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Die Gegenwart · 1867-08-02 · 31 (2.8.1867) · p. Seite 245

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
31 (2.8.1867)
Date
1867-08-02
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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ftadmci Wochenschrift str Jüdisch« Lsgelegerch«:«. Anstatt die von Ermattung ganz erschöpften Unglücklichen, die, wir mau un« versichert, moldo-walachische Unterthauen sein fallen, aufzunehmen, trieben die Soldaten sie mit Lolden- und Bajounetstößen in» Wasser. Zwei Juden, der eine jener kranke Grei», der andere ein junger Mensch, suchten, durch die Bajounette bedroht, sich auf da» türkische Fahrzeug zu flüchte»; die» glückte chaen aber nicht und fortgerissen von der Strömung ertranken sie. Bon Seite der rumänischest Wache wurde nicht der geringste Versuch gemacht, um die zwei Leute zu retten, die vor ihren Augen ertranken, und zwar ganz nahe dem Ufer, während die türkische, von drei Zuaven geführte Barke sich schleunigst entfernte. Ein Nachen de- Dampfschiffe- ״Merkur" von der österreichischen Donaudampfschifffahrt-Gesellschaft ward auf» schnellste bemannt, kam aber doch zu spät an, um sie zu retten. Die ande. ren Individuen wurden schließlich ausgenommen und in Arrest ge-, bracht, nachdem man sie einige Zeit der brennenden Sonnenhitze au-gesetzt im Wasser gelassen hatte. I Wir wissen nicht, ob sich unter diesen J-raeliteu ein ftemder Unterthan befindet; aber in Anbetracht der notorischen Berfolgungen, deren Gegenstand die JSraeltten in diesem Lande sind, halten wir efür strenge Pflicht, nachdrücklich im Namen der Regierungen, welche wir hier vertreten, gegen diesm Akt der Barbarei zu protestiren und die ganze Verantwortung dafür gegenüber der civtlisirten Welt auf Sie, Herr Präfekt, und die höhere Be- Hörde zu wälzen. Genehmigen Sie u. s. w. Galarz. Vom Lokal-Au-schusse der Alliance isra41ite universeile in Galacz wurde an den Handelskammer-Präsidenten und Reich-rathS-Abgeordneten Herrn S. Winterstein zu Wien folgende- Schreiben gerichtet: Au- Anlaß der Sonntag hier stattgefundempi traurigen Ereignisse sehen wir un» gezwungenuns an Sie, sowie an mehrere unserer hochgestellten und einflußreichen Glaubensgenossen in Wien, Pari- und London auf telegraphischem Wege via Orsova, da da» hiesige Telegraphenamt die Annahme der Depescheu verweigerte, mit der Bitte zu wenden, für unsere armep Glaubensbrüder bei Ihrer hohen Regierung Hilfe zu erwirken. Indem , wir wegen dieser Bemühung um Entschuldigung bitteu, hoffen wir, daß diese Sache de- Judenthums, sowie der Humanität in Ihnen einen warmen Vertheidiger finden wird. Wir geben Ihnen nachstehend die Einzelnheiten dieser grausamen Berfolgungen, denen wir jetzt in diesem Lande au-gesetzt sind, und bitten Sie nochmal», sich unserer armen Brüder anzunehmen und im Vereine mit anderen unserer Glaubensgenossen bei den hohen Schutzmächten auf schnelle Hülfe und baldige Besserung unserer Lage hinzuarbeiten. Daß״ die Verfolgungen, Hetzereien, AuSwei« sungen, da« Maltraitiren der armen J-raeliten hierzulande noch nach wie vor, ganz Europa zum Hohne, mit verstärkter Wuth seiten» der LandeSbrhördrn fortgesetzt werden, wird Ihnen wahr« scheinlich auch bekannt sein, daß selbe aber gestem hier, wie «S scheint ihren EulminationSpunkt erreicht haben, werden Sie au» nachstehendem Bericht ersehen: Zehn J-raeliten, vor einigen Tagen au» Jaffh hergebracht, werden, nachdem man sie zu den niedrigsten und entehrendsten Arbeiten verwendet und mißhandelt hatte, endlich vorigen Donnerstag auf Befehl dehiesigen Präsekten, in Gemeinschaft mit einem eilften Glauben-- und Leidens« genossen, an» jenseitige Ufer tranSportirt und dort dem Wind und Wetter, in dem Sümpfen und Morästen, obdach« und nahrungSlo». prei-gegebm. Die Leute werden täglich von den türkischen Solbaten her- und von den rumänischen hin-tran-portirt, und r» fehlte schon SamStag» einer der Unglücklichen, welcher sicherlich den Tod in den jenseitigen Sümpfen gefunden I Sonntag. 10 Uhr Vormittag», wurden nun die Zchn von den Türken wieder hierhergebracht, ab» die rumänischen Soldatm wehrtm mit gefälltem Bajounette deren Ausschiffung ab. Der türkische Barkm-Ausührer setzte die J-raelitm hart am Ufer iw Wasser ab und zog sich mtt seinem Boote zurück. Die armen Judm traten vor den Bajonnettm etwazurück, wobei zwei (ein alter und ein junger) in die Donau fielm und »tränten!!! Die» sehend, ließ »st dn wachthabende Ofsizi» die übrigm acht an» Land treten, doch nicht weit»! Bon den Gnettetm ist Ein» krank und ein zwett» wahnsinnig geworden! Sineweiteren Eommentar» bedarf es nicht! Wir allarmirten alle Eonsuln, und e» nahm sich der öfterreichische Eonsul, He» v. Sremer, d» Sache an, wie sie e» vndient, und ließ augenblicklich zwei Boote vom österreichischen Kriegsschiffe an Ort und Stelle abgehen, um »sten« die acht Lebenden abzuholen und zweiten» die Todtm zu suchen. Bon Letzteren hat man bi» jetzt den Einen (den Greis) gefundm; die Acht wurden beim Rahen d» östeneichischen Boote in die Wachstube gebracht und später auf fteim Fuß gesetzt. Die rumänischm Be- Hörden suchen nun die ganze Schuld auf die Türken zu schieben, was aber falsch ist. Letzt»e hätten ja mit den Juden in dm dortigen Sümpfen nach Belieben v»fahreu können. Wie dem auch sei, geehrt» Hnr, hier haben Sie die Resultate von Bratiano'S gloneichem Regime. Wir können und dürfen dasselbe nicht länger duldm. Wir stellen dah» an Sie, hochgeehrt» He», als GlaubenSgmoffen und edlsn Menschmfteund die dringmdste Bitte, unsere Angelegenheit, die auch eine Sache der Eivilifatton und Humanität ist, auf dem Ihnen' am geeignetsten scheinenden Wege bei allen hohen Regierungen und Bolksvntrrtungen zur Sprache zu bringen, um uns»» schlimmen Lage Abhilfe zu v»- schaffen. Wir setzen all unser Vertraue,; auf Sie und hoffen von Ihrer Intervention den besten Erfolg. r Genehmigen Sie, hochgeehrt» He», die V»sich»u»g unserer tiefsten Hochachtung. Für den Lokal-AuSschuß der Alliance israälite universelle. \ Für den Präsidenten: S. Pinele». Für den Schriftführer: M. Reischer. N. Fr. P. Florenz, im Juni. D» ״Educ. Israel.“ giebt die Liste d» israelitischen Gemeinden, welche bei dem ״jüdisch-italienischen Eongreß" am 30. April d. I. vertreten waren. E» waren dnm zwanzig, darunter die größeren Gemeinden Ancona, Fenara, Florenz, Livorno, Mantua, Modena, Neapel, Padua, Reggio, Turin, Venedig, Verona. Man votirte 1000 Lire jährlich für Berbreitung guter Bücher für israelitische Erziehung in italienischer Sprache. Man wie» den Antrag, vom Staate Subventionen für den israelitischen Kultus zu׳ influiren, vorläufig ab. Ueber die Resultate der, da» Rabbinnseminar betreffenden Debatte ist bereit« in diesem Blatte berichtet worden. Der Executiv-Au-schuß wurde beauftragt, wo irgend in Italien gegen die Gewissensfrei heit der Israeliten ein Anod» Eingriff Vorkommen sollte, sich die nöthigen Notizen zu v»schaffen und darüber an dm Eongreß zu berichten. Ein Antrag d» Gemeinde von Astt auf Zusammrnberufung einer rabbimschrn Eonferenz, um die von der Zeit gesordertm und gebotmrn Reformen zu bnathrn, wurde von der Majorität dahin modifizirt, daß eine solche Eonferenz wünschen-werh sei und ihre Beschlüsse an den Executiv-Au-schuß de» LongrefleS zur weit»m Berathung zu richtm hätte. Außer-

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