheiligste Recht der Staat»- kürzer, sich nicht zn Trotteln herabwürdigen zu lassen, geht hier Hand in Hand mit dem Rechte de» Staate-, eine ״Eiterbeule" — wie Pratobcvera da» Eonkordat genannt — auszuschneiden, an der er sonst bei lebendigem Leibe zu Grunde gehen muß. Die paritätischen Schulen, welche Joseph II. zu Biala in Galizien, zu BrieS in Ungarn einrichtete, leisteten Ausgezeichnete», bi» die Pfaffen ihre Schließung durchsetztm. Mst den rein confessionellen Schulen sind wir so weit, daß der Protestant und Jude sich, in Ermangelung anderer Gymnasien und Realschulen, seine Bildung an solchen holen muß, die vom ultramontanen Geiste ganz durchtränkt sind und ihnt die bittersten Pillen über seine eigene Kirche in jedem LehVgegenstande zu verschlircken geben. Auch greift der Kleru« selbst über da« Eonkordat hinaus, indem er seinen Einfluß mit Glück ebenfalls auf die höheren Lehranstalten auSdehnt, den Universitäten gleichfalls einen confessionellen Eharakter aufzudrükken sucht. Noch heute kann ein nichtkotholischer Professor zu keiner akademischen Würde an den Universitäten gelangen, wenngleich ein Protestant Oesterreich regiert; noch heute wird die evangelischtheologische Fakultät in den Verband der Wiener Universität nicht ausgenommen! Die Steuern aller Staatsbürger unterhalten diese Anstalten, aber ein Lehrer, der nicht der Fahne de» UltramontaniSmu» folgt, thut besser, bei Zeiten ins Ausland zu gehen, statt auf den Glücksfall einer höchst problematischen und verklau« sulirten Anstellung in Oesterreich zu warten. (UebrigenS könnte man sich auch anderswo über Mangel an Beschränktheit.derer, welche die confessionellen Verhältnisse regeln, nicht beklagen. —) Wim, den 7. August. In der vergangenen Nacht wurde im Tempelgebäude (Stadt, Seitenstättengaffe) in den im zweiten Stock'befindlichen Lokalitäten der JSraeliten-Gemeinde und zwar , an nicht weniger als fünf bisechs Kassen (an jener der Haupt« kaffe und an solchen verschiedener WohlthätigkeitS-Vereine) ein Einbruch versucht. In allen Kanzleien fand man heute Früh die Spuren de» versuchten Einbruch»; glücklicherweise jedoch konnte ss»

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