Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 31 (2.8.1867)
- Date
- 1867-08-02
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Dir Gegenwart. \ י 7 jungen Freunden und Freundinnen GegeustHide für- Hre» W»h^ thätigkeitSsinn zu. Mancher Kranke, mancher arme Gelebte, verarmte Kaufmann, kurz Hilfsbedürftige erhielt auf diesem Wege Hülfe. Eine noch andere Benutzung dieses seine» durch die gottgefälligste Thätigkeit gewotmenen Anseheu» 'finden wir noch z» besprechen Gelegenheit. II. Waisenpflege. /־ .. Mose» Mendelssohn war schon fast ein halbe» Jahrhundert todt, als in Berlin sein hundertster Geburtstag gefeiert turnte,v and zum Andenken an diesen Tag wurde von Berehrern de» mtsterblichen Philosophen eine wohlthätige Anstalt gegründet, welche, geschmückt mit dessen ruhmvollen Namen, durch Humanität die schönste, seinem fronime» Sinne entsprechende Dankbarkeit der Nachwelt verewigen sollte. Also entstand die ״Mose» Mendel», sohn'sche WaisenerziehungS-Anstalt", welche allmälig zu ansehn> lichen Mitteln heranwuch»*), und steigend segensreich unter der Verwaltung eine» au» jüdischen und christlichen Notabilitäten zu« sammengesetzten Kuratorium» wirkt, in dessen Mitte statutengemäß auch ein Vertreter de» Vorstände» der jüdischen Gemeinde seinen Sitz nimmt. Zu den verdienteste» Wohlthätern der Anstalt gehört der seit dem vorigen Jahre betrauerte Or. Julius Rubo, welcher 36 Jahre lang derselben die ganze Fülle seiner gleich liebevollen und kräftigen Teilnahme durch Rath und Thal, durch Wort und Schrift zuwendete, aber einen der ersprießlichsten Dienste leistete er dem Institute, dessen Mitschöpfer er war, dadurch, daß er ihm die Dienste Jeretzkh'» vermittelte: Mehr als ein Viertel Jahrhundert war Jeretzkh als Inspektor der Anstalt thätig, und die glückliche Lösung seiner Aufgäbe hier konnte sich nur bei Eigenschaften wie die seinigen vollziehen: Herz für die unglücklichen Kinder und Urtheil über deren Charakter, Umsicht und unbeugsame Gewissenhaftigkeit bei der Wahl der Pflege-Eltern, so wie Willenskraft unv wachsame Sorgfalt bedurfte und hatte Jeretzkh. Die Mose» Mendel»- sohn'sche Anstalt vertraut die einzelnen Kinder einzelnen sittlich erprobten und standeSmäßig lebenden Familien gegen Entschädigung an, welche bei redlicher und wirthschaftlicher Verwendung der Familie sowohl wie den Waisen zu Gute kommen muß. Bei solchem Verhältnisse gab sich die Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Kindern in drängenden Anerbietungen Ausdruck, und sollte die Anstalt nicht, statt rettende Quelle für Waisen, zu deren Verderben HülfSquelle für die Gewinnsucht werde», so mußte strenge Untersuchung dem Vertrauen vorhergeheu. Jeretzkh kam hierbei seine weite Bekanntschaft mit den Gliedern der Gemeinde zu statteil, »eben seinen genannten Eigenschaften, und selten ward da» Kuratorium in seiner Wahl arg getäuscht, und traf sich ein solcher Fall, so folgte auch schnelle Abhülfe. Denn I. war unermüdlich in seinen UeberwachungSbesuchen bei den bestallten Pflege-Eltern, und er fand es auch nothwendig, oft die natürliche Mutter der Waise im Auge zu behalten. Seine Aufsicht über die Kinder selbst war nach allen Seiten ihre» leiblichen wie geistigen Wöhle» Väterlich wachsam, und haben in ihm Eine Frau und 3 Kinder ihren zärtlichen Vater und Versorger verloren, so haben Hunderte von Wittwen au ihm ihren Wohllhäter und ihre Kinder den zärtlichen Beschützer verloren. Wie sehr da« Kuratorium der Anstalt de» Verstorbenen Leistung würdigte, bezeugt sein Nachruf in den Zeitungen. Ein Mitglied hatte sich erboten, wenn die Aerzte dem *) Unter andern Wohlthätern vererbte ihr der im Jahre 1851 verstor. h«u hochachtbar« Rüben Gumpertz 2V,V0V Thlr. Gold. Er war als lknadr Sster bei Mendelssohn und wußte spater dessen Schriften zu würdige». raufe» Aerchkh^Aufeu^alt i» Italien verordnen, fo fei e» bereit, ׳'die Äiltel dazu zu beßhaßen. III. Tempel. f War Jerehkh ein geborener Hchrer und Erzieher, lo war fest» Eigetzschaft stßS Vechet«. Sek Mter war »tele Jahre Vorbeter der großen Gemeinde zu Halberstadt und sehr angeschen. Der ältere Bruder ist jetzt daselbst der angesehene Nachfolger de». Vater». Gottschalk Jeretzkh hat auch hier seinem Ehrgeiz keinen größer» Spielraum gelassen, als ein kwv «npo, wo er Mleich Witter ir diakonischtr Mühewaltung -der Waisen und in ihrer Nähe war. Im Auerhach'schen Waiseuhause war e», wo er seit vielen Jahren dem Gottesdienste in veredelter Form Vorstand. Sein liebliche» Organ und die Weihe seiner Sprache sammelten andächtige Männer und Frauen zu einer zahlreichen Geweinte, und mancher Besucher hatte seinen Beistand in der großen Synagoge unbenutzt gelassen, um sich an Jeretzkh'» Vortrag zu erbauen, einem Vortrage,, welcher von Musikverständniß unterstützt war, und au« welchem man erfuhr, daß der Vortrageude wohl den Sinn der hebräischen Gebetstücke kannte. In KultuS-Angelegetcheit seine» Fache» suchte er immer sich mit Erfahrungen zu bereichern, und als er in den letzten Jahren öfter gezwungen war, Bäder iu Böhmen oder Baiern zu gebrauchen benutzte er den Aufenthalt auch für seinen Tempeldienst. Während andere Kurgäste Ausflüge zum Vergnügen in die Umgegend machten, besuchte er die jüdischen Gemeinden derselben, um ihre Shnagogengebräuche kennen zu lernen, um die bessern stall minder passender einzuführen. Wir haben oben gesehen, wie Jeretzkh aus seinem, bei den Schülern erworbenen Einfluß Kapital für HülfSbedürftige bei den zu Männern Gewordenen zu machen verstand, aber seine Beliebthell bei so viele» Mllgliedern der Gemeinde bedingte.Folgen, welche sich weit über die Bedürfnisse einzelner Personen hinaus erstreckten, sie ragten in die Verwaltungs-Interessen der Gemeinde selbst hinein: Bei allen bedeutsamen Fragen im Schoße des jüdischen Berlin, seit 25 Jahren suchten viele, selbst Männer von maßgebender Stellung die Meinung Jeretzkh'», der so genau Personen, Gesinnungen, Wünsche und Ränle der verschiedenen Parteien kannte. Kam er zu einer Zeit, al» eine Wahl, eine Reform, eine VerwaltungS-Maßregel die Gemüther bewegte, in eine von Juden stark besuchte Lese-Anstalt, so richteten sich alle Alsgkn auf ihn, und alle Ohren lauschten seine» Worten. Ein Fremder hätte geglaubt, der so sachklar und zugleich so freimüthig sprechende Redner sei nicht ein bescheidener Lehrer mit einigen hundert Thalern Gehalt, sondern wenigsten» ein Vorsteher oder höchst besteuertes Mitglied. Bei seiner Darlegung der Ansichten wurden viele Zu- Hörer für den Fortschritt de» Guten und für den Kampf gegen da« Schlechte gewonnen, und oft waren seine im Interesse und innigster Hingebung für die Gemeinde auSgestreuteu Belehrungen von erheblicher Tragweite auf dem Wege zum Ausschlage. Dabei gab er seinen UnabhängigleitSsinn niemals auf. Al« er im Jahre 1850 mit auf die Liste der verfolgten Lehrer gesetzt wurde, beugte er sich nicht, wie leider schwache Eollege», sondern kämpfte, obgleich in seiner Stellung gefährdet, neben den männlicher Gesinn. ten, bi» der traurigen Verwaltung der Neuorthodoxie da» Heft au» den Händen geschlagen war,*)' und bei der Wahl des jetzigen *) Die Reuorthodoxie, so unrühmlich fte auch im Allgeiueme» und ge. gen «ich pers-ulich gehandelt hat, soll hier Gegcustmd niemer Schonung se«. Sie ist durch Tod, Laufe und Bekehrung gelichtet, und ihre sporadische lieber.