Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 27 (5.7.1867)
- Date
- 1867-07-05
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
- Tacitus 1× ep/1025676
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Berliner Wochenschrift für Jüdisch« Uogckegenhetteu. SU mich geschämt, an dem Feste Theil zu nehmen. Und all' die« warum? Weil ich in meinem sogenannten ״Vaterlande" nur ״Landesbewohner" nicht aber ״Landesbürger" bin. Und worin nehme ich es wahr, daß ich kein Sandesbürger? Darin, daß, wenn ich an Ausübung meiner landesbürgerlichen Rechte mich gemeinsam mit meinem Hausmeister oder Schuster becheiltgen will, man mich frägt, ob meine Religion eine recipirte ist? Und weil ich über meinen Glaubm Niemandem Rede stehe, und weil man weiß, daß meine Eltern mich bei meiner Geburt in ein Glauben», bekenntniß aufnehmen ließen, welchenicht gesetzlich rezipirt ist, — weist man mich zurück. Da» Ministerium hat jetzt, wie escheint, beschlossen, daß ich noch bizum Herbste als heimathloser Mensch leben solle. Ich vermuthe jedoch, daß wenn die Mitglleder des Ministerium« nur einen Tag in solch einem Zustande verlebt hätten, wie ich chn schon 28 Jahre durchlebe, sie dann nicht beschlosien hätten, daß ich in diesem Zustande ohne Grund noch Monate lang leben solle. Und welch' ein leichte- Ding wäre eS, mich und Hundert, tausend« aus unserer gegenwärtigen unangenehmen Lage zu be. freien! Dazu bedürfte eS bloS, daß da« Ministerium dem Reich«, tage einen kurze» Gesetzentwurf unterbreite, welchen dieser annimmt und der König fanftionivt und als dessen Muster etwa der nach, folgende dienen könnte: ״Gesetz.!.Artikel: Bei Ausübung der lände-bürgerlichen und bürgerlichen Rechte übt der GlaubenSunterschied fortan keinerlei Einfluß. II. Artikel: Alle« waS in den bestehenden Gesetzen den im obigen I. Artikel als Gesetz ausge« sprochene» Principien zuwiderläuft, wird hiermit außer Kraft ge« seht.״ _ Solch ein Gesetzentwurf aber könnte binnen einer Woche sehr leicht zum Gesetze erhoben werden, so daß ׳wir noch in die« sem KrönmigSmonde vom Zwange befreit wären, unter welchem wir jetzt leiden und dessen Resultat es ist, daß wir verhindert sind, da» Sand unserer Geburt als unser HeimathSland zu betrachten. . Ich trat hier nicht als Sprecher irgend einer Confession auf; dazu bin ich nicht berechtigt; ich habe hier nur in eigener Person gesprochen. Im Uebrigen würde da- Ministerium durch die Borläge solch eine» Gesetzes, der Reichstag und König aber durch seine Annahme und Sanktionirung nicht allein mich, sondern eine .halbe Million Landesbewohner ermächtigen,. Ungarn als ihr Ba« terland zu erkenne». Nur bitte ich, meine Herren, eilen Sie!" 8. K. Ciueinuati. In einer nordamerikanischen religiösen Zeit« schrist befand, sich vor Kurzem eine Einladung zu einer freireligiösen Versammlung, die in der Uebersetzung so lautete: Freie Religion. Die Freunde radicaler Religion, vertreten durch die ״undenovainstillLl vnitnrier»" die ״Universalists“ die ״progressire Friend•“, die freisinnigen Juden und die Spiritualisten werden ein Meeting abhalten um die Bedingungen, Bedürfnisie und Ansichten freier Religion in Amerika in Erwägung zu ziehen: in Horticnlturvl Hall in Boston am Donnerstag, den 30. Mai 10 Uhr Vormittags. Eingeladeu zu sprechen find Herr R. W. Emerson, Robert Dak Ower, Fr. Lucretia Moll. Terra, T. W. Higgenson, D. A. Basson, Isaak M. Wise, F. E. Abbott, vr. Turneß, John Weiß, Henry Blanchard und Mor. Lilienthal. Unterzeichnet ist die Einladung von O. B. Trottingham, Wm. I. Potter und Rowland Eonner. Wir wollen nicht Unterlasten die Aufmerksamkeit unserer Leser auf diese» wichtige Faktum zu lenken. Die religiöS-reformistischeu Bewegungen in Amerika haben in letzter Zeit große Dimen. sionen angenommen; sie verdienen unsere Beachtung in um so hö. herein Maße, als auch unsere GlaubenSgrnoffen sich dabei betheiligen.. Die eingeladenen Redner sind zum Theil sehr einflußreiche Persönlichkeiten, fast alle Geistlichen; besonder» bemerkenSwerth ist die Thellnahme Emerson'», de« bedeutendsten, ja vielleicht de« einzigen Philosophen, den Amerika hervorgebracht hat, und de« vr. Turneß, eine« berühmten Kanzelredner«, der zugleich den Faust übersetzt hat, sowie der bekannten Ouäkerin Lucrttia Moll. Die Herren Wise und Lilienthal find Rabbiner und Redak« teure jüdischer Zeitschriften. Wir werden nicht verfehlen, seiner Zeit über den Erfolg de« Meeting zu berichten. Literarische Anilettea von I. Dyurb.*) VI. ' ■v Zur luxemburger Frage. Der bekannte Reisende R. Benjamin au» Tudela, der im 12, Jahrhundert von Spanien aus, Südfraukreich, Italien, die jonischen Inseln, Griechenland, die Türkei, Kleinasien. Syrien, Babylonien und Persien bereiste, dann über Arabien, Aegypten und Sizilien nach Europa zurückkehrte und die Erlebnisse und Er« fahrungeu seiner Reise, oft mit der Genauigkeit eine« TacituS, in einem noch heute werthvollen Werke niederlegte — hat auf seinen Jrrfahtten auch Vas heilige römische Reich deutscher Nation besucht, darin so manche Städte, vorzugsweise diejenigen am Rhein und Mosel, in welchen jüdische Gemeinden blühten, thcils selbst gesehen, theils wohl nur vom Hörensagen kennen gelernt und ver. zeichnet, darunter aber auch manche Städte mit so entstellten und unkennbar gemachte» Namen genannt, daß man sie nur schwer Piter ihrem wahren Namen wirderfinden kann, und unter solchen Städten nimmt diesmal vorzugsweise unsere Aufmerksamkeit jene Stadt in Anspruch, die nach Angabe de- R. Benjamin an der äußersten Grenze Deutschlands, 1b Tagereisen von Köln entfernt lag und קשנבורק hieß.') ׳ Dieser entstellte Ortsname, nach L'Empereuer s. v. w. Susenburg, nach Asher s. v. w. Kassanburg bedeutend, ist offenbar weder der eine noch der andere dieser unseres Wissen» l —fc. .. - *) In Bezug auf die gegen un« in Nr. 26 d. Bl. S. so« 2. Spalte, gerichtete Bemerkung haben wir dem geehrten Herrn Anonymus, der offenbar im bezüglichm Literatnrgebiete eine Autorität ist, Folgendes zu erwidern: I) Au» der Talmudstclle, wo R. Achai den Babyloniern mit den Worten empfohlen wird: ,Mab« Achtung vor R. Achai, der die Augen der Exilsgenossen erleuchtet", wird doch wohl Hr. Anonymus selbst gewiß nicht den Schluß zie. hen wollen, als ob R. Achai schon den stehenden Titel ״keuchte de« Exil»", geführt hätte, so wenig, wie man etwa au» einer ander» im Talmud vor. kommenden Formel, nämlich: Habt Achtung vor NN, der ein großer Mann ist, folgern könnte, al« ob die betrtffende Persönlichkeit den stehenden Titel ״Großmann" geführt hätte, und von etwa« anderen! als einem stehenden Titel dieser Art, der thatsächlich doch nur erst bei R. Gerschom vorkommt, haben auch wir nicht gesprochen. 2) Daß man später den einmal in Ausnahme gekommene» Titel ״Leuchte de« Exils" auch in ,Mater de« Exils" »der in ״Augenlicht de« Exils" umschrieb, beweist eben nur, daß man den fr. Titel im apprllativischrn Sinne genommen, den auch wir ihm ausdrücklich zuerkannten, entkräftet aber keineswegr unsre Meinung über den ersten EntstehungSgrund diese« Titel». S) Daß später dieser Titel auch Andern und zwar nicht blo» Raschi, sondern auch Rabbinen von weit geringerer Bedeutung, gelegentlich betgelegt wurde, kann un» mn so weniger Wunder nchmen, als selbst der Ti. tel ״Gaon", der ursprünglich gewiß doch nur ganz exclusiv war, in der Folge ei» Gemeingut oller Rabbiner von nux irgend welcher Bedeutung gcwor. den ist. *) Man sehe Benjomi« Reise», «d. L'Empereuer C. 128. •d. Asher I. 162. 27