Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 29 (19.7.1867)
- Date
- 1867-07-19
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vrrlmer Wochenschrift fftz giwische «u-elegenhetteu. 227 ^Libertö point, Egalit4 poiot, Fratersk» poiot,“ eine dreimalige Verneinung auszurufm. Sämmtlichen anderSgläubigm LandeSkinderu brachten die 48er Gesetze die Menschenrechte, dem Juden aber, nur darum — oder besser gesagt eben deshalb weil er Jude ist, brachten fie Nichts. Vergleicht man da- Soll mit dem Haben, so findet man, daß zum Sollen, alle Juden reif ja überreif find, daß dieselben zu allen Leistungen, sei e» für Staat oder Kirche, für Wohlthä. tigkeit». oder andere Aüstalten jedesmal beigezogen werden, daß fie an allen Pflichten eine- Staatsbürgertheilnehmen und gerne theilnehmen — aber dennoch . . . .? Mit welchem Gesichte können wir vor,׳dagebildete Europa hintreten, wenn wir dep Juden noch immer al» Paria behandeln, al- Heloten betrachten, — müssen wir vor dem Blicke, der den modernen HumanitätSprincipien huldigenden Eivilisation de» 19. Jahrhunderts nicht schamroth werden, über diese» Helotenthmn in unserem Vaterlande? — und dennoch . . . .? Wir sehen die der Majorität unsere- Reichstageso anhäng, lich gewesenen Juden, jetzt da sie sich mit ihren gerechtm Ansprüchen abermals auf die' lange Bank hinausgeschoben erblicken — in centrifugaler Richtung mit einer rapider werdenden Geschwindigkeit der Linken zu gravitiren, und dennoch . . . .? Wohl sagt ein altes Sprichwort: die Rechte soll nicht wissen was die Linke giebt! Hier aber ist Gefahr im Derznge — die Rechte soll nicht nur wissen, was die Linke bietet, sondern derselben voraneilen und geben, im reichlichsten Maße geben, und bedenken daß: di» dat, qui cito dat!" Pest, 13. Juli. Ein hentiger Erlaß de- Justizministers forderte die EonscriptionS.Aommission und denj ReclamationS- Ausschuß auf, sich über ihr Verfahren bei Anfertigung der Geschwornenlisten binnen 24 Stunden zu rechtfertigen. Die Betreffenden hielten in Folge dessen heute Nachmittageine Sitzung und vereinbarten die im Wege de- Bürgermeisteran den Instizminister zu richtende Antwort, in welcher ein Betreff der J-raeltten heißt/ daß die EonstdiptionS-Kommiffäre sich nicht be. rechtigt fühlen konnten, J-raeliten in die Listen einzutragen (!), da die bestehenden Gesetze hinsichtlich der Konfessionen Unterschiede machen, und der Landtag selbst die Ertheilung der Bürgerrechte an die J-raeliten erst der nächsten Session Vorbehalten hat. Der ReclamationS-AuSschuß hat indeß, wohl wissend, daß er die Ge׳ fetze überschreitet, die J-raeliten, welche reclamirten, in die Eonfcription-liste, ja vier davon auch in die Reihe der Schwurgericht». Mitglieder eingetragen, hoffend, daß sein Verfahren durch die diesbezügliche wünschenSwerthe Verfügung der nächsten Landtag». Session gerechtferttgt werden wird. Jassy, 4. Juli. Kürst Karl ist gestern von hier abgereist und hat eine Rundresse durch die 7 Departementder oberm Moldau angetreten. Am Abend vor der Abresse wohnte er einen» Gottesdienste in der Synagoge bei, woselbst er mit großer Be. geisterung empfangen wurde. Der Fürst empfing sodann eine Deputation der einflußreichsten Mitglieder der israelitischen Gemeinde, welche dem Fürsten für die Gewährung seine» Schutzedankte und da» Eingeständniß machte, daß ihre Befürchtungen über, trügen gewesen seien. Der Fürst erwiderte mit wohlwollenden be. ruhigenden Worten. (W. T. B.) Florenz. Au» dem ״Educatore JSraelita" ersehen wir, daß der ital. jüd. Kongreß in Florenz am 30. April begonnen und am ö. Mat seine Arbeiten vollendet hat. 20 Gemeinden hatten sich durch Deputirte vertreten lassen. Unter vielen andern Dingen wurden wieder 1000 Fr. für die Publicirung guter Bücher votirt; ferner wurde beschlossen, da» Rabbiner.Seminar zu Padua mit Eubsidien zu unterstützen. Die Majorität beschloß, eine Synode einzuberufen. Ein hierzu envähtte» Somitwurde beauftragt, die Beschlüsse der Versammlung in Ausführung zu bringe«, Paris. Die ״Arch. i-r." veröffentlicht eine Reihe Künstler und Fabrikanten jüdischer Religion, welche in der gegenwärtigen Ausstellung Erzeugnisse ihrer Kunst und Industrie ausgestellt haden. Die erste Gruppe befaßt die Malerei und Kupferstecherei. E» haben hier siebzehn J-raeliten ausgestellt, und e» ist erfreu« lich, daß unter den ausgestellten Kunstwerkm viele sind, welche jüdische Gegenstände behandeln, und so weit wir ebemerken kön« uen, kaum eine», dadem religiösen Gefühle und Charakter de« Juden widerspräche. Auch ein eingeborner Israelit au» Algerien, Abraham Moalty, ist unter den Malern, und zwar mit dem Por« trät einer Jüdin. Der nieverländische Maler Israels stellte fünf Gemälde aus. Dänemark ist durch zwei jüdische Maler vertreten. E. Bloch, der einen Simson, und Jacobsen, der einen ״Gelehrten au» dem Mittelalter" dargestellt hat; au» demselben Lande brachte Ballin zwölf Kupferstiche. Der rühmlich bekannte schwedische Maler G. Salomon hat drei Gemälde ausgestellt. Au» Ruß« land gab der Maler Alexander Rizzoni eine Synagoge in Siv« land und eine Synagoge in Rom, und Markus AntoloSky eine Holzschnitzerei ״der jüdische Schneider." Unter den Buchdruckern. Buchbindern, Steinschneidern, Photographen treffen wir Juden an; drei Pariser haben musikalische Instrumente, zwei chirurgische Instrumente ausgestellt, zu letzteren kommm noch A. Marks mit künstlichen Beinen, und Ernst Marks mit einem Apparat um Kranke und Verwundete aufzuheben, beide au» New-Dork. Sehr reichlich finden sich Männer unsere» Glaubenin den Klassen der Luxu-möbel, Krystallspiegel, Porzellan, Tapisserie, Bronzen, Uhrmacherei, Heizungsapparaten u. s. w. an deren Spitze der Architekt Lehman steht, welcher die Direction der Arbeiten und der Decoration de» kaiserlichen Pavillon« über sich gehabt hatte. Auch au- Dran zeichnet sich eine Firma Dennery durch kostbare mit Elfenbein verzierte Koffer au». In Wollengeweben, Sattunen rc. namentlich Tuchen, Seidenwaaren, Spitzen u. dergl. reiht sich eine große Zahl von Fabriken aneinander, deren In- Haber Glaubensgenossen sind. Die erste Aufzählung enthält 81 Namen. Warschau. Der offizielle ״Dziennik Warsz." beschäftigt sich wieder angelegentlich mit der Juden frage. Er klagt in eiüem diesem Gegenstände gewidmeten Artikel, daß die jüdische Intelligenz im Königreiche fast ganz polonisirt und vom ultra-Polni. scheu Geiste, von ultra.Polnischen Bestrebungen durchdrungen sei. In der weiteren Ausführung des Artikels gelangt das Blatt zu der Schlußfolgerung: ״Unser Interesse verlangt nicht die Verschmelzung, sondern die Entzweiung» oder vielmehr Absonderung der jüdischen Gesellschaft von der Polnischen und eine solche Stim« mung derselben, die sie befähigen würde, zur Förderung de- Ruf. fischen Staat-.Jntereffeselbstthätig mitzuwirken." Am Schluffe heißt e»; ״Aufrichtig gesagt, geben unsere Juden, wie sie jetzt find, wenig Hoffnung zu einer Bereinigung mit un«, und zwar deshalb, weil die Intelligenz zum Polenthum gravitirt und die untere Klasse noch zu ungebildet ist, al» daß sie die großen Vor. thelle einer gegenseitigen Annäherung zu begreifen vermöchte." Der Artikel giebt deutlich zu verstehen, daß die Jupen sich aller möglichen Begünstigungen Seiten» der Russischen Regierung zu erfreuen haben würden, wenn sie sich an dieselbe anschlleßen und mit ihr Hand ln Hand gehen würden. Rew-Aork. Auch unsere Regierung hat auf die in der rs*