Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 31 (2.8.1867)
- Date
- 1867-08-02
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Die •cgauMtt. Wir müssen uns mit der Beschwerde de» geehrten Herrn Einsender« einverstanden erklären, wenn wir auch einige der geäußerten Ansichten nicht theilen. Etwa» weniger ״Ordnung" könnte in keiner Weise schaden und würde viele Störungen de» fettigen. Ktl», 25. Juli. In der Synagoge ist in der verflössenea Rächt Feuer au»gebrocheu, welcheerst spät bemerkt wurde und große Zerstörungen angerichtet hat. Kostbare Teppiche und Vorhänge sind verbrannt, desgleichen ei» Theil der Gallerie und der unten befindlichen Kirchenstühle; sehr werthvolle heilige Gesäße fand man geschmolzen vor. Dazu ist die schöne Stückarbeit in der Auppelwölbung herabgefallen, und die in dem Heiligthume angebrachten Malereien und sonstigen reichen Verzierungen haben durch Rauch und Flammen so gelitten, daß ihre gänzliche Wieder- Herstellung sehr lange Zeit in Anspruch nehmen wird, und der schöne Anblick de- Innern de- Tempels, der bekanntlich zu den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt gehört, dem Publikum auf längere Zeit entzogen bleibt, abgesehen davon, daß dareligiöse AndachtSbedürfniß der Mitglieder der israelitischen Gemeinde, welche nur auf diese eine Synagoge angewiesen ist. wenigsten» vor der Hand gewiß sehr empfindlich berührt wird. Den Gesammtschadm kann man nur nach Tausenden schätzen; doch schwanken in dieser Beziehung die Muthmaßungen noch zu bedeutend, um eine Summe bezeichnen zu können. Ueber die Ursache de» Grande», auf welchm man erst durch den au» den EingangSthüreu hervorgequollenm Rauch aufmerksam wurde, verlautet noch nicht« Bestimmte». Schmirgel, 21. Juli. Der Kaufmann Herr Jakob Hamburger verwaltet seit 25 Jahren ununterbrochen da» Amt eine» Berwaltunga-Borsteher» der hiesigen jüdischen Gemeinde. Rastlos thätig, mit Hintmansetzung seiner eigenen Interessen, unbeirrt durch Anfechtungen, welche ja auch bei dem besten Willen nicht auSbleiben, hat derselbe die Verwaltung der Korporation in eine musterhafte Ordnung gebracht, die finanziellen Verhältnisse auf erfreuliche Weise verbessert, Kultus und Schule gehoben und ebenso als Vorsteher des Kranken-UnterstützungS- und Begräbniß-Verein» die vortheilhaftestm Verbesserungen eingeführt. In Anerkenuung dieser seiner Verdienste haben nun gestern die Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihrem Vorsteher nach seiner 25 jährigen Amtswirksamkeit ihre Glückwünsche dargebracht, ihm in einer kunstt voll gefertigten Adresse ihrm Dank ausgesprochen und außerdem, zur Erinnerung an diesen Tag, ein Album und eine kostbare Uhr überreicht. Auch eine Deputation der städtischen Vertretung, welcher Herr Hamburger feit langen Jahrm als Stadtverordneter angehört (wobei er nicht minder die regste und ersprießlichste Thätigkeit entfaltet),' hatte dem Jubilar an seinem Ehrentage die Glückwünsche der Kommune dargebracht; ebenso gingen demselben von seinen auswärtigen Freunden zahlreiche Gratulationen und anerkennende Schreiben zu. Herr Hamburger erfreut sich eines noch frischen Geiste» bei voller körperlicher Kraft und Gesundheit, und so dürfen wir der Hoffnung Raum geben, die jüdische Gemeinde. welche stolz darauf ist, einen solchen Mann an ihrer Spitze zu sehen, werde ihn von heute nach 2b Jahren noch ebendaselbst finden, und ihm ihre erneuten Glückwünsche darbringen. P- Z- | Wie», 20. Juli. Der ungarische Justizminister hat durch I eine besondere Verordnung dem Bürgermeister von Pest aufgege- Iben, alle qualifizirten J-raeliten in die Liste der Geschworenen I aufzunehmeu. I Wie», 22. Juli. In politischen Blättern liest man: ״Die!Auszeichnung eine» jüdischen Literaten in Oesterreich ist eine Neuigkeit, welche in der Litrraturwelt mit Interesse vernommen werden wird. Moritz Gau»,. der Herausgeber der ״Debatte", rühmlichst bekannt durch mehrere belletristische Arbeite«, ist in den ungarischen Adelsstand erhoben worden. E» ist eine Auszeichnung von doppelter Bedeutung, da, e« der erstd Jude in Oesterreich ist, der rein in Anerkennung fetaa literarischen Verdienste geadelt worden ist." Wir «ollen die gute Absicht anerkennen. Wie», 22. Juli. Zahlreiche Zuschriften, welche un» au» Galacz zugegangen sind, liefern deu aktenmäßigen Beweis, daß die zehn Juden nicht von den Türken, sondern von rumänischer Seite in die Donau gejagt wurden. Die barbarische That ward auf Befehl der Lokalbehörde unter Leltuug eine» Ossizier» verübt. Pie rumänische Regierung, welche nach allen Weltgegenden telegraphiren ließ, daß die zehn Juden von den Türken ins Wasser geworfen wurden, war der Unwahrheit ihrer Behauptung sich so wohl bewußt, daß sie allen Privat-Telegram« men, welche den Vorfall der Wahrheit gemäß meldeten, die Annähme und Beförderung seitens der Telegraphen-Bureaux verweigerte. Wir lassen hier vor Allem den Protest folgen, welchm sämmtliche Eonsulate in Galacz an den Präfekten der Stadt gerichtet haben. Der Correspondent, welcher undiese- Aktenstück einsendet, bemerkt dazu Folgende»: ״Es ließen sich zu dem Faktum selbst noch manche mtsetzliche Einzelheiten hinzufügen; ich kann nur bemerken, daß e» für un» hier kein Geheimniß ist, daß weit mehr solcher Morde und Scheußlichkeiten geschehen, als gekannt werden, weil die Behörden Allethun, um zu verhindern, daß sie in die Oeffeutlichkeit gelangen, und die offiziellen Blätter solche Anklagen wegen Judenhetzm auf das eifrigste und mit wohlgeheucheller Entrüstung in Abrede stellen. Sie sind darum nicht weniger authentisch, wie der nachstehende auf beeidigte protokollarische Aussagen und die Zeugmschast von Hunderten von Menschen, welche Zuschauer jener Gräuelscenen warm, sich stützende Protest beweist. E» liefern solche Thatsachm nur den Beleg, daß die ״Eivilisation", mit welcher Rumänien zu prunken liebt, nur auf dem Papiere steht, aber noch nicht einmal die höchsten Schichten, viel weniger die niederm berührt hat. Daß übrigens meist nur die Regierungsorgane dergleichen verüben, beweist, daß beim Anblick de» jüngsten unmenschlichen Vorganges Rumänen geweint haben, während der Offizier und seine Soldaten hohnlachmd ihr Werk ausführten." Der Protestier Eonsuln lautet wie folgt: Galacz, dm 15. Juli 1867. Herr Präfekt! Die unterzeichnetm Lonsuln haben soeben durch die öffentliche Stimme und durch genaue Ermtttlungm die traurigen Vorgänge erfahren, welche gestern sich in dem Hafm von Galacz ereignet haben. Neyn oder zehn Juden wurden letzten Samstag auf Befehl der Lokalbehörde aus dem Lande getrieben. Die Gendarmen brachten sie in einem kleinen Fahrzeuge ans türkische Ufer. Unter diesen armen Leuten befand sich auch ein Greis, der so schwach war, daß zwei Soldaten ihn ausrichttn mußten, um ihn in da» Fahrzeug zu stoßen. Statt jedoch die Unglücklichen dem türkschm Wachposten in Satoka zu übergeben, führten die mit der Au-führung der Befehle der Verwaltungsbehörde beauftragten Soldatm sie auf die Galacz gegenüber gelegene, unbewohnte und von Wasser überspülte Insel und warfen sie, wie sie es ftüher schon gethan hatten, in dm Sumpf. Die türkischen Soldaten nahmen sie Samstag Abend» auf und führten sie gestern nach Galacz zurück, wo sie dieselben der vor dem Hafm-Eapitanate stationirten Wache übergeben wollte«.