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Die Gegenwart · 1867-08-02 · 31 (2.8.1867) · p. Seite 243

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
31 (2.8.1867)
Date
1867-08-02
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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248 Bkrimer Sochenschrfit sikJüdchh« Lugüegmheilrn. r Vorstände-, so wie böl den später« Wahlen, hat ihm die Gemeinde einen starken Nntheil za verdanken. Jeretzky, früher immer gesund, war seit vier Jahren-rank, heilen unterworfen, die sich zuletzt der Lunge bemächtigten. Gei. nen nahen Tod ahnte er nicht, und in den letzten Tagen, als die Gefahr auSdruchsvoll genug hervorttat hat ihn die Natur mit Bewußtlosigkeit beschenkt. Wir sagen beschenkt! Denn siebenfach bitter muß der Todeskelch für einen im vollen Bewußtsein'sterben, den Lehrer werden, welcher, ohne dageringste Vermögen zu hinterlasien, von einer liebenden Gattin scheidet, an deren Seite er sein häusliche- LebenSglück gefunden, von drei Söhnchen, die er voll Hoffnung und Freude im Herzen trug, um diese theuren Wesen unversorgt, vielleicht in Noth zurülklaffen zu müssen! Doch wir" sind, überzeugt, Jeretzky, welcher den jetzt herrschenden Geist der Humanität in der Gemeinde und ihrer Verwaltung kannte, hätte seinen scheidenden Blick ruhiger auf die Zukunft seiner Lieden gerichtet. F. Lt. k Berlin, den 28. Juli. Der Stadtverordneten-Versammlu»g vom 25. Juli theilte da- Kuratorium der ״Stiftung eine- Ungenannten für hilfsbedürftige christliche und jüdische Familien"- deren Gründung wir vor einiger Zeit meldeten, mit, daß eö beschlossen habe, die Baarbestände jener Stistnng bei der Gparkaffe zu deponiren, und stellt dasselbe das Ersuchen, die letztere anzuweisen, vom MagistratSdepositorium k Conto der Stiftung größere, als durch das Statut der Spar, kasse vorgeschriebene Summen anzunehmen. Die Versammlung gab ihre Zustimmung. * Berlin, den 22. Juli. Unter diesem Datum ist un« nach, folgende Zuschrift zugegangen: Sehr geehrter Herr Redakteur! Vor etwa einem halben Jahre brachten Sie in Ihrem ge« schätzten Blatte (in Nr. ö) einen Artikel: ״Der Freitag Abend in ^der neuen Synagoge", welcher mich schon damals als so recht lebenswahr geschrieben sehr angenehm berührt, und welchen ich heute, nachdem ich durch einen mir selbst begegneten Vorfall noch« mal« zum Durchlrsen veranlaßt, nur als durchaus vortrefflich be« zeichnen kann. Am Freitag, de» 12. d, Abends, besuchte ich (eigentlich gegen meine Gewohnheit) durch eine an mich von befreundeter Seite ergangene Aufforderung veranlaßt, die neue Synagoge. Ich gehöre zur altconservativen Partei und finde lediglich in den Formen und Einrichtungen der alten Synagoge meine religiöse Befriedigung. — Nichtsdestoweniger betrete ich jedes zu Ehren des GotteS Israel constituirte Bethau«, in welchem die ספרי תורה an ihrem Ehrenplätze aufbewahrt werden, mit der schuldigen Ehr« furcht,ואני בחב חסדך אבא ביתך אשחחוח אל היכל קדשך ביראתך ist in dieser Beziehung für mich überall gleichbedeutend — ob Heidereuter«Gasse, ob Oranienburger-Straße — אין זח בי אס בית אלחיס Der Borbeter recitirte bereit« da« Ende der Mincha. Schmene>ESre, und ich begann, nachdem ich mich bei dem Modim und den Responsen de« darauffolgenden Kaddisch noch betheiligt, selbst für mich da« llstinchagebet in lautloser Stille zu beten. Pietät und gesetzliche Vorschrift gestatten diewohl nicht anderals stehend. Die« mußte einem der Auffeher auffallen; er bleibsel sind stumm, »der verspottete Sonderbündler — die episodische Vermal, vmg von 184S—64 kurz zu kennzeichnen ist nicht schwer, der erbli adele Pa. ttiarch Isaak hat schon ihrm Lharaktcr voran-gesehen: ״Die Stimme war die Stimme Jakob'», tje Hände warm die Hände Esau'»", und ihr Auster, jade war Serki- Laffel! wollte durchaus, daß ich mich niedersetze, und nachdem ich ihm durch Zeichen eS begreiflich gemacht, wie dieaugenblicklich nicht wohl angiuge, thut derselbe mir gegenüber eine Aeußerung, welche ich hipt nicht wiederholet mag, welche mich aber tief verletzte, meine Andacht zerstörte, uud mich demnächst baldigst zum freiwil« ligrn Berlaffen der Synagoge veranlaßte; — ich sollte — diewar der Sinn jrnet Worte — lediglich in» Gotteshaus gekom« men sein, um hier störend einzugreifen. — Allen denen, von welchen ich näher gekannt zu sein die Ehre habe, bedarf es wohl nicht erst der Rechtfertigung, ob ich wirklich mich so weit der« geffen kann, meinen eigenen Gottesdienst dazu zu mißbrauchen, um den Anderer zu stören, ich erlaube mir aber noch hinzuzofügen, daß ich gegenwärtig unter Gottes Beistand mich im Stadium der Genesung von einem längeren körperlichen Leiden befinde; והעלך. רפואה שלמה לכל סכותעו beschäftigte mich gerade in je. nem Gebete so recht innig — ״das Aufsteigen der vollständigen Heilung, daallmälige Sntgegenführen einer vollkommenen Ge« nesung von all unseren Leiden" ist ein von dem Berfaffer des Gebe« te« so überaus vortrefflich gewählter Ausdruck, — gerade dem vom Schöpfer begründeten Raturprozeß entsprechend, wie solchen ja auch die neuere Wissenschaft zu würdigen beginnt; — wenn man überdies nicht allzuviel von Medizinflaschen und medi« zinischen Kuren hält, so erscheint da» Vertrauen zu dem אל סלך רופא נאמן ורחסן, dem in seiner Barmherzigkeit allein znver« lässigen Arzt, um so gerechtfertigter! — Wir Altgläubige be« ten am Ende doch auch nicht so gedankenlos, als man uns gerne zumuthet und verdienen deshalb doch mindestens auch einige Rück« sicht der Duldung! — Wie gesagt: ich verzeihe dem Manne jenen Ausdruck, den er lediglich in seinem übermäßigen Pflichteifer gethan, aber ich erlaube mir durch Ihr geschätzte- Glatt die Frage, ob denn gar kein Mittel erfindlich wäre, solchem Uebelstande abzuhetfen? — Ein Gotteshaus, das im Ganzen doch noch die altherkömmlichen Gebete beibehalten hat, muß doch auch Gelegenheit bieten, daß seine Besucher in jenem Gebete die zu suchende Erhebung finden. — Die alte Schmone-E-re enthält dieser erhebenden Momente wahrlich zu viel, daß gerade die Männer dereligiösen Fort« schritterst recht bemüht sein sollten, denen, welche sie beten wol« leu, dazu die erwünschte Gekgenheit zu geben. — Wenn die Syna« gogenordnung durchaus Aufstehen und Sichsehen so überaus pracise überwachen muß, (auch Sie, Herr Redakteur, rügten da« malS diese Commando-Jnstitution) so könnten doch wenigstens die nach begonnenem Gottesdienst Eintretenden durch Anschlag an« gewiesen werden, ihre Mincha in der räumlichen Vorhalle zu beten, ein Gebrauch, der übrigen« bereits zu den Altherkömmlichen gehört und wieder mal den Beweis liefert, wie die alten Minha« gim doch nicht so corrnpt und unbrauchbar sind. Geehrter Herr Redakteur! Sie sagten in jenem Artikel: ״der Trieb der Unmittelbarkeit ist das Geheimniß der jüdischen Natur. — Dieser Trieb ist sein GotteSgeheimniß und die Bürg, schaft seiner Ewigkeit. Der I-raelit will mit seinem Gott selber ein Wort reden, da« ist sein Äeheiumiß und seine Ewigkeit". Sehr wahr und richtig! Wer sich um wenige Mi« nuten verspätet (und wäre dieeinem GeschäftSmanne nicht derzeihlich?) soll, wie die Sache hier liegt, lediglich wegen eines nicht besonders glücklich gewählten neuen SyuagogengebrauchS, — ich stimme mit Ihnen überein: ״allzuscharf macht schartig" — ans ein ihm lieb gewordene« Gebet, welches er sein Lebelang täglich verrichtet, — lediglich darum — verzichten!? Genehmigen Sir re. S. Jolenberg, Oranienburgerstr. 86a. sf

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