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Die Gegenwart · 1867-07-05 · 27 (5.7.1867) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
27 (5.7.1867)
Date
1867-07-05
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Berliner Wochenschrift filr Ilidftche Nngelegenheitea. AS Um 1/*7 resp. um %8 Uhr begeben fich die Zöglü^nach^ren verschiedenen Schulen, wo sie bi» 11 resp. 12 Uhr verbleiben. Rach ihrer Rückkehr haben sämmtsiche Zöglinge Freistunden. Um '/«I wird zugleich in beiden Sälen gespeist, woraus abermals die Zöglinge nach chren Scholen gehen. Bon 4 Uhr ab werden unter Beaufsichtigung der Erzieher die Schularbeiten sorgfältig an» gefertigt und die Leistung jede» Zögling» in der Arbeitsliste ver» merkt. Rach der Beendigung der Schularbeiten bleibt die übrige Zeit den Zöglingen zur freien Benuhung überlassen. Um 7'/, Uhr wird da» Abendbrot» rerzehrt und um 9 Uhr resp. 10 Uhr gehen die Zöglinge!nach vorangegangenem Abendgebet zu Bett. Am Mittwoch und Sonnabend Nachmittag wie am Sonntag Bor» mittag wird der Unterricht im Hebräischen, in der Religion und im Gesang erlheilt, zu dem Zöglinge au« beiden Sälen Klassen» weis vereinigt sind. Wo irgend Nachhülfe erforderlich, wird sie im Hause ertheilt. Bei allem Nachhelfen wird aber der Grund» fatz beobachtet, niemals die Selbstständigkett der Arbeit zu verringern, vielmehr daselbstthätige Denken möglichst anzuregen. Eine bestimmte gemeinsame Arbeitsstunde ist nicht für die Zöglinge fest» gesetzt, vielmehr ist Jedem hierbei die vollste Freiheit gelassen; der Eine arbeitet länger, der Andre weniger lange, ganz nach der Stufe seiner Entwicklung. WaS ihnen an Zeit übrig bleibt, be» nutzen sie zum Turnen, Spielen, Baden, Lesen rc. ״Nachdem diese Organisation eingetteten, war eS zugleich erforderlich, auch eine vollständige Umgestaltung de» Unterricht» im Hebräischen und in der Religion anzubahnen. Da unsere sämmtlichen Zöglinge jetzt städtische Schulen besuchen, so schien es un» nothwendig, für diesen Zweig der Ausbildung ein vollständig abgeschlossenes Ganzes zu schaffen und den Unterricht selbst einer bewährten Hand zu übertragen. Mit der Erlheilung diese» Un» terrichtS haben wir Herrn Saal selb, der auf dem jüdischen Lehrer-Seminar zu Hannover vorgebildet, sich besonder» theologischeu und philologischen Studien gewidmet und auch als Prediger und Religionslehrer bereit» mit Erfolg fungirt hat, bettaut. Nach wiederholten Berathungen und unter freundlicher Mitwirkung de» Herrn Professor vr. Steinthal, dem wir uns hierfür zu ganz besonderem und aufrichtigem Danke verpflichtet fühlen, ist nunmehr ein Unterricht»-Plan festgestellt worden." DaS Ziel, welches sich die Anstalt in Bezug auf dm ReligionS-Unterricht, wie auf den Unterricht im Hebräischen, in der biblischen und jüdischen Geschichte gesteckt hat, besteht darin, ״daß die Zöglinge mit Leichtigkeit die Hanptstellen der Bibel, sowie sämmtliche Gebete de» Siddur im Texte lesen und verstehen können; daß die Grundlehren der Religion, wie der Inhalt der bib» lischen und jüdischen Geschichte ihr Eigenthum wird, und sie auch auf dem Gebiete de» Rituellen in so weit bewandert sind, wie eS zum Lebenswandel eines religiösen JSraelitm erfordbr» lich ist." Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Zöglinge für den Unterricht im Hebräischen in 3, für den Unterricht in der Religion und Geschichte in 2 Klassen getheilt. In den 3 Klassen werden wöchentlich 10 Stunden dem hebräischen Unterrichte und 2 Stunden dem Religion»- und Geschichts-Unterrichte gewidmet. (Schluß folgt.) Beitrag zur älter« ״Geschichte der Juden i« der Mark Brandenburg." Bon Loui» Weyl in Frankfurt a. O. ES ist eine längst ausgemachte Sache, daß eS unter den aska» nischm Markgrafen de» 13. Jahrhundert» im Brandmburgtschm nicht nur schon viele Juden, sondern auch bereltS^einzelne (theil« größere, theil» kleinere) jüdische Gemeinden gegrbm. welche — zufolge landesherrlicher Eoncesfion — ihre eigenen Bet» Häuser (Synagogen), Friedhöfe. Fleisch-Scharrm, ReinigungSbä« der rc. besessen haben. Leider find die Juden der Mark gar so mancher Rechte und Privilegim, welche ihnen damal» die Rach» kommm Alb recht de» Bären bereitwillig ertheilt hatten, im darauffolgeuden Jahrhundert — unter den Baiern und Luxem» bürgern — wieder verlustig gegangen, und haben sie da« Singe» büßte unter spätem hohenzollernschen Kurfürsten erst nach und nach wider erlangen können. Im Ganzen sind — darin stimmm die meisten Historiographen überein — die Baiern und Luxemburger viel wmiger duldsam - gegen die ״jüdischen Fremd» linge" als ihre Vorgänger und ihre Nachfolger auf dem brandmburgischen Throne gewesen. Nichtsdestoweniger aber hat die Ge» schichte der Mark auch au« der Epoche vom Tode Waldemar» de» Großen (1314) bi» zur Thronbesteigung Friedrich» von Nürnberg (1415) — welchen Abschnitt mehrere Schrifsteller (und nicht mtt Unrecht) die ״Zeit der Fremdherrschaft" nennen, — gar manche Akte der Toleranz aufzuweisen, die sich dmm früherer, wie späterer Jahrhunderte, sicher ganz würdig an die Seite stellen können. Ebenso haben aber die jüdischen Einwohner der Mark auch unter den aSkanischen Markgrafen, wie unter den hohenzollern'schen Kurfürsten, nicht immer eine» ganz wolkenfreien Himmelsich zu erfreuen gehabt. Bielmehr ist hier zu Lande, — wie anderwärts — das Geschick der Juden zu allen Zeitm und unter allen Negentenhäusern tca ver« schiedensten Wcchselfällen unterworfen gewesen, so daß ihnen nicht selten daS, was sie gestern noch besaßen, heute plötzlich verloren ging, um ihnen morgen schon mit reichem Zins wieder zurückge» geben zu werden. — Wie allenthalben, sieht man auch hier nicht selten da» herrlichste Wetter einem plötzlichen Gewittersturm wei» chen — und ebenso das düsterste Gewölk ganz unversehens von den glänzendsten Sonnensttahlen durchbrochen werden. Wie aber im ganzen deutschen Reiche, sahen das 14. und das 15. Jahr» hundert auch bei unS in der Mark jüdische» Blut den Beden kränken, jüdisches Gut habgierigen Feinden zum Raube werden, von Juden bewohnte Häuser und Hütten in Rauch und Flammen aufgehen. Ja, von der damaligen allgemeinen Judenverfolgung in Deutschland sind unsere Vorfahren in der Mark Brandenburg arg, gar sehr arg heimgesucht worden. — In einem jüdischen Blatte, wie diese», aber, — da» just im Mittelpunkt der alten Mark erscheint, — dürfte eS unseres Erachtens mehr als irgendwo am Platze sein, bisweilen auch von den wechselvollen Geschicken der alten märkischen Juden, DaS und Jene« laut werden zu lassen. Aus keinen anderm Grunde, als eben hierzu nach Möglichkeit beizuttagen, haben wir un» die bisherigen Mittheilungen (in den Nummern 22. und 25. d. Bl.) gestattet, wie wir mit Gegenwärtigem auch weiter Nicht« bezwecken, als dem bereits Gegegebenen eine größere Anzahl anderer alt-märkisch« jüdischer Notizen anzureihen. Dieselben datiren sämmtlich au» einer gewissen (ziemlich genau abgegrenzten) Periode der alten — aber nicht äl testen — Geschichte des brandenburgischen Staates. Sie gehört der Zeit an, in welcher das deutsche Reich immer noch an dem Grundsätze festhielt, daß dem gettönten Kaiser, al» Schirmvoigt der Kirche, da- Recht zustehe: ״alle Juden auSzurolten und ihr Gut einzuziehen." Die Juden waren Eigkn» thum ihres kaiserlichen Herrn, der sie verkaufen und verschenken, verleihen und verpfänden konnte, wie "irgend ein andere« beweglicheS oder unbewegliche» Gut. — Die ״sy au-gedehnte und un»

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