Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 29 (19.7.1867)
- Date
- 1867-07-19
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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22 8 Dir •fgamsri jüngsten Zeit stattgefundene Unterdrückung der Juden in Serbien Veranlassung genommen» ihrem Gesandten in Kvnstantinoprl ähnliche Instruktionen wie sie die englische Regierung ihrem Gesandten in Konstantinopel gegeben, zu ertheilen. Der ״Board of Delegates“ hatte zu diesem Zwecke an Herrn Seward ein Schreiben gerichtet, welcheeinige Tage nachher dahin beantwortet wurde, daß die Regierung der Bereinigten Staaten, vereint mit den europäischen Mächten, ihren ganzm Einfluß dazu benützen werde, daß der Fürst von Serbien den JSrae« Uten seine- Lande» Gerechtigkeit widerfahren laffe und Maßregeln treffe, daß solche WuthauSbrüche de» Mittelalternicht > mehr Vorkommen können. Ist La» Zergliedern Mischer?eichen מן Heilzwecken nach Len Religions-Gesetzen verboten? (Schluß zu S. S20.) Der schwer verletzte Levite aber führte den Körper seineunglückliches Weibe« nach Hause zerstückelte ihn in 12 Stücke und schickte jedem Stamme Israel- Einedavon zu, um durch die Rache der DolkSjustiz die Buben der Stadt Gibea zu bestrafen, und der so unritterlich sein lebende- Weib den Gibeaten preisgegeben, hatte nun den Muth die Todte zu zerstückeln uud dadurch einen Bürgerkrieg heraufzubeschwören, in welchem 70,000 Streitu gefallen. Da» arme Weib wurde von den Wüstlingen in Gibea todt geschändet, von den guten Talmudisten todtgeschwiegeu und (wäre da» Zergliedern ניוול) von ihrem eigenen Manne nachträglich im Tode geschändet, der sie wahrscheinlich auch in 5 mal 12 Stücke zerrissen hätte, wäre da- Volk in 60 Stämme getheilt gewesen. Wenn wir sage» die ״Talmudisten" hätten die Frau todtgeschwiegrn, so meinen wir nicht blo» die genannten verewigten Rabbinen, sondern die alten Autoren de« Talmud selbst. Die 3 Kapitel Richter 19—21 sind ein dankbares Feld für historisch« "Mlische Kritik'), für Haggada und selbst für Halacha und doch benutzten Talmud und Midrasch nur ein paar Mal diesen Text und da« nur in Nebensachen. Nicht einmal die laut sich darbielende Vergleichung der Schandthat der Gibeaten mit denen der Sodomiter war vermögend, da- Schweigen de- Talmud zu breche», während er diese letztere mit ganzen Folioseiten bedenkt?) Tract. Synhevrin 103, b fühlt du Talmud da« Bedürfniß einer Erklärung, warum die 400,000 Israeliten vor Gibea von den 25,700 Binjaminiten zweimal mit großem Menschenverluste geschlagen wurden. Der Grund sei, die Israeliten haben nichtzur Ehre Gottegegen da- Götzenbild de» Micha gethan, während sie jetzt zur Ehre eine- Menschen in- Feld rücken. Der Äerth dieses Grunde« mag 'hoch odu niedrig geschätzt werden, aber der Talmud will keinen strategischen Grund aufsuchen, son- ') Die Zeit der Begebenheit setzen die besten jüdisch« Lommenlatorm, übereillftiwmcnd mit Joseph»« und Ged« Olam, in die Jahre zwischen dem Tode Josua'« und die Berwaltung de« Othniel den Lena», oder unter diese selbst. *) Der erste, welcher den Vergleich durchführt ist, meine« Wiffm», Mose« bm NachMan, nach ihm Adarbanel u. a. Ob die Erzählung von Gibea Topie der von Sodom, oder Original ist, sei dahingestellt, die Umersuchnug darüber geht nn« hier auch nicht« an, jrdenfall« ist sie ein auffallend«« Geitenstück. Synh. 108 werden in der Mischna Personen und Städte ausgesührt, welch« ihrm Lntheil j der jenseitigen Seligkeit verwirkt haben, Sodom vor Allem. Darauf iu der Gemara eine Reihe von Frag«, warum die Mschna den und die nicht in ihr Vrrzeichniß ausgenommen, an Gibea denkt Niemand. , dun einest religiösen. Wäre nun da- Zugliedun du Leichen eine Sünde, so hätte sich« du Talmud leichtu machen und diese Sünde de« Leviten als Ursache du Niederlage, wenigsten« dieselbe als Mitursache neben du Duldung de« Götzenbildes detrachten können. Du Talmud schweigt darüber, ein Beweis, daß nicht nur du Levite selbst, seine Umgebung upd daganze Volk da« Zergliedern nicht für gesetzwidrig hielte< sondern auch du Talmud, du darübu hinweggeht, wie übu eine Sache, welche nicht bedrnflich, ja nicht erwähnenSwerth ist?) Du Levite vom Gebirge Ephraim hat deu Körper seine« geliebten Weibemit seiner nicht kunstgeübten Hand in Stücke zuhackt, wie man ein todtes Thier auf dem Fleischerblock zerhackt, u that dieum die Schmach duselben Frau bestrafen zu lasten, welche er, nach der Anschauung jener beiden Rabbinen eben durch seine That selbst schändet, er that dieendlich, um einen Rachekrieg zwischen Bürgern zu entzünden, in welchem 70,000 Menschen da- Leben vuloren, und diese seine That findet keine Rüge, weder in der Zeit' du Ausübung noch bei den spätun Beurtheilern. Wie sollte demnach bezweifelt werden können, daß ein Zugliedern von kunstwiffenschaftlich geübtu Hand, nicht um 70,000 Menschen da- Leben zu nehmen, sondern siebzigtausend mal tausend Menschen da- Leben zu retten erlaubt, ja ein Gebot du Menschenliebe seil Es sei nun noch der etwaigen Entgegnung vorgebeugt, daß das Verfahren des Leviten gegen eine Sünderin, Ehebrecherin geübt worden sei, die man gleich einer Heidin behandeln zu dürfen glaubte, so wie die Jünger de- Rabbi ISmael die Sklavinnen behandelten. Abgesehen davon, wie du Vergleich von vielen seinu Seiten nicht zutrifft, so ist die Voraussetzung, daß da» Weib überhaupt sich des Ehebruches schuldig gemacht, unrichtig. Da- וחונה עליו wird nur von NachinanideS und schüchtern von Raschi für Untreue genommen, die alten Versionen, Joseph»« und viele Commentatoren nehmen eS für bloße häusliche U eb er wer« fung, Abneigung, Entzweiung u. dergl. und der Schriftsteiler selbst wollte auch nur erzählen, daß sie ihren Mann vulasten. Auch du Talmud hielt sie nicht für Sünderin. AuS du fabelmäßigen Erzählung (Gittin 6 b) geht e« deutlich hervor, daß er וחונה so wie die Versionen erklärt, und es ist hier, abermals ein Beispiel, wie oft die kindlichsten Fabeln im Talmud eine exegetische Ausbeute geben. Die Beweisführung für die gesetzliche Freiheit de- AnatomirenS au» Richtu 19, 29 halten wir für erledigt, und selbst wenn sie nicht gelungen wäre, bleibt noch immer da- Erstaunen, daß die beiden Großrabbiner den Fall aus dem Umfange ihrer nach der entgegengesetzten Seite geführten Beweise auSgeschlosten haben, da sie denselben doch hätten herbsführen müsse», um den etwa daraus zu ziehenden Schlüffen im Voraus zu begegne,» Der Fall ist ihrer Aufmerksamkeit entgangen! Schreiten wir nun zur leichtern Seite der Frage, zum blo« ßen Oeffneu des Kadaver» und dem Berhältuiß duselben zur Einbalsamirung Jakobs und Joseph« und hier haben wir e« mit Mo« se« Sofu allein zu thun: Sofu führt, wie wir oben gesehen, einen neuen Grund gegen da« Zergliedern und bloße Oeffnen an, nämlich da- Vubot der Benutzung eine« Tobten. Von diesem Standpunkte auwäre *) Bedenkt man, daß in dem s» südlich liegenden Laude die Fäuluiß der animalisch« Körper schnell eintritt, so müssen bei dm enssernteu Stämmen dir Stücke in dem abscheuerrrgmdstrn Zustande angekommm sein, also noch IUW3 hinzutrat, wo» Syvhedrin «6, d. für nnerlaudt gehaltm wird.