Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 30 (26.7.1867)
- Date
- 1867-07-26
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I - -V mr. *k-־. / ♦ 3־ggtö kk ack.ctUa llktkiliii, berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. t:\'' - ‘ 0 ■r-■ _ ___ _ _ _ ___ Frnlqg, bm 86. IuU. . 310. 30. Erster Jahrgang. 1867. Inhalt kr! Jfj Lörrt»-««dtN)nr: Berlin, ©trtfau, Mecklenburg-Schwerin, Süd. dvitschlanh, Vien, Wim, Agram, Schwerz, Lnlstantinovrl. — Geiger« Auf. saffuug de« Judmthwn« uud seiner Geschichte. — Der Fasttag am S. LH. (Schluß.),!— Geographische«. — Llteratnr-Bericht.-Inserate. ,C * * ' * ' * Berlin, dm 23. Juli. Die Gemrinde-HauShaltS-Ueberficht pro 1866 ist, wie wir vernehmen, bereits im Druck und wird demnach wohl in Bälde veröffentlicht werden. Sie wird dieselbe-die»»at!»W»führlicher als kn den Vorjahren sein und von einem votailllttöti VSrwältungSbericht begleitet werden. Durch die im Schooße der Repräsentanten-Vrrsammlung verzögerte Revision^ arbeit, bezw. Decharge ist auch dieSnial eine, wenn auch kurze, Ueberschreltung der Frist von 6 Monaten, nach der spätest««» eine Publikation der HanShaltS-Uebersicht statutengemäß zu erfclgm hat, hrrbeigeführt worden. . . ^Breslau, 15. Juli. Die zuerst von dm politischen An. tungm hierher gebrachte Rachricht von dem Hehtschlagen »er Wahl de- De. Geiger in der Berliner Repräsentanten-Dersammlung hat hier eine tiefe und überaus peinliche Sensation erregt. DaS große Publikum (zu welchem in dieser Angelegenheit auch außer« jüdische Kreise gezählt werden dürfen, da die Popularität des Gei« ger'schrn Namens hier weitverbreitet ist) konnte sich, da ihm jede Orientirung über die religiöse Parteienstellung der Berliner Ge« meindr abgeht, dieses unerwartete Resultat gar nicht zurechtlegm. ״Wie", — hörte man von allen Seiten fragen — ״steht die erste Gemeinde des vergrößerten Preußens, die erste Gemeinde des RorddeMschen Bundes also nicht auch geistig an der Spitze der religiösen Entwicklung deS JudrnthumS; oder befindet fich ihre gesetzliche Vertretung nicht auf der Höhe der in der Gemeinde zweifellos vorhandenm, nach so vielen Richtungen hin sich kund« gebmden Intelligenz?״ — Auch der Eingrweihtere konnte auf solche Fragen nur mit einem mitleidigen Achselzucken antworten. Wäre es doch ein vergeblicher Versuch, den Fernstehenden in diesem Labyrinth von Seltsamkeiten und Widersprüchm zurechtweisen, od«x ihn durch vk von' den Gegnern der Wahl mit wahrer Be« haglichkeit aufgewirbelten Staubwolke», daS reine und wahre Bild der Sache wie es der unbefangenen Betrachtung sich darstellt, er« kennen zu lassen. — Wenn wir in diesen Blättern von hier aus auf dm Gegenstand näher einzugehm uns die Freiheit nehmen, so geschieht eS daher nicht im Eulferutesten in der Absicht, um Die Berliner Gemeindeverhältniffe und die Stellung und Haltung der Parteien in dieser Frage einer Kritik zu unterwerfen, »der um oach irgend einer Seite hin durch daS Organ, deffen wir uns bedieuea, einen Einfluß an-zuüben. Wir wollen vielmehr nur einfach constatiren, wie, ״fern von deu Parteien Haß und Gunst" außerhalb de« Kampfplatzes in den Kreism derjenigen Glaubens« genöffen, die ein warmes lebendige« Jntereffe an der Zukunft un. strrr grsammtm religtösm Entwicklung bethätigm, über da« vorläufig der Geschichte angehörende Faktum gedacht und empfimden wird. DaS Schauspiel eine« heftigen ParteienkampfeS bei Rabbinerwahlm ist — wir sagen nicht: leider, sondern lieber: Gottlob! Denn im Kampf erzmgt sich da« Leben; — weder neu noch settm. Außer dm RichtuugSgegensätzen. die in einem rin« gmden, fern von Abschluß steheudm Zeitalter der Reform und der Reaktion, ganz naturgemäß sind, treten sich fast überall lokal« Jntereffm und lokale Bedürfniffe, von persönlichen Rücksichten flinz j» geschweige», feindlich gegmüber, den principiellrn Eon« stikt verschärfend und vertiefmd. Man kann e« vom allgemein menschlichen, so zu sagen vom historischen Standpunkt weder der« dammm noch beklagen, wenn in wesentlich lokalen Kämpfen dieser Art, in letzter Instanz doch der lokale Gesichtspunkt, die Fürsorge für da« friedliche uud freundliche Beisanunenbleibm Aller den Ausschlag giebt, uud die Verfechter der entgegengesetzten Prin« cipien zu Eoucesfionm und Vermittlungen sich bestimmen laffm, deren Resultat in der Regel daun immer sachlich und persöniich eine Mittelmäßigkeit ist. Geisteskämpfe, wie sie beispielsweise von 1838—1856, unter mannigfacher herber Bedrängniß, ja fast unter anarchischer Desorganisation der Gemeinde, aber unter muth« und geschickvoller Führung durchgefochtm worden sind, um' die Standarte de« Reformprincip« auf dem äußerstm Vorposten deutsch-jüdischer Kultur aufzupflanzen — solche Kämpfe mögen selten' sein und können nicht al« Vorbilder für Alle aufgestellt werden. Wie Berlin in der brmnmden Frage der Besetzung des RabbinatS sich auf dem bezeichneten Niveau jener friedfertigm und friedseligen Dutzendgemeinden hält, wenn seine gesetzliche Reprä« sentation keinem höheren Ehrgeiz nachstrebt, als einem Manne die geistige Führung auf religiösem Gebiete zu übertragen, der daS FortschrittSprincip in einer solche» Verdünnung zur Anwe»׳ düng bringt, daß weitaus auf dem ganzen rechten Flügel der Ge« meinde kein Laut de« Mißtrauen« und der Opposition sich regt, — dann wird Berlin sich allerdings den Ruf einer fürsorglichen, einträchtiglichen Mustergemeinde bewahren, in derem Schooße Orthodoxe und Reformer deutlich unter ihrem Weinstock und unter ihrem Feigenbaum sitzen; aber dies« Mustergemeinde muß von dem Piedestal^der ersten, tonangebenden und leitenden Gemeinde Deutschlands, welche« ihr bisher bereitwilligst eingeräumt worden, heruntersteigen. Dann lege sie da» Scepter der Hegemonie in andere Hände, denn die ihrigen haben sich im Geisteskampfe für die Gesammtheit zu schwach erwiesen. Wir waren der Meinung, daß der Gesichtskreis der jüdischen Gemeinderepräsentanz Berlin« ein größere« Gebiet, als da« Weichbild ihrer Stadt umspannt; daß sie von der Aufgabe durchdrungen ist, nicht blo« dem loka« len Bedürfniß ihrer engern Angehörigen, sondern den großen schreienden Forderungen der gesammten deutschen Judenheit gerecht zu werden, eingedenk de« ihr von dem großen Reformator 30