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Die Gegenwart · 1867-08-02 · 31 (2.8.1867) · p. Seite 247

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
31 (2.8.1867)
Date
1867-08-02
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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verlmer v^hechchcht sitr Iiwisch« >^gr»h«ürn. S47 fächern zu beschränken brauchen. Am 6. September 1862 erfolgte ein Allerhöchst bestätigter Beschluß de« Somit«« zur Organisation der HebrierverhLltuiffe, wonach nicht allein ausschließlich Christen, sondern auch Hebräer au« den Zöglingen der Rabbinerscholen zu den Aemtern von Inspectoren an die hebräischen Schulen 1. und 2. Kategorie zugelafsm Verden können. Ueberhaupt war der Zustand der hebräischen Stfaanftsttai ptr Zeit, wo da- Ministenum der inneren Angelegenheiten die Frage über Umgestaltung der Korvbka- und Aufhebnng der Lichtsteuer entstand, ein Werauunbefriedigender. Diese die materiellen Existenzmittel der Schulen berührend« Angelegenheit rief die Frage hervor: ob die hebräischeu Schulen für die Ankunft fortbestehen, oder mit Ausgebong de« ungünstig ausgefallenen ersten Versuchs, ganz geschlossen werden sollen? Bereit« im Jahre 1868 wurde in Folge einer übermäßigen Anhäufung von Rückständen der Sichtsteuer im Ministerium de« Inuern eine besondere Kommission errichtet, die unter Anderem den Auftrag hatte. Regeln für die Verwendung der Korobkasteaer zur Unterhaltung der hebräischen Schulen zu entwerfen. Nach Beprüftmg aller auf die Korobkasteuer bezüglichen Daten fanddie Kommission die gänzliche Aufhebung dieser Steuer, für,nothwendig, worauf sie zur Berathung der Frage schrill? Sb vft hebräischen Kronschulen in dem Maße ihrem Zweck entsprechen, daß deren fernere Existenz durch eine besondere den Hebräern auferlegte Steuer zu sichern wäre? Bei der Entscheidung dieser Frage hatte die Kommission die für diese Schulen äußerst ungünstigen Aussagen einiger GouvernementSchef in Betracht gezogen, welche der Ansicht waren, daß besondere Schulen für Hebräer gänzlich nutzlos, und der schweren Opfer nicht Werth seien, welche die jüdische Bevölkerung aus dem kaum zur Ernährung der Familien und zur Entrichtung der KronSabgaben ausreichenden Verdienst zu tragen habe. Auf diese Daten gestützt machte die Kommission den Vorschlag, von allen hebräischen Kronlehranstalten nur die zwei Rabbinerschulen bestehen zu lassen, deren Noth- Wendigkeit durch da- Brdürfniß nach systematisch gebildeten fachgelehrten Rabbinern bedingt sei. Das Ministerium der Volksaufklärung, dem dieser Vorschlag zur Beschlußfassung mitgetheilt wurde, trug Bedenken, vor einer' sorgfältigen Untersuchung und Erforschung des gegenwärtigen ZustandeS der hebräischen Schulen eine positive Antwort in einer s» wichtigen Angelegenheit zu geben. ES wurde daher zufolge eines ans Unterlegung de« Minister« der BolkSmiftlärung erfolgten Allerhöchsten Befehl« vom 16. März 1864 das Mitglied des RatheS de« Ministers, Geheimrath PostelS, zu diesem Zwecke abdelegirt. und besichtigte derselbe aus dieser einen BisitationSreise v»m Mai bis zum September 1864 einen großen Theil sowohl der hebräischeu krön-, als Eonununal- und Privatschulen, über-welche er sodann einen ausführlichen Bericht erstattete. Dieser Bericht wurde auf Auordnung des Ministeriums in besten Journal veröffentlicht und nebst einer besonderen historischen Denkschrift allen Euratoren der Lehrbezirke und den Generalgouverneuren, in deren Verwaltungsbezirk sich hebräische.Schulen befinden, zur Begntachtung mitgetheilt. Ohne hier auf den Bericht de« Herrn PostelS näher einzugehen, muß man bemerken, daß aus demselben eine Thatsache unzweifelhaft hervorgeht — batz wachsende Bestreben ver hebräischen Jugend, in die allgemeinen Bildungsanstalten einzntreten. Znfelge eine« Allerhöchst bestätigten Veschlnste« de« OrganisationScomitäS für Hebräerverhältniffe vom 1l. Januar 1863 über die Ertheiluug von Stipendien an Hebräerknaben, welche die niederen und mittleren allgemeinen Lehranstalten besuchen, wächst mit jedem Jahre die Zahl der Hebräer ln denselben; auch Hebräerinnen habe» bereit« angefaog«, in die weiblichen Gtznlnnßni einzutreten; in den Schule^ 2. Kategorie beendigen nur Wenige den vollen Knrsu«, weil fie sich beeile«, in die Gymnasien üderzugehen. Seit der Veröffentlichung de« Allerhöchst bestätigten X<ichSrath«-Gn1achten« vom 27. November 1861, »elche« de» Hebräer», welche gelehrte akademisch« Grade erworben, da« Recht znm Eintritt in den Staatsdienst verleiht, sowie die Freiheit, ihren bestAdigen Aufenthalt« ohne Beschränkung ans daden Hebräern gesetzlich angewiesene Domicil, überall zu nehmen, sind viele Zöglinge der Rabbinerscholen nur darauf bedacht, iu die Universität zu treten. Herr Postel» fand, daß die Rabbinerschule« im Lllgemeiuen ihrem Zwecke entsprechen, jedoch zu will,scheu sei, daß der Unterricht-cursu« in denselben dem Gymnasialcursu« nach dem neuen Statut gleichgestellt werde, um durch Einführung der französischen und lateinischen Sprache, von denen letztere in der Wllnaer Rabbinerschule noch bizum Jahre 1862 vorgetragrn, darauf jedoch zu Gunsten anderer Untrrricht«gegenstäude aus dem Kursus au«- geschlosten wurde, den Zöglingen dieser Anstalten den Uebrrgaug zur Universität zu erleichtern^ Herr Postel» erstaunt« über-die Unkenntniß per aus den Rabbinerschulen entlastenen Lehrer in Bezug änf Erziehung-- und Unterrichtsmethode», weshalb er anräth, den praktischen Beschäftigungen mit der Pädagogik in de» pädagogischen Kursen dieser Schulen mehr Raum zu geben. Bon den 5 Kronschulen 2. Kategorie besitzt nur die in Odessa eine 4te, übrigens sehr spärlich besuchte ErgänzungSklafle, dir übrigen bestehen nur aus 3 Klaffen. Die hebräische Bevölkerung verhält sich gegen diese Schulen völlig indifferent. Letztere bereiten ihre Zöglinge weder für die Rabbinerschulen, noch für die Gymnasien vor, aber ebensowenig bilden sie Lehranstalten mit rnerkaulller Richtung, da bei der geringen Stundenzahl, welche von den hebräischen Unterrichtsfächern für HaudelSwiffenschaftcu und Buch« Halterei übrig bleibt, die Lernenden nicht hinreichend für da» Handlungswesen vorbereitet werden können. Herr PostelS ist der Meinung, daß diese Schulen einfach zu schließen seien, mit An», nähme der iu Odessa und in Berditschew, welche letztere übrigens nnr bi» zur Eröffnung eine» Realprogymnasiums daselbst, wo eine allgemeine Lehranstalt noch lehlt, erhalten zu werden brauchte. Die Beschreibung der Schulen 1. Kategorie läßt nicht den geringst» Zweifel über deren gänzlichen verfall übrig. Nur wenige Kinder besuchen dieselben; zu den Unterrichtsstunden erscheint nur die Minderzahl der in den Gchulverzeichniffen Angegebenen, und zwar an dem einen Tage ein Theil, an den! folgenden ein anderer; dabei fthlen den Schule« gänzlich die Lehrmittel, sogar Schiefertafeln und Papier. Um ein Ekringes beffer gestellt lind die Schulen im Odrssaer Lehrbezirk und iu Kurland, am allerungenügendste» aber in den Gouvernement« Mohilew und Kijew, wo die unter dem Namen de» EhassidiSmu« bekannte Secte vorherrscht. Da- Mißrathen der Schulen 1. Kategorie schreibt Herr Postel« znm Theil dem Umstande zu, daß die Hebräer aus religiösen Vorurtheilen sich vom ersten Anfänge ihrer Begründung an feindselig gegen dieselben verhielten, ftrner daß zu Inspektoren derselben Kanzleibeamte und christliche Slementarlehrer ernannt wurden, und endlich daß in dem UntetrichtSprogramm da- Mgiöse Element vorherrscht, wobei die Unterrichtsmethode nicht dem von den Melamdim bei dem ReügiouSunterricht befolgten, den Hebräern gewohnten Verfahren entspricht, indem nach dem Maimonid und Ehaie Adam und nicht nach drin Talmud gelehrt wird, dem die Hebräer eine höhere Bedeutung zuschreihen. Herr Postel« bekräftigt in positivster Weise, daß die Schulen 1. Kate-

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