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Die Gegenwart · 1867-08-09 · 32 (9.8.1867) · p. Seite 251

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
32 (9.8.1867)
Date
1867-08-09
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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Strtatt Wochenschrift ftk Indisch« Uagelegrahettr». 251 rechtmäßig gespendet wurde, der wird als Christ betrachtet, und hat wohl die Kirche sich da» Recht Vorbehalten, gewisse Jndividuen, die sich in der katholischen Kirche befinden, aus derselben auszuschließen, sie zu excommuniciren, aber sie gestattet Niemandem, aus eigenem Antriebe dieselbe zu verlassen. E« entsteht \t• doch die Frage: hat sich der Staat um die inneren Angelegenheiten der Kirche zu kllmmern und ihr seinm strafenden Arm zu leihen? Wir wollen nicht die fadenscheinige Theorie vom katholtschen Staate bekämpfen. Oesterreich hat längst aufgehört, ein katholischer Staat zu sein. In der That hat die österreichische Regierung, trotz des abgeschlossenen ConcordatS, sich wiederhole״!- lich geweigert, ihren strafenden Arm der Kirche zu leihen, wie viele eklatante Fälle zeigen. So liegt es an der Regierung, den bereits «nannigfach durchlöcherten Beden deS EtaatSvertragS durchzuschlagen, denn an schlechten Gesehen läßt sich nicht flicken; sie müssen eben aufgehoben werden. Gelingt es nicht, das Concordat aufzuheben, so müssen wenigstens jene Gesetze, welche gegen die konfessionelle Gleichberechtigung verstoßen, die sich in unseren Gesetzbüchern vorfinden, revidirt, respektive außer Kraft gesetzt werden. P. k Bukarest. Der ״Nat. Zeit." schreibt man: ״Eine am 23. v. M. nach Paris abgesandle telegraphische Depesche meldet, die für den Vorfall in Galacz eingesetzte Kommission habe aufö Klarste nachgewiesen, daß die rumänische Behörde durchaus schuldloS sei, die' zehn zur Ausweisung gerichtlich verurtheilten JSraeliten seien auf ihr eigenes Zugeständniß hin, daß sie von der Türkei her gekommen wären, wieder dorthin geschafft, dann aber von dem türkischen SchiffSkomuiandanten ins Waffer geworfen und von der Bevölkerung in Galarz bis auf zwei, die ertranken,' gerettet worden. Das sei durch die Zeugnisse der Augenzeugen und der geretteten acht Personen selbst erwiesen." DaS mag vielleicht seine Richtigkeit haben; aber immer bleibt noch die Frage offen, wie die zehn Israeliten durch richterlichen Spruch auSgewiesen werden konnten, nachdem man nach allen nach Paris gerichteten officiellen Depeschen anzunehmen daö Recht hatte, daß die Verfolgungen gegen die Juden, die^zumeist in den Auöweisungen wegen angeblichen BagabundirenS bestanden, auf die von allen Sellen sich kundgebende Entrüstung hin, eingestellt worden seien. Man scheint mit Absicht diesen Punkt im Dunkel laffen zu wollen. Hatten die vereinzelten Berichte Recht, welche meldeten, daß zwar die tröstlichsten Versicherungen nach außen hin gegeben würden/im Inneren aber die Verfolgungen ihren ungestörten Fortgang hätten; Verfolgungen, die um so schändlicher, als sie von Be- Hörden auSgiugen? Bukarest. Daö Gesuch des EonsularkorpS uin eine Gesammtaudienz ist von dem Fürsten Carl ab'schlaglich beschieden worden. — Dieselbe sollte den Zweck haben, dem Fürsten Vorstellungen darüber -u machen, daß durch die fortgesetzten Juden- Verfolgungen in der Moldau, in Folge deren in Galacz mehrere den Tod in der Donau gefunden, die Principien der Humanität verletzt werden, und Se. Hoheit zu bitten, diesen Prinzipien Geltung zu verschaffen. (DaS ist das Unglück der Fürsten, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen! Wäre die Audienz nachgefucht worden, nm den Fürsten zu seiner Rückkehr in die Residenz zu beglückwünschen, er hätte sie gewiß gnädigst gewährt.) Galacz, 26. Juli. Am 22. d. M. zwischen 5—6 Uhr Nachmittags wurde im Hofraume des außerhalb der Stadt gelegmen provisorischen GefängniffeS ein in Untersuchungshaft befindsicher Jude von der Schildwache erschaffen; die Seiche wurde erst zwei Tage später um II Uhr vormittags den Israeliten zur Beerdigung ausgeliefert. Der Unglückliche hinterläßt eine Wittwe und drei kleine Kinder. Ueber die Veranlassung zu dieser barbarischen That coursiren verschiedene Angaben. Festzustehen scheint, daß kein Fluchtversuch das Motiv sein konnte, da die That am Hellen Tage geschehen und der Unglückliche von vorne in die Brust geschossen worden ist. Ich würde den Vorfall nicht erwähnen, wenn er nicht den Beweis liefern möchte, welch» Consequenzen die Bratianv'scheu Edikte, wenn selbe von einem LupaSro execu« Hrt werden, haben können. Wenn so ein harmlose- Ding wie eine moldauische Schildwache aus purer Langweile einen Juden füsiliren darf, ohne daß deshalb eine Enqutzte eingelcitet wird, so erscheint die Behauptung der Judenfreffer, daß ״die Juden RumänierkS außerhalb der Gesetze stehen", begründet. Es ist kein Zweifel, LupaSko und seine Creaturen werden auch diesen Vorfall zu entstellen suchen, hat sich doch dieser saubere Präfekt erkühnt, die Schandthat vom 14. Juli, die Nohade seiner Negierung so darzustellen, als trügen die türkischen Soldaten die Schuld derselben, obwohl der saubere Herr ganz gut wußte, daß Hunderte von Augenzeuge», darunter auch sehr achtbare, ehrenhafte Männer, den Vorfall gesehen haben und keinen Augenblick anstehen werden, seinen Rapport Lügen zu strafen. Der.Vertrauensmann der rumänischen Regierung scheint seine Berichtigung vom 20. d. M. dem obeuerivähnten Berichte des hiesigen Pväsecten entnoninten zu haben und wurde so bona fide zum Mitschuldigen der Fälschung. Auf nieine Ihnen früher eingesendeten Berichte, die in der Hauptsache mit den Evnsularer- Hebungen übereiustimmen, bezugnehmend erlaube ich mir, die obenerwähnte Berichtigung der Wahrheit gemäß wie folgt wieder zu berichtigen. Ersten» hat der Herr Präfect in seinem Gerichte ver-schwie« gen, daß er zu den zehn aus Jaffh auSgewicseuen Juden auch einen hier seit mehr als zwanzig Jahren lebenden Diener und Taglöhner ohne gerichtliches Urtheil zur Abschiebung in die Türkei gesellte; zweitens ist es eine Lüge, daß die auö Jaffh als Landstrricher ausgewiesenen Juden sich als aus der Türkei stammend auSgaben, da es bewiesen, daß die Jüngern unter ihnen in Jaffh geboren, die Anderen seit 20—24 Jahren dort ansässig sind (nur Einer ist ein Buchbinder aus Foltischeni in der Moldau) und sich stets als arme Handwerker ehrlich ernährt haben; drittens verschweigt Herr LupaSco in seinem Berichte, daß diese rmglücklichen Opfer seiner Wuth schon einmal, am 12, über die Donau gesetzt wurden, und daß schon bei dieser Expedition ein Mann ums Leben kam, und daß am 11. früh die zehn Ucberlebenden hierher gebracht und gegen Abend nochmals übergesetzt wurde»; vierten» ist eS mehr als kühn, zu behaupten, ״die Türken hätte» die Juden in der Mitte der Donau in» Waffer geworfen, wobei zwei um» Leben gekommen und acht von der Galaczrr Bevölkerung gerettet worden seien," während doch von so vielen glaubwürdigen Augenzeugen konstatirt ist, daß die Türken trotz Drohungen der diesseitigen Strandwache, trotz der Steine, die geschlendert wurden, sich mit ihrem Boote so weit dem Ufer näherten, bis der türkische Unteroffizier, nachdem er die Stelle untersucht und selbe al» nicht gefährlich erachtet halte, die Paffagiere auSsteigen ließ, worauf die rumänischen Soldaten ihnen mit dem Bajonnette de» Zutritt zum Ufer verwehrt?. Acht Juden konnten der Strömung Widerstand leisten, zwei der schwächeren unterlagen aber; und Niemand rührte sich (außer der Mannschaft des ״Merkur", die zu spät anlangte) zu ihrer Rettung. Fünftens stellt der rumänische Gewährsmann die Thatsache, daß zwei wahnsinnig wurden, in Abrede, während doch auch dieses Faktum von einem Doetor der 38*

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