Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 30 (26.7.1867)
- Date
- 1867-07-26
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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234 1 Dir Grrgmvan. * ״« * in der Spandauer Gaffe zum Erttheil hinterlqsHi» ^ezufe», da» Licht hinauszutragen in die Weite. Die» sännt« fie.nur durch Geiger» Wahl. E» ist kaum glaublich, daß gegen die Be« rufung eine» Manne», der seit einem Menschenalter in den beiden nächstgrößt« Gemeinden Deutschland» BreSsau und Kr«nk. furt in einer Weise gewtrft.dcch selbst der krasse IgnorantiSwu» die Segel streichen mußte, irgend welche dogmatische Bedenken im Ernst gehegt werden können. Und in Bezug auf Aye» Uebrige, fragen wir ganz einfach; ohne die Bedeutung irgendeine» zeitge« nössisch« Rabbinen verdunkeln zu wollen: — wenn nicht Geiger, wer denn sonst? — Der vereinigt in sich, wie er die Fülle der Eapacititen, al» Redner, Lehrer, Schriftsteller, praktischer Seel« sorger? Wer hat mehr Ansehen und Würde um die zerstreMe, reiche jüdisch-wissenschaftliche Intelligenz Berlin» unter seiner Argid« zu schaaren? Wer soll in der Metropole Norddeutschland» da« theologische Seminar inanguriren, dessen Nothwendigkeit selbst von warme» Anhänge« de« einer einseitigen Richtung folgenden Breslauer Seminar» nicht geleugnet werden kann. Man nenne un» den Mann, den man außer Geiger, für alle diese Aufgaben im Auge haben kann, und wir wollen den Tiefblick de» Einen unter den'Repräsentanten, dessen Stimme zur Zweidrittelmajori« tat gefehlt hat, mit gebührender Bewunderung preisen. — E» ist so schwer an da» vällige Scheitern einer Hoffnung zu glauben, deren Erfüllung Dielen von jeher al« wahrhaft providentiell vor« gezeichnet erschienen ist. — Nicht um de» Manne» willen verzich« ten wir und Tausende mit un« auf diese Hoffnung so ungern. Er steht auf der HSHe seiner Bedeutung für die jüdische Mit- und Nachwelt. Der RabbinatSstuhl Berlin» erhebt ihn nicht hö« her, wenn er ihm auch eine neue ruhmvolle Thätigkeit eröffnen würde. Aber um de» Baterlande», um der Zukunft der Re« ligion willen, um der Propaganda der fteim wiffenschaftlicheir Forschung im Rabbinerstande, welcher irgendwo endlich eine Stätte bereitet werden muß, bellagen wir da» Hinderniß, da« der Erreichung dieser Ziele wiederum bereitet ist, und können un» von der Hoffnung nicht trennen, daß da-s letzte Wort in dieser Angelegen« heit noch nicht gesprochen ist. Mecklenburg »Schwerin, 20. Juli. Unsere Regierung scheint nicht fruchtlos durch die auswärtige Preffe an ihre Sün« den erinnert zu werden. Sttllschweigend wird eine Berbefferung nach der ander» eingeführt. Auch unsere Stellung wird hoffent« lich bald eine erträglichere werden. Bi» jetzt waren wir fast rechtSlo», durften keinen Grund und Boden erwerben und waren vielfachen Beschränkungen unterworfen. Eine unserer Mittelalter« lichen Lasten ist seit kurzem von un« genommen. Ein jeder Jude, dem eine Eoncession ertheilt wurde, mußte eine Extrasteuer von 16—20Thlr. bezahlen; in den jüngsten Fällen hat die betreffende Behörde von dieser Steuer Abstand genommen. E» ist die» doch ein Anfang und wir hoffen, daß er recht bald wettere Forffetzung finden wird. _ Au» Stiddentschlauv, 17. Juli. Die allgemeine Politik liegt un» hier fern, und dennoch können wir nicht umhin, da» Ge« schick de» Kaiser» Maximilian von Mexico zu berühren. Fürsten und Bolk»männer haben vor ihm den Henkertod durch die Hand der herrschenden Partei erleiden müffen; sie werden e» vielleicht auch noch nach ihm. Wir verabscheuen jede Todesstrafe, denn fie ist die Eonsequenz de» alten heidnischen BergeltungSrecht« und Rachegesetze«; da» Gesetz von ״Zahn um Zahn" heißt iu seiner äußersten Eonsequenz, auf seiner obersten und letzten Stufe: ״Tod um Tod, Blut um Blnt". Der MosaiSmuvermochte da« Leben mit seinen heidnisch« Sitten und Anschauungen nicht mit einem Male völlig umzugeftalten. Er mußte demselben viele vor« lägstge EonarssÜnen mach». Gar manche heidnische Einrichtung blieb besteh», cheren Härtan dqpchst gemildert wurden, der» voll« ständige Abstellung aber erst von der. Zukunft erwartet werdm konnte. Da« Gesetz ״Zahn um Zahn rc." wurde später in praxi aufgehoben. Dje Tovetzstrpfe blich Mqx im.Princip noH.befst« heq, aber stretisch g« nicht, oder nur. äußert) Hfttn Wenn man einem gerecht« Gerichtshof höchst«» ein Einmalige« Tode-urthell in je 70 Jahr« zugestehe, so kommt die» in der Idee einer faktischen Aufhebung der Todesstrafe gleich, und wenn man ven reformatorischen Männern R. Dchphon u. R. Akiba d« Ausspruch in d« Muüd krgt: ״HNM W 1t« Shk1kbk10lk"Z?. sess«, so wäre nie ein TodeSurtheji gesprochen worden", man wird eingestehen, daß somit die Todesstrafe fast auch im Prin« cipe aufgehoben erscheint, oder deren principielle Aufhebung we« nigsten» vorberettet ist (Mischn. Macc. 1. 10). Am wenigsten laff« sich indeß politische Hinrichtung« rechtfertig«, weil in solchen nicht so sehr Handlung«, al» vielmehr Meinungen gestraft werden. So erhaben wie die Grundsätze de» Iudenthum», stehen auch seine Beispiele da. Wir erinne« nur an da» Beispiel Da« vid» gegen Saul in der Höhle zu Engedi, und iqt> Sage! zu Ha« chila. ״Da» sei fern," sprach er: ״an mein« Herrn, den Gesalbt« Gotte», Hand zu legen." Wir erinnern aber auch an sein Benehmen bei der Tödtung Abner'S, defeindlichen Feldherrn, durch Joab. ״So mußte Abner sterben", klagte er, ״wie ein Verbrecher stirbt! Wie man von Meuchelmördern fällt, bist du gefallen!" Auch David» Behandlung Eimei'S, eine- Manne» au» der Familie Saul'», welcher bei der Empörung Absalon» e» mit Letzterem hielt, sei erwähnt. David- Leute riethen zur Tödtung Simei'S, David indeß ging nicht darauf ein. Er glaubte ihm die Berfolgung de» König» nicht übel nehmen zu können, wenn deffen eigner Sohn sich empört habe. Wir erkennen daran, daß Grundsätze und Beispiele de» Iudenthum» für Fürsten und Völler so gefährlich nicht sind. Und d«noch — hat die Preu« ßische Regierung geglaubt, der > iSraelttischen Realschule Frank« furt« (Philanthropin), welche — ein Beweis ihrer Tüchtig« feit — der christlich« Schüler nicht wenige zählt, die Befugniß, ihre Schüler ebenfalls mit der Berechtigung zum einjährigen Mi« lttärdienst zu mtlaffen, nur unter der Bedingung ercheil« zu bla« fen, daß sie fortan keine christlichen Schüler mehr aufnehme? R. Wie«, 19. Juli. Die ״Neue freie Preffe" meldet: Anläß« lich der neuerdings stattgefundenen barbarisch« Judmverfolgun« gen Seiten» der rumänischen Behörden in Galatz hat die österreichische Regierung ihren dortigen Konsul angewiesen, unver« weilt Schritte zu thun, um die Bestrafung der Schuldigen herbeizuführrn und eine Wiederholung der Exzeffe zu verhüt«, mit dem Zufügen, daß die kaiserliche Regierung auf da» Höchste entrüstet über jene Borkommniffe, d«selben die emsteste Aufmerksamkeit zuwende, ohne Rücksicht darauf, ob die von dm Verfolgung« Be« troffenen österreichische oder ftemde Uaterthaneu seien. Im Anschluß an obige Notiz berichtet die ״N. Fr. Pr." weiter: Zehn Israeliten wurden wegen Vagabundage zur De« portation (soll wohl heißen zur Abschiebung an die Grenze) ver« urtheilt und demgemäß im kurz« Wege über die Donau trän»« portirt und mi da» türkische Ufer gesetzt. Die Türk« bracht« fie wieder an da« rumänische Ufer zurück und dort wurde chre Landung mtt dem Bajonnet verhindert. Die^ Türken, statt die Unglücklich« wieder Mttzuuehmm, setzten fie an« Ufer, von wo sie in» Waffer getrieb» wurden; ja, laut Nachrichten über den Vorfall au» anderer Quelle hättm die Türk« die zehn Israeli« ten, al» sie nicht an» Land geloffen wurden, einfach in da» Was«