Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 30 (26.7.1867)
- Date
- 1867-07-26
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ftcrtntcT Wochenschrift flr Jüdisch« Lugelegenheite». 8» sage». Ferner verordneten die deutsche» Rattiner, daß man au diese« Lage (de« Marge»«) keioen Betmantel aalege; Andere »einte» jedoch, man dürft da« mit Schaofädeu versehene Viereck trag«. Manche wollten auch schlafend trauen», and schlieft» da« her jene Rächt auf weniger» Kvpfkisse« al« gewvhulich. Au« der» schien diese Trauer zu gering, und sie -«fahlen, man müsse einen Gtei» zum Kopfkissen habe», und diese« schon deshalb, da auch der Patriarch Jakob blo» deswegen ('??) auf einem Stein geschlafen, well er damals durch Inspiration die Zerstörung Ieru« falem« voran« sah. Run war es auch ehedem Sitte, an einem, wegen ringe« tretener Dürre u. s. w. angeordneten hohen Fasttage, sich auf dea Friedhof zu begeben und daselbst mehrere Gebete zu verrichten, und die Rabbiner übertrugen auch diesen Gebrauch auf den S. Ab. Spätere Rattiner fügten noch hinzu: man begebe sich auf einen nicht«jüdischen Friedhof, wenn in diesem Orte kein jüdischer sein sollte. Wa« endlich den Brauch betrifft, am Abend diese« Fast, tage« da« Mondgebrt zu verrichten, so rührt dieser von dem Ka« balisteu R. I. Lurija her. So zahlreich und drückend aber auch die Erschwerungen der spätern Rabbiner find, so haben diese dennoch in dieser Beziehung manche der talmudischen Verordnungen aufgehoben, weil Zeit und Umstände gegen dieselben waren. So sollt« jeder Jsraelite, zu« folge einer talmudischen Vorschrift, am 9. Ab barftß oder in Strümpft» gehen, die Bettstellen Umstürzen, und von beiden dispensirten die Rabbiner de« Mittelalters. Ferner erlaubten sie da« Haarschueiden, da« Waschen der Wäsche u. s. w. selbst am 8. Ab, sobald der 9. auf den Sabbat fällt! Geographische». . ' ■ Im Talm. Jerus. Sota IX. 14 lesen wir: ר' ירמיהשבשב ולבש עטרה של זית וכו, Rabbi Jeremia schmückte sichmst einem Kranze von Oelzweigen, wie e« ehemals bei Hochzeiten Sitte gewesen, während seit der Belagerung Jerusalem« durch Brspasian diese« Zeichen persönlicher FesteSstiipnmng, auf Anordnung der Gesetzeslehrervor der nationalen Trauer zurücktreten mußte. Samuel trfuhr e» und spracht ״E« sollte ihm eher der Kopf ab« genommen werden, als daß er Dergleichen thäte." Da« Wort, da« dem Munde de« Gebieters entschlüpft war, e» ging in Erfüllung. — Soweit ׳die Erzählung de- ,i ׳» Vorganges. — j ■ Den Ausdruck שבשב habe ich nnübersetzt gelaffen, weil er strettig ist; derselbe giebt übrigens, vergl. Sachs, Beiträge S. 84 Anm., .wo auffallender Weise weder unsere Stelle, noch das Targum zu Hiob 14, 7 erwähnt wird, einen recht guten Sinn, da er ״flechten" bedeutet. Gleichwohl findet sich in der Parallel« stelle, Midr. zu Threni 5, 16, dafür רשבשב, welcheeine OrtSaltgahe.zu sei» scheint f pirklich. führt auch Fürst in seiner Kultur- und! Literaturgeschichte der Juden in Asien S. 101 unter den dort namhaft gemachten 76 Schülern Samuels einen Jirmijja au« Schabschab auf. , ' Leider ist aber diese Angabe lediglich au« unserer Stelle ge« schöpft, und dürste über de« betreffenden Ort schwerlich Auskunft zu geben sein. * Soll mit dem fraglichen Worte da» Domicil de- R. Jeremia bezeichnet sein, so mag e« wohl an beiden Stellen corrum« pirt, und im Midr. zu Koheleth 10, 5 die richtige Lesart un« aufbewahrt sein. Sie lautet:.ז־שבשתא. Jetzt ist der Name der Stadt un« nicht mehr zweifrWtft, sie heißt Sebaste, und e« fragt sich nur. welche Stadt darunter zu suchen sei. Die erste, an welche wir dabei erinnert werden, ist jetti^ falldie Stadt Eamaria, welche von Herode« den Namen Ge« bastr, gleichbedeutend nut Angusta, die Erlauchte, zu Ehren seine« Gönner«, de« Kaiser« August««, erhalten hat. Dieser Name kommt auch in der Mifchna, dem Midrasch und (nach Schwarz, da« heisige Land E. 118) in der Fasten« Ehronik <5.8 vor, wie gleichfalls ניסולית RabluS (Neapolis-Neustadt) für da« alte שבט, dessen Stelle e« einnahm, und für de« unmittelbar über diesem Orte sich erhebenden Berg Gariflm, dir Bezeichnung סלטאנום, wie ich vermuthe gleich Reapolitanti«*), an verschiedenen Stellen de« Midrasch Rabbah sich findet. Gleichwie ein karaäifcher Schriftsteller (s. Neubauer: Au« der Petersburger Bibliochek G. 45) den Namen der Stadt Nablu«, mit Rücksicht auf Genes. <5.34, von נבלה ableitrt, so könnte hier Sebaste, da« sonst im Talmud und Midrasch סכסטי oder סווסטי geschrieben wird, wie nach der gleichen Schreibweise in Benjamin Tudela» Jtinerär sä. Afher S. 32, als ״da« irrende" bezeichnet werden sollen. Freilich spricht gegen die Beziehung auf Eamaria die Spannung, welche zwischen Juden und Samarstanern herrschte, die jeden friedlich Gesinnten unter jenen vom samaritanischen Gebiete möglichst fern halten mußte, da, wie wir wissen, selbst der bloße Durchzug durch dasselbe für den nach Jerusalem pilgeraden Galiläer nicht ohne Gefahr war. Ein -zweite- Sebaste wird von Joseph»« aut. XVI. 4, 6 erwähnt; es ist die zu Eiltcien gehörige Insel Eleusa. Nach Rappoport בכ״ה״ע XI. 99 und Philoxene Luzzatto in seiner Notic« sur Hasdai S. 9. ist diese« Sebaste unter dem von Jbn Daud al» Reiseziel der 4 berühmtes Gelehrten, welche den Untergang der,babylonischen Hochschulen herbeiführten) m,gegebenen סססתק oder סבסחאן, wie es im קורא הרורות heißs, zu verstehen. Da«, selbe liegt zu fern, als daß e» für unfern Fall hier in Betracht kommen könnte. Wir könnten noch ein dritte» Sebaste, in Palästina, aufführen, da auch da« am mittelländischen Meere gelegene Eäsarea. an und für sich schon von Herodezu Ehren de- AugustuS mit dem Namen ,/Kaiserstadt" geschmückt, zur nähere» Bestimm»ng Sebaste genannt wird, indeß war dienur ein Beiname de» in der talmudischen Literatur so häufig vorkommendeu קיסרץ• WünschenSwerth wäre e«, daß eine kundige Hand ihr Urtheil über den fraglichen Gegenstand abgeben möchte. Eger». *) Segen die bereit« von Landau ausgestellte und von Krankel, Jost und Sach« rqipirte Deutung ״Platane" dürste im HinbliS auf Senes. SV, eiitjuwendea sein, daß weder in irgend einer Version אלה mit ״Platane" üb«seht wird, noch diese« Wort überhaupt so nicht In kalmud und Midrasch anzutreffen ist. Für meine Deutung möchte ich noch anführen, daß Abulfeda die Stadt ״Nablu«" und den in Rede stehenden Berg ״Rablu«.Berg" nennt svrrgk. Reland« Palästina *. ▼. Sichern) wie andrerseit» der samaritanifchr VibelerNLrer Ibrahim, s. Seiger Ztschr. d. dtschm. SeseRsch. XX. t«Sff., jene Stadt ספרה und den Berg הר ספרה nennt. Daß נ ju Lnfang au»gefallen ist, kann bei der HSufuug der Lmlso. nantm nicht befremden; für da» Midr. zu Laut. «, ( dem Worte »orangehende הר lügt sich wohl am schicklichsten הר emendlrru.