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Die Gegenwart · 1867-07-12 · 28 (12.7.1867) · p. Seite 217

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
28 (12.7.1867)
Date
1867-07-12
Page
Seite 217 (sequence 1)
Language
German
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׳Mb W. fUl;! »' JI Freitag, Lm 12. Juli. $0» 28« _f*r bküebatll«■ Ja* u bk f *bcbUt•■, ־־ - Allgelegekheitev. Erster Jahrgang. 1867. Den geehrten neuen Mounmten werden auf Berlan« gen die beiden letzten Nummern devorigen (2.) Quartals, wegen der darin enthaltenen Anfänge zweier Artikel, gratis nachgfjzfert^, 1 Expedition. Jnh-ltr <Sorn*p«nitn)*n: Berlin, Pest, London, Philadelphia. — Ist da« Zer. güwrm jüdischer Leichen zu Heilzwecken nach den Religion».besetzen verbot«? (Forts.) — Dal Anerbach'sche Waisenhan». (kchluß.)Der Fasttag am S. Ab. — Beitrag zur älter« Geschichte her Indm io der Mark Brandmbnrg. (Forts.) — »erwischte». — »acanMiiste.-- Inserate. * Berlin, den 10. Juli. Am vergangenen Sonntag fandwie die politischen Zeitungen melden, eine geheime Reprä» sentantenversammlung statt. Von IS anwesendm Mitgliedern «rtheitte die überwiegend«--Majorität (IS^dtr vom Berstand vor« - genommenen Rabbinerwahl ihre Zustimmung, eine Minorität von 7 Stimmen verhielt stch dem Beschlüsse de« Vorstande« und dem Wunsche eine« großen und angesehenen Lheil« der Gemeinde ge« grnüber, ja im Gegensätze zu dem eigenen Collegium verneinend. Eine Stimme ließ die nöthige Zweidrittel««Mehrheit nickt zu Stande kommen, und ist sonach die Wahl uoch nicht perfekt ge« worden. Wir behalten un» vor, diesen wichtigen Gegenstand später zu besprechen. ' — Der Lehrer Gottschall Jeretzkh, der seiner Gesundheit wegen in Potsdam war, ist in seinem bl. Lebensjahre in der Nacht vom 3. zum 4. d. M. verstorben. Derselbe war 33 Jahre Lehrer an der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule. Am Sonntag Vormittag wurde er unter großer Betheiligung auf dem hiesigen jüdischen Begräbnißplatz beerdigt. Schülerinnen der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule, sowie Zöglinge de« Mendelssohn'schen Stift« und der Auerbach'schen Waisen-Anstalt bekränzten sein Grab. Wir werden dem Dahingeschiedenen, besten Pflichttreue und Gewistenhastigkeit mit vollem Rechte gerühmt wird, einen be« sonderen Nekrolog zu widmen haben. Pest, im Juni, Gebrauch machend von dem Gnadenakte S. Majestät, der unseren im Auslände lebenden Brüdern voll« kommene Amnestie gewährt, überraschte auch unser berühmter Land-mann I. E. Horn seine hiesigen Freunde mit einem Besuche. Horn, der im Jahre 1849 sein Vaterland al« anspruchsloser Expredig« der damals bestandenen jüdischen Reformgemeinde verließ, kehrt mm heim als eine in allen Welttheilen gekanMe und gewür« digte oattonal-ökonomische Kapazität. Die schlichte Kanzel, von der er einst der kleinen Schaar seiner UeberzeuguugSgenosten ge« predigt, hat sich in die Lehrstühle der Akademie »od der Polh« techuik in Pari«, da« Auditorium in die Gebildeten aller Linder verwandelt. Durch eigene Kraft hat sich Horn vom hilfesuchen« den Flüchtling, der zagend französischen Boden betrat, zum natu« ralisirten Bürger dieses Lande«, znm Redakteur detonangebenden FachblatteS ״Journal des Economistes“ und de« politischen Journals ״Avenir national“, zum Laureaten der französischen Hademie, zum Mitgliede der nationalSkonomischen Gesellschaft in H-*i«, der statistischen Vereine in Pari-, London und Brüstel, tor der französischen Gesellschaft für Hanf- und Flachsfabrion. Daß dieser Mann, der dem Namen der Juden und der arn in der Fremde gleichviel Ehre geschafft, überall mit der Aßten Zuvorkommenheit behandell, von den Ministern mit dem aufrichtigsten Wohlwollen empfangen wurde, ist nicht-, al« selbst« verständlich. Für die Leser dürste die Nachricht von dem Em- «luge des Magyar Egylet, dessen Ehrenpräsident Horn ist, beschldereS Jntereste haben. Horn wurde daselbst vom Prise« de- Sßptin«, Dr. Heinrich Pollak, in zündender Ansprache begrüßt. 'Mit besonderem Jntereste blickten wir", so hieß e« ungefähr in derselben, ^״auf jenen jüdischen Flüchtling, dessen Vaterland ihm noch heute seine bürgerlichen Rechte vorenthält, damit eine größere Nation sich beeilen könne, ihm die Bürgerkrone auf da- Haupt zu drücken, ihn mit Auszeichnungen zu überschütten; seine Lauf« bahn liefert den glänzenden Beweis, wie der ungarische Jude selbst in der׳ Ferne seiner Heimat nicht vergißt, und nennt man einst die besten Namen, wird man auch seinen nicht misten, die ungarische Geschichte wird ihn der Nachwelt überliefern. DaS Judenthum bedarf seiner bedeutenden Männer, die dann entscheidend auf die Stellung derselben zurückwirken, so nennt Deutschland einen Riester, Frankreich einen Erämieux, Ungarn einen Horn sein. Frankreich beeilte sich, ihn zu seinem Bürger zu machen, der Deutsche hält ihn für seines Gleichen und Ungarn nennt ihn mit Stolz seinen Sohn. Angesichts dieses erhebenden Wett« eifer« können wir Juden, und das vielleicht mit meistem Recht, ihn als unfern Bruder erklären, der mit französischem Esprit, deutscher Gelehrsamkeit und ungarischem Muthe für da- Recht gestritten." — Horn antwortete hierauf in läiigerer, gleichfalls ungarischer Rede. Die Komplimente glaubte er als bloS vou Freunden kommend, ablehnen zu müssen, er erwähnte hierauf, daß, wenn eS ihm gelungen, sich im Auslande eine ehrenvolle Stellung zu erwerben, ein Hauptsporn wohl auch darin gelegen, daß er gewußt, wie man seine Schritte daheim theiluahmSvoll verfolge. Er bedauert die ungenügende Stellung seiner Glaubensgenossen in seiner Heimath; und wenn r» ihn dennoch dahin gezogen, so müsse er gestehen, daß diesmal der Patriot in ihm stärker gewe« seN, als der Jude. Er wünscht die Emancipation nicht, weil er selbst Jude, sondern im LandeSintereffe, denn nur dann sei Un« garn wirllich ftei, wenn keine« seiner Kinder Fesseln trägt, die Freiheit duldet kein Stückwerk und existirt nur vollständig. 2«

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