Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 32 (9.8.1867)
- Date
- 1867-08-09
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
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verimer W«h«schnft ftr Jüdische LugÄr-mhalm. 263 Justizgebahren heute nicht mehr uuter civilisirten Rationen vor« kommen dürfte, bedarf keiner Erwähnung. Da» Schmachvolle desselben zeigte sich jrdpch noch in dem Umstaude ganz besonders, daß es sich herauSstellft, daß ein anderer Israelit der Hehler ge« wesen war. Ob dem Gemißhandelten irgend welche Satisfaktion zu Lheil wird, dürste zweifelhaft sein, denn Stockprügel sagt der Maghare «st ootrs plniaire» Freilich sind diese Zustände nicht sowohl den Magyaren, als der miserablen habsburgischen Wirthschaft zuzuschreiben, unter welcher Reformen unmöglich waren. Die Bildung der Juden in Rußland. (Schluß zu S. ,18.) Zur Heranziehung der Kinder unbemittelter Eltern räth Herr PostelS an, denselben für den regelmäßigen Schulbesuch Stipendien von etwa 12 Rubel jährlich zu erthrilrn. Die gewonnene Einsicht iu das gegenwärtige Bildungssystem der He« bräer führte Herrn PostelS zu dem Schluß: ״daß, welche Opfer und Anstrengungen auch die Regierung zur Hebung der hebräi« scheu Schulen anwenden sollte, der Zweck derselben dennoch nicht koirbi erreicht werden, so lange die Hebräer in den engen Grenzen ihregegenwärtigen DomicilS eiugeschlosien und unter den gegen« wärtigen LebenSverhältniffen bleiben." . Dieselbe Ueberzeugung von der Nutzlosigkeit der hebräischen Aronschulen in ihrer gegenwärtigen Gestalt und von der Roth- Wendigkeit einer Umgestaltung derselben, von Grund aus ist auch in den Berichten der Curatoren der Lehrbezüke ausgesprochen. In den Berichten über den Wilnaer Lehrbezirk für^die letzten Jahre war stet« die Ueberzeugung ausgedrückt, daß die hebräischen Lronschulen I. Kategorie mit ihrem bisherigen Programm weder den Zwecken der Regierung, noch den Anforderungen der hebräifchen Bevölkerung genügen. Die stühere geringe Schülerzahl hat sich in der letzten Zeit nur noch mehr verringert und die Lehrer, welche von Seiten des Publikums nur Theilnahmlosigkeit gegen sich und die Schule erfahren, haben aufgehört, mit der nöthigen Energie fortzuarbeiten, weshalb der Unterricht bei weitem nicht be« friedigen kann. Dieser mangelhafte Zustand der hebräischen Krön« schulen 1. Kategorie veranlaßte die oberste Administrativbehörde daselbst zur Errichtung von zweiklassigen hebräischen Knaben« und Mädchenschulen in Wilna und Kowno, in welchen ausschließlich Lesen und Schreiben in russischer Sprache, Rechnen und Kalli« graphie gelehrt wird, um die so nothwendige Kenntniß der rufst« schen Sprache unter den Hebräern zu verbreiten. Außerdem ist an der Schule 1. Kategorie in Kowno eine IstachmittagS-Parallel« schule errichtet worden, um vorzugsweise den Kindern bemittelter Eltern den Unterricht in der russischen Sprache und in der Arithmetil"H1 ertheilen. Angesichts des Nutzens, welcher von solchen Parallelschulen auch an andern hebräischen Schulen 1. Kategorie zu erwarten steht, genehmigte da« Ministerium am 16. Februar 1865 deren Errichtung auch an den übrigen 20 Spülen der Gouvernement» Wilna, Grodno, Kowno und Minsk, bis zur definttiven Entschei« düng der Frage über das weitere Bestehen der besonderen hebräi« schen Schulen. Der Kurator yeS Dorpater Lehrbezirks bemerkt in seinem Bericht für da» Jahr 1864, daß ungeachtet alles Bestrebenvon Seiten der Schulobrigkeit, die Thätigkeit der hebräischen Schulen beständig zu überwachen und die geringsten Verbesierungen in dem Zustande derselben zu fördern; schwerlich ein wesentlicher Nutzen von diesen Schulen erwartet werden könne. Au» diesem Grunde hielt e» der Eurator für angemessen, wenigsten»' deren Anzahl nicht zu vermehren. Al» daher die hebräische Gemeinde iu Win» dau um die Eröffnung einer hebräischer Lroaschule daselbst nach« suchte und zu deren Unterhaltung au» Gemeindemitteln ein« jährlichen Beitrag von 300 Rubeln aubot, schlug der Kurator vorläufig vor, bis e» möglich würde, in Windau eine Gemeinde« schule gleich der in Riga zu gründen, diese Summe zur Uuterstützuug einer Privallehranstatt zu verwenden, welche, fall» sie da» Vertrauen der Gemeinde rechtfertigt, bequem in eine Eommunal« schule umgestattet werden könne. ״Eine große Schwierigkett, welche den hebräischen Schulen hinderlich entgegen steht," fährt der Bericht Wetter fort, ״wurzett in ihrer Verfassung, die weder den Wünschen, noch den Bedürs« nissen der Gemeinden entspricht. Aus diesem Grunde ist e» nicht nur unmöglich, Schulgeld von den Schülern zu fordern, sondern e» müssen im Gegentheil, wie'z. B. in Friedrichstadt, einige der« selben mit Kleidern versehen werden, um sie nur der Schule zu erhalten. Auf diese Weise fristen die Schulen nur ein künstliche» Leben, indem sie einige wenige Schüler aus den ärmsten Volk»« Nassen gleichsam miethen. Die mehr bemittelten Hebräer dagegen schicken ihre Kinder gern in die Areisschule und in- Gymnasium. Es hat sich daher der Kurator de- Lehrbezirk», nach seinen tti Kurland gemachten Beobachtungen, von der Richtigkeit de« System» der Errichtung besonderer Schulen für die Hebräer nicht überzeugen können." Gleicher Ueberzeugung ist auch der Kurator des Odesiaer Lehrbezirk«. ״Die hebräischen Schulen", sagt er, ״bedürfen na« mentlich aus dem Grunde einer Umgestaltung, weil in den letzten Jahren die Annäherung der Hebräer und Christen zu einander auf dem Weg der Erziehung sehr bemerkenSwerthe Fortschritte gemacht hat. So befinden sich in der weiblichen Parochialschule zu Kertsch unter den 149 Schülerinnen 78 Hebräerinnen, in der weiblichen Schule 2. Kategorie in EherSson unter 119—49, im weiblichen Gymnasium der Frau Hauenschild unter 95—36, im Gymnasium in CerSson unter 272 Schülern — 73 Hebräer, im 2. Gymnasium in Odeffa unter 341—145 Hebräer. ״Unterdessen vermindert sich mit jedem Jahr die Zahl der Lernenden in den hebräischen weiblichen Schulen und in den hö« Heren Klassen der hebräischen männlichen Schulen 2. Kategorie. Nach diesen Daten ist e» klar, daß die Schulen 2. Kategorie, sowie auch die besonderen weiblichen Schulen für Hebräerinnen an den Orten, wo allgemeine Schulen bestehen, aufgehoben, und die Unterhaltungssummen derselben zur Unterstützung solcher Lehranstalten verwandt werden können, welche von Hebräern und Ehristen gemeinschaftlich besucht werden. Wenn wir indeß da» fernere Bestehen der Talmud«Tora und der hebräischen Knabenschulen 1. Kategorie vorläufig noch für nothwendig anerkennen, haben wir zugleich für deren bessere Organisation und für eine beffere Aus« wähl der Lehrer Sorge zu tragen." In ähnlicher Weise wird von allen Seiten die radikale Um« gestaltmig de» ganzen System» der hebräischen Schulen al) eine Nothwendigkeit hingestrllt. Die Frage hat zwei Seiten: die finanzielle und die pädagogische. Die hebräischen Kronschulen werden aus den Summen der Lichtstener unterhalten, welche für die Hebräer al» äußerst drückend anerkannt worden ist, so daß deren gänzliche Abschaffung in Verhandlung steht. Dieselbe drückt nicht so sehr durch ihren Äesammtbetrag (230,000 Rub. auf 1,425,784 Seelen hebräischer Bevölkerung, also um ein Geringe» mehr als 16 Kop. für den Kopf), als wegen ihrer Ungleichmäßig« feit und der fehlerhaften Grundlagen ihrer Rrpartition. Doch kann diese Steuer nicht ander» aufgehoben werden, als nach Er« mittlung neuer Einnahmequellen zur Deckung der für die Bildung