Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 25 (14.6.1867)
- Date
- 1867-06-14
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berliner Wochenschrift fitr gßdisch« Augelegacheiten. 197 woraus die dankbaren Zeitgenossen in wohlverdienter Anerkennung yt großen Verdienste diese- Manne-, die schmeichelhafte Bezeichnung Licht de- Exil-, machten, und so ist ihm die« ser Titel, der ihm von Geburt wie von Rechtswegen zukommt, dem! auch bis auf die späte Nachwelt geblieben. Meratur-Dencht. r- Aller Anfang »it Gott! Predigt, gehalten in der Synagoge zu Dijrkheim am siebenten Tage de- Pesachfestevon Df. Adolph Salvendi, BezirkSrabbiner. Auf allgemeines Verlangen dem Druck übergeben. Frank, furt.a. M. 1867. Den Text der Predigt bildet (Hohelied 2, 13) Anah dodi 1c., wadem Redner Veranlassung girbt, die Sprache de- Hv> hen Liedes zu preisen und sofort, mit einem kleinen Selbstlob, zu be« klagen ״daß die Kenntniß der Sprache, in der diese schönste aller Dichtungen uns als heilig überliefert worden, in der Gegen, wart immer mehr und mehr abzunehinen droht, da die sich so ungemein weise Dünkenden unserer Tage dieselbe von den heiligsten Stätten selbst gerne hinwegbanncn möchten, wenn nicht die viel bescheidener Denkenden und aus ihrer Unwissenheit weniger als Jene eine Tugend Machenden, solchem Ansinnen gewaltig in, den Weg treten möchten/' Der Redner hat bei diesem, vom Zaun gerissenen, Seiten, schlag unberücksichtigt gelassen, daß es ein Andereist, eine Sprache zu pflegen, und ein Anderes׳, m einer Sprache zu beten. Herr Df. Salvendi wird zugeben müssen, daß diejenigen, welche der Ansicht sind, daß ein vernünftiges Gebet auch verständig und verständlich sein müsse, und also am besten in der Mutterspräche, in gutem Deutsch verrichtet werde, — daß gerade diese Männer mit großem Eifer die hebräische Sprache und Literatur pflegen. — Will aber Herr Df. Salvendi eine ganzj besondere Pflege de- Hebräischen seinerseits durch eine besonders hervorragende Rücksichtslosigkeit gegen die deutsche Sprache T waltenden Vorsehung zuzuschreibra Gewohnte, zuzuschreiben sich gerade durch diese Wahrnehmungen mehr als jemals gedrängt Fühlende." Auch folgende Stelle (8. 9) ist nicht geeignet Herrn Dr. Salvendi als eine Autorität in Sprach-Angelegenheiten erschauen zu laffen. ״Bon ihren Uranfängen an mit zahllosen Feinden um ihre bloße Existenz kämpfen müssend, bei dem Hervortreiben der erst«, Blüchen von dem eisigen Winter grausanistrn Druckeheimgesucht, viele Jahrhunderte hindurch von Allem ausgeschlossen, wa« den Muth und da« Vertrauen zu sich selbst bedeutend zu heben, die Selbstachtung und Würde zu nähren und zu kräftigen, den Hortzont der Einsicht und Erkenntniß mächtig zu erweitern angethau ist, mit Gesetzen und Besttmmungen von den treuen Priestern und Regenten der ״Religion der Liebe" reichlichst beschenkt, die die tiefste Selbstverachtung erzeugen, und in Folge dessen immer mehr und mehr zum Abwerfen eine« religiösen BekenntnisieS bestimmen sollten, daseinen Gliedern solch' erdrückende Fesseln im staatlichen und gesellschaftlichen Leben anlege; mit einem Worte, von allen Seiten mit all' den Schlingen und Netzen umstellt, die die Pariader Gesellschaft, Israeliten genannt, sofort umgarnen und festhalten sollten, sobald sie es im Entferntesten wagen möchlen, die beengenden und beklemmenden Grenzen zu überschreiten, außerhalb welchen nur die Bekenner jener Religion der Liebe sich frei bewegen durften, erstarkten und erkräftigten die Ausgestoßenen und Verfolgten dennoch in sich selbst und ans sich selbst, durch den belebenden und erquickenden Quell, der ihnen in unerschvpf« lichcr Quelle floß, und der die sehr erklärliche Eigenschaft besitzt, daß man immer begieriger aus demselben schöpft, je öfter« man die unendlich wohlthuende und segen-volle Wirkung seine» Leben«- esementS, an sich erfahren hat." Noch ein ähnliche» Sätzchen aus dieser auf allgemeines Verlangen gedruckt worden seienden Predigt wollen wir der Heiterkeit der Leser nicht vorenthalten. ״Auf solch' geistige Höhen schwang sich, durch die beflügelnde Kraft der GotteSlehre, die Nation immer von Neuem empor, die uachweisen, so ist ihm dieser Schluß, in formeller Hinsicht wenigsten-, gelungen. Als Beleg diene folgende Stelle (S. 7): ״Wie viele sich allweise dünkenden Staatslenker wurden seit dem letzten Frühlinge von der Kurzsichtigkeit und Beschränktheit ihres Verständein demüthigendster und beschämendster Weise überzeugt! — Wie viele damals noch im höchsten Wohlstände sich befunden.Habenden mußten seitdem durch die alle LebroSverhältnisse in ihren Grundfesten erbeben gemachten Weltereignisse, ihre reichgefüllten Schatzkammern sich bis auf den Grund leeren, den Mangel und die Roth, die sie vorher nie gekannt, mit gewappneter Macht an sich Heranrücken sehen, ohne die Mittel zu finden, ihnen siege-gewiß entgegentrclen und in ihre dmiklen Schlupfwinkel, au« denen sie hervorgttreten, zurückdrängen zu können, und die in Folge besten an den letztverflostenen Peffachabenden mit vollem Rechte nicht H.eh&, sondern Ha lachma anja von sich und den Ihrigen sagen konnten, d. h. mit andern Worten: daß die bescheidenste Freude selbst, die ihnen jetzt zu Theil wird, mit der Herzenspein und Unruhe verbunden ist, unter der einst unsere Väter in Egypten ihr Brod zum schnellen AuSznge au» dem Lande ihrer Schmach und Bedrückung backen und genießen mußten. — Warum aber dir- Alle»? fragt der zu denken gewohnte Geist unwillkürlich. Wo sind die wahren Ursachen dieser betrü« benden Wahniehmungen zu suchen? fragt der nicht Alle« und Jedeeinem blinden Zufall, sondern einer höheren, unsichtbar man seit Jahrtausenden auf sehr verschiedene Weise und durch die erfinderischsten Pläne zu den tiefsten Tiefen de» Elendhinabzustürzen bemüht gewesen. In Nacht und Dunkel, die sie von Außen umgaben, unter den eisigen Stürmen grausamster und schrecklichste^ Verfolgungen, trieb sie all' die schönen und herrlichen GeisteSbtüthen hervor, die ihren duftigen Geruch durch den Lauf der Jahrtausende keineswegs eingebüßt, sondern beute noch wie ehedem dem kranken Herzen, der wunden Seele Heilung und Genesung, Labung und Stärkung bringen; die eine belebende Frische auShauchen, al« wäre der sie erzeugt habende Baum Jsrael von seinen Uranfängen an de» Glücke» jener Nation theilhast geworden, die der Prophet Jeremia so schön mit den Worten schildert: Schaanan Moab minßuraw, weschoket hu el-schemaraw, welo hurak mikkeli el-koli, ubagolah 10 halach: alken amad tamo ho, werecbo 10 namar! ״Sicher und sorglo« lebte Moab von seiner Jugend an, ruhte nnerschüttert auf seine« Hefen, ward nicht geleert von Gefäß zu Gefäß, und ist nie in Verbannung gezogen: darum blieb sein Geschmack ihm und sein Geruch unverändert!" Hoffen wir, daß der Geschmack de- Herrn Prediger« und der allgemein verlangt Habenden nicht unverändert bleibe!