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Die Gegenwart · 1867-08-09 · 32 (9.8.1867) · p. Seite 252

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
32 (9.8.1867)
Date
1867-08-09
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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262 Die •tgdnrarL ־״/ Medizi» griechischer Rationalität konstatirt ist; einer dieser beide« Unglücklichen ist heule noch rasend geworden. Jede, weitere Polemik in dieser Richtung wäre überflüssig,' da die Berichte der sämmtlichen Eonsulu mit unserm Berichte in der Hauptsache übereinstimmen; nur der Bericht de« Präfecten Lu« paSco nicht. t Nur Eine» ist in dem Berichte diese« Herr» wahr: e« wurde wirklich eine Commission au« Bukarest, nämlich zwei Beamte und ein Oberst,--zur Untersuchung hierher gesendet. Diese Herren scheinen aber eigenene Instruktionen mitgebracht zu haben, da sie hier nur 24 Stunden blieben und nur diejenigen einvernahmen, die ihnen LupaSco desiguirt hat. Daß e« hierbei nicht darum zu lhun war, den wahren Sachverhalt zu erfahren, ist klar, und e« scheint auch der Präfekt seiner Sache sicher zu sein, da er sonst sich nicht rrdreistct hätte, den Protest der Vertreter der Schutzmächte in einem so arrcganten und impertinenten Tone zu erwidern, wie er! e« gethan hat. Pr.! Eine Korrespondenz der ״Wiener Abeudp." au« Galarz, 16. Juli, schildert da« barbarische Ereigniß in folgender Weise: Seit längerer Zeit schon pflegen die moldauischen Behörden mittellose Juden Nacht« über die Donau zu schaffen, setzen sie dort an einer unbewachten Stelle de» türkischen"Uferan da« Land und überlaffen sie ihrem Schicksal. Fälle dieser Art sind wiederholt ruchbar, aber nicht mit Zuverlässigkeit konstatirt worden. Folgende« Ereigniß, da« ungeheures Auffehen erregte, hat nun jeden Zweifel behoben. Sonnabend, den 13. d. M., wurden 10 bi« 12 Israeliten, die au« Jassy, ausgetrieben worden waren, kurz vor Sonnenunter« gang in ein Boot de« rumänischen KriegSdampfer« gebracht und unter Eskorte von moldo-wallachifchen Soldaten über die Donau geführt. Man setzte sie auf einer unbewohnten, fast ganz über« schwemmten Insel au« und ließ sie daselbst ohne Obdach und ohne Lebensmittel zurück. Mit vieler Mühe gelang e« den Unglückli« chen, durch den Sumpf bi« in die Nähe de« türkische» Grenzkor« donS durchzudringen; da« türkische Wachpiket hörte endlich ihr Rufen, holte sie in einem Boote herüber, gab ihnen einige Lebens« mittel und wie« ihnen eine Hütte zum Nachtlager an. Am an« der» Morgen gegen halb 11 Uhr ließ sie der den Posten kom« mandirende türkische Sergeant in ein Boot steigen, in welchem er selbst mit zwei Soldaten Platz nahm und fuhr mit ihnen nach dem kaum eine halbe Stunde entfernten Galacz, Ivo er am Hafen« kapitanate landete. Hier begab er sich zu dem wachehabenden moldo-wallachischen Offizier und sagte ihm, er sei gekommen ihm diese Israeliten zu übergeben, da sie keine türkischen Reiseurkunden besäßen und sämmtlich molvo-wallachische Unterthanen seien. Der Offizier entgegnete, er habe den Befehl, sie durchaus nicht anzu« nehmen und gleichzeitig machte er Miene, mit Gewalt gegen sie vorzugehen. Auf das hin sprang der Türke in sein Boot, gab den Israeliten den Befehl, ans Land zu springen und stieß vom Ufer ab. In demselben Augenblicke drangen auf Befehl des Os« fizier» und des Secretär« de« Hafenkapitanate« die Soldaten auf die Unglücklichen ein und trieben sie inS Wasser, während die Türken sich schleunigst mit ihrem Boote vom Lande entfernten. Zwei J-raeliten, ein Grei« und eia junger Mann, klammerten sich an datürkische Boot, wurden aber dort zurückgestoßen, kämpften in geringer Entfernung (ungefähr zwei Klafter) von dem Ufer mit den Wellen und ertranken. Der Kapitän de« in der Nähe ankernden österreichischen Dampfbootes ״Merkur" setzte unverzüglich ein Boot auS, um die beiden Individuen zu retten, wa« jedoch nicht gelang. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß die ganze molvo-wallachische Wachmannschaft de« Hafenkapitanat« diesem Vorgänge mit der größten Gleichgültigkeit zusah, ebenso der zahlreich versammelte, schon seit längerer Zeit gegen die Juden aufgehetzte Pöbel. Hier« mit hatte die Sache noch nicht ihr Ende erreicht. Die übrigen Israeliten standen-i» an den Hüften im Waffer, deffen starke Strömung sieJtBm Moment wegzureißen drohte; aber die moldo« wallachischen Wachmannschaften verhinderten sie mit dem Bajonnet, da» Ufer zu betreten. In diesem Augenblicke war der k. k. Generalkonsul Ritter v. Kremer, von dem Borgefallenen unterrichtet, an den Hafen ge« komme», begab sich an Bord Sr. Majestät KriegSdampfer« ״Tau«' ruS" unb ersuchte den Kommandanten unverzüglich zwei Boote zu bemannen, um die Unglücklichen au Bord dekaiserlichen Kriegsschiffes zu bringen. Aber wenige Minuten, bevor die zwei österreichischen Boote, deren jedes 8 bi« 10 bewaffnete Matrosen trug, unter Führung eine- Offiziervor dem Hafenkapitanate an« kamen, hatte man dort die J-raeliten endlich an- Land steigen laffen und sie sogleich in da- Gesängniß gebracht. Die Bestürzung unter den hiesigen Israeliten ist allgemein, man besorgt weitergreifende Verfolgungen, die besonders im In« nern de» Landes einen blutigen Charakter leicht annehmen dürf« ten. Die öffentliche Meinung mißt die Schuld vorzüglich dem hiesigen Präfekten Herrn Lupaschku zu; er soll e» sein, der an seine Unterbehörden Befehle ertheilte^ welche Verfolgungen der rohesten Art befürchten laffen. London, 29. Juli. In den Synagogen der verschiedenen jüdischen Gemeinden englischer, deutscher, polnischer, spanischer und portugiesischer Zunge wurden heute für den Erfolg einer Missionöreise Sir Moses Montefiore's nach den Do« ngufürstenthümern besondere Gebete gehalten. Der durch seine Philanthropie bekannte Baronet besuchte die verschiedenen Synagogen der Reihe nach und wird morgen seine Reise antreten. In seiner Begleitung befindet sich sein Neffe Mr. A. Cohen, sein Arzt vr. Daniel« und Or. L. Loewe. Ungar». Der neuerding« wieder in so hohem Grade in den Donanfürstenthümern zu Tage getretene Judenhaß verleug« net sich auch in Ungarn nicht, trotzdem dort vor nicht gar langer Zeit eine Gleichstellung der Religionen in politischer wie socialer Beziehung stattgefundcn hat. In welcher Weise dort das Recht an den armen Israeliten geübt wird, lehrt folgender Fall. In der Nähe von Pest war in einem Dorfe einem Eigenthümer MehrereS entwendet worden, unter Anderem auch ein silberne- Crucifix. Nach mehrfachen Recherchen wurde der Dieb erwischt und bei ihm die gestohlenen Sachen gefunden mit Ausnahme de« CrucifixeS, welches er an einem in der Nähe wohnenden jüdischen Händler verkauft haben wollte. Derselbe ward sofort ooraw juclios citirt und trotz alle- Leugnen und Jammernmit dem Diebe confton» tirt, der auf die Frage, ob jener der Käufer sei, mit einem ein« fachen Ja antwortete. Trotz der Betheurrung de» Juden, den Denunciantcn nicht zu kennen, wurde nunmehr mit dem armen Teufel ein articulirte- Verhör begonnen und derselbe auf Grund der Aussage jene« Zeugen von den besonder« dazu autoristrten Panduren geohrfeigt. Als diejedoch Nichtnützte, begann die in jenem fteien Lande scheinbar noch sehr übliche Procedur de« EtockstreichenS. Aber auch die« saubere Mittel vermochte kein Geständniß zu bewirken. Demzufolge wurde der Unglückliche ge« Kunden und in da- Gesängniß geführt, wo er fast bewußtlos an« langte. Nachdem mack ihm so einige Zeit seinen Medttationen überlaffen, schien die Tortur beendet werden zu sollen. Zwei Eimtr kalten Waffer-, über den Kopf gegossen, erftischten ihn, und nun fand seine absolutio ab instantia statt. Daß eiu solche-

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