Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 29 (19.7.1867)
- Date
- 1867-07-19
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Ar StgaovK. r und brauchbare« Werk, a»S welchem man sich über die biblischen Alterthüm«, soweit dieselben da« alte und neue Testammt be» treffe», »uterrichtm kam. Allei» Win er schrieb anSfchlirßltch für Gelehrte und überdie« nur vom christlich-theologischen Gesicht««" Milte a»«, welcher i» der Bibel de» Inbegriff zweier Testamente erblickt, alle« aber, «a« außerhalb dieser Testamente liegt, blo« als Untergeordnete« und Subsidiäre» in Betracht zieht. Der jüdtsche Standpunkt, der im neuen Testamente blo« einen loSgerissenm Zweig jener mächtigen Eiche sehm will, die auf dem üppigm Bode» de« jüdischm Geiste« in Gestalt der halachischm und aga« bischen Literatur erwuch«, — war bisher in keinem Real-Lexikon vertreten. Dem Verfasser de« vorliegmdm Werke« fiel die Auf« gäbe zu, eben dm jüdischm Standpunkt zur Geltung zu bringm, anstatt eine« alt-ueutestamentlichm, ein biblisch-talmudische- Wör« terbuch zu fchreibm. In dem Maaße nun, wie der Baum größer ist al« sein Zweig, die talmudische Literatur umfangreicher ist, al« die neutestammtliche, in dem Maaße ist dmn auch die Aufgabe, die sich der Verfasser diese« Werke« gestellt, eine weit größere al« jme, welche Win« zu lösm hatte. In Anbetracht de« größem Um« sangde« Literaturgebiet«, da« der Verfasser zu durchmrffrn hatte, können wir e« demselben daher auch zu Gute halten, wenn auch im« merhin nur bedauern, daß er die reichen Quellm, die Winer benutzt, ganz außer Acht ließ. Darüber dürfen vir mit chm um so wem« ger rechtm, al« derselbe sein Werk ebm nicht wie Winer blo« für Fachgelehrte schrieb, sondern auch, wie auf dem Titelblatt au«« drücklich angegeben, für ״Gemeinde« und Schulvorsteher, Lehrer und andere Bibelfreunde", — welche« letztere wohl so viel heißm soll: für Bibelfreunde überhaupt. Ob und in wie fern e« dem Verfasser gelungm, feine schwierige Aufgabe zu lösen, darüber wird sich wohl ein endgülti» ge« Urtheil erst daun seststellen lassen, wenn die noch rückständigm Theile im Drucke erschienen sein werdm, da der Verfasser einem eignen, zwar durchaus unverwerflichm, aber auch unmoti« virten Plane gemäß, gerade die wichtigstm, historischen und geo« graphischen Artikel, die man ebm nur in einem biblisch-talmudi« scheu Wörterbuch zu suche» pflegt, nämlich die Arttkel, auf derm Fehlen ihn bereit« der gelehrte Munk in einer auf dem Umschlag abgedruckten Zuschrift aufmerksam macht, auf die noch nicht herauSgekomwenen Theile des Werke« aufgespart hat. Hinsichtlich de« Artikels Bar Lochba glaubm wir dm Verfasser bei diefer Gelegenheit auf einen im ״)Ben Ehananja" vom Jahre 1860, 5. Heft, S. 228 erschienenen Aussatz aufmerksam machen zu dürfen. Auf die Einzelnheiten der in dm vorliegmdm Theilen be« -'handelten Gegenstände können wir hier unmöglich näher elngehen, da dieun« nöthigen würde), dem Verfasser Schritt für Schritt in all die mtlegenm Eckm und Winkel de» so überaus au-ge« dehntm und weitgrstreckten Ltteraturgebiete« zu folgen und un« anf diese Weise einer Mühe zu unterziehm, die man allmfall« auf die Abfassung eine« umfangreichen Werke», nicht aber auf die bloße Kritisirung eine« solchen wenden darf. Soweit ein allge- »einer Ueberblick ein Urtheil gestattet, zeugt da» Werk überall von außerordentlichem Fleiße, geviegmem Wissen und llarer, fach« gemäßer Darstellung-weise. Hin und wieder bemerkm wir aller» ding« Manche«, wa« wir ander« gewünscht hätten, und die« ge« rade bei Artikeln, die dem Verfasser, wie vielleicht auch den meisteu Lesern, minder wichtig erschienen sein mögen. So bemerken »k beispiell-weifeHeftI. S. 2l7 Ehpre sse kurz ab mit dem he« bräischm גפר (nicht גופר wie e« gedruckt steht) zusammengrsttllt. Wie die« in der That bereits Füller (MiScell. IV, 5), Cel« stu« (Hierob. I. 333 8q.), Rosenmüller (Alterthüm« IV. 1, 253) n. A. gethan. Ist ab« der Verfass« dies« Ansicht, die sich durch die große Lautähnlichkeit allerdings sehr empfiehlt, so durfte « nicht dabet Bibelstellen citirm, wo nichts, sonder» «TD oder nra steht, und doch thut er die« ganz mgenirt. Letzteres Wort, velche« versetzt im arabischen 8od»rbia wird« erscheint, geben die Sextuaginta durch Ehpresse dabet hätte sich d« Verfass« beruhig« soll«, um die bezüglichen Bi« belstellm bmutzm zu köunm, dafür ab« auf גפר und auf die ein« zige Stelle, wo e« vorkommt, Verzicht« müffm. — In dem sonst so ausführlich behandetteu Arttkel Esel, Heft II.» S. 342ff. ver« miss« wir ungern die so werthvolle Angabe d« Mischnah (Baba mezia 8 a, b) üb« die Tragkraft de« Esel« in Weizm« und G«« stmlast und über da« B«hältniß derselben zur Tragkraft de» £<e meel«, — eine Angabe, die für die Sprach« und Alterthumskunde in mehr al« ein« Beziehung von großem Werth sein kann. — Dergleichen kleine Fehl« od« Mängel, wie wir solch« noch meh« rne aufzihlm könnten, thun indessen dem Werthe de« Ganzen nur gering« Abbruch und können wir dah« da« Werk im Gro« ßen Md Ganzm nur auf da« Angelegentlichste empfehlen. > I. Dpne«. Beilrog ptr Litern ״Geschichte der Juden in -er Mark Brandenburg." Bon Loui« Weyl in Frankfurt a. O. (Schluß zu e. m.) 1367. Herzog Bolko ertheilt d« Stadt Guben ein nme« ״große« Privilegium", welche« d« Juden mit keinem Worte mehr erwähnt, woraus Diele — und wohl nicht mit Un« recht — schließen, daß dazumal (in ganz natürlich« Folge d« vorangegangeum SchreckenSscenen) kein Jude mehr in Gubm ansäßig gewesm (Neumann, Märk«, Grosse rc.) 1372. Dn reiche Herr von Wedel! HM dem Kurfürst« Otto dem Faulen ein große- Geld»Darlehn vorgeschossen und Letzterer dem Erste« dafür die ״Mark über der Oder" verpfäu« det. In d« Pfandverschreibung sagt Otto, daß ״uns«e Juden allein" ausgenommen seien. Dies« Puntt wird Setten« d« Ehronistm rc. gmz richttg dahin erllärt, daß d« Kurfürst die — immer sehr einträglich« — Abgaben der Juden für sich beziehen wollte. (Riedel, Philipp! u. A.) 1373. Kais« Earl IV. will seinen Sohn Wenzel zum ״Deusschm König" gewählt wiff«. Er braucht hierzu Geld, und um sich solche« zu verschaffen, ertheilt «, — wie die Lhro« nistm bnichtm — dem Hohm Rath von Franffurt ״Macht Md Mühe, die Juden daselbst zu genießrn und zu bruchen, uüt ihn« zu brechm nnd zu büßen nach seinem Nutzen." — Man hatte die» vielfeittg auf di« Juden von Frankfurt a. d. Oder bezo« g«, — jedoch mit Unrecht. Wir können un« nur Wilh. Gierschner anschließen, welcher obige Notiz auf den H. Rath Md die Iudmschaft zu Frankfurt am Main bezieht. D« berichtet« Fall ist ganz analog einem andnn, d« au« dem Jahre 1349 mttgrtheilt wird, wo e« ab« ausdrücklich heißt, daß Kais« Earl IV. dem H. Rathe zu Frankfurt an dem Main, allwo « damals Hoflager hielt, ״der Juden Leib und Gut, wie r» Namen haben mag, um fünfzehn Tausend und zwei Hundert Pfund ^Heller" versetzt habe. Der weseMlichste Unterschied zwischen beide« Fällen ist wohl darin zu such«, daß nur in der Judm-Urberwrisung«-Akte von 1849, nicht ab« mch in der von 1372 die Formel ״mit Wiednlösung" vorkommt. — Indessen wollen Manche auch hierin nicht einmal eine Diffnenz