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Die Gegenwart · 1867-07-12 · 28 (12.7.1867) · p. Seite 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
28 (12.7.1867)
Date
1867-07-12
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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tkrfma Wochrrrjchrist sLr Arisch» «n-elegacheil«. At geum Jahre an den rtthmreichen Kämpfen Thal genommen und jeder Zeit Pflichttreue und Tapferkett an den Tag gelegt. ״Wir müssen hier eganz besonder» hervorheben, wie gar viele der abgegangeneu Zöglinge in engem Verkehr mtt der Ln« statt bleibe» und unS dadurch in den Stand setzen, auch die Sr« felge der Erziehung im Leben zu beobachten. Im abgelaufrneu Iaht« haben wir oft Beranlaffung gehabt, frühere Zöglinge unserer Anstatt bei Gründung ihrer Selbstständigkeit thatkräftig zu unterstützen. Zu besonder« Dank fühlen wir »nauch verpflich« tet gegen den Vorstand de- Industrie-Verein-, welcher mehr« fach frühere Zöglinge, die sich dem Handwerkerstande gewidmet hatte», ans da» Bereitwilligste und Anhaltendste gefördert hat/' Durch den im abgelpafenen Jahre beendeten Neubau hat sich daganze Hau« vollkommen umgestattet. Zu sämmtlichen Zimmern deganzen Haufeführen drei getrennt liegende be« qurme Treppen, die eine im Vorderhaus« und die beiden andern im Hinterhause. Die letzteren sind für unsere Knaben, die er« stere für unsere Mädchen bestimmt. Zu der ersten Treppe im Hinterhause führt eine granitne Doppelfreitreppe; die andere liegt im neuen Hause selbst, so daß man unmittelbar von ebener Erde audaschöne Treppenhaubetritt. Einige bequeme Stufen führen zu den beiden Wohnsälen. Dieselben haben je drei Fenster Front, sind eichen tapeziert und haben ringan den Wänden 5 Fuß hohe Holzpaneele. An den Fenstern sind überall Wandspinden für Becher, Mützen, Bü« cher k. angebracht. In der Mitte der 'Säle stehen je vier neue lange Schultische, in denen jeder Zögling seine eigene Schublade für seine Mappe und Bücher hat. Die Beleuchtung geschieht durch Ga». Im ersten Saale ist die Bibliothek aufgestellt, im zweiten Saale befindet sich da- Instrument für de» Musikunterricht. Zwischen den beiden Sälen der Knaben liegt ein freundlich eingerichtetes Zimmer für die Erzieher, dadurch große getäfelte Holzwände von den beiden Hauptsälen getrennt ist. Bei allen Feierlichkeiten werden diese Wände herausgenommen und wir er« hatten hierdurch einen 85 Fuß langen Saal. Neben den Wohn« sälen liegt die geräumige Küche. Au» dem Wohnsaale führen einige bequeme Stufen nach der Garderobe. Eine Treppe hö« her liegt rechtdaerste Krankenzimmer. Link» liegen die Schlafsäle I u. II der Knaben. Zwischen den beiden Schlaf« sälen liegt ein kleinere- Zimmer, in welchem der Erzieher schläft. Die Lust in den sämmtlichen Schlafsälen ist überaurein, zumal nicht nur für Ventilation gesorgt, sondern auch jede Ueberfüllung veripiedeu ist. ׳ Zur Einrichtung der sämmtlichen Schlafsäle, wie zur Be« schaffung der eisernen Bettstellen und nöthigen Betten hat ein Un« genannt sein wollender hochherziger Wohtthäter die Summe von 500 Thalern überwiesen. Andem Schlafsaal führt eine weitere Garderobe nach der Gedenkhalle, in welcher auch die Sitzungen de» Vorstände» und der Ehrenmütter" stattfinden. Neben der Gedenkhalle befindet sich der Betsaal. Auch er ist reuovirt und in seinen Einrichtungen ergänzt worden. Im Vorderhaus« zwei Treppen hoch und zum Theil im Hinterhause befiude« sich die Wohn« und Schlafsäle der Waisen« Mädchen, di« genau wie die Räume der Knaben eingerichtet sind. Ebenso befinden sich zwei Treppen hoch im neuen Hause zwei große Schlafsäle und ein Krankenzimmer für die Waisenknaben. -In de» durch den Neubau erweiterten Boden« und Keller« räumen wohnt da- Dienstpersonal. Ein - Zimmer ist für die Wäsche benutzt. In den ättrrn RLnmr» ist. zugleich rin brseudere- Liasien« Zimmer für den Unterricht i« Hebräische» tc. eingerichtet worden. Daganze Hintere Han« ist neu abgeputzt, der Hof nar gepflastert, es ist für ein« Ga-beleuchtungesorgt, der Rau» »eden dem neuen Hanse mit U«phatt belegt, Hof, Garten und Turnplatz zugleich in eine Höh« gebracht worden. Wazunächst den- Garten betriff«, so ist derselbe mit einer Einfassung umgeben, und mit zwei Laobm versehen. Er wird von den Waisenmädchen' allein benutzt. , Neben dem Garten liegt zur Benutzung für die Wassenkna« ben der mit Kiebelegte und mtt allen Turngerächen — Reck/ Barren, Springgeräthen, Klettergerüst rc. versehene Turnplatz. Für die Tnrngeräthe ist im neuen Hause ein chesondere« Gelaß eingerichtet. Der Platz s«M wird durch eine hohe Mauer von der Auguststraße getrennt. Da- Ganze gewährt einen sehr freundlichen Anblick und können wir nur allen Mitgliedern und Gönnern unserer Anstal« ten, wie allen Fremchen de- Erziehung-wesen» rachen, die Anstatt selbst in allm ihren Theilen in Augenschein zu nehmen. Der Zutritt ist zu jeder Zeit gestattet und besonderam Nachmittag gern gesehen. Wadie Finanzen der Anstalt,betrifft, so sind dieselben, soviel ersichtlich, äußerst günstig. Da- Vermögen de- Kuaben-Waisenhausebeträgt 181,000 Thlr., die Einnahme vom 1. April 1866 bi- 1. April 1867 betrugen 16,586 Thlr., wvrun« ter an Zinsen 7775 Thlr., an Legaten und Geschenken 4290 Thlr. Unter den Ausgaben (16,586 Thlr.) sind die Kosten de- Neubaues 7500 Thlr. mit inbegriffen. Die laufenden Kosten der Anstatt, de» Gottesdienste- und der Hausverwaltung betragen zusammen pro Kind ca. 240 Thlr. Der Fasttag am 9. Ad. Wir gelangen jetzt in die Jahreszeit, die dem J-raeliten ka« lend ermäßige Gelegenheiten bietet, sich krank oder gesund zu fa« steu. Ob nun der 'geneigte Leser von dieser Gelegenheit Gebrauch macht oder nicht, jedenfalls wird e« ihm nichts unlieb sein, über den Ursprung und die geschichtliche Entwicklung der jüdischen Fa« sten Einiges zu erfahren. Wir geben daher in Folgendem nach dem vortrefflichen Buche ״Rabbinische Eeremonialgebräuche von M. Brück" eine kurze Geschichte der Fastengebräuche, insbesondere de- 9. Ab. Die meisten Völker de» Alterthums, vorzüglich aber die ge« müchlichen Morgenländer, führten au« folgenden Gründen dm Gebrauch de- Fasten» in ihre Religionen ein, nämlich ersten», um durch diese- Enthalten von Speisen und Getränken die erzürnten Götter zur Vergebung der Sünden zu bewegen; zweiten», um sich dadurch der Gotthett ähnlicher zu machen, damit diese ihnm er» scheine, die Zukunft offenbare u. s. w., und endlich dritten-, zum Gedächtniß unglücklicher Ereigniffe. Aus denselben Gründen fan» den sich auch oft einzelne Individuen, die sich dieser asketischen Frömmigkeit unterzogen. Während der babylonischen Gefangenschaft rief der Klein« muth und die Verzagtheit der Exulantm einige neue Fasttage hervor und dieaudem erwähnten drttten Grunde, nämlich da am 10. Tebeth die Belagerung Jerusalem» begonnen, am 17. Ta« mu» Jerusalem erstürmt, am d. Ab der Tempel eingeäschert, und am 3. Tffchri der Landvogt Gedaljahu nebst vielm der ihm un« tergeordneten J-raeliten durch Feinde» Hand umgebracht worden sind. Diese vier Fasttage sind jedoch nicht gleichzeitig, sondern erst nach und nach eingeführt wordm. Zugleich sollte dadurch

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