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Die Gegenwart · 1867-07-26 · 30 (26.7.1867) · p. Seite 235

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
30 (26.7.1867)
Date
1867-07-26
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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V Vatmer Wochenschrift fftr gsdische Ingdtgcn^rittn. 236 fer geworfen. Welche Bersto« die richtige ist, darüber werden Detailberichte Aufschluß geben. Gewiß ist nur soviel, daß die moldo-walachischen Behörden unter dem Lorwande der Bagabon« dage jeden Juden, dessen sie habhaft werden können, einsperren oder abschiehen, und daß Gräuekfceueu wie diese nicht vortommm köanten, wenn in den Douaufürstenthümern der liberale Minister des Innern, Herr Bratiauo, fich nicht kotz aller Reklamationen der Mächte in den Kopf gesetzt hätte, allmällg die Donaufürsten« thumer von den Juden zu säubern. Hoffentlich wird jetzt euer« gisch eingeschritten und diesem empörenden Treiben ein Ende ge« macht. Als der Kaiser der Franzosen jüngst au- Anlaß de» ju« denfeindlichen Ediktes de» Herrn Bratiauo dem Fürsten Karl sein Bedauern über solche den Geist de» Jahrhundert» schändenden Maßregeln ausdrückte, hieß es, das betreffende Edikt sei zurückgezog« worden. Der Borfall in Galah zeigt aber, daß im Gegen« theil dieses scheußliche Edikt eonsequent durchgeführt wird und die Judenverfolgungen grimmiger denn je zuvor forwauera. Wie». Die Sitzung des Abgeordnetenhauses de» Reichs« rath» vom 12. Juli war eine sehr wichtige und inhalkeiche; in derselbenmotivirte Dr. Mühlfeld unter Anderem sein Reli« Lions-Edikt. Dasselbe habe den Zweck, die Wunden zu heilen oder doch zu lindern, welche da- Concordat nicht nur den Völkern Oesterreich», sondern der Regierung selbst geschlagen. Der Wunsch, daß die Feffeln, die dem Staate^ durch diesen unheilvollen Derkag angelegt wurden, gelöst würden, der auch durch diese» hohe Hau» in seiner diesjährigen Adreffe zum Ausdruck kani, ist ein allgemeiner. Zur Begründung seine» Aukag» brauche er daher nicht viele Worte zu verwenden und beschränke fich unter Berufung auf den AuSschußbericht heute nur auf zwei Bekachtungen, auf eine allgemeine und auf eine spezielle. Die fortschreitende Bewegung der Zeit hat drei Prinzipien uufgestellt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Freiheit und Gleichheit sei da» nothwendigste Postulat gerade in religiöser Beziehung. Die Freiheit de» Glaubens, die Religionsfreiheit soll auch in einem politisch noch unfertigen Staate gewahrt und aufrecht erhalten wer« den. Die Gleichheit, die au» dieser Freiheit resultire, sei auch in religiöser Hinsicht da» Korollar der Freiheit. Gerade die katho« lische Religion, welche sich bisher dieser Freiheit und Gleichheit entgegenstellte, fordert die Brüderlichkeit, denn sie stellt als ihr höchstes Princip die Nächstenliebe auf, und e« werde doch Nie« mand bestreiten wollen, daß die erste Consequenz der Nächstenliebe die Brüderlichkeit sei. Zur Darlegung der speziellen Be׳ trachtuog übergehend, bemerkt Redner, Oesterreichs innere und äußere Berhältniffe seien abhängig von dem Verhalten, da« seine Regenten in religiöser Beziehung beobachtet und die Geschichte zeigt uns leider, wie sie fich nicht hätten verhalten sollen, wenn sie auf eine glückliche Zukunft de- Reiche» g?dacht hätten. Schon zur Zeit der Reformatton haben sie gefehlt. E« werde nicht ver« längt, daß sie sammt ihrem Bolke hätten überketen sollen, aber sie hatten sich nicht jeder Reform entgegeustrllm sollen. Die Entfremdung Deutschland« gegen Oesterreich datire von länger her als von heute; sie ist eine Folge der blutdürstigen Intoleranz der österreichischen Regenten. Hätte man die religiöse Gleichbe« rechtigung gewährt, so hätte Oesterreich in Deutschland und Eu« ropa einen anderen Einfluß gehabt, die religiöse Unduldsamkeit sei Schuld an all' seinem Unglück. Die ausschließliche Bevorzn« gung der katholischen Kirche hat aufzuhvren, die protestantische Eonfesfion ist ihr gleichzuftellen, alle Fesseln der Israeliten haben zu fallen. Darüber ist kein Zweifel mehr möglich. Umkehren möge die Regierung und zwar bald, denn wir haben keine Zeit mehr zu verlier«,, gehen «k nun rasch ans Serk, dann »erden wir vor den Böllern jenseits der Leitha das voraus habe», daß wir den Joden die religiöse Frecheit nicht auf Grund eines Colonisatioasgefetzes geben, wir werden dann nicht, wie iu Ungarn, die Jude» von den Seschworneulisten ausschließen. Neu» Oesterreich ein Hort für Religionsfreiheit wird, dann ist es möglich, «ich henk noch ihm znzurvfen: Glück auf! Dr. Franz X. Groß schlägt vor, einen Ausschuß au« dem ganzen Hause, beskhend au« 18 Mitgliedern, zur Berachuug des Gegeustande« zu wählen, e» liege die möglichst gründliche Erwä« gung selbst im Jntereffe der Gegner. Das Resottat der Wahlen aus den Abtheilungen sei oft ein zufälliges, und er möchte diese Angelegenheit keinem böswilligen Zufall überlasten, auch genüge die Zahl von S Mitgliedern nicht. Der Ankag des Abgeordnekn Groß wird angenommen. Dagegen stimmten ein Theil der Polen, die Slovenen und die Tiroler. Zu diesem Ausschuß wurden Mitglieder aller Eonfessionen und Parteien, Protestanten, Katholiken und Juden (Luranda) gewählt. Ein Gegenstand besonderer Beachtung von allen Geikn war die Haltung der Regierung zu dem Mühlfeld'schen Anträge. Der erste von den zwei stimmberechtigten Ministern, Freiherr v. Beust nämlich, fand es gerathen, den Abschluß dieser Angelegenheit Im Ministerzimmer abzuwarten und erst dann auf seinem Platze im Saale zu erscheinen, als die Geschichte sich abgespielt hatte. Der andere stimmberechtigte Minister, Graf Taaffe, bidahin im Saale anwesend, schien plötzlich, als der Mühlseld'sche Antrag zur Ab« stimmung gebracht werden sollte, da» Bedürfniß zu empfinden, sich außerhalb de» Saale» zu befinden, und die Eile, mit der er diesem Bedürfniffe nachkam, verfehlte nicht einige Aufmerksamkeit zu erregen. (ES scheint, daß sich die österreichische Regierung gegenüber dem Klerus noch immer nicht zur Entschlossenheit entschließen kann. Man zaudert mit den nvthigsten Reformen, als ob man Zeit hätte, als ob man nicht in der zwölften Stunde wäre, und als ob e» nicht gälte, eine Schuld abzutragen, die heiliger ist, als die ganze Staatsschuld, eine Schuld an die Jahr« Hunderte hindurch vernachlässigte und miterdrückte Menschheit!) Agram, 9. Juli. Die Spaltung, welche in den Reihen unserer tonangebenden politischen Parteien eingeketen, hat auch im socialen Leben der Landeshauptstadt Nachahmung gefunden. Diesmal ist es unsere israelische Gemeinde, welcher e» Vorbehalten war, in dieser Beziehung eine Rolle zu spielen und auch der au»- wärtigen Welt ihre häuslichen Zwistigkeiten zu entdecken. In Agram existirten nämlich bis zum Jahre 1867 zwei israelitische Gemeinden, eine de» sogenannten alten und eine deneum Ritus. Im Jahre 1857 wurden in Folge gegenseitigen freiwilligen, von der politischen Landesbehörde bestätigten UebereinkommenS beide Gemeinden in Eine Gemeinde unter der Bedingung bereinigt,׳ daß dle Mitglieder deneuen Ritus auf da» Verlangen jener de» alten Ritus eingingen und sich die alte Liturgie als dle ihrigt aneignete». Da die Mitglieder de» neuen Ritus in der Majorität sind, so glaubten sie in da» hergestellte gute Einvernehmen keinen Mißton hineinzubriugen, wenn sie für den neuen, eben im Bau begriffenen gemeinschaftlichen Tempel eine Orgel anschaffen. Wäh« rend nun diese Orgel bereit» fertig und, wenn ich nicht irre, auch schon hier angelangt ist, protestiren die Gcmeindeglieder de» allen Ritu« gegen die Aufstellung diese» Kirchen-JnskumenteS im ge« meinschaftlichen Tempel und berufen sich dabei auf da» im Jahre 1857 gegenseitig unterschriebene, behördlich bestätigte Protokoll. Da ihr Protest bei der Gegenpartei kein willige« Gehör gefunden, so waren die Mitglieder dealten Ritu» gezwungen, sogar die »1*

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