Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 26 (28.6.1867)
- Date
- 1867-06-28
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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fkrtma Wochenschrift fkr IRdflch« Angelegeuheitrn. 906 dereinführung der Opfer - betonte und mit der Wiederherstellung de» Tempel» dieselbe in der Thal auch Blatt fand. Daß die Idee de» Opferdienste» im Judenchum nicht überwund« war, da« für spricht auch die Einführung de» katholischen Meßopfer», »elche», wenn e» auch nicht frei ist von Beimischung heidnischer Ideen, doch ursprünglich au» Anlehnung an da« jüdische Opfer entstand« ist. Menschenopfer aber hat da» Judenthu« von vorn, herein und durchweg verabscheut. Wenn diese Nach<chmmrg de» heidnischen BarbariSmu» in einzelnen Fällen vorkam, f» ist für eine solche Berirrung da» Judenchum al» solchenicht verant« wörtlich zu mach«, welche» stet» gegen solche Borkvmmniffe ge« eifert, ja sich gleichsam derselben geschämt hat. Vom religion»« geschichtlichen Standpunkte ist also Geiger im Rechte, ich vermag ihm indeß vom exegetischen Standpunkte nicht darin beizustimmen, daß die Erzählung von der Opferung Isaak'» einen Protest gegen da» Menschenopfer enthalte, und die Bedeutung derselben eigent« lich nicht in der Bereitwilligkeit Abraham'» und Isaak» zu dem verlangten Opfer zu suchen sei, sondern in dessm, wenn auch unfreiwilliger Unterlassung. Der Gott de» JudmthumS, meint Gei« ger, habe mit der Sistirnug de» Menschenopfer» deffen BerpSnung aussprechen wollen, welche» der Gott de» HeidenthümS von ihm gefordert habe. Ich sagte: vom exegetischen Standpunkte vermöge ich nicht beizustimm«, denn Geiger selbst gesteht zu, daß der biblische Berichterstatter die Sache ander» auffaffe und dar« stelle. Nach Geiger'» Deutung hätte Abraham» Bereitwilligkeit nicht als hohe» Verdienst ihm angerechnet, hätte nicht gerade dafür Lohn und Segen zugesprochen werden müssen. Die Gefahr der Menschenopferung, weit entfernt , äbgewendet zu sein, wurde gerade dadurch auf» neue wieder herbeigeführt. Versuchen wir daher eine andere Erllärung. Abraham wird erwählt und beruf«, die antiheidnische, mo« notheistische Gotte-erkeplitniß und Sittenlehre in der Menschheit zu verbreit«. Er erhielt und übernahm dies« heiligen , göttlichen Beruf für sich, seine Familie und seinen BolkSstämm. Im Sinne dieses Beruf» sind die an ihn ergangenen göttlichen Offenbar»»- gen zu deuten. Zunächst schon der Ruf zu ״wandern". Gott sprach zu Abraham: Geh' in da» Land, welches ich dir zeigen werde (Gen. 12, 1). Der Zweck dieser Wanderung war, Ber« breiter der Gotteslehre durch Wort und Beispiel zu werden. ״Durch dich sollen gesegnet werden alle Familien der Erde" (V. 4). ״Er zog von dort weiter . baute daselbst dem Herrn einen Altar und verkündete den Namen Gottes. Und darauf zog er wieder weiter und weiter" (B. 8 u. 9).. Erbe dieset Helligen Familien-Traditionen unter den Söhnen Abrahams wurde Isaak; unter deffen Söhnen übernahm Jakob diese Erbschaft, da Esau die Rechte wie die Pflichten seiner Erstgeburt verächtlich von sich wie». Der Ucbernahme dieser Erbschaft nun gilt die in Rede stehmde Prüfung Abraham»,' wie Isaak». Gott offenbart Abra- Ham, daß der heilige Beruf, die Hingebung an die heilige Sache Gotte» und der Religion in Zukunft den Bästrn wie -den Kindern schwere Opfer auferlegen werde, daß sie bereit sein müßten, für ein Lebe» in Wahrheit und Sittlichkeit da« Leb« selbst prei» zu geb«. Die Geltendmachung jeder Wahrheit und Ueberzengung in der Welt erfordert Kämpfe, besonders aber in der religiösen. Wie viel hat Israel dafür erdulden, wie oft' dm gewaltsamen Tod erleiden müffen! Wie manche Väter Hab« da gleich Abra« Ham ihre Kinder an den Altar Gotte» gebund« und in Wirflichfeit dem Herrn geopfert, mit eigener Hand getvdtet, um sie nicht in die Hände Andersgläubiger, welche zum Abfall sie zwing« wollten, fallen zn sehen! Zu keiner Zeit ereignete sich die» häu« figed, al» von den Zeiten der Krenzzkge an. Deshalb war die Ertuuerung an die Opferung Isaak« damal» auchvon besonderer Bedmtung. Die Akedah erscheint in allen Klag« J«rael» über seine Leid« und ist da von vorzüglicher Wichtigkett. Geiger schreibt diese Erscheinung dem Einflüsse de- Ehristenthum» zu, wo im heidnischen Anklange die Eelbstopferung eine hervorragmde Bedeutung erlangt huttvKSch lepgnm nichts daß christliche Idem mannigfach auf die Gestaltung de» jüdischen Sultu« und Leben» mit eingewirkt haben, aber z»r Erinnerung an die Akedah und zur Hervorhebung von deren Sinn und Bedeutung bedurfte e» einer solchen Einwirkung, nicht. $ie. Veranlassung dazu ward in genügendem Maße voll den ErekgMen der Geschichte gegeb«, mid e» ist, wie wenn die Darstellung der Bibel sie thpffch vorgezeichnet hätte. Isaak, al» einziger und von Gott erwählter Sohn Abra- Ham», der Repräsentant de» zukünftig« I»rael, ist gerettet wor« den, und so ward auch trotz aller Scheiterhaufen und Autodafe'» (Glaubensaltäre) Israel gerettet und erhalt«. Und diese gött» liche Gnade haben Israel wie Abraham gerade ihrer vollen Hin» gebung, ihrer Opferbereitwilligkeit zu dank« (B. 12 u. 16 f.), und die Bibel verfehlt nicht- "auch gerade daran d« Sieg der göttlich« Sache, die Anerkmnung der GotteSerkenntniß und Got» teSlehre bei allen Völkern der Erde zu knüpfen. ״E» werd« durch deine Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du auf mein« Ruf gehört hast" (B. 18). Wenn dabei, wie Geiger meint, die Verschiedenheit der bei» den GotteS-Namen von Bedeutung ist, so spricht diese für unsre Deutung. D«n die volle Bedruttmg de- Jhvh'«BegriffS war nach Ex. 6, 3 Abraham noch nicht belannt, und wenn, wie es hiernach den Anschein hat, Elohim den Vizzipuzli vertritt: so war eb« Abraham diesem heidnischen Gotte (שם חול) und seiner bar« barischen Aufforderung kein« Gehorsam schuldig, er mußte sich gegen ihnen auflehnen, er dürste auch nicht einmal den Versuch zur Folgeleistung machen. Dieser Anschauung entspricht aber die Darstellung der Bibel nicht, wie überhaupt diese ganze Nnterschei» düng zwischen dem guten und bösen^Prmcip in Gott weder bib« lisch, noch jüdisch ist. Da» Princip der strafend« Gerechtigkeit und lohnenden Liebe (הרחמים und מרת הדין) wird ausdrücklich als in Gott Eine« dargestellt. Die Möglichkeit, auch nur zum Scheine Menschenopfer verlangen, den ' Vater zum Abschlachten' seines einzigen geliebten Sohnes anffordern zu können, ist beim Gotte Abrahams gar nicht denkbar. DaS sind Eigenschaften de» bösen Princip», des heidnischen Gottes "dem Abraham nicht dient. Seine grausamen, barbarischen Anforderungen habe Abraham zu» rückweisen müffeu. Für den Gott Abrahams ist eine solche Auf« forderung gar nicht zulässig, aber deshalb auch nicht die Annahme, daß Abrahams Gfhorsam und Hingebung, daß sein weiches Vater» Herz zwecklos und unsinnig auf einem so Härten Steine hätte ge« prüft werden können und sollen. Die Erzählung ist daher nach unsrer Deutung vorblldlich und typisch zu erklären, auf die Opfer selbst die Todesopfer hindeutend, welche die Hingebung an die heilige Sache Gotte» Abrahams Nachkommenschaft, dem zukünfti« gen Israel, auferlegen werde. Der Widder hat nach dieser Auffassung auch eine andere Bedeutung, als die Aulässigstit de» Thier» statt veü Menschen- Opfers zu erklären. Der Widder bezeichnet hier sinnbildlich die Feinde Gotte«, die Verfolger Israels mid sener GotteSlchr«. Er^ stürmt mit den Hörne« zum Angriff auf Isaak, den Repräsru« tanten des zukünftigen Israel, will die Hecke, welche zu deffen Schutz aufgepflanzt ist, durchbrechen, verwickelt sich aber durch Gotte» gnädigen Beistand im Dickicht derselben, wird ergriffen lind fällt selbst zum Opfer. Di« feindlichen Völker Israel» sind