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Die Gegenwart · 1867-06-14 · 25 (14.6.1867) · p. Seite 194

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
25 (14.6.1867)
Date
1867-06-14
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Die Segeilwart. An unsere Landsleute iu der^Heiwäjhk .^it^Jahr und Tag hat sich da« dringende BedärfuH herauSgestekkt, «tite gute deutsche Schule in Konstantinopel zu gründen. Dielfach haben Berathungen darüber unter den Mitgliedern der hiesigen deutschen Colouie stattgesmldep, auch shid beachtungSwerthö Versuche gemacht worden, ein sächeS Institut ivS Leben, zu rufeit» dich erst in der letzten Zeit ist e« gelungen da« Projekt seiner Derwirklichung näher zu rücken. Hervorgegangen au« jöesprcchungen einer Anzahl sich besonderdafür interessirender Männer, und nach einegehenden lind erschöpfenden Borberathungen derselben, hat sich schließlich eine allgemeine Versammlung'Vcr Evlonie slir die unkedingte Nothweudigkeit und Nützlichkeit einer Schule ausgesprochen, da da-, was bisher unter diesen Namen bestand, sich als lebenSunfähig erwiesen hat, und seiner Einrichtung nach weder allgemeineS Interesse erregen noch dem hohen Zweck entsprechen konnte. Im weiteren Verlauf der Angelegenheiten hat sich eine deutsche Schulgemeinde gebildet, welche auf Grund der Gleichberechti« gung aller Glaubensbekenntnisse und der Selbstverwal« tung durch die Gemeindeglicder ein Statut zur Gründung einer paritätische» Bürgerschule angenommen hat. Für die Zahl und die BermögenSverhältniste unserer Evlonie sind sehr reichliche Beiträge, sowohl zum Gründung--, rcsp. Reservefonds, als auch jährlich gezeichnet worden, wobei unsere Schweizer Freunde uns in erfreulicher Weise unterstützt haben. Wollten wir nicht dem überaus!nächtigen Einfluß der unter französischem Schutz stehenden Iesuitenmission, welche, mit Ausnahme des türkischen und orthodox griechischen Elementes, hier leider fast das ganze Erziehungcwescu an sich gerissen hat, freie Bahn lasten und die deutsche Jugend hcinlischcr Sitte und Bildung entftemden, so war cS höchste Zeit, daß wir energisch anS Werk gingen, um die Zukunft der Eolonie vor Entgermanisirung zu behüten. ES bedarf wohl keine- Hinweises darauf, was die Propaganda der Jesuiten hier bezweckt; Staat und Ordenözweck haben sich seit Jahrzehnten dabei in die Hände gearbeitet, und selbst zur Zeit, al» die Religion in Frankreich officiell abgeschafft war, wurde die Mission im Orient von der französischen Republik nach wie vor unterstützt. Zur Gründung und Aufrechterhaltung einer guten Schule in Konstantinopel bedarf es großer Mittel, um so mehr, als nach unseren Statuten den Kindern armer und weniger bemittelter deutscher und Schweizer Eltern der Schulbesuch ermöglicht werden soll, wir also im Schulgeld einen erheblichen Ausfall zu gewärtigen haben. WaS von der Evlonie geleistet werden konnte, ist fast allseitig geschehen; aber soll das Unternehmen gesichert sein, nnd wollen wir tüchtige Lehrkräfte beanspruchen, und nur auf solche reflcctiren wir, so muß uns von draußen Unterstützung werden. Zu jeder Zeit hat sich die hiesige deutsche Evlonie bereit gezeigt, jedem berechtigten Ansinnen, welches an sie innerhalb derselben oder von Deutschland aus gestellt wurde, sei e« zur Linderung von Nothfäüen, sei es für patriotische Zwecke, in, wir glauben sage» zu dürfen, ehrender Weise zu entsprechen; heute ist cS zum erstenmal, daß sie sich an ihre Landsleute in der Heimath wendet, um für einen hochwichtigen Zweck Beihülfe zu erbitten; wie wir stetein warme- Herz für deutsche Noth und unser deutsche» Daterland, auch stet« eine offene Hand zum Geben hatten, so wollen wir auch fest und bestimmt glauben, daß unser Ruf nicht umsonst erklingen wird. Da» deutsche Element in Stambul vor Snlfremdüng, Unbildung und Berbilduug in schlimmster Form und Weise zu bewahre», gründen wir eine deutsche Bürgerschule für alle deutschen und Schweizer Kinder ohne Rücksicht..auf Stand und GlaubenSbekenntniß, und hierzu möge un« ein jeder daheim, dem e» möglich ist, nach seinen Kräften helfen. Konstau- >1twop^,^1m Dsti 1867* TaS pHodisorische Eomitö der deutschen Tchnffzemeiud«: SieWffStz ÄdLdr (Frank und Adler) aus Böhmen. Gustav Gerde« (Gerde--und Guggiari) aus Remscheid. Wilhelm Heintze au« Hannover. Friede. Heer auS Glarus. Siegstied Kurlsiud«^, au« Byraflbchg. Heinrich Lange ÄR- Wold bei Solin-etil' tzdiedt.'stt ers^viedr. Nej zach Söh1i> au» Solingen. Ä. H. Rieckehoff auS Bremen. Ehr. Roth aus Koblenz. Gustav Wülfing aus Remscheid. (In Stuttgart wird Hr. Rudolf Knosp die Güte haben gefällige Peiträge anzuneh« lneii und auch darüber Abrechnung zu ertheilen.) ׳ - -ך - - ״—. ....... -- — -; > x-., ■■Jy7 — Ist das Zergliedern Mischer Zeichen zu Heilzwecken nach > den Religions-Gesetzen verboten? Dies^ Frage ist der Gegenstand eines Aufsätze» in den mir zugänglich gewordene» hinterlastenen Aufzeichnungen de» früher auf der medizinischen Laufbabn und später ans dem atlantischen Occan verunglückten RabbinatSkaudidaten Israel C . . . g. Die Aufmerksamkeit des Lesermöge zuerst einen kurzen Ueberblick auf die Geschichte eines Opfers des Kommen Wahnbegünstigen. JSr. C... g war in Deutschland am Fuße deS ** Gebirges zu Anfang de» vierten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts geboren. Sein Vater, ein frommer Gläubiger der starrsten Orthodoxie, bestimmte, dieser Richtung gemäß, den Sohn, welcher schon in seinen frühen Knabenjahren Proben eines zu großen Hoffnungen berechtigenden Talentes zeigte, für das Studium de- Talmud, ohne mit dieser Destiinniung irgend einen klaren Gedanken über die später nothwendig werdende Wahl einer Stellung in der bürgerlichen Praxis zu verknüpfen. ״Israel soll vor Allem, sagte der froinme Mann, die heilige Religion in sich aufnehmen und die Kenntniß des heiligen Worteunserer Weisen, den Talmud, die Grundlage und die Seele alles Wissen«; für den Beruf im irdischen Leben wird ha-Schein jisborech (der Name Gotte«, gelobt sei er!) schon sorgen." Israel wurde zur Erfüllung der väterlichen Absicht nach einer größeren Talmudschule in der mehrere Meilen entfernten Stadt * * geschickt, wo er zugleich Unterricht in der Elementar- Schule erhielt, und wo er mehrere Jahre streng nach den Satzungen und mit vielem Fleiße dem Studium des Talmud lebte, aber in der letzten Zeit auch au» seinem Umgänge mit einem freisinnigen Arzte, welcher selbst vor seinen akademischen Jahren Talmud- Kenntniß erworben hatte, leisen Verdacht gegen die Wahrheit mancher bisher für unfehlbar gehaltenen Voraussetzung schöpfte. Bei seiner Eonfirmation (Bar Mizwa) nach zurückgelegtem 13. Jahre hielt der junge Talmudist vor den versammelten Fachgelehrten seiner Heimath einen bewunderten Bortrag voll scharfsinniger Combinationen und vieler Belesenheit. Der Vater war glücklich, wie Rabbi (Jehuda Ha-Nasi), der seinen Sohn Simon zum Lohne für eine treffende Bemerkung ״Licht Israel«" nannte, wa»' unser alter E. noch dazu mit Anspielung auf dey Namen des Sohnes sagen konnte. So glücklich aber auch der Vater über da« feier« liche Specimen der Gelehrsamkeit seine- Kindes und so groß auch der Beifall der versammelten Freunde war, so trübten doch 'Zwei Zuhörer durch ihr kalte« Schweigen den Triumph, und diese waren gerade die UrtheilSberechtigtsten, nämlich der Rabbiner I. K. und der alte Lehrer M. G. Sie fauden nämlich in der casuistischeu Entwicklung des Vortrags gefährliche Elemente der neuem Anschauungen über Geist und Verbindlichkeit de- Talmud, und der Rabbiner sagte dem Lehrer in's Ohr: ״Jch^fürchte, der kleine

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