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Die Gegenwart · 1867-06-14 · 25 (14.6.1867) · p. Seite 193

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
25 (14.6.1867)
Date
1867-06-14
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
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/ ׳י/ י Die Gegenwart liticilui Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freilag, dm 21. Juni. Mist. 25. Erster Jahrgang. 1867. Mit dtr. 2?. beginnt das dritte Quartal, wir er« suchen HSflichst, daß Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollm, damit in der Zusendung keine Unterbrechung erfolgt. -ie Expedition. Inhalt: S«rrr»P«»dn»1e»: Bertiu, Prag, Pest, Ungarn, Haag, Konstantmopel. —.Ist das Zergliedern jüdisch« Lachm za Heilzwecken nach dm Religion«. Gesetzen v«b«tm? — Litaarische Aoalekten. — Litrratar-Wrricht. — Historisch« Rotizen. — * *ermischle«. — Vacaaimliste.-Inserate. 1 * Berlin, Anfang« Juni. Unter diesem Datum schreibt der in Szegedin (Ungarn) von dem dortigen Oberrabbiner Leopold Löw herausgegebene ״Ben Ehananja" Folgende«: ״Für die Wahl Geiger« werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, e« soll sich nur um wenige Stimmen in der Repräsentantenversammlung Han« dein, der bei weitem größte Theil der Repräsentanz wie der Ge» meinde selber wird sich der Bedeutung Geiger« sowohl awMan« neder Wissenschaft, wie der Tragweite seiner Macht inumrkla« rer bewußt, e« cirkuliren innerhalb der Gemeinde gedruckte Listen, die zu Petitionen auffordern an die Vertreter, die so unendlich wichtige Angelegenheit durch die Berufung Geiger« zu einem heil« samen Abschtuffe zu bringen. Daß von der gegnerischen Seite selbst zu unwürdigen Mitteln gegriffen wird, um Geiger« Wahl zu Hintertreiben, daß man in den Tagesblättern, da Geiger« wissenschaftliche Leistungen unanfechtbar, .Den Redner in ihm herabzufetzen sich bemüht,;u Recherchen auffordert in Breslau und Frank« surt über Geiger« Predigertalent ״um nicht zu spät enttäuscht zu werden" — da« Alle« darf von diesem Lager au« nicht Wunder nehmen. Schreiber diese«, der Geiger jahrelang in BreSlau predigen hörte, dem unsere besten und berühmtesten Kanzelredner per« sönlich bekannt sind, kann, wa« die Meisten, die Geiger kennen gerne bestätigen müffen, versichern, daß Geiger ein Redner pur excellence, daß ganz abgesehen vom Inhalt seiner Reden, Geizer ein angeborene« Rednertalent besitzt, da« durch eine mächtige klang« volle Stimme gehoben, sich gewiß in Berlin rasch zur Geltung und zum Durchbruch bringen wird." Wa« nun? Pr«g, den 25. Mai. Heinrich Heine hat mit seiner bekannten mystischen Klage: ״Keinen Kadisch wird man sagen — keine Meffe wird man lesen" u. s. w., und mit seinen ״Bekennt« uiffen" in dem Schauspieler Moritz Rott einen Nachfolger gefanden. Moritz Rott wurde in Prag am 10. Mai 1797 gebogeboren, war der Sohn frommer israelitischer Eltern und wurde Mose« genannt. Einer der größten Talmud-Gelehrten seiner Zeit, Michael Bacharach, war ihm zum Gevatter ״gesessen"; al« Knabe erhielt er eine jüdische Erziehung und mußte noch, selbst viel im ״Talmud lesen". -י Später trat er zum Ehristenthum über, und zwar jur evangelischen Kirche. Bor seine« Tode müs« sen ihn Anwandlungen von Reue über seinen Glauben-Übertritt befallen haben, denn in seinem Testamente, da« in Abschrift jüngster Tage an den ersten Rabbiner in Prag gelangt ist uud in welchem sich zahlreiche Legate für alle seine hiesigen israelitischen Verwandten befinden, fand sich auch eine Summe auSgesetzt. welche zu einer Stiftung für den Prager Rabbiner verwendet werden soll, damit derselbe in jedem Jahre am i«raelittschen Ber« söhnung«tage, wo bei der sogenannten Todtenfeier die Namen aller versterbet»« hervorragenden Männer und Wohlthäter der Gemeinde für ewige Zeiten in Erinnerung gebracht werden, auch seinen Namen an heiliger Stelle nenne. Um aber das Verdienst zu haben, unter die Wohlthäter der Prager i«raelitischeu Snltu»- gemeinde gezählt zu werden, soll er auch eine wohlthätige Etiftung für dir Israeliten seiner Vaterstadt errichtet haben. Pest, 15. Juni. In einer heute stattgehabtcn Confrrenz de« Klub« der Deakschen Partei, beanttagte der Abgeordnete SomSsich einen Gesetzesvorschlag, durch welchen da« Wahlrecht in Ungarn auch auf die Juden ausgedehnt werden soll. Die anweseuden Minister erklärten, daß im bevorstehenden Herbste die Austsxstmge iw Verbindung mit einem vön der Regierung einzu« bringenden JacolatSgefetze erledigt werde» wird. Au« Ungar« im Jnui. Wie e« sich von selbst versteht, so ist bei der am 8. d. M. in Ofen stattgehabtrn Krönung«« feierlichkeit auch die dasige israelitische Gemeinde nicht uubethetligt geblieben. Ein Fest-Bericht im ״Reue» Wiener Fremdew Blatte" vom 11. sagt hierüber: Die Judengemeinde der alten Magharenstadt hatte sich auf dem Ofener Schloßberge ver« sammett und Unter einem kostbaren Baldachin, der mit allen Po« rauche« (Vorhängen der heiligen Lade) behängen war, die Thora ausgestellt, während der Rabbi bereit stand, dm vorüberziehenden Mouarchm zu segnen. * Haag, I I. Juoi. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer ist der Antrag de« Herrn de Brauw auf eine Umgestal« tung der Gesetzgebung über dm Elementar-Unterricht zur DiScussion zogelaffm worden. Dieser Antrag bezweckt die Einführung von confessionellen Schulm anstatt der jetzigm, welche für alle Eonfesfionen gemeinsam sind, und zu dem Ende eine Acnderung de« Gesetzevon 1857 über den Elementar-Unterricht. Seit mehreren Jahres schon arbeitet die orthodoxe Partei sowohl der Protestanten wie der Katholikm für diesen Zweck, doch ist ihre Agitation bisher immer gescheitert, weil die Konstitution selbst be« stimmt, daß bei dem öffmtlichen Unterricht alle religiösen Mein»»׳ gm gleichmäßig respektirt werden sollen. Der Minister de« In« nem, Hr. Heem-kerk, hat gelegmtlich der Debatte über da« Bud« get erklärt, da« Kabinet würde da« Gesetz von 1857 unter allm Uwstäudea aufrecht haltm. נ Ko«stauti»opel, im Mai. Wir halten e« für Pflicht nach« stehmden Aufruf zur Gründung einer deutschen Bürgerschule in Konstantinoprl zum Abdruck zu bringen. *6

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