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Die Gegenwart · 1867-07-05 · 27 (5.7.1867) · p. Seite 212

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
27 (5.7.1867)
Date
1867-07-05
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 Die Gegenwart, blo« auder Schöpferkraft der gelehrten Herausgeber hervorgegangenen deutschen Ortsnamen, sondern gehört mit zu den Namen, bei welchen sowohl arabische als jüdische Schriftsteller, darunter auch unser R. Benjamin, konsequent die erste Sylbe wegzulassen pflegen. Letzteres geschieht fast immer, wo die erste Sylbe da« Ansehen eines syrischen, arabischen oder hebräischen PräfixumS hat. So schreiben bekanntlich die orientalischen Geographen z. B. Salonika statt Thessalonita (0*>«°4<>»׳ur,), Mitrizzi statt Dimitrizzi») u. dergl. Besonders tritt dieser Fall bei den Shlben al und l' ein, die bekanntlich mit dem arabischen Artikel und einer,hebräischen Präposition gleich lauten, und deshalb auch selbst bei nicht geographischen Namen nicht selten weggelaflen wer« den, wie;. B. schon im Talmud Burna (בורגי) für Liburna (לימרני);’) Tinon (טי׳נון) für -u,».«-<!» (* * * 4(אלטינק) geschrieben wird. Der Name Alexandria wird daher bekanntlich regelmä« ßig bei den orientalischen Geographen Skandria geschrieben, wie denn auch deShatb der Personenname Alexander bei den Juden noch eine Nebenform Sander erhielt. In derselben Weise dürfte nun auch der Ortsname קשגמרק bei R. Benjamin nicht« weiter als לקשנבורגק d. i. Luxemburg, das allerdings als äußere Grenze Deutschlands angesehen werden dürfte. Die Entfernung dieser Stadt von Köln, welche letztere R. Benjamin als die Hauptstadt der Rheinlandes anführt, kann allerdings nicht genau 15 Tagereisen sein, wie sie R. Benjamin angiebt, wenn anders die mittlere Tagereise bei diesem Schrift« steller wie bei den andern geographischen Schriftstellern seiner Zeit zu ungefähr 7 Stunden oder 3'/, deutschen Meilen zu rechncn wäre. Allein die Angaben über Entfernungen und Weiten, die in diesem Reisewerke Vorkommen, sind ohnehin noch nicht genügend aufgehellt, und wir werden vielleicht ein andermal Gele, gcnheit haben auf diesen Punkt näher einzugehen. Für heute wott len wir nn« indessen daran genügen laflen, e« einigermaßen wahr« scheinlich gemacht zu haben, daß die Frage, ob Luxemburg zu Deutschland gehöre, worüber erst jüngst ein blutiger Kampf zu entbrennen drohte, von dem jüdischen Reisenden des 12. Jahrhun« dert« zu Gunsten Deutschlands entschieden wurde, indem letzterer treuherzig sein קשנבורק allerdings für eine deutsche Westmark erklärte. Da« Auerbach'sche Waisenhaus. Dem eben au-gegebenen Jahresberichte der Baruch Auer« bach'schen Waisen-Anstalt für Knaben*) entnehmen wir im Nach« folgenden einige wesentlichen Daten. Die Waisen-ErziehungS-Anstalt, die am 30. April 1833 mit der Aufnahme von,vier Waisenknaben eröffnet wurde, zählte im abgelaufenen Jahre vier und vierzig Waisenkna« b e n. Am Schluffe des vorigen Jahre« befanden sich in der An« statt 34 Waisenknaben. Bon diesen haben 5 im abgelaufenen Jahre die Anstalt verlaffen. Ein Zögling widmete sich dem KansmannSstande. einer wurde Juwelier, einer Handschuhmacher, einer Buchbinder; der fünfte ist im v. I. verstorben. An Stelle der 5 Ausgeschiedenen sind im ab¬ *) Benjamin •d. Lsher I. 60. י) Baba mezia 80b Rasch ha.schana SS», vergl. mit I«. Kchekalim VI. 8. 4) 3er. Sabb. II. 8; zu vergl. und hernach zu berichtigen R. Sach« Beiträge z. Sprach, u. Altschumlk. I. 131. *) Für die Mädchen-Waisen-Anstalt erscheint im Herbste cm besonderer Jahresbericht. . .l gelaufenen Jahre 1b Waffen neu ausgenommen worden, so daß sich gegenwärtig 44 Knabe« in der Anstalt befinden. Von diesen besuchen: DaS Werder'sche Gymnasium 3, da« Sophien« Gymnasium 12, die Dnrotheenstädtische Realschule 16 und die^Knabenschule von vr. John II Zöglinge. ־׳ .( Wo e« sich irgend erreichen läßt, hält die Anstatt an dem Grundsätze fest, daß möglichst alle ihre Knaben die höheren Lehranstalten wenigstens bis Unter-Secunda besuchen und dann mit der Berechtigung zum einjährigen Milttärdienste die Anstalt verlaffen sollen. Durch die Erfahrung hat e« sich bereit« herausgestellt, daß dieses durchschnittlich mit dem Alter von 14 bis 16 Jahren zu erreichen ist. Wo die Anlagen eine- Zögling« sich zu einer solchen höheren BUdung nicht eignen, wird dafür gesorgt, daß er mit tüchtigen Eleiuentarkenntniffen ausgerüstet wird. Im Allgemeinen beweisen die sehr günstigen Censureu, wie auch ihr ganze« sittliches Verhalten, daß alle Zöglinge die ihnen gebotene Gelegenheit, sich tüchttge Kenntniffe zu erwerben, gewissenhaft benutzen. ״Um aber eine geregeltere Beaufsichtigung ihrer häuslichen Arbeiten und ihrer ganzen Entwicklung anzubahnen, haben wir e« für nothwendig gehalten, unsere Zöglinge möglichst in unserer Nähe auf einer kleinen Zahl von Schulen zu vereinen. Während sie bisher auf sieben verschiedene Lehranstalten vertheilt waren, besuchen sie jetzt nur vier Schulen, und es ist nicht zu verkennen, daß diese Bereinigung recht günstig da« Ganze fördert. Nachdem in diesem Jahre eine bedeutende Erwetterong unserer Anstatt statt« gefunden, ist auch eine ganz neue Organisatton ins Leben getreten. Bisher befanden sich die sämmtlicheu Zöglinge in einem Saale unter Aufsicht eine« Erziehers; die große Zahl der Kinder aber, wie die Beschräntheit de- Raumes ließen manche Uebelstände entstehen. Wir haben daher bei Errichtung unseres neuen Hauses alle Räume so .angebaut, daß eine angemeffeve Theilung der Zög« linge in zwei getrennte Abtheilunge» erfolgen konnte. Mit dem 1. April d. I. ist demgemäß diese Sonderung in« Leben getreten. Jede Abtheilung, aus 22 Knaben bestehend, bildet eine Familie für sich, hat ihren eigenen Wohnsaal, ihre Schlafsäle, ihre Garde« roben, ihre Krankenzimmer u. s. w. Für jede Abtheilung ist ein Erzieher als Ordinarius thätig, vem die spezielle Aufsicht über seine Zöglinge und ihre Räume anvertraut ist. An unserer An« statt wirken jetzt drei Erzieher, die Herren Saalfeld, Breß« lau und Falk, und widmen sich der Erziehung unserer Zöglinge mit treuem Eifer." Damit Einseitigkeit bei der Erziehung vermieden werde, wech« seit die Aufficht in beiden Sälen unter diesen drei Herren so, daß an jedem Tage zwei Erzieher die Aufsicht haben. Hierdurch ist zugleich jedem Erzieher die Gelegenheit geboten, die sämmtlichen Zöglinge genau kennen zu lernen. Um der Erziehung selbst eine noch größere und unbedingte Einheit und einen festen Halt zu ge« ben und um bei der Heranbildung der Kinder nach einem festen Plane zu verfahren, wie allen etwa entstehenden Bedürfnissen um« faffende Erwägung und Berücksichtigung angedcihen zu lassen, sindet allmonatlich unter Borsitz de« Direktoreine Eonfereuz statt, an welcher die Erzieher Theil nehmen. Durch diese neue Organisation ist der wesentliche Gewinn erreicht worden, daß den Zöglingen eine viel eingehendere und nachhaltigere Aufsicht gewährt werden kann, die sicherlich auf ihre ganze moralische und geistige Entwicklung einen bedeuffamen Einfluß auSüben wird. Für die beide» Abtheilungen selbst ist die bisherige Hausordnung maaßge« bend geblieben. Die Kinder stehen im Sommer um ein halb sechs und im Winter um ein halb, sieben Uhr auf. Um 6 resp. 7 Uhr wird das Morgengebet abgehalten und alsdann grfrühstückt.

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