Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 28 (12.7.1867)
- Date
- 1867-07-12
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Dir Gegenwart. --— - ו ־ ״•י,,׳ ״ יי,־■.יי־" י Horn verläßt unsere Stadl bereit« na A.» »n feflbr in Waag-Reustadel wohnenden Eltern' M besttchen viG ßehltt Uo> dort wieder nach Pari« zurück. — r Seiten« de« Krönung«festkomitö« wurden unserem Borstande 400 fl. zur Bertheilung an 400 jüdische Arme behändigt. Dieser Betrag stammt au« den für da« projedirt gewesene, aber unterbliebene Volksfest eingelaufenen Beiträgen, die. nun wohlthätigen Zwecken zugewendet werden. — E« verlautet gerüchtweise, daß der Magistrat zu den Sitzungen der Kommissionen der städtischen Gemeinderepräsentanz auch einige unserer GlaubmSgenoffen zuziehm wölkte. Wir machen hierzu — für den Fall, daß sich diese Gerüchte bewahrheiten sollten — die übrigen« ganz individuelle Bemerkung, daß diese Aufforderung dankend abgelehnt werden sollte. Ganz abgesehen von der mißlichen Stellung, die ein Grmeinderath ohne Stimme einnimmt, wäre es nicht recht, einer gesetzwidrigen Handlung beizustimmen. und nicht klug, da« al« Gnadengeschenk hinzuurhmen, wa« heute — morgen uu« dann vollrechtlich gewährt werden muß. Ben Chan. London, 4. Juli. Die Inden-Verfolgung in der Moldau beginnt jetzt in den Parlamenten Lärm zu erregen. In der Sitzung de« Oberhause« vom 1. Juli beantragte Lord Stratford.de Redcliffe die Vorlegung der Korrespondenz, die zwischen der britischen Regierung und der Pforte oder dem HoSpodar der Donaufürstenthümer über die Judenverfolgungen in der Moldau geführt worden fein mag. Er bemerkte dazu, die Fürstenthümer seien traktatmäßig unter der besonderen Obhut der britischen Regierung und mehrerer ihrer mächtigen Verbündeten ge« stellt, und geht auf die Thatsachen ein, wie nämlich die Juden in der Moldau, auf Geheiß de« Minister« Bratiano, unter dem Vorwände, daß sie Vagabunden seien, den unbarmherzigsten Verfolgungen auSgesetzt würden. Nachdem er lange Berichte darüber audem ״Archive« JsraeliteS" vom 22. Mai vorgelesen, spricht er schließlich die Hoffnung au«, daß der Thatbestand bester al« bisher der Fall gewesen, aufgeNärt werden und die Regierung sich direkter und wirksamer in« Mittel legen werde. Earl of D enhigh spricht mit großer Entrüstung über die de» moldauischen Juden widerfahrenen Mißhandlungen. So viel bekannt, habe keine andere Veranlassung dazu Vorgelegen, als daß e« eben Juden waren, die anderen Konkurrenten den Vorrang abliefen. Die englische Regierung habe die Verpflichtung, den Juden in der Moldau eine gerechte und billige Behandlung zu sichern, wie e« denn überhaupt höchste Zeit sei, die politische und bürgerliche Gleichberechtigung aller Religionen zur Wirklichkeit zu machen. — Der Earl of MalmeSbury erwidert im Namen de« abwesenden Premiers, die von Lord Stratford gewünschte Korrespondenz werde ohne Anstand dem Hause vorgelegt werden, und bi« die« geschehen, ersuche er die edlen Lord«, nicht weiter in die Erörterung eine« Gegenstände« einzugehen, über den sie unmöglich im Klaren sein können. Die Schwierigkeit für die Regierung liege in dem Umstande, daß sie e« hier mit einer rein inneren Frage zu chun habe und einer Einmischung in innere Angelegenheiten fremder Staaten gern so viel al« möglich au« dem Wege gehen möchte. — Lord Stratford, der seinen Antrag zurückzieht, behält sich die Freiheit vor, später auf den Gegenstand wieder zurückzukommen. Philadelphia. Der ״Board of DelegateS", eine periodische Bereinigung von Deputirlen jüdischer Gemeinden Nord» amerika'« ist eine Einrichtung von fo vortrefflichen Wirkungen, daß sie jeder Wohlmeinende je eher desto lieber nach Europa im- 'HMflrt. sthea! n^d. lÜ^e^dßt lchtze ״Eonvrntiou", die hier stattfand, Kerichtti der j Der wichtigste Gegenstand der ^Verhandlungen war die Er« richtung eine« College.! Der Uebelstand, daß hieran Laude Chajanim und Rochbt« »en großentheil« in «in« Person vrrpnigt sind, «mch'aitrr tiefte Bereinigung entweder da« eine oder daandere Amt, in den mei« sten Fällen (die wenigen Ausnahmen sind bekannt) darabbinische Noch leidet — dieser Umstand brachte in die Debatten über da« College anfangs eine ziemliche Unklarheit Und ttiifttf* schloffenheit. Da man sich dtn Mängel an Lehrkräften zm5WW> bildung von Rabbiuen picht zum Bewußtsein führte vd» nicht eingestehea wollte, so wurde viel über den Mangel an Schülern gesprochen. Herr A. S. Cohen au« Newhork, ein sehr begabter Redner, hatte den Antrag auf sofortige Vornahme aller vorbereitenden Schritte zur Gründung eine« höheren Lehrinstitute« im Anschluffe an die hier existirende Hebrew Educatton Sociech School ge« stellt und befürwortete ihn warm und beredt gegen alle Eiuweu« düngen. Rev. Isaak« au« Newhork sprach vom nationalen oder richtiger nativistischen Standpunkt für die Errichtung der betreffenden Lehranstalt. Die meist au« Deutschland herübergekommenen Lehrer und Rabbinen gingen darauf au«, da- Land zu germaniflren und dem müsse Einhalt gethan werden. Er richtete sich sodann emphatisch an den anwesenden Rev. vr. Jastrow (Philadel« phia) indem er ihn ermahnte, seine Nützlichkeit für da« Land, die er eingestehe, durch Erlernung der englischm Sprache zu erhöhen. vr. Jastrow erwiderte hierauf für die Ermahnung dankend, daß die Gefahr der Germanisirung nicht so sehr groß wäre, daß wir noch eine Zeit lang un« mit den au« Deutschland kommenden Rabbinen würden behelfen müssen und da« sei für die Bitdüng im amerikanischen Judenthum kein Schaden. Er fragte, ob Rev. Isaak« wohl hier in Amerika durch hier geborene Lehrer und nur au« englischen Büchern schöpfend, seine theologische« Kenntnisse sich hätte aneignen können. Im Ganzen sei Amerika dazu bestimmt, von jeder Nation daöjenige aufzunehmen, wasie vor anderen voraus habe, und die Deutschen hätten wahrlich nicht gerade den geringsten Beittag zu diesem geistigen Nattonalltäten« bazar zu liefern. Zur Sache übergehend, meinte I., daß wir hier im Land« noch keine Fakultät für jüdische Theologen gründen könnten, weil hierzu ein Ueberschuß an hervorragenden theologischen Capacitäten vorhanden sein müßte, die im praktischen Amte entbehrt werden könnten. C« müsse Jemand au« dem Lehramt an einer solchen Anstalt feinen ausschließlichen Beruf machen, wenn er Meister sein und Meister erziehen wollte, und dabei könnte er immer nur für einen Theil der vielumfastendeu Lehrgegenstände die nöthige Befähigung besitzen. An solchen Anstalten wie in BreSlau, Pari«, Padua rc. wirken die bedeutendsten Männer, jeder in seinem Specialfach. ' Daaber sei gar noch nicht die Dringlichkeit-frage; den« größere Gemeinden könnten vorläufig ihre Rabbinen au« Europa berufen, und kleinere Gemeinden müßten doch jedenfalls ohne Rabbiner bestehen, aber Lehrer brauchten wir für die Jugend und diese Lehrer wüßten die Sprache de- Lande« kennen und nicht blo« diese, sondern auch seinen Geist und.seine Zustände; wenn sie erziehend und nicht blo» lehrend sollen rtnwirken können. Da» her müsse man sofort eia Lehrerseminar eröffnen, nicht fragen, woher die Schüler kommen werden; fie werden kommen und soltte