Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 31 (2.8.1867)
- Date
- 1867-08-02
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 L-tt VR^nVwu drm wurden Bestimmungen darüber getroffen, in welchen Fällen der Lxecutw-Au-schuß einen Congreß z» verankoflen habe. Krafa», 16. Juli. Der fest einigen Monaten währeude Kampf wegen Auflösung der i-rmtSischen Aultusgemrinde hat endlich vergangene Woche seinen Abschluß darin gefunden, daß der Herr Bürgermeister Dr. Dietel in einer diesbezüglich stattge« fundenen Berathung erklärte, daß in Anbetracht der bestehenden besetze, die den Israeliten die unbeschränkteste Kultusfreiheit ge« währen, diese Angelegenheit einzig und allein von dem Landtage erledigt werden kann, und di» dahin die jüdische Repräsentanz im Magistrat sich bl«» al» zweite Instanz conststuiren!mm, was in der That auch bald geschah. E» wäre sehr zu wünschen, wenn die Herren der rochen Partei in dieser Körperschaft zur Ueber« zcugung gelangen möchten, daß die Herstellung der Ordnung in rer israelitischen Gemeinde nicht da» Werk eine» Tage», sondern daß das Werk der Reorganisation nur langsam vor sich gehen kann, da nur auf diese Weise ein Umschwung zum Beffern zu er« hoffen ist. Daß e» übrigen» noch nicht an der Zeit ist, daß die israelitische Gemeind« ihre Selbstständigkeit aufgebe, um in der Stadtgemeinde aufzugehen; beweist genugsam die am 5. d. M. stattgefundene Plenarversammlung des städtischen Gemeinde« rathe». CS handelte sich um die Uebernahme der Oberaufficht der hiesigen Spitäler von Seiten de» Magistrates. Unter Anderem wurde auch da» Epital zu Et. Lazaru» al» Landesspital fürChri« sten im Projecte erwähnt. Herr Dr. Warschauer sah sich der« anlaßt, da» Wort zu ergreifen und stellte den Antrag: den PaffuS für Christen anSzulaffen, und zwar nicht au» UtilitätSgründen (da die ISraelitqi wegen der Gpeisegesetze diese» Spital ohnehin nicht werden benutzen wollen) sondern au» principiellen Gründen. Herr Dr. Warschauer motivirte seinen Antrag damit, daß eine solche Beschränkung nicht im Geiste der Autonomie, die doch ein Produkt de» 19. Jahrhundert» ist, sondern im Geiste de» Mittelal« ter« wäre, da in allen civilisirten Staaten diese Beschränkung bei Spitälern seit Jahrzehnten schon entfallen ist, und wen» manche Herren da» Bedenken entgegenstellen, daß die Gründer diese» SpitaleS es nur für diesen Zweck geschaffen haben, so vergeffen sie, daß diese» Spital von der Regierung zum LandeSspitalc ein« gerichtet wurde, von deffen Mitteln e» auch erhalten wird, und zu welchem Jude» eben so wie Christen ihr Scherflein beitragen. Und wenn selbst gar kein gesetzlicher Grund vorliegen würde, replicirt Dr. Warschauer, wo ist die christliche Liebe, die ihrem Principe gemäß alle Menschen ohne Unterschied der Confessio» in ihren Schooß aufuimmt? Ter Antrag wurde von einem Christen, Dr. Ehaniewicz auf's Wärmste unterstützt, Graf MiroschewSki sprach jedoch dagegen und bewirkte, daß der Antrag des Dr. Warschauer mit 13 gegen 19 Sttmmen durchfiel. So stehen bei uns die socialen Zustände. E» wird noch lange dauern, bi» die Sonne der Gleichberechtigung bei un» aufgehen wird. Renzeit. Dir Dildmtg der Juden in Rußland. Da» Kaiserlich Russische Ministerium der Bolksaufklärung*) hat jüngst einen außerordenttich umfassenden und reichhaltigen Bericht von feiner während der letzten Jahre entwickelten THStigkett veröffentlicht. Zwei dick« Bände füllt dieser Bericht und eine *) Wann wird ein deutscher Etaat ein Ministerium der volWaoftlLrung haben? besonder« Abtheilung ist den ״hebräischen Lehr«Anstaltrn" Ruß« land» gewidmet. Da» unter dieser Rubrik Mitgetheilte ist thekl« weise sehr interessant und wirst ein Helle» Licht auf die Zustände der Juden in Rußland; wir geben daher in Folgendem eine kurze Skizze nach der genamtten offiziellen Quelle. E» standen am 1. Januar 1868 unter der Leitung dr» Ministerium» der Bolksaufklärung: 2 Rabbinerfchulen. 5 Schulen 2. Kategorie, 100 Schulen 1. Kategorie, 13 Lese« und Schreib« schulen und eine Töchterschule, im Ganzen 181 Kronschulen für Hebräer mit 5624 Sernendm. Außerdem führt da» Ministerium die Aufsicht über 69 verschiedene hebräische Privatlehranstalten und 1348 Melamdim oder Privattehrer. Die Rabbiner« und hebräischen Kronschulen 1. und 8. Ka« tegorie wurden seit 1847 auf Grundlage de» von einem beson« deren Comitä zur Organisatton der HebrServerhältniffe auSgear« beiteten und am 13. November 1844 Allerhöchst bestätigten Regleinent» errichtet, und werden auf Kosten einer besonderen von den Hebräern erhobenen Steuer, der,sogenannten Lichtstener, unterhalten. Zugleich mit dem Reglement für hebräische Krön« und Rabbinerschulen erschien eine Verordnung über, hebräische Privattehranstalten und über die Melamdim nnd wurde ein gan» ze« System der Beaufsichtigung de» hebräischen Privatunterrichts festgestellt. Durch Errichtung der hebräischen Kronschulen und durch Regelung de» Privatunterricht» hatte die Regierung die Berbrei« tung einer gleichmäßigen Bildung unter der hebräischen Bevökke« rung und somit die allmälige Verschmelzung derselben mit den übrigen Bewohnern des Reichs, namentlich aber die Befreiung der hebräischen Jugend von dem schädlichen Einfluß der umvissen« den und fanatischen Privattehrer oder Melamdim im Auge, unter denen viele Anhänger de» Chassidismus und anderer schädlicher Seelen zählen. Eine fast 20 jährige Erfahrung hat dargethan, daß der von der Regierung beabsichtigte Zweck nicht vollständig erreicht wurde. Privatlehranstalten nach den neuen Grundlagen sind nur wenige errichtet worden; die Melamdim, Cheder, Talmud-Tora und Jefchibot bestehen nach wie vor. Von den Kronschulen haben nur die Rabbinerfchulen Wurzel gefaßt und sind zu einer gewissen Entwicklung gediehen, nachdem fie einen gefährlichen Kampf mit drm Fanatismus siegreich beständen, der sich in der ersten Zeit ihres Bestehens mächtig gegen sie auflehnte. Da» Ministerium hatte gehofft, daß die eine reale Richtung verfolgenden Schulen 2. Kategorie von der hebräischen Jugend besonder» stark besucht werden würden. ES geschah aber da» Gegentheil: dies« Schulen standen meist leer, so daß von den errichteten 13 Scholen dieser Kategorie 8 auf Allerhöchsten Befehl vom 4. Mai 1859 geschlöf« sen wurde» und nur 5 noch bestehen blieben, nämlich in: Berditschew, Starokoustantinow, Winniza, Odessa und Kischimw. Wenig besser gedeihen die Schulen der 1. Kategorie. Am meisten hielt der Unterricht in der hebräischen Religion die Hebräer von den Kronschulen ab, indem sie Abweichungen von dem altm Glau« ben und Neuerungen im Sinne der Regierung in Folge eine» solchen Unterricht» fürchteten und daher gegen denselben äußerst mißtrauisch und feindselig waren. Die Nothvendigkeit erheischte e», diesen Borurtheilen einige Zugeständnisse zu machen. Zufolge eine» am 4. Mai 1859 Allerhöchst bestätigten Beschlüsse» de» Organisa1ion»c,mi6» für Hebräer wurde denselben freigestellt, nach eigenem Willen ihre Kinder in den Schulen, oder von Privatlehrern in den Glaubenslehren nnterrichten zu lassen, so daß feit der Zeit die hebräische Schuffugend in Wn hebräischen Krönschulen sich blo» auf die Lectionen in den allgemeinen Unttrricht»*